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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Erkel - Erklären
Seebäder, auch Hydrotherapie an, oder schützt, wo !
dies unthunlich, den Kranken durch wollene oder
seidene, auf dem bloßen Leibe zu tragende Unter-
kleider. (S. Abhärtung.)
Erkel, Franz, ungar. Komponist, geb. 7. Nov.
1810 zu Bake's-Gyula, empfing Musikunterricht von
seinem Vater, einem Schullehrer, ging 1835 als
Kapellmeister und Pianist nach Pest, wo er seit 1838
als erster Kapellmeister, seit 1865 als General-
musikdirektor des Nationaltheaters (des jetzigen
königlich ungar. Opernhauses) wirkte. 1875-88 war
er auch Leiter der Landesmusikakademie. Er starb
15. Juni 1893 in Budapest. Von E.s namentlich
in Ungarn erfolgreich aufgeführten Opern sind her-
vorzuheben: "Huu^äy 1^8210" (1844), die beste
ungar. Nationaloper "I^rx86l)6t" (1857; mit Fr. und
K. Doppler), "L^nkd^n" (1861), "V028H (^üi^v"
(l867), "^6vto1eu1i()8öl5" (1880), "König Stcfan"
(1885). Von seinen kleinern Kompositionen und
Liedern ist ebenfalls vieles unter seinen Landsleuten
populär geworden, besonders die Musik zu Kö'lcseys
"IIvmlni8" (1845). E.s Hauptkraft bestand in der
glücklichen Verschmelzung der modernen ausländi-
schen mit der altungar. Nationalmusik.
Erkelenz. 1) Kreis im preuß. Reg.-Bez. Aachen,
hat 288,9<> <ikm, (1890) 36047 (18366 männl.,
17 681 weibl.) E., 1 Stadt und 24 Landgemeinden. -
2) Kreisstadt im Kreis E., 40 km im NO. von
Aachen, 63 Km von der niederlä'nd. Grenze, in 99 m
Höhe, auf einer Hochebene in sehr fruchtbarer Ge-
gend, an der Linie Aachen-Düsseldorf der Preuß.
^taatsbahnen, Sitz des Landratsamtes und eines
Amtsgerichts (Landgericht Aachen), hat (1890) 4066
(2018 männl., 2048 weibl.) (5., darunter 91 Evan-
gelische und 47 Israeliten, Post zweiter Klasse, Tele-
graph, zwei schöne kath. Kirchen (der 1475 neuerbaute
83 m hohe Turm der got. Pfarrkirche erhielt 1880
eine Spitze aus Eisen- und Kupferplatten), eine Syna-
goge, ein Hospital, eine höhere Schule mit Knaben-
pensionat, eine Volksbank mit Sparkasse: Fabrika-
tion von Plüsch, Halbwollwaren, Spitzen, Bändern,
Leinwand, Leim, Firnis und Lack, Destillationen,
Brennereien, Getreide- und Flachsbau, Viehzucht
sowie Handel mit Getreide und Leinsaat.
Erkeneh, Fluß in der Türkei, s. Ergene.
Erkenne dich selbst, s. kuotki Leautou.
Erkennen, Erke n ntnis, im allgemeinen dac-
Erfassen der Wahrheit im Bewußtsein, vermöge
einer dem Gegenstand gemäßen Vorstellung. Idre
Grundfaltoren sind Anschauung (s. d.) und Begriff
(s. d.). Das Problem der Beziehung der Erkenntnis
auf den Gegenstand behandelt die Erkenntnistheorie
(s. 0.). (^. auch Intuition und ^ priori.)
Erkennen, ein kaufmännischer, mit gutbringcn,
gutschreiben gleichbedeutender Ausdruck. Man er-
kennt einen Dritten für eine von ihm gewährte
Leistung (für von ihm gelieferte Ware, für zuge-
sandte Wechsel u. s. w.), besagt somit, daß man
ihm dcren Geldbetrag in den Handelsbüchcrn gut-
schreibt, ihn dafür kreditiert.
Erkenntnis, f. Erkennen. - In der Reckts-
sprache heißt E. oder Sentenz das in einem Pro-
zeß ergehende Urteil, im Gegensatz zu den bloßen
prozeßleitenden Verfügungen (f. Urteil, Dekrct und
Entscheidung).
Erkenntniskritik, s. Erkenntnistheorie.
Erkenntnistheoretisch, zur Erkenntnistheorie
(s. d.) gehörig oder darauf bezüglich, ein in neuerer
Ievt ausgekommener Ausdruck, wofür Kant tran-
scendental (s. Transcendent), andere gnoseo-
logisch gebrauchen.
Erkenntnistheorie, Name für die philos. Dis-
ciplin, deren Aufgabe die Untersuchung der Grund-
gesetze der Erkenntnis (s. Erkennen) und die Fest-
stellung der Grenzen ihrer Gültigkeit ist. Kant be-
zeichnet diese Aufgabe als die einer "Kritik" des
Erkenntnisvermögens (oder der Vernunft) oder der
"Transcendentalpbilosophic". Der Irrtum, als ob
die Lösung dieser Aufgabe auf dem Wege empirisch-
pfychol. Erforfchung der Entstehung der Erkenntnis
zu suchen sei, hat den erst außerordentlich rasch in
Ausnahme gekommenen Aufdruck E. wieder etwas
verdächtig gemacht, daher H. (5ohen (zuerst in "Das
Princip der Infinitesimalmethode", Verl. 1883, §.8)
den adsichtlicb auf Kant zurückweifenden Ausdruck
Erkenntnis kriti k bevorzugt. - Vgl. Volkelt, Er-
fahrung und Denken. Kritische Grundlegung der E.
(Hamb.' 1886); E. L. Fischer, Die Grundfragen der
E. (Mainz 1887): Dorner, Das menschliche Er-
kennen. Grundlinien der E. und Metaphysik (Berl.
1887); E. von Hartmann, Das Grundproblem der
E. (Lpz. 1889); Al. Schmid, Erkenntnislehre (2 Bde.,
Freib. i. Br. 1890); Ed. Grimm, Zur Geschichte des
Erkenntnisproblems (Lpz. 1890); Heymans, Die
Gesetze und Elemente des wissenschaftlichen Denkens.
Ein Lehrbuch der E. (Bd. 1, ebd. 1890); Uphues, Psy-
chologie des Erkennens vom empirischen Stand-
pnnkte (Bd. 1, ebd. 1893).
Erkenntnisvermögen, früher philos. Ausdruck
für den Inbegriff der zur Erkenntnis zusammenwir-
kenden Faktoren (wie Anschauung, Begriff u. s. w.).
Erkennungsmarke, ein Blechtäfelcken, mit
welchem jeder Soldat der deutschen Feldarmee be-
hufs Feststellung der Persönlichkeit bei Verwundun-
gen u. s. w. versehen ist. Diese E. enthält die dem
Inhaber in der Stammrolle seines Truppenteils
beigegebene Nummer sowie die Bezeichnung dieses
Truppenteils; sie wird beim Eintritt der Mobil-
machung verabfolgt und im Felde an einer Schnur
um den Hals auf bloßem Leibe getragen.
Erker, ein aus dem Gebäude herausgejagter,
von unten nicht direkt unterstützter Gebäudeteil, der
durch ein oder mehrere Etagen geschlossen durchgeht
und als Erweiterung des dahinter liegenden Rau-
mes dient. Die schönen E. des Mittelalters nennt
man (5 hör lein (s. d.). Die deutsche Renaissance
brachte den Erkerbau zur größten Entwicklung.
Hervorgegangen aus dem Befestigungsbau (wic
z. B. am sog. Nassauer Haus zu Nürnberg), wurden
sie zu einem der wichtigsten Schmuckglieder an
Schlössern und Wohnhäusern und fehlen fast nie an
Bauten jener Zeit. Der Klassicismus wußte mit
ibnen wcnig anzufangen. Man verbot die E. in
vielen Städten, weil sie angeblich den Nachbarn
Lickt und Aussicht nehmen. In neuerer Zeit haben
sie in Deutschland wieder eine weit verbreitete Ver-
wendung gefunden und für die reichere Gestaltung
fowohl der Facaden als der Innenräume reizvolle
Motive geboten. - Vgl. Lübke, Geschichte der Re-
naissance in Deutschland (2. Aufl., 2 Bde., ^tuttg.
1882); Deutsche Renaissance, hg. von Ortwein und
Scheffers (223 Lfgn., Lpz. 1871-88); Hirth, Das
deutsche Zimmer (3. Aufl., Münch. 1886).
Erklären, durch Auseinandersetzung klar ma-
chen, dem Verständnis nahe bringen. Einen Begriff
erklären beißt, genau angeben, was darin gedackt
ist (s. Definition). Eine Thatsache erklären heißt, sie
aus ihr Gesetz zurückführen, sodaß die einzelne That-