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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Elsaß-Lothringen (Klima. Mineralreich, Bergbau und Hüttenwesen)
aller Bäche, Flüsse, Teiche, Seen und Kanäle be-
trägt 18714 da -- 1,29 Proz. der Gesamtfläche des
Landes. Mit Ausnahme einiger Bäche, die der
Allaine, einem Nebenflüsse des Doubs zufließen und
somit in das Stromgebiet der Rhone fallen, gehören
sämtliche Gewässer zum Stromgebiete des Rheins.
Die Wasserscheide liegt bei Gottesthal (Kreis Alt-
kirch) in 350 m Höhe. Auf eine Strecke von 184,i4km
bildet der Rhein die Grenze gegen Baden. Sein
Bett ist 200-250 in breit. Sein Wasserspiegel liegt
bei Hüningen240, bei Straßburg 134, bei Lauterburg
104 m ü. d. M. Nachdem der Grenzbach Lützel der
sich oberhalb Basel in den Rhein ergießenden Virs
zugeflossen, mündet bei Basel die ebenfalls elsäss.
Gebiet berührende Birsig; auf elsäss. Boden folgen:
die III, die Moder (mit Zinsel und Zorn), die Sauer
und die Lauter (in ihrem untern Lause Grenzfluß
nach der dayr. Rheinpfalz). Die Hauptwasserader
des Elsasses ist die III (s. d.). Die Gesamtzahl der
Wasserläuse im Elsaß beträgt 1298 mit einer Ge-
samtlänge von 5270 km, von welchen 557 (2870 km)
auf das Unterelsaß, 741 (2380 Km) auf das Ober-
clfaß kommen. Zum Stromgebiete des Rheins gehört
ferner die Mofel (s. d.), von welcher 80,2 km auf
reichsländisch lothr. Gebiet entfallen. Ihre mittlere
Breite ist hier 120 m; sie führt bei Niederwasser etwa
20 odm, bei Hochwasser 1500 cdm Wasser in der
Sekunde. Ihr Wasserspiegel liegt bei Novöant 174 m,
bei Metz 167 m, bei Dicdcnhofen 149 m, bei Sierck
142 m ü. d. M. Ihr wichtigster Nebenfluß ist die
Saar. Sie hat in Lothringen ein starkes Gefalle und
erreicht eine Breite von 30 bis 50 m; von Saaralben
an ist sie schiffbar, von Saargemünd an kanalisiert.
Ihr fliehen zahlreiche lothr. Gewässer, zum Teil erst
auf preuß. Boden zu. - Die wenigen im Elfaß vor-
kommenden Seen haben nur einen geringen Um-
fang; als ihrer Lage wegen bemerkenswert find im
böchsten Teile des Wasgaus zu nennen: der Weiße
See (in 1055 m Höhe), der Schwarze See (950 m)
und der Sulzcrer oder Darenfee (1044 m) im Kreis
Colmar; dann der Velchensee (7,5 ka, 986 m) am
Fuße des Velchenkopses. Ihre Wasser sind land-
wirtschaftlichen und gewerblichen Zwecken dienstbar
gemacht. Lothringen besitzt auf einem verhältnis-
mäßig beschränkten Raume 143 Weiher mit einer
Gesamtfläche von rund 4000 lia. Sie werden zum
Teil alle drei Jahre ausgefischt, hierauf für ein Jahr
abgelassen und als Ackerland benutzt, dann wieder
gefüllt und mit Fifchen besetzt. Die fünf gröhern
des nördlich vom Rhein-Marne-Kanal, beim Beginn
des Saarkanals gelegenen lothr. Seengebietes sind:
die Weiher von Gondrerange (oder Gunderchingen),
von Riringen, der Stockweiher, der Große Mühl-
weiher, welche zur Speisung des Rhein-, Marne-
und des Saarkanals dienen, und der Linderweiher
bei Dieuze, aus dem die Seilte kommt, über die
Kanäle des Landes s. unten (Verkehrswesen, S.50d).
Klima. Das Klima der Tiefebene, der Thäler und
des Hügellandes ist gemäßigt und regenreich. Die
mittlere Wärme beträgt im Sommer für die Ebene
16,03", für das höhere Gebirge 14,44°; im Winter
für die Ebene 3,85° (mit durchfchnittlich 61 Frost-
tagen), für das höhere Gebirge 2,82° 0. (mit durch-
schnittlich 75 Frosttagen). Straßburg, in 144 m
Höhe, hat nach den Beobachtungen von 1806 bis
1884 eine Durchschnittsjahreswärme von 10" 0.;
dieselbe nimmt auf etwa 160 m Steigung um 1° ab.
Als mittlere Wärme für den Wasgau kann 7-8"
angenommen werden. Metz hat eine durchfchnitt-
liche Jahreswärme von 9,i° (^. Der mittlere Baro-
meterstand beträgt in Straßburg 751; der Gang
des Luftdruckes ist ein fast vollständig paralleler.
Unter den Winden herrschen Südwest- und Nord-
ostwinde vor. Die mittlere Bewölkung betrug in
Straßburg im Mittel von 1875 bis 1884: 63 Proz.;
die relative Feuchtigkeit daselbst im Mittel von 1877
bis 1884: 79 Proz. Die durchschnittliche Höhe der
atmosphärischen Niederschläge erreicht in Straß-
burg nach den Beobachtungen von 1806 bis 1884:
678 mm. Gewitter sind häusig und vielfach von
Hagel begleitet.
Mineralreich, Bergbau und Hüttenwesen. Unter
den eifcnbauenden Staaten des Deutfchen Reichs
nimmt E. die zweite Stelle ein (Preußen 1892:
4,081 Mill. t, E. 3,57i Mill. t von der 8,i"9 Mill. t
betragenden Gefamterzeugung). Dem Höhenzug
am linken Mofelufer zwischen der luremb. Grenze
und Noviant sind oolithische Brauneisensteine (Mi-
nette) und Bohnerze eingelagert. Erstere, welche
durchschnittlich 35 Proz. Eisen, 1-2 Proz. Phos-
phor enthalten, liefert hauptsächlich der bis ins
13. Jahrh, zurückreichende Bergbau im Kreis Dieden-
hofen, der bedeutendste des Reichslandes. Infolge
der durch die Erfindung des Entphosphorungs-
verfahrens ermöglichten umfassendem Verwendung
der Minette hat sich die lothr. Erzförderung seit
1880 mehr als verdreifacht und beträgt jetzt fast
40Proz.der Eifenerzerzeugung des Deutfchen Reichs.
Sie ergab 1893: 3,6 Miü. t (31 Werke mit 3400 Ar-
beitern) im Werte von 7,i Mill. M. Nach Maß-
gabe der Förderung des I. 1888 dürfte die auf
etwa 2 Milliarden t geschätzte ausbeutungsfähige
Erzablagerung im Bezirk Lothringen noch etwa
750 Jahre, die des benachbarten luremb. Minette-
gebietes noch etwa 80 Jahre, die des angrenzenden
französischen noch kürzere Zeit vorhalten. Lothrin-
gen fällt daher im Eifenerzbau der Zukunft eine
bedeutende Rolle zu. Steinkohlen finden sich in
schwachen Lagen in den Vogesen. Von Bedeutung
sind nur die, eine Fortsetzung des Saarkohlenbcckens
bildrnden Lager im lothr. Kreise Forbach. Sie sind
von Vogesensandstein überlagert, im Abbau daher
schwierig und stehen an Güte des Ergebnisses hinter
denen der preuß. Rheinprovinz zurück. In den
beiden Werken zu Klein-Rösseln und Spittel mit
zusammen etwa 4300 Arbeitern wurden (1893)
919000 t. im Werte von fast 8 Mill. M. gefördert.
In den uuterelsäss. Kreisen Hagenau und Weißen-
durg werden Erdöl (1892: 12942 t im Werte von
900000 M.), Asphalterze (1893: 2999 t im Werte
von 90000 M.) und Pechsand gewonnen. Der Betrieb
der Steinsalzlager im Bezirk Lothringen, am Fuße
des Höhenzugs zwischen Saar und Seilte, reicht in
das 11. Jahrh, zurück. Die Ausbeutung erfolgt
durch Aussoluua.. 1893 standen 8 Salinen im Be-
trieb, darunter die (Privat-) Salinen von Chambrcy,
Dieuze, Ley, Moyenvic, Salzbronn, Saaralben und
Haras. Die durchschnittliche tägliche Belegschaft
auf den 8 Werken betrug 240 Köpfe, die Produktion
ergab 1893: 50300 t Siedesalz (9 Proz. der Gesamt-
erzeugung im Deutschen Reiche) im ungefähren
Werte von 1,i6 Mill. M. In frühern Zeiten standen
in den Vogefen (u. a. bei Markirch, wo Neubetrieb
geplant wird) auch Silber-, Blei- und Kupfergruben
rm Betrieb. Gold ist in geringer Menge im Sande
des Rheins. Die Zahl der im Betrieb befindlichen
Steinbrüche betrug (1890) 475 im Unterelsaß, 136 im
Oberelsaß, 1879-90:1017 in Lothringen angemel-