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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Elsaß-Lothringen (Land- und Forstwirtschaft)
dete, von denen ein Teil danernd außer Betrieb steht.
Die wichtigsten Sandsteinbrüche befinden sich im
Unterelsaß im Zornthal bei Zabcrn und im Kronthal
bei Wasselnheim, in Lothringen um Metz. Im
Unterelsaß wird ferner Gips gewonnen; 1890 waren
9 unterirdisch betriebene Gipsgruben im Betriebe,
die 6231 cdm Brennsteine und 78cdin harte Steine
in einem Gesamtwerte von 33882 M. lieferten. Die
gesamte Montanindustrie lieferte (1893) Ergebnisse
im Werte von 72,i8i Mill. M.
Von alters her bekannte Mineralquellen be-
sitzen die kleinen Wasgaubäder Niedcrdronn und
Sulzbad (Salzquellen) im Unterelsaß, Sulzback und
Sulzmatt (alkalische Säuerlinge) im Oberelsaß,
denen sich neuerdings Bad Bronn bei Kestenholz
im Unterelsaß und die Karolaquelle in Rappolts-
weiler im Oberelsaß (Wildungcn ähnlich) an-
geschlossen haben.
Das Reichsland ist in zwei Bergreviere (Elsaß
und Lothringen) geteilt.
Der Hütten betrieb hat einen erheblichen Um-
fang. Er befindet sich hauptsächlich in Lothringen,
meist unweit der Eisencrzgruben (Groß-Moyeuvre,
Hayingen, Öttingen, Dcutsch-Oth im Kreis Dieden-
hofen), ferner im Kreis Forbach (Stieringen-Wen-
del), im Landkreis Metz (Ars a. d. Mosel) und im
Unterelsaß um Niederbronn (die zusammengehörigen
Werke von Niederbronn, Reichshofen, Merzwcilcr,
hausen in Lothringen). Die Hochofenwerke baben
1872:11,2 und 1893:15 Proz. der Gesamterzeugung
an Roheisen im Deutschen Reiche und in Luremburg
hergestellt. 1893 waren 8 Werke (25 Hochöfen) im
Betrieb (alle in Lothringen), die zusammen 726000 t
Roheisen im Werte von 24 Mill. M. erzeugten.
Es waren dies die Werke bei Hayingen (7 Hochöfen)
und Moyeuvre (6), die allein zusammen nahezu
369000 t lieferten, ferner die Redinger Hütte, die
Rombacher Werke, die Hochöfen von Maizieres bei
Metz, die von Öttingen und Deutsck-Oth (je 2 Ofen)
und das Werk zu Nckingen. Die mittlere Arbeiter-
zahl für sämtliche Werte belief sich auf 1669 Köpfe.
Land- und Forstwirtschaft. Der den Rheinüber-
schwemmungen unterworfene Teil der Tiefebene
(1817 Hkm) bietet, neben dürren Strecken (Geröll-
boden und sumpfigen Torfboden), größtenteils von
fruchtbarem Löß überlagerte Strecken; das minde-
stens 10 m über dem Hochwasscr liegende, mit Aus-
nahme der den Mündungen der Gebngswässer delta-
formig vorgelagerten Sand- und Kicsfelder, frucht-
bares Ackerland (Lehmschichten) ausweisende Gcdiet
(3579 likm) ermöglicht ausgedehnteste landwirt-
schaftliche Benutzung. Der Sundgau, zwischen Basel,
Mülhausen, Thann und der Südgrenze des Ober-
elsasses, hat bei einer mittlern Höbe von 355 in
überwiegend sehr fruchtbaren Ackerboden, wiesen-
reiche Thäler, selten mit Wald bedeckte, an sonni-
gen Lagen mit Wein und Obst bepflanzte Hügel.
Die östl. Vorberge der Vogesen sind fast ausschließ-
lich dem Anbau der Rebe gewidmet, der bis zu 400 m
hinaufreicht. Das Trias- und Iuragebict des nördl.
Teiles ist, je nachdem Vuntsandstein, Kalk, Tbon und
Mergel die Unterlage des Humus bilden, bald mehr,
bald weniger fruchtbar, in den höhern Gegenden in-
dessen vorherrschend armes, für den Getreidebau un-
günstiges Land. In dem Gebiet der Vogesen über-
wiegen Wald- und Wiesentultur, der Ackerboden ist
dürftig. Von der Gesamtfläche des Landes waren
1893: 47,24 Proz. Ackcr- und Gartenländereien,
30,5l Proz. Forsten und Holzungen, 12,62 Proz.
Wiesen, 2,26 Proz. Weinland, wovon 2,,i im Er-
trag stehend, 2,34 Proz. Weiden und Hutungen,
0,84 Proz. Öd- und Unland, 3,53 Proz. Wegeland
und Gewässer, 0,53 Proz. Haus- und Hofräume. Die
Landwirtschaft, welche die Hauptnahrungsquelle der
Bewohner bildet, steht im Elsaß auf höherer Stufe
als in Lotbringen. Ungünstig wirkt die weit-
gehende Zerteilung des Grundbesitzes in erstenu;
in Lotbringen ist Großgrundbesitz häusiger. Von
den 233 866 landwirtschaftlichen Betrieben besaßen
(1883) 61 Proz. unter 2 Im Felder, 23,7 Proz.
2-5 w, 9,7 Proz. 5-10 da, 3,7 Proz. 10-20 lia,
gegen 1,9 Proz. über 20 Ka. Unter den Fcldfrüchten
steht in den bessern Gegenden der Weizen voran
(1893: 174609 Iia bebaute Fläche). Nächstdem
werden Hafer (99 620 na), Gerste (50 283 w),
Roggen (49975 lia), ferner Kartoffeln (84791 Ka),
Futterpflanzen, Runkelrüben, Mais, Ölfrüchte sowie
mannigfache Gartengewächse geballt, vonHandels-
gewächscn Flachs und Hanf, Tabak, namentlich
zwischen Strahburg und Schlettstadt, Hopfen, be-
sonders bei Hagenau (in diesem Bezirk am 31. März
1894: 2700 Iia). Seit 1883 hat der Hopfenbau be-
deutend zugenommen, während Hanf- und Ölbau
sowie auch Tabakbau zurückgegangen sind. Letztern
betrieben 1886 - 87: 17209, 1890-91: 14560,
1891-92:13475,1892-93:12696 Tabakpflanzer
(in 516 Gemeinden); die bebaute Fläche betrug 2561
bez. 1722 bez. 1485 bez. 1243 na; der Gesamtwert
der Ernte 2 409 300 bez. 1464000 bez. 2455 223
bez. 1088259 M. (mit Steuer), durchschnittlich 937
bez. 850 bez. 1653 bez. 875 M. auf 1 na. Mehr
als zwei Drittel der Tabatfläche (1485 na) entfallen
auf den Hauptsteucramtsbezirk Colmar, in welchem
vorzugsweise Gundi-Tabak gepflanzt wird; im
Hauptamtsbezirk Straßburg wird fast nur Amers-
foorter (der früher Regietadak genannt wurde), im
Hauptamtsbezirk Hagenau werden Abarten von
Habana- und Amcrsfoorter Tabak gebaut, während
in den übrigen Bezirken Tabak nur in geringer
Ausdehnung gebaut wird. Die Versuche, in den
elsäss. Bezirken Maryland- und Connecticut-Tabak
anzubauen, werden als mißlungen bezeichnet. Von
Bedeutung ist der Obstbau; namentlich werden
'Äpfel, Birnen, Pflaumen, Kirschen, ferner Kastanien,
Walnüsse, auch Aprikosen und andere feinere Obst-
arten (besonders Mirabellen in der Moselebene
unterhalb Metz) gebaut. Ausgedehnte Gärtnereien
finden sich im Stadtkreis Straßburg, im Landkreis
Metz und im Kreis Colmar; Betriebe für Baum-
zucht in Bollweiler, Plantieres bei Metz u. s. w.
Der Viehstand (besonderes Gewicht legt man
namentlich auf die Zuchtvon Pferden und Schweinen)
ist stärker als in den meisten andern Teilen des Deut-
schen Reichs, während die Rindviehzucht zurückbleibt.
Die Zählung von 1892 ergab: 137 327 Pferde,
34 Maultiere und Maulesel', 1317 Esel, 487 243
(1893: 404 815) Stück Rindvieh, 97 303 Schafe,
370405 (1893: 334276) Schweine, 62098 Ziegen.
Der Verbesserung der Pferde- und Rindviehzucht
wird große Aufmerksamkeit zugewandt; unter anderm
werden jährlich durch die landwirtschaftlichen Kreis-
vereinc Zuchtstiere aus der Schweiz eingeführt. Für
die einheimische Viehzucht ist das Münsterthal im
Oberelsaß von Bedeutung. Die Bienenzucht (1892:
67138 Bienenstöcke, darunter 33971 mit beweg-
lichen Waben) wird mit Erfolg betrieben. Versuche
zur Einführung der Seidc-nzucht ulttcr Beihilfe des