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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Elbe (A. von der) - Elberfeld
in Dresden 62697 t, in Magdeburg 244 918, nach Berlin gingen 74 308, Hamburg erreichten noch 17812, Cuxhaven 33 t.
Gefürchtet ist die E. durch ihre Überschwemmungen, von denen in Zeiträumen von 14 bis 16 Jahren solche von besonders nachteiligen Folgen aufzutreten scheinen. In schlechtem Andenken stehen den Uferbewohnern nach dieser Richtung hin die Jahre 1774, 1799, 1815, 1830, 1845, 1862 und 1890. In neuester Zeit ist durch rechtzeitige telegr. Meldung und durch die Sorgfalt der Gemeinden den Nachteilen einer überraschend hereinbrechenden Flut möglichst vorgebeugt worden.
Litteratur. Semmler und Münnig, Der Elbstrom von seinem Ursprung bis zu seiner Mündung, malerisch, topographisch und historisch dargestellt (Dresd. 1845); von Böse, Allgemeine geogr. und hydrotechnische Beschreibung der E. (Annab. 1852); Die Elbzölle. Aktenstücke und Nachweise 1814-59 (Lpz. 1860); Statistik des Deutschen Reichs, in den jährlich erscheinenden Heften: "Verkehr auf den deutschen Wasserstraßen".
Elbe, A. von der, Pseudonym der Schriftstellerin Auguste von der Decken (s. d.).
El-Bekaa, das alte Cölesyrien, s. d. und Syrien.
Elbekosteletz, czech. Kostelec nad Labem, Stadt im Gerichtsbezirk Brandeis der österr. Bezirkshauptmannschaft Karolinenthal in Böhmen, links an der Elbe, hat (1890) 2458 meist czech. E., Post, Telegraph, in Garnison (144 Mann) die 3. Eskadron des 7. böhm. Dragonerregiments "Karl V. Leopold, Herzog von Lothringen und Bar", eine große Reiterkaserne (1816); Zuckerfabrik und Walzmühle. - Bei E. wurden 1424 die Prager vom Hussitenführer Zižka geschlagen, im Dreißigjährigen Kriege war die Stadt von den Sachsen besetzt, 1639 wurde sie von den Schweden unter Banér erobert und verbrannt.
Elben, Naturgeister, s. Elfen.
Elben, Otto, Publizist und Politiker, geb. 30. Jan. 1823 in Stuttgart, studierte in Tübingen die Rechte, machte größere Reisen und trat 1847 in die Redaktion des von seinem Großvater begründeten "Schwäbischen Merkur" in Stuttgart ein, dessen Leitung er 1854 übernahm. In allen Fragen der deutschen Politik, vom Beginn des schleswig-holstein. Streites bis zum Eintritt Württembergs in das Deutsche Reich und bis zu den neuesten politischen, volkswirtschaftlichen und kirchenpolit. Kämpfen, verteidigte E. in seiner Zeitung den nationalen Standpunkt. Der württemb. Zweiten Kammer gehörte er 1868-82 für Böblingen an und trat hier der demokratischen Partei mit Energie entgegen; seit 1871 war er ständiger Referent der volkswirtschaftlichen Kommission über den Eisenbahnbau und machte sich als solcher um das Verkehrswesen verdient. Als Mitglied des Reichstags 1871-76 für Böblingen-Leonberg-Maulbronn-Vaihingen schloß E. sich der nationalliberalen Partei an. Seinem 1873 im Reichstage angenommenen Antrag auf Errichtung eines Reichseisenbahnamtes gab die Reichsregierung alsbald Folge. Auch wurde 1849 von ihm der Schwäbische Sängerbund und 1862 unter seinem Vorsitz in Coburg der Deutsche Sängerbund gegründet. E. veröffentlichte: "Die Entbindung von der Instanz" (Tüb. 1846), "Zur Einführung der Schwurgerichte in Deutschland. Beobachtungen aus den Gerichtssälen Frankreichs und Englands" (Stuttg. 1848), "Der volkstümliche deutsche Männergesang. Geschichte und Stellung im Leben der Nation" (Tüb. 1855; 2. Aufl. 1887), "Geschichte des Schwäbischen Merkurs" (Stuttg. 1885).
Elberfeld, Stadt und Stadtkreis (3132 ha) im preuß. Reg.-Bez. Düsseldorf, eine der reichsten und wichtigsten Fabrikstädte Europas, liegt unter 51° 17' nördl. Br. und 7° 10' östl. L. von Greenwich, in ungefähr 156 m Höhe (Wupperspiegel), im Thale der 27 m breiten Wupper, die die Stadt von Osten nach Westen der Länge nach durchfließt, und stößt im Osten an Barmen.
Bevölkerung. Die ortsanwesende Bevölkerung betrug 1816: 21710, 1871: 71384, 1880: 93538, 1885: 109218 und 1890: 125899 (60698 männl., 65201 weibl.) E., d. i. eine Zunahme (1885-90) von 16681 E. oder 15,i Proz. oder jährlich 3336 Personen. Die Zahl der Geburten betrug (1891) 4903 (147 Totgeborene), der Sterbefälle 2571, der Eheschließungen 1197; der Zugezogenen 18003, der Abgezogenen 17 626. In 6861 bewohnten Wohnhäusern und 69 andern bewohnten Baulichkeiten befanden sich 26744 Haushaltungen und 50 Anstalten für gemeinsamen Aufenthalt. Dem Religionsbekenntnis nach waren 91025 Evangelische, 32163 Katholiken, 1333 andere Christen und 1378 Israeliten. Von den 125899 E. sind geboren in der Stadt E. 72206 (34572 männl., 37634 weibl.), im übrigen Preußen 47511 (22449 männl., 25062 weibl.), im übrigen Deutschen Reiche 4960 (2962 männl., 1998 weibl.), im Auslande 1222, einschließlich 11 mit unbekanntem Geburtslande. Rechnet man hierzu noch die Bevölkerung derjenigen Nachbargemeinden, die in enger Interessengemeinschaft mit der Großstadt stehen, so beträgt die Einwohnerzahl des industriellen Weichbilds von Groß-Elberfeld etwa 134000 E., die des benachbarten Groß-Barmen (s. Barmen) beträgt etwa 126000 E.; demnach hat das Industriecentrum Elberfeld-Barmen insgesamt etwa 260000 E.
Anlage, Straßen. Die ältern Stadtteile sind unregelmäßig und eng, die neuern, namentlich seit den siebziger Jahren entstandenen, zeichnen sich durch zahlreiche schöne Privatgebäude aus. Der schönere Teil, das Villenviertel der Stadt, gruppiert sich im SW. um die König-, Briller-, Sadowa-, Viktoria- und Platzhoffsstraße am Abhang des von einem Aussichtsturm gekrönten Nützenberges. Ein zweites Villenviertel ist am Zoologischen Garten im Entstehen. (Hierzu ein Plan: Elberfeld-Barmen, mit Verzeichnis der Straßen und öffentlichen Gebäude.)
Bauten, Denkmäler. E. hat 10 evang. Kirchen, darunter 3 reform. und 1 niederländ.-reform., 3 kath. Kirchen und 1 Synagoge. Von den zahlreichen, prächtigen Gebäuden sind zu nennen: das Rathaus, das Landgericht mit Vorhalle (im großen Saal "Jüngstes Gericht" von Baur-Düsseldorf), das Krankenhaus, das Gebäude der königl. Eisenbahndirektion (früher der Bergisch-Märkischen Eisenbahn), das Neviandtstift und das Schlachthaus am Arrenberg, die Post, die Reichsbank, das Waisenhaus, Irrenhaus, das neue Erbschloëstift, das Stadttheater und die Gebäude der höhern und Volksschulen. Auf dem Brausenwerther Platz erhebt sich das Reiterstandbild Kaiser Wilhelms I., auf dem Neumarkt das des Kaisers Fried-^[folgende Seite]