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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Elberfelder System - Elbing
sehenen Höhenzüge von großer Schönheit. Von parkähnlichen und Waldanlagen sind besonders hervorzuheben der Zoologische Garten, in landschaftlicher Hinsicht einer der schönsten in Deutschland, die Hardt mit Denkmälern (s. S. 977 a) und einem Aussichtsturm auf der Elisenhöhe, die Parkanlagen Nützenberg (261 m), Mirkerhain, Friedenshöhe, Friedrichsberg, die Königshöhe und der Kiesberg mit massivem Aussichtsturm, ferner der große königl. Forst Burgholz, die schönste und größte Waldung der Umgegend. Die Höhen gewähren prächtige Fernsichten nach Westfalen und in die Rheinebene.
Geschichte. An der Stelle, wo jetzt E. steht, befand sich im 12. Jahrh. eine Burg der Dynasten von Elverfeld, ursprünglich ein Lehen des Erzbischofs von Köln, später im Besitze der Herzöge von Berg. Die erste Ansiedelung im Wupperthale wurde durch das klare, zur Bleiche ganz besonders geeignete Bergwasser der Wupper veranlaßt, und 1532 erhielten die Ansiedler der sog. Freiheit ein Privilegium auf die Garnbleiche. Erst 1610 wurde E. die Stadtgerechtigkeit zugeteilt. Größere Bedeutung erlangte E. durch seine Industrie erst seit der letzten Hälfte des vorigen Jahrhunderts, namentlich auch durch die Kontinentalsperre, die die engl. Konkurrenz ausschloß. 1815 kam es mit Berg an Preußen. - Vgl. Coutelle, E., topogr.-statist. Darstellung (Elberf. 1853); Langewiesche, E. und Barmen. Beschreibung und Geschichte dieser Doppelstadt des Wupperthals (Barm. 1863); Statist. Darstellung des Stadtkreises E. (Elberf. 1869); Wilh. Crecelius, Beiträge zur bergisch-niederrhein. Geschichte (in der "Zeitschrift des Bergischen Geschichtsvereins", Bd. 27, ebd. 1891).
Elberfelder System, s. Armenwesen (Bd. 1, S. 904 a).
Elberich, Zwerg, s. Alberich.
Elbeseifen, s. Elbe (S. 973 a).
Elbe-Spree-Kanal, projektierte Verbindung zwischen Elbe bei Grödel (unweit Niesa) und Spree bei Berlin. Der Kanal soll in nördl. Richtung über Baruth und mit Benutzung verschiedener Seen in die Dahme und hiermit in die Spree geleitet werden. (S. auch Schiffahrtskanäle.)
Elbsteinitz, czech. Týnice Labská, Stadt in der österr. Bezirkshauptmannschaft und dem Gerichtsbezirk Kolin, malerisch auf einer Anhöhe am rechten Elbufer und an der Linie Wien-Brünn-Prag-Bodenbach der Österr.-Ungar. Staatsbahn gelegen, hat (1890) 2790 czech. E., Post, Telegraph; zwei amerik. Kunstmühlen, Maschinen-, Lack- und Lederfabrik.
Elbethalbahn, Strecke der Österr. Nordwestbahn, von Lissa nach Aussig und über Tetschen nach Mittelgrund (121,5 km, 1874 eröffnet).
Elbeuf (spr. -böff), Hauptstadt des Kantons E. (97,45 qkm, 10 Gemeinden, 43341 E.) im Arrondissement Rouen des franz. Depart. Seine-Inférieure, 21 km südwestlich von Rouen, links an der Seine, am Fuße waldiger Hügel, in einem herrlichen Thale an der Linie Oissel-Serquigny der Franz. Westbahn und an der Lokalbahn Dreux-Elbeuf (90 km), mit Rouen durch Dampfschiffahrt und mit St. Aubin durch eine Hängebrücke verbunden, hat (1891) 20331, als Gemeinde 21404 E., drei Pfarrkirchen, Handels- und Friedensgericht, einen Gewerberat und Gewerbekammer, einen Flußhafen, eine archäol. Gesellschaft; Tuchfabriken (mit 91 Dampfmaschinen von 1000 Pferdestärken) und Fabrikation von Walkseife, Öl, Chemikalien, 17 Färbereien und 9 Wollspinnereien, welche jährlich für 40-50 Mill. Frs. Wolle verarbeiten, Manufakturen von gewürfelten Shawls und von verschiedenen Modeartikeln. Die gesamte Industrie des Ortes liefert jährlich für 80-90 Mill. Frs. Stoffe. - Tuchmacher und Tapetenwirker gab es schon vor dem 16. Jahrh. daselbst; durch Colbert wurde 1667 die erste Tuchfabrik angelegt, die bald Berühmtheit erlangte. Infolge der Aufhebung des Edikts von Nantes 1685 wanderte die Mehrzahl der Tuchmacher aus; erst nach der Revolution von 1789, namentlich aber seit der Trennung Belgiens von Frankreich, hob sich die Industrie wieder.
Elbfall, Elbgrund, s. Elbe (S. 973 a).
Elbherzogtümer, Bezeichnung der Herzogtümer Schleswig und Holstein, insbesondere in den Befreiungskämpfen 1848-64.
Elbing, Fluß im preuß. Reg.-Bez. Danzig, bildet den 18 km langen schiffbaren Abfluß des Drausensees (s. d.), ist nach Westen hin bei Zeier mit der Nogat, dem östl. Arme der Weichsel, durch den 6 km langen Kraffohlkanal verbunden und mündet unterhalb E. in das Frische Haff. Er trägt bis zur Stadt E. kleine Seeschiffe.
Elbing. 1) Landkreis, ohne Stadt E., im preuß. Reg.-Bez. Danzig, hat 607,79 qkm, (1890) 37610 (18528 männl., 19082 weibl.) E., 1 Stadt, 90 Landgemeinden und 49 Gutsbezirke. - 2) E., poln. Elblong, Kreisstadt im Landkreis E. und Stadtkreis (12,39 qkm), an der schiffbaren Elbing (s. d.), 8 km von seiner Mündung, und an den Linien Kreuz-Königsberg und E.-Osterode (76 km) der Preuß. Staatsbahnen, ist freundlich und sauber gebaut mit zahlreichen Giebelhäusern (15. bis 18. Jahrh.), Sitz des Landratsamtes für den Landkreis E., eines Landgerichts (Oberlandesgericht Marienwerder) mit acht Amtsgerichten (Christburg, Deutsch-Eylau, E., Marienburg, Riesenburg, Rosenberg, Stuhm, Tiegenhof) und Kammer für Handelssachen, Amtsgerichts (zugleich Schiffsregisterbehörde für den Küstenbezirk des Frischen Haffs von Tolkemit bis zur Nogatmündung), Hauptsteueramtes sowie einer Reichsbankstelle und hat (1890) 41576 (18990 männl., 22586 weibl.) E., darunter 32104 Evangelische, 8115 Katholiken, 873 andere Christen und 484 Israeliten, Post erster Klasse mit Zweigstelle, Telegraph; fünf evang. Kirchen, darunter die aus einem ältern Bau in spätgot. Formen (15. bis 16. Jahrh.) umgebaute Marienkirche mit schönen Schnitzaltären, eine kath. und zwei mennonitische Kirchen, eine Baptistenkapelle und eine Synagoge; ein königl. Gymnasium, 1536 gestiftet, bis 1847 städtisch (Direktor Dr. Toppen, 16 Lehrer, 9 Klassen mit 222 Schülern, 2 Vorklassen mit 47 Schülern), mit der Stadtbibliothek (28000 Bände), ein Realgymnasium, 1841 als höhere Bürgerschule eröffnet (Direktor Dr. Nagel, 17 Lehrer, 9 Klassen mit 292 Schülern, 2 Vorklassen mit 60 Schülern), höhere Mädchenschule mit Lehrerinnenseminar, zwei Mittel- und neun Elementarschulen, eine Taubstummenschule, ein Waisenhaus und gut eingerichtete Armen- und Krankenanstalten (städtisches Krankenstift, Diakonissen-Krankenhaus). Die sehr bedeutende Pott-Cowlesche Stiftung, aus der viele Wohlthätigkeitsanstalten unterstützt werden, verdankt ihre Begründung dem