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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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England (Klima, Pflanzen- und Tierwelt. Mineralreich)
gen, es erreicht im O. die Nordsee, im W. ist es zum
Edenthal (Rotliegendes) abgesunken. Außerdem
sind einzelne Stücke, wie um Carlisle, am Avon, in
Nord- und Südwales (Cardiff) von der Denudation
verschont geblieben. Die Trias (ohne Muschelkalk)
zieht, von Ereter ausgehend, in schmalem Streifen
nach N., bildet dann, sich verbreiternd, die Umran-
dung der Penninischen Berge, die sie im O. bis zur
Teesmündung und im W. bis zum Dee umzieht.
Größtenteils zerstört, fällt ihr Auftreten mit einer
Senke des Bodens zusammen. Weiter westlich fol-
gen die Schichten vom Jura bis zum Alluvium.
Der Jura, bei Portland beginnend, zieht im nach
W. geöffneten Bogen bis zum Tees hinauf; die
Cotswoldhügel, aus härterm Oolith bestehend, sind
hier die höchsten Erhebungen. Die Kreide erfüllt
die Salisburyebcne, bildet die Chiltern-Hills und,
vom Alluvium des Wash und der Humbermündung
unterbrochen, einen Streifen in Lincolnshire. Im
S. entsendet sie Ausläufer, nach O. die Downs, die
Sockel eines frühern Gewölbes, dessen Kuppel jetzt
zerstört ist und so das tiefere Wealden freigelegt
hat. Mittlere und untere Themse mit London bil-
den ein hügeliges tertiäres Becken. Eigentümlich
sind von der Triassenke östlich die nach innen zu
steilen Schwellen der Schichten (Escarpements), die
im Profil von W. gesehen .Hügelzüge zeigen, wäh-
rend nach O. das Land sich allmählich senkt.
Klima, Pflanzen-und Tierwelt. E. hat Insel-
klima, also große Gleichförmigkeit der Wärmever-
teilung und Feuchtigkeit. Unter den Orten in 320
-650 in Höhe ist keiner, wo die mittlere Tempera-
tur des kältesten Monats auf 0" 0. heradsinkt; an-
derseits steigt die mittlere Temperatur des wärmsten
Monats nirgends über 12" 0. Milde Winter, kühle
Sommer sind charakteristisch; ja, der Winter zumal
un SW. ist milder als in jedem Lande gleicher und
selbst geringerer Breite. Am kältesten ist das In-
nere Nordcnglands mit einer Ianuartemperatur
von -^ 3°; am wärmsten im Sommer das Themse-
becken. Vorherrschend sind die Westwinde, von hef-
tigen Regen begleitet; vielen Schaden bringen all-
jährlich die Stürme. In der Regenmenge zeigen
Ost- und Westküste große Unterschiede: London hat
610 inm, Manchester schon 910, Wales und das
nordengl. Bergland bis 3600 mm Regenhöhe im
Jahre. Durchschnittlich giebt es 165 Regentage und
900 min Negenböhe an der Ost-, 208 Regentage
und 2 m Regenhöhe an der Westseite. Die große
Feuchtigkeit spricht sich auch in den häufigen Nebeln
aus, die nicht selten so dick sind, daß man Werk-
stätten- und Straßen am Tage erleuchten muß, wie
z. B. in London, wo man jährlich 34 Nebeltage
rechnet. Heitere Tage sind selten anhaltend. Das
Klima im ganzen ist gesund. Die Flora ist ganz
mitteleuropäisch, ohne irgendwelche eigentümliche
Arten; von den Nadelbäumen ist nur die Kiefer wild,
Fichte und Tanne erst eingeführt. Aber der Glanz
des Landes liegt in den Laubwäldern von Buche
und Eiche, welche allerdings der Kultur stark haben
weichen müssen. Von dem ehemaligen gewaltigen
Walde Arden ist der Deanwald, auf der Grenze der
Grafschaften Gloucester und Monmouth, noch ein
Rest. Der New-Forest in Hampshire ist noch einer
der besten Eichenwälder der Krone, der die Flotte mit
Holz versorgt. Von den 68 Wäldern des 18. Jahrb.
sind noch 12 geblieben. Als Brennmaterial hilft die
Steinkohle; Nutzholz muß eingeführt werden. Im-
mergrüne Sträucher, namentlich Stechginster (IIIsx)
und der Holly (Hex), bezeugen in ihrer Häufigkeit
das atlantische milde Klima, dem es auch zuzu-
schreiben ist, daß manche südeurop. Arten (Myrten
und Geranien auf der Insel Wight und in Devon-
fhire) den Winter im Freien ertragen. Weizen ge-
deiht besonders im O. und SO., Gerste in den
Midlandgrafschaften von Worcester bis Cambridge-
shire, Hopfen in Kent und Surrey, Obst in Deaw
und Hercfordshire, Hafer im N. Die Landfauna
E.s ist eine verarmte nordwesteurop., im bobern N.
treten einige arktische Formen hinzu. Außerdem
finden sich mehrere südeurop., der Küste des Atlan-
tischen Oceans folgende Arten, wie die Feldtanbe,
der Provencesänger (8i1via provineiaiig I'emm.),
einige Schnecken und Strandkäfer. Unter den Vögeln
treten einige von kontinentalen Arten leicht ab-
weichende Lokalrassen (graue Bachstelze, Gimpel
u. s. w.) auf, auch findet sich eine und die andere
Species von Insekten und Landschnecken sowie eine
Spitzmaus (8oi-6x ru8tieu8 H^an)), die sonst
nirgend vorkommen. Das Meer ist namentlich an
felsigen Küsten sehr reich an Tieren. Der Austern
wegen berühmt ist Whitstable an der Themsemün-
dung (Natives) und die Insel Hayling bei Ports-
mouth. Die größten Lachssischereien sind im Solway
Firth; auch der Heringsfang ist bedeutend.
Mineralreich. Auf den Erzeugnissen der Berg-
werke ruht im wesentlichen E.s industrielle Größe,
und zwar spielt die Kohle die wichtigste Rolle, denn
nur wo sie abbauwürdig vorkommt, verlohnt die
Verhüttung des Eisens. Die wichtigsten Kohlenbe-
zirke (zusammen etwa 7770 ykm) finden sich in
Wales und in den nördl. Distrikten, wie die folgende
Tabelle zeigt. 1892 wurden an Kohlen gefördert:
Distrikte.
1000 tl Distrikte
1000 t
Durham....... Yorkshire...... Lancashire...... Glamorgan..... Staffordshire ....
23 834
23189 22 356 22 808 14132
Derbyshire..... Northumberland. . . Monmouthshire . . . Nottinghamshire. . . Kleinere Kohlenfelder
11141 9 528 7 407 7159
12 924
Fast 90 Proz. der Produktion wird im Inlande
verbraucht, über den Kohlenhandel nach dem Aus-
land, die Eisen- und Stahlgewinnung u. s. w. s.
Großbritannien und Irland. Zinn und Kupfer findet
sich vor allen in Cornwallis, letzteres auch in Nord-
wales; doch müssen beide Metalle auch eingeführt
werden; Blei wird auf Man gewonnen; Bausteine
in Nordwales, Schiefer vor allem in Penrhyn bei
Bangor (Wales). Außer den nutzbaren Metallen
und Steinkohlen finden sich Töpferthon (der beste
an der Süd- und Ostküste) und Porzellanerde in
großem Überstuß und ihrer Verwertung ist ein be-
deutender Industriebezirk fast ausschließlich gewid-
met (s. Potteries), ferner Walker- und Pfeifenerde,
Kreide, Alabaster, Marmor, Granit und Porphyr.
Auch Mineralquellen sind zahlreich. Die berühm-
testen sind Bath, Bristol, Cheltenham in Gloucester,
Bakewell, Buxton und Matlock in Derby, Malvern
in Worcester, Tunbridge in Kent und Harrogate in
3)ork. Die Steinsalzlager und Salzquellen E.s ge-
hören zu den bedeutendsten in Europa und decken
nicht nur den eigenen Bedarf, sondern versorgen auch
die Ostseehäfen,' Amerika und Ostindien. Die Haupt-
lager befinden sich in der westl. Grafschaft Cbester.
Northwich bildet den Mittelpunkt der Salzwerke und
Siedereien. Die berühmteste Saline ist die zu Droit-
wich in Worccster, welche jährlich 197000 t Salz
liefert. Auch Seesalz wird gewonnen; Seebadeorte