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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Erk - Erkältung
ten mit Obst- (berühmt sind die eriwanschcn Pfir-
siche) und Gemüsebau; vier Kanäle aus derSanga
mit zahlreichen Verzweigungen bewässern die
Umgebung. Infolgedessen entstehen im Sommer
Miasmen, auch treten Fliegen, Mücken, Mos-
quitos so massenhaft auf, dah selbst die Behörden
während dieser Zeit E. verlassen und das Hospital
an einen andern Platz verlegt wird. - E. ist eine
der ältesten Städte Armeniens. Unter pers. Herr-
schaft war es Hauptstadt der Provinz Ararat.
1583 kam es an die Türken, 1605 an die Perser,
1635 wieder an die Türken. 1780 zahlte es den
Georgiern Tribut, 1827 kam es, von Paskewitsch
erobert, der deshalb den Beinamen Eriwanskij er-
hielt, an Ruhland und ist seit 1850 Hauptstadt des
Gouvernements.
Grk, Ludw. Christian, Musiker, geb. 6. Jan. 1807
in Wetzlar, war Schüler seines Vaters, später von
A. Andres wurde 1826 Musiklehrer an dem Lehrer-
seminar zu Mors und erhielt im Okt. 1835 die
gleiche Stellung an dem Seminar für Stadtschul-
lehrer zu Berlin. Hier gründete E. seit 1841 Ver-
eine zur Pflege des mehrstimmigen Männergesangs
und begann für diese Vereine in umfassendster Weise
Volkslieder zu sammeln und zu bearbeiten. Durch
die Herausgabe dieser Arbeiten hat sich E. große
Verdienste um die praktische und wissenschaftliche
Pflege des deutschen Volksliedes erworben. Die
hauptsächlichsten Sammlungen sind: "Schullieder"
(Essen 1828; 3. Aufl., 3 Hefte, 1836 - 37), denen
sich als Fortsetzung und Überarbeitung der seit
1839 in 86 Auflagen erschienene "Liederkranz" (mit
W. Greef, 3 Hefte) anschließt; "Mehrstimmige Ge-
sänge für Männerstimmen" (7. Aufl., 2 Hefte, Essen
1883), "Voltsklänge. Lieder für mehrstimmigen
Männerchor" (3. Aufl., 3 Hefte, Berl. 1865 - 67),
"Singvögelein. Sammlung ein-, zwei- und drei-
stimmiger Lieder für Schule, Haus und Leben"
(60. Aufl., 6Hefte, Essen 1882 - 88), "Deutscher
Liederschatz" (Gesamtausg., 5. Aufl., Lpz. 1893),
"Die deutschen Volkslieder mit ihren Singweisen"
(mit W. Irmer, 2. Ausg., ebd. 1843). Letztere
waren ein Vorläufer der vorzüglichen Sammlung
deutscher Volkslieder, die er als "Liederhort" (Bd. 1,
Berl. 1856; neu bearbeitet von Böhme, 3 Bde., Lpz.
l893 fg.) begann. 1877 legte E., der 1857 zum königl.
Musikdirektor ernannt worden war, seine amtliche
Stellung nieder. Er starb 26.Nov. 1883 in Berlin. Auf
dem alten Elifabetbkirchhof in Berlin wurde ihm 1885
ein Denkmal errichtet. - Vgl. Karl Schultze, L. Erk
Grka, s. Helche. ' Merl. 1876).
Erkältung Meti-iForatio) oder Verkühlung,
alle diejenigen nachteiligen Folgen, welche für
den menschlichen Körper aus einer zu raschen
Abnahme der Temperatur entspringen können.
Einer der wichtigsten Prozesse in der Ökonomie des
tierischen Organismus ist die Ausdünstung der
Haut, durch deren Poren und aus deren Schweiß-
tanälchen unaufhörlich ein Teil der im Körper ent-
haltenen Flüssigkeiten verdampft, wozu die nötige
Wärme durch die Blutcirtulatton geliefert wird.
Wird diese Wärme durch längere Zeit einwirkende
bedeutende Kälte der Oberfläche entzogen, so erfolgt
Erfrierung (s. d.); wird sie schnell dnrch einen oft
verhältnismäßig nur unbedeutenden Kältegrad, be-
sonders durch feuchte Kälte, zurückgedrängt, so er-
^oigt E. Das Wesen der dadurch entstehenden Stö-
rung oder Erkrankung der Haut ist noch nicht anf-
getlärt. Die Ansicht der ältern ^rzte, daß infolge
der unterdrückten Hautausscheidung ein dem Orga-
nismus schädlicher Stoff im Blute zurückgehalten
werde, dessen Anhäufung dann die der E. folgenden
örtlichen Krankheiten hervorrufe, ist durch die neuern
physiol. Untersuchungen über die Thätigkeit der
Haut völlig unhaltbar geworden. Viel wahrschein-
licher ist es, daß beim Erkältungsvorgange das
Nervensystem eine wichtige Rolle spielt, indem bei
der Abkühlung die sensiveln Hautnervcn in einen
krankhaften Erregungszustand versetzt werden, wcl-
cher bis zu den Centralorganen des Nervensystems
fortgeleitet und von hier auf reflektorischem Wege
auf gewisse andere, für diesen Reiz besonders em-
pfängliche Nervenbahnen übertragen wird; erfolgt
die Übertragung auf fensible Nerven, so entstehen
rheumatische Schmerzen, während bei Übertragung
auf das der Wärmeregulierung vorstehende Nerven-
centrum Fiebererregungen zu stände kommen.
Die Organe, welche am häufigsten durch E. er-
kranken, sind die Haargefäße, die Nerven, die Mus-
keln und die Brustorgane; Entzündungen, Rheuma-
tismen und Katarrhe sind aus diesem Grunde, wie
die tägliche Erfahrung zeigt, die häufigsten Erkäl-
tungskrankheiten. Indes kann eine E. auch die
Gelegenheitsurfache zum Ausbruch gewisser Infek-
tionskrankheiten, z. B. der Cholera, des Wechsel-
sieb ers u. s. w. abgeben.
Bisweilen besteht eine innige Beziehung zwischen
dem erkälteten Hautteil und gewissen nahe gelegenen
Organen; so führt E. des Halses sehr leicht zu'Kehl-
kopfkatarrh, die der Brust zu Luftröhrenkatarrb;
Menstruationsstörungen entstehen häufig durch E.
der Füße, Durchfälle nach E. des Leibes u. dgl.
Andererfeits freilich wird bei manchen Personen
durch jedwelche E., gleichviel auf welchen Körperteil
sie auch einwirkte, immer dieselbe Krankheit erzeugt.
Zu den schädlichen Ursachen, die E. herbeiführen,
gehören vorzüglich Zugwind und innere oder
äußere Abkühlung durch kaltes Wasser. Besonders
schwitzende Hauttcile werden leicht durch Zugwind
erkältet, weil die durch den Zug bedingte raschere
Verdunstung des Schweißes so viel Wärme bindet,
daß die Haut, auch wenn der Zugwind an sich nicht
kalt war, doch stets eine plötzliche Abkühlung er-
leidet. Am gefährlichsten sind die E. schwitzender
Füße, weshalb man nasse Strümpfe fo schnell als
möglich wechseln soll. Eine besondere Anlage zur
E. (Erkältb arkeit) ist vielen, besonders ver-
weichlichten Personen eigen. Übrigens ist nicht zu
vergessen, daß der Volksglaube sehr geneigt ist,
alle möglichen Krankheiten, also auch solche, die
nie durch E. entstehen, auf eine solche, den sog.
Verschlag, zurückzuführen. In neuerer Zeit ist
die E. als eigentliche Ursache von Krankheiten
sehr eingeschränkt worden. Hinsichtlich der Behand-
lung ist zu bemerken, daß möglichst bald nach ge-
schehener E. äußere Wärme, Bettruhe und warmes
wässeriges Getränk (z. B. Lindenblütenthee, Warm-
bier, chines. Thee, weniger gut die erhitzenden Auf-
güsse von Kamillen oder Flieder) anzuwenden sind,
weil durch eine energische und anhaltende Schwitz-
kur ernstliche Folgen der E. am ehesten verhütet
werden. Bei chronischen Erkältungskrankheiten sind
besonders die russ. Dampfbäder beliebt. Übrigens
ist die einmal entstandene Erkältungskrankheit nach
ihrer besondern Natur zu behandeln. Gegen Er-
kä'ltbarkeit, die womöglich schon in früher Jugend
energisch bekämpft werden soll, wendet man ent-
weder kalte Waschungen des Körpers, Fluh- und