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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Ephi - Ephoren
Stämmen und Wen und ledcrartig derben, immer-
grünen, glänzenden Blättern umsaßt. Die zu Dol-
den geordneten Blüten haben einen untcrständigen
Fruchtknoten, welcher zu einer sünffächerigen Beere
wird, einen kurz-fünfzähnigen Kelch und 5 -10
Blumenblätter, die an der Spitze in Form eines
Mützchens zusammenhängen. Bemerkenswert ist,
daß die Blätter ausrechter, vorzugsweise blühender
Zweige ihre Form verändern. Bei dem gemeinen
E. z. B. wird das sünflappige Blatt größer, ver-
liert die Lappen, wird länglich und spitz und nimmt
ein lebhafteres Grün an.
Von den verschiedenen Arten der Gattung ist der
schon genannte gemeine E. (Iledera Iiolix /v., s.
Tafel: U m bellislorenII, Fig. 4), meistens klein-
blätteriger E. genannt, durch den Glanz und die
Frische seiner Betäubung und die Leichtigkeit, mit
welcher er sich vermittelst seiner Klammerwurzeln in
die .höhe arbeitet, ganz besonders aber wegen seiner
gröhern Winterhärte wie die aller andern Arten
und Formen für die Gärten landschaftlichen Stils
die wichtigste geworden. Er überkleidet rasch den
Boden, klettert bis in die Spitze der höchsten Bäume,
klimmt an den glattesten Felswänden empor und
bedeckt Mailern und Wände mit einem dichten Tep-
pich und läßt sich sogar baumförmig erziehen (116-
dei-I. Ni'doi-oa). Besonders malerisch gestaltet er sich
in Südeuropa und England. Die meiste Verwen-
dung findet der kleinblätterige E. zur Bekleidung
der Grabhügel. Für diesen Zweck wird er in den
Handelsgärtncreien in großen Mengen meist aus
Stecklingen, seltener aus Rainen angezogen. Der
großblätterige oder irländische E. (IleäeiH
dslix vki'. liidornioa, //o>'5.) hat größere und schönere
Blätter und einen viel schnellern Wuchs als der tlein-
blätterige, muß jedoch in Deutschland im Winter
gegen Kälte geschützt werden. An Spalieren wird
er häufig auch in Wohnräumen unterhalten und
hier sogar zur Bildung kleiner Lauben benutzt.
Für die Kultur in Töpfen eignen sich vorzugs-
weise seine etwas weniger üppigen Spielarten.
Unter diesen zeichnen sich folgende durch ihre Zier-
lichkeit und Eleganz aus: vai-. Mlmata mit kleinern
handteiligen, bei einer Untervarietät (v^i-. ^ui-ea)
ganz goldgelben, var. äi^itatN mit sehr tief einge-
schuittcnen kleinen, var. äoutlUa, mit großen dun-
kelgrünen, flach gebuchteten, abgerundet dreieckigen,
V3.r. LÄFiNaet'oIia. mit sehr spitzlappigen, var. ar-
ß6llt60-v9,riLAÄtH mit weißbunten, vai'. inn-eovario
ßata mit gclbounten Blättern u. a. in.
Der K au k as u s ep h eu, IIoäLiH ooleliieH
0. Xoc/i (Iloäorll. NoLFULi'mua, und taurica ^/o?'t.),
hat größere, derbere, weniger gelappte, und der
can arische E., IIodsi'H cau3.riüli8i3 >^7?<^., grö-
ßere, mchr breite als lange, derbere, am Grunde
herzförmige Blätter.
Der E. war schon im höchsten Altertum eine volks-
tümliche, vielfach gefeierte Pflanze, in 'Ägypten dem
Osiris, in Griechenland dem Dionysos geweiht, der
ihn bei Nysa am Indus gepflanzt haben soll (daher
Oi0n^808), und die Mänaden sah man mit E. be-
kränzt. Auch die Dichter trugen bei festlichen Ge-
legenheiten Epheukränze. Er galt als das Sinnbild
der Freundschaft und der Liebe. Das gelbliche
Holz eines dicken Stammes ist so porös, daß man
es zur Rö'mcrzeit dazu benutzte, Wein und andere
Flüssigkeiten zu filtrieren.
Gphi, altes Hohlmaß, s. Epha.
Üpkiä.1te3, s. Schlupfwespen.
Gphialtes, athen. Parteiführer, der Sohn des
Sophonides, ein Athener adliger Abkunft, trat
nach der Vertreibung des Themistokles aus Athen
an die Spitze der jüngern demokratischen Richtung,
die sich zu der mehr aristokratisch und konservativ
gefärbten PolitikKimons in scharfen Gegenfatz stellte.
Dem Antrage des letztern, den im dritten Messeni-
schen Kriege (464-456) schwer bedrängten Spar-
tanern Hilfe zu leisten, widersetzte er sich vergeblich.
Aber E. wurde der aristokratischen Partei sehr lästig
durch die Zähigkeit und Schürfe, mit welcher er bei
der Nechenschaftsablegung der Beamten auf ein ge-
wissenhaftes Verfahren drang. Historisch bedeutend
für Athen wurde er dadurch, daß er im Bunde mit
seinem jüngern Freunde Peritles die polit. Über-
macht des Äreopags (s. d.) brach. Bald nachher
(457) wurde E. auf Veranlassung seiner Gegner
durch Aristodicus^aus Tanagra ermordet.
Ephialtes, <^ohn des Eurydemos, ein 'Malier
oder Trachinier, zeigte den Persern unter lerxes
den Weg, auf welchem sie 480 v. Chr. bei Thermo-
pylä den Griechen in den Nucken fielen (s. Leonidas l.
und Thermopylä). E. wurde von den Amphittyonen
geächtet und in Anticyra ermordet. ^Schwitzen.
Gphidrösis (grch.), Schweißsucht, übermäßiges
Gphod (bebr.), im Alten Testament als Bezeich-
nung eines Gottesbildes und als Name eines vom
Priester als Orakel benutzten Gegenstandes gebrauch-
tes Wort; auch bezeichnet es im Priestercodex (2 Mos.
^8 u. 39) das ^chultertleid des Hohenpriesters, seine
eigentliche Amtstracht (bei Luther "Leibrock").
Ephorät, Amt und Würde eines Ephorus
(s. d. und Ephoren).
Gphoren (grch., d. h. Ausseher), eine aus fünf
Mitgliedern bestehende spartan. Behörde, die 757
v. Ehr. von den Königen Theopompus und Poly-
dorus eingesetzt wurde, ursprünglich um als Stell-
vertreter der Könige neben verschiedenen polizei-
lichen und civilrcchtlichen Befugnissen die Aufsicht
über die Unterthanen der Sparnaten, die Periöken
und Heloten, zu führen. Wahrscheinlich nach dem
zweiten Messenischcn Kriege wurden sie eine unab-
hängige Behörde, nunmehr jährlich aus eine nicht
näher bekannte Art aus sämtlichen Spartiaten ge-
wählt, verwalteten ihr Amt ein Jahr und konnten
nach dessen Ablauf nur von ihren Nachfolgern zur
Verantwortung gezogen werden. Allmählich wur-
den ihre Befugnisse erweitert, besonders seit der
zwischen 580-570 v. Ehr. fallenden gewaltigen
Verstärkung der Aristokratie in Sparta auf Kosten
des Königtums. Sie erhielten die Gerichtsbarkeit
in allen privatrechtlichen Prozessen und in den Pro-
zessen über Leben und Tod der Periöken; sie waren
die obersten Wächter der Gesetze und der ganzen
Staatsverwaltung, die die Volksversammlungen
beriefen und Gesetze vorschlugen; sie konnten alle
Beamten absetzen, mit Geldstrafen belegen, ins Ge-
fängnis werfen; selbst die Könige durften sie vor-
sich laden (diese brauchten jedoch erst der dritten
Ladung Folge zu leisten), bei geringern Vergehen
ihnen leichtere Bußen auflegen, bei schwerern sie bei'
der Gerusia (dem Senat) antlagen. Ferner führten
die E. die Oberaufsicht über die Erziehung der
Knaben und Jünglinge; die Verwaltung des Staats-
schatzes, die Oberleitung der auswärtigen Angele-
genheiten lag in ihrer Hand, sie ernannten die Be-
fehlshaber der Flotte und oft auch die der Land-
heere. Ihrem Einfluß gegenüber fank die Macht
der Könige immer mehr. Als Agis IV. die alte