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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Epilepsiemittel - Epinac

ordentlich ausschlafen. Die psychische E. ist ebenso zu behandeln wie die gewöhnliche. Die Natur der zu Grunde liegenden Hirnstörung ist wahrscheinlich bei beiden dieselbe, nur sind bei der psychischen E. andere Teile des Hirns krankhaft (besonders die graue Rindensubstanz des Großhirns). In neuerer Zeit hat man durch chirurg. Behandlung bestimmter Formen von E. bemerkenswerte Erfolge erzielt.

Den Alten war die Krankheit wohlbekannt. Hippokrates schon hat darüber geschrieben: im Volke aber galten die Epileptischen bald als von den Göttern Bestrafte, bald als Gottbegeisterte.

Litteratur. Herpins bewährte Heilmethode der E. (deutsch von Frank, Quedlinb. und Lpz. 1854); Russel Reynolds, E., ihre Symptome und Behandlung (übersetzt von Beigel; Erlangen 1865); Echeverria, On epilepsy, anatomo-pathological and clinical notes (Neuyork 1870); Nothnagel, Über den epileptischen Anfall (Lpz. 1872); Magnan, Lecons cliniques sur l'épilepsie (Par. 1882); Francois Franck, Lecons sur les fonctions motrices du cerveau (ebd. 1887); Féré, Les épilepsies et les épileptiques (ebd. 1890).

Epilepsiemittel von Killisch, s. Geheimmittel.

Epileptischer Schwindel, s. Epilepsie (S. 207 b).

Epilobium L., Weidenröschen, Pflanzengattung aus der Familie der Onagraceen (s. d.), gegen 50 in den gemäßigten und kalten Zonen, besonders reichlich in Neuseeland vorkommende Arten umfassend. Es sind perennierende, teilweise zu den schönsten Wald- und Sumpfpflanzen gehörende Kräuter, so E. angustifolium L. und E. roseum Retz. Erstere Art, weidenblätterig und bis zu 1,5m und darüber hoch, trägt zahlreiche purpurrote Blütentraubenähren. Auf dem Thüringerwalde und in andern Gebirgsgegenden sind oft ganze Berghänge mit dieser Pflanze bewachsen. Die Blätter einiger, wie von E. angustifolium, dienen zur Verfälschung des Thees.

Epilog (grch.), Nach- oder Schlußrede, kommt wie der Prolog (s. d.) hauptsächlich bei Schauspielen vor. Der E. des antiken Dramas enthielt allgemeine Betrachtungen über das Stück selbst oder über die Rolle dessen, der den E. sprach. Shakespeare bediente sich mehrmals des E., um seinen Zuschauern den Gesichtspunkt anzudeuten, aus dem sie sein Werk betrachten sollten, und zugleich um Nachsicht für die Mängel des Stücks zu erbitten.

Epimachinae, Paradieshöpfe, Gruppe der Paradiesvögel (s. d.).

Epimedium L., Sockenblume, Pflanzengattung aus der Familie der Berberideen (s. d.). Man kennt nur wenige Arten; es sind kleine, mit ihrem Rhizom ausdauernde Alpenpflanzen Europas und Nordasiens. Sie stimmen alle im Habitus überein. Ihre aufrechten, auf dünnen, steifen Stielen stehenden Blätter bilden recht elegante Büsche, welche noch lange nach der Blüte, bis gegen Ende des Winters, ihr frisches Grün bewahren. Die Blütezeit tritt im April und Mai ein, doch sind die schönen Blumen nur von kurzer Dauer. Die in den Gärten am häufigsten angepflanzten Arten sind: E. macranthum Lindl. aus Japan und seine Varietäten mit weißen Blumen, E. violaceum Dcne. (Japan) mit rein violetten, E. pinnatum Fisch., alpinum L., sulphureum Hort. mit gelben, etwas Purpur oder braun überhauchten, und endlich E. atropurpureum Hort. mit größern, außen karminroten, innen blaßgelben Blumen. Alle diese Arten, obgleich in unserm Klima hart, geben wenig oder gar keinen Samen und müssen daher durch Teilung des Stockes vermehrt werden. Sie gedeihen nur in grobbrockiger, frisch zu erhaltender, mooriger Heideerde und in etwas schattiger Lage.

Epimeleten (grch., "Besorger", "Aufseher"), im alten Athen die Mitglieder gewisser Verwaltungsbehörden oder auch außerordentlicher, mit der Ausführung bestimmter Geschäfte beauftragter Kommissionen. Regelmäßige Behörden waren die E. des Emporion, d. h. des Handelshafens, und die E. der Neoria, d.h. der Werften, auf welchen die Kriegsschiffe lagen, und der dazugehörigen Seearsenale, beide mit ihren Amtslokalen in der atheniens. Hafenstadt, dem Peiraieus; ferner die E. der eleusinischen Mysterien und der großen Dionysien, welche die Oberbeamten, denen die Leitung dieser Feste oblag, in dieser Thätigkeit zu unterstützen hatten. Außerordentliche Kommissionen wurden hauptsächlich zur Überwachung von Bauten, deren Ausführung dem Staate oblag, wie Befestigungswerke, Straßen, Tempel u. dgl., niedergesetzt. Die Zahl der Mitglieder betrug gewöhnlich 10, später 12.

Epimenides, im 6. Jahrh. v. Chr. auf der Insel Kreta wohl in Phästos geboren und in Knossos wohnend, wird in den Sagen und Märchen, mit denen sein Leben von den Griechen früh ausgeschmückt worden ist, als ein Vertrauter der Götter und als Seher geschildert. Nach dem Zeugnis des Aristoteles sagte er aber nicht voraus, was kommen werde, sondern deutete vielmehr das Vergangene, das dunkel geblieben war. Es wird berichtet, daß er kosmogonische Lehren aufgestellt hat. Als die Athener einst, von der Pest heimgesucht, nach dem Ausspruch des Orakels den Zorn der Götter zu sühnen suchten, den sie sich durch die seit Niederwerfung des Kylonischen Aufstandes auf ihnen lastende Blutschuld zugezogen hatten, beriefen sie (596 v. Chr.) auf Solons Rat den E. zu sich, der die Stadt entsühnte und manche heilsame Einrichtungen traf. Bei seinem Fortgange nahm er zum Lohn nichts als einen Zweig von dem der Athene geweihten Ölbaume. Von ihm ging auch die Sage, daß er als Jüngling in einer Höhle von einem Schlaf überfallen worden sei, der 57 Jahre gedauert. Diese Sage liegt Goethes Dichtung "Des E. Erwachen", zur Feier der Befreiung Deutschlands durch die Besiegung Napoleons verfaßt, zu Grunde. E. starb in seinem Vaterlande in hohem Alter. Die Kreter, welche ihm später göttliche Ehren erwiesen, behaupteten, er habe 299 Jahre gelebt. Neuerdings ist seine geschichtliche Existenz mehrfach überhaupt bestritten worden. - Vgl. Heinrich, E. aus Kreta (Lpz. 1801); Schulteß, De Epimenide Crete (Bonn 1877); Kern, De Orphei, Epimenidis etc. theogoniis questiones criticae (Berl. 1888).

Epimetheus, nach der griech. Mythologie ein Sohn des Iapetos, der jüngere Bruder des Prometheus, der, wie sein Name besagt, im Gegensatz zu seinem Bruder erst nachher statt vorher überlegte und so sich bereden ließ, die Pandora (s. d.) aufzunehmen. Mit ihr erzeugte er Pyrrha, die Gattin des Deukalion und Stammmutter des Menschengeschlechts. Auch Prophasis, die Ausrede, wird seine Tochter genannt.

Epimythium (grch.), Schluß einer Fabel mit der Nutzanwendung, der Moral.

Epinac (spr. -näck), Hauptstadt des Kantons E. (150,21 qkm, 11 Gemeinden, 10 137 E.) im