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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Elektricitätswerke
dorfer Elektricitätswerk (1892) zwei Dampfmaschinen von je 3-400 Pferden mit je einer zugehörigen Dynamomaschine, und die neuen Stationen der Berliner Werke haben 1200pferdige Dampfmaschinen mit je zwei zugehörigen Dynamomaschinen, je eine an jedem Ende der Welle.
Der Strom ist in der Mehrzahl der Werke, ebenfalls nach dem Vorbilde von Edison, Gleichstrom, es giebt aber auch bereits eine Anzahl vorzüglich arbeitender Wechselstromwerke, so unter andern die in Rom, Wien, Amsterdam und in Köln. In Cassel wird der Strom in der 6,5 km von der Stadt an der Fulda gelegenen Hauptstation als hochgespannter Wechselstrom erzeugt. Er treibt zwei in Unterstationen in der Stadt aufgestellte Elektromotoren, die wieder als Antrieb für Gleichstrom-Dynamomaschinen dienen, die mit ihnen auf derselben Welle montiert sind. Der Betrieb ist also ein indirekter unter Vermittelung elektrischer Kraftübertragung; um an Kupfer für das Kabel dieser Übertragung zu sparen, mußte Hochspannstrom, und da dieser als Gleichstrom schwer zu erzeugen, Wechselstrom angewendet werden. (S. Elektrische Kraftübertragung.) In Heilbronn ist aus demselben Grunde Drehstrom verwendet.
Das Verteilungsnetz ist bei den Gleichstromwerken fast überall nach dem Dreileitersystem (s. d.) gebildet. Von den oben erwähnten haben nur noch Dessau, Lübeck und Hamburg das alte Edisonsche Zweileiternetz. Für kleinere Werke ist dies auch ganz am Platze; für so ausgedehnte Anlagen wie die Hamburger eignet es sich nicht mehr recht, und so wird denn auch das dortige Netz in ein Dreileiternetz verwandelt, wie dies in Berlin bereits geschehen ist.
Zum Ausgleich des wechselnden Kraftbedarfs, der, wie bereits hervorgehoben, mit dem Lichtbedürfnis täglich steigt und fällt, sind für kleinere Werke, die wohl stets als Gleichstromwerke gebaut werden, ebenso wie für Einzelanlagen entsprechend große Accumulatorenbatterien (s. Accumulatoren, elektrische) von unschätzbarem Werte, weil sie diese der Notwendigkeit eines Tag und Nacht durchgehenden Betriebes entheben und gleichzeitig die sonst unerläßlichen Reservemaschinen entbehrlich machen. Für große Werke, die eines durchgehenden Betriebes doch nicht entraten können und eine entsprechende Zahl einzelner Maschinengruppen haben müssen, und in deren Netz die für die verschiedenen Klassen von Stromabnehmern zeitlich verschiedenen Bedürfnismaxima und -Minima sich gegenseitig überdecken und dadurch den Gesamtbedarf zu einem sehr viel gleichmäßigern machen, ist die Möglichkeit der Aufspeicherung von geringerer Bedeutung und wird wohl aufgewogen durch die erheblichen Mehrkosten, welche große Sammelbatterien bedingen. Von den oben angeführten Gleichstromwerken arbeiten das Berliner und die Elberfelder ohne Accumulatoren; außerdem natürlich die Wechselstromwerke, für die eine Verwendung von Accumulatoren unmöglich ist. Die größten Batterien im Verhältnis zur Leistung des Werkes hat von den übrigen Düsseldorf, wo die Accumulatoren nicht allein als Ausgleichs-, sondern auch als Vorratsmagazin dienen. Die Erzeugerstation liegt dort außerhalb der Stadt. Bei Wechselstrombetrieb hat dies keine Schwierigkeiten, da man hier im Netze Hochspannung hat (gewöhnlich 2000 Volt), die in Transformatoren (s. d.) m den einzelnen Häusern oder auch in Gruppen von solchen auf die Gebrauchsspannung (in der Regel 72 Volt) herabtransformiert wird. Infolge der hohen Spannung wird das Netz billig und der Prozentsatz des Verlustes gering. (S. Elektrische Kraftübertragung.) Anders bei Gleichstromwerken, bei denen ein Transformieren nur mittels besonderer Maschinen möglich ist, also nicht im Hause des Konsumenten statthaben kann, und die infolgedessen in den Kabeln Niederspannung haben: bei Dreileiternetzen in der Zuleitung meist 2 x 110 Volt. Sollen hierbei die Kabel nicht zu teuer, oder umgekehrt der Verlust nicht zu hoch werden, so bleibt freilich kaum etwas anderes übrig, als den Betrieb so zu leiten wie in Düsseldorf, nämlich die Stromlieferung von draußen herein gleichmäßig auf volle 24 Stunden zu verteilen, also die sonst sehr veränderliche Stärke des die Zuleitungs- oder Speisekabel durchfließenden Stroms konstant und damit zu einem Minimum zu machen. Zu diesem Zweck müssen freilich die in dm Unterstationen der Stadt aufgestellten Accumulatorenbatterien so groß gewählt werden, daß sie die ganze Differenz zwischen dem kontinuierlich zufließenden und dem im Maximum gebrauchten Strom zu liefern im stände sind. Dies bringt nur bei günstigem Verhältnis zwischen der durch die Entfernung des Werkes von der Stadt bedingten Länge der Speisekabel und der Leistung des Werkes noch Gewinn, während bei größerer Leistung durch die hohen Kosten der Batterien und den durch sie bedingten Stromverlust dieser Gewinn entfällt.
Größere Werke mit weit entfernter Erzeugungsstation werden daher wohl vorzugsweise nur noch als Wechselstromwerke gebaut werden, da Gleichstromwerke mit Zuführung der elektrischen Energie von außerhalb mittels Kraftübertragung, wie in Cassel, wegen ihres größeren Bedarfs an Gebäudegrundfläche und an maschinellen Anlagen (Erzeugungsstation draußen und Umwandlerstation mit Motor und Dynamo innerhalb der Stadt) in Anlage und Betrieb teuer werden. Früher vorhandene Nachteile der Verwendung von Wechselstrom in E. sind fast alle überwunden; geblieben ist nur die Unmöglichkeit, ihn in Accumulatoren aufzuspeichern, und seine Unverwendbarkeit für elektrolytische Zwecke. Ersteres ist für größere Werke, wie hervorgehoben, ohne Belang, letzteres ist darum ohne Bedeutung, weil für derartige Zwecke ohnedies der Preis des Stroms, den E. fordern müssen, ein zu hoher ist. Der Vorwurf, den man den Wechselstrombogenlampen daraus gemacht hat, daß sie das Licht gleich stark nach oben und unten werfen, während die Gleichstromlampen es vorzugsweise nach unten werfen, ist nur für Straßen- und Platzbeleuchtung als solcher gültig. Dasselbe ist aber auch beim Gaslicht der Fall, und überdies hat man durch Emaillereflektoren Abhilfe geschaffen. Die Schwierigkeit, mit Wechselstrom Motoren zu betreiben, die noch zur Zeit der Frankfurter Ausstellung bestand und dem Drehstrom zu der hohen Anerkennung verhalf, kann heute wohl ebenfalls als überwunden gelten.
In Bezug auf Anwendungsfähigkeit und Betriebssicherheit tann somit keine der beiden Arten den Vorrang vor der andern beanspruchen, und die Entscheidung darüber, welche vorzuziehen sei, wird nur von den besondern durch die örtlichen Verhältnisse gegebenen Umständen abhängen.
Einen Überblick über das Verhältnis der angeschlossenen Lampen zu der Zahl der Privat-Gasflammen und der Einwohnerzahl der betreffenden Städte giebt folgende Tabelle: