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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Elsaß-Lothringen (Handel. Verkehrswesen)
Im I. 1891 erzeugten 45 Eisengießereien
37186 t Gußwaren im Werte von 7 085497 M.;
10 Schweiheisenwerke lieferten 150 849 t im Werte
von über 17 Mill. M. Die mittlere tägliche
Arbeiterzahl betrug bei erstern 2749, bei letztern
6161 Köpfe. Bedeutende Maschinenfabriken
sind im Unterelsaß in Illkirch-Grafenstaden und
Reichshofen, im Oberelsaß in Mülhausen, Colmar,
Gebweiler, Thann u. a. O. Die erste Fabrik für
Maschinenbau im Oberelsaß wurde 1818 gegründet,
die erste größere Fabrik für Spinnercimaschinen
1824 (in Gebweiler), mit dem Bau von Lokomotiven
wurde 1838 begonnen.
Der nordwestl. Teil von Lothringen besitzt sehr be-
merkenswerte Glasindustrie (Münzthal, St.
Louis, Götzenbrück, Meisenthal, Dreibrunnen, Val-
lerysthal); eine ebensolche Porzellan- und Stein-
gutmanufaktur hatSaargemünd; namhafte Fabriken
für chem. Produkte sind in Lothringen in Dieuze, im
Unterelsah in Buchsweiler, im Oberelsaß in Mül-
hausen, Thann; Papierfabriken in Straßburg, Nix-
heim, Türtheim; eine bemerkenswerte Papiermache'-
fabrit ist in Forbach, große Gerbereien finden sich in
Straßburg, Metz, Barr u. a. O. Eine photogr. An-
stalt von Weltruf ist in Dornach. Am 31. März
1894 waren in den Städten 75, auf dem Lande 98,
zusammen 173 Brauereien vorhanden; dieselben er-
zeugten 907386 Kl Bier (davon mehr als die Hälfte
m Straßburg und Umgegend); 47583 di gelangten
zur Ausfuhr (hauptsächlich nach Frankreich). Die
Biereinfuhr betrug aus dem deutschen Zollgebiet
275225, aus dem Zollauslande 5880 Iii. Kirsch-
und Pflaumenwasser wird im Wasgau vielfach ge-
brannt, für die Liqueurbereitung hat Straßburg
einen gewissen Ruf. 1892/93 standen von 30481
Branntweinbrennereien 22029 im Betrieb und
lieferten 12 877 kl reinen Alkohol; die Brannt-
weinsteuer-Einnahme belief sich im ganzen auf
1,925 Mill. M. Der im Münsterthale (Oberelsaß)
hergestellte Münsterkäse gelangt zu ansehnlicher Aus-
fuhr. Einen weltberühmten Gewerbszweig, beson-
ders Straßburgs, bildet die Herstellung von Gänse-
leberpasteten (Ausfuhr jährlich etwa 1600000 M.).
Gewcrbcgerichte bestehen in Straßburg, Metz,
Mülhausen, Markirch, Thann.
Handel. Dem Handel kam die günstige Lage des
Landes von alters her zu statten; 1882 waren im
Handel und Verkehr gegen 10 Proz. der Gesamt-
bevölterung thätig. Die bewegte Gütermasse auf
sämtlichen Wasserstraßen betrug (1892) 1394682 t,
wovon 26 Proz. aus Durchfuhr, 32 Proz. auf Ein-
fuhr, 29 Proz. auf innern Verkehr, 13 Proz. auf
Aussuhr entfallen. Der Geschäftsumsatz der be-
stehenden Reichsbankstellen belicf sich (1893) in
Strahburg (Hauptstelle) auf 994,595, in Metz auf
846,794, in Mülhausen auf 749,599 MM. M.;
in Colmar besteht eine von Mülhausen abhängige
Nebenstelle. Neben der Aktiengesellschaft für Boden-
und Kommunalkredit, welche die öffentliche Depo-
sitenverwaltung des Staates vertragsmäßig in
Händen hat, und vielen andern Banken giebt es
zahlreiche ländliche (Naiffeisenfchc) Darlehnskassen,
eine Kreditgenossenschaft für E. lin Strahburg, 1890
eröffnet), (1894) 60 öffentliche Vorschußkassen sdurch
Gesetz vomJuni 1887 errichtet) und (1893) 112 Spar-
tassen mit 22 Zweigstellen, 214 956 Einlegern und
einem Guthaben von 76,392 Mill. M. Einheimische
Versicherungsgesellschaften sind "Rhein und Mosel"
(Feuer-) und "Älsatia" (Feuer- und Lebensversiche-
rung) in Straßburg. Handelskammern bestehen in
Straßburg, Mülhausen, Metz und Colmar.
Verkehrswesen. An Straßen bestanden 1893:
Kreise
Staatsstraßen
Bezirksstraßcn Km
Vicinalstraßen kra
Unterelsaß. Oberelsaß . Lothringen.
331,756
306,200 531,336
378,112
325,955
2361,159
1151,383
2601,932
In Lothringen sind die Bezirksstraßen durch
kaiserl. Verordnung vom 24. Dez. 1875 in die
Kategorie der Vicinalstrahen versetzt. - 11 Schiff-
brücken verbinden auf der elsäss.-bad. Nheinstreae
die beiden Ufer.
Eisenbahnen, s. Neichseisenbahnen.
Post und Telegraph. Die beiden Oberpost-
direktionen in Straß bürg (s. d.) für Unter- und
Oberelsaß und in Metz (s. d.) für Lothringen unter-
stehen dem Reichspostamt in Berlin und umfassen
(1892) 3404,7? km oberirdische Telegraphenlinien
mit 11049,17 km Telegraphenleitungen, davon
1279,98 Km Stadt-Fernsprechanlagen; 18 Post-
ämter erster Klasse mit 7 Zweigstellen, 3 Telegra-
phenämter erster Klasse, 2 Vahnpostämter, 3 Stadt-
postanstalten, 28 Postämter zweiter Klasse und
1 Zweigstelle, 103 Postämter dritter Klasse und 365
Postagcnturcn, insgesamt 530 Verkehrsanstalten.
Die Fernsprechverbindungen zwischen Mülbausen,
Thann und Gebweiler sind die ältesten im Reich.
Das Kanalsystem umfaßt 446 km. Es sind:
der in das Elsaß fallende Teil (132 km mit 85
Schleusen) des Nhein-Rhöne-Kanals (s. d.), der Hü-
ninger Zweigkanal (28 km mit 4 Schleusen), unter-
halb Basel vom Rhein abgehend und bei der Napo-
lconsinsel, 5 km nordöstlich von Mülhausen, in den
Rhein-Rhöne-Kanal mündend; der Vreisacher Zweig-
tanal (7 km mit 2 Schleusen), vom Rhein bei Altbrei-
sach zum Rhein-Rhöne-Kanal bei Künheim, der Col-
marer Zweigkanal (s. d., 13 km mit 1 Schleuse), zwi-
schen Rhein-Nhöne-Kanal bei Arzenheim und III;
der Verbindungskanal bei Straßburg (5 Km mit
1 Schleuse) zur Verbindung des Rhein-Rhöne-
Kanals und der III mit dem Ill-Rhein-Kanal; der
Vreusch-Kanal (s.Vreusch, 20 km mit 11 Schleusen)
zwischen der Mossig bei Sulzbad und der IU ober-
halb Straßburg; der reichslänoische Teil des Nhein-
Marnc-Kanals (s.d., 104 km mit 64 Schleusen), der
im Ill-Rhcin-Kanal (2 km mit 2 Schleusen) bis
zum Rhein fortgesetzt wird; der Sacniohlen-Kanal
(107 km mit 36 Schleusen), im Weiher von Gon-
drerange den Rhein-Marne-Kanal verlassend und bei
Saargemünd die Saar erreichend, in erster Reihe zur
Verschiffung der Kohlen aus dem Becken von Saar-
brücken bestimmt; der Salinen-Kanal (^anal ä68 sa-
1iii68 ä6 I)i6ii26, s. d., 6 km ohne Schleusen), der
Mosel-Kanal mit Abzweigungen und dem Arser
Zweigkanal (22 km mit 6 Schleusen), von der sranz.
Grenze bei Arnaville nach Metz. Der sog. Vauban-
Kanal,von Neubreisach zur III bei Ensisheim, kommt
für die Schiffahrt nicht in Betracht. Die Regelung
der meisten Kanäle ist beschlossen; die des Rheins
soll vorgenommen werden. 1892 wurde mit Voll-
endung des Straßbnrger Nheinhasens die seit
Jahrzehnten unterbrochene regelmäßige Schisfahrt
auf dem Oberrhein wieder eröffnet; sie war, des
ungünstigen Wasserstandes wegen, 1893 nur an
100 Tagen möglich.