Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

299
Ernesti - Ernestinische Linie
Pail-Fougeres der Franz. Westbahn, hat (1891)
3619, als Gemeinde 5149 E., ein Hospital, ein
Schloß im Renaissancestil, röm. Altertümer; Vtahl-
und Ölmühlen, Gerberei, Roheisen- und Leinen-
fabrikation, Handel mit Schiefer, Kalk, Gips, Ge-
treide, Wein und Branntwein.
Grnesti, Heinr. Friedr. Theod. Ludw., evang.
Theolog, geb. 27. Mai 1814 zu Vraunschweig, stu-
dierte in Göttingen, wurde 1838 Diatonus in sei-
ner Vaterstadt, 1842 Prediger in Volfenbüttel,
1843 Superintendent, 1850 ^onsistorialrat, 1858
Generalsuperintendent, 1877 Vicepräsident des Lan-
deskonsistorinms, präsidierte seit 1874 der Eise-
nacher Kirchenkonferenz und starb 17. Aug. 1880
zu Wolsendüttel. Die prot. Landeskirche seiner
Heimat verdankt ihm besonders die Durchführung
einer synodalen Kirchcnordnung. Er schrieb eine in
Braunschweig und andern Landeskirchen als offi-
zielles Lehrbuch für den Religionsunterricht ein-
geführte "Erklärung des Kleinen Katechismus Dr.
Luthers" (Vraunschw. 1859; 14. Aufl. 1871); fer-
ner: "Vom Ursprünge der Sünde nach paulini-
schem Lehrgehalte" (2 Bde., Gott. 1862) und "Die
Ethik des Apostels Paulus" (3. Aufl., ebd. 1880).
Ernesti, Joh. Aug., Theolog und Philolog, der
Stifter einer neuen theol. und philol. Schule, geb.
4. Aug. 1707 zu Tennstädt in Thüringen als Sohn
des Superintendenten und theol. Schriftstellers
Johann Christoph E. (geb. 11. Jan. 1002, gest.
11. Aug. 1722), studierte zu Wittenberg und Leipzig
zunächst Theologie, machte aber, nachdem er 1731
Konrektor und 1734 Rettor der Thomasschule in
Leipzig geworden war, die alte klassische Litteratur
und die mit ihr verwandten Wissenschaften zum vor-
züglichsten Gegenstände seiner Studien. Er wurde
1742 außerord. Professor der alten Litteratur an
der dortigen Universität, 1756 Professor der Bercd-
samkeit, erhielt 1759 noch überdies eine ord. Pro-
fessur der Theologie und legte erst 1770 die erstere
nieder. Als erster Professor der theol. Fakultät starb
er 11. Sept. 1781. Durch gründliches Studium der
Philologie wurde E. zu einer richtigern Exegese der
biblischen Schriftsteller geführt. Von ihm ging größ-
tenteils die theol. Aufklärung aus, insofern sie sich
auf Philologie und richtige grammatiscke Erklärnng
gründet. Als genauen Kritiker und Grammatiker
zeigte er sich in seinen Ausgaben der "Memorabi-
lien des Sokrates" von Lenophon (5. Aufl., Lpz.
1772), der "Wollen" des Aristophanes (ebd. 1753;
neue Ausg. von G. Hermann, ebd. 1830), des Homer
(5 Bde., ebd. 1759-64; 2.Aufl. 1824), Kallimachus
(2 Bde., Leid. 1761), Polybius (3 Bde., Lpz. 1764),
Suetonius (ebd. 1748; 2. Aufl. 1775), Tacitus (ebd.
1752; 2. Aufl. 1772; zuletzt neu aufgelegt von
Better, 2 Bde., ebd. 1831), vor allein aber durch seine
vortreffliche Ausgabe des Cicero (5 Bde., ebd. 1737
-39 u. ö.), die er mit einer "^Wvi8 (^icei'cmiiiuii"
(6. Aufl., Hallo 1831) als sechstem Bande begleitete.
Auch veranstaltete er eine neue Ausgabe der "Zidlio-
tlikcil. I^twH" des I. A. Fabricius (3 Bde., ebd.
1773-74). Wegen seiner vortrefflichen Latinität
erhielt er den Namen eines Cicero der Deutscheu.
Von scinen selbständigen Werken sind hervorzuheben:
"luitia (locti-IiiH? 8o1i(1ioi'i8" (Lpz. 1736; 8. Aufl.,
Berl. 1802), die "^Mgcula. v^iii ai-Fumeiiti" (Lpz.
1794), "OMäoulk oi-HtoriH, oi-ation^, pi'oiu-
8101163 6t 6i0Fia" (Leid. 1762; 2. Aufl. 1767), das
nach seinem Tode erschienene "Opu8cui0i-um org.-
toriorum uovuui volumen" (Lpz. 1791). Zahlreich
sind auch seine thcol. Schriften, unter denen sich be-
sonders der "^nti-^1ni'Hwi'iu8" (Lpz. 1755) und die
"Opu8cmlH UioowFioll" (ebd. 1773 u. 1792) auszeich-
nen. Auch feine "Opvi8cuiH ^MIolo^ico-ci'itioH"
(Leid. 1762 u. 1776) enthalten für die Theologie
manches Wichtige. Die Schrift "In8titutio imer"
1)i-?U8 ^ovi '1V'8winenti" (Lpz. 1809) ist in 5. Auf-
lage von Ammon herausgegeben. Verdienste erwarb
sich E. auch durch die Herausgabe der "Neuen theol.
Bibliothek" (10 Bde., Lpz. 1760-71) und der
"Neuesten thcol. Bibliothek" (4 Bde., ebd. 1773-79).
Ernestinifche Linie, die ältere, hcrzogl. Linie
des sächs. Fürstenhauses. Als die Söhne Kurfürst
Friedrichs des Sanftmütigen, Ernst (s. d.) und Al-
brecht (s. d.), ihr Erbe 1485 teilten, erhielt der
ältere, Ernst, das südl. Thüringen, die wcstl. Hälfte
des Osterlandes mit Zwickau, Altenburg und Leip-
zig, die vogtländischen und frank. Besitzungen des
Hauses und die Kur mit dem Herzogtum Sachsen
und dann die Vogtei über das Bistum Naumburg.
Die Schutzherrschaft über das Bistum Meißen, Er-
furt und die Reichsstädte (Mühlhausen und Nord-
hausen) sowie die Bergwerke blieben gemeinschaft-
lich. Der Enkel dieses Stistcrs der E. L., Johann
Friedrich der Großmütige (s. d.), trat 1542 seinem
Bruder Johann Ernst die Pflege Coburg ab, wo-
durch eine Nebenlinie Coburg gegründet wurde,
verzichtete durch die Kapitulation zu Wittenbcrg
(19. Mai 1547) auf die Kurwürde und verlor
seine Länder bis auf Eisenach, Weimar, Gotha,
Jena und einige andere Städte und Ämter. Co-
burg, Hildburghausen und anderes fiel 1553 an die
Erncstinische Hauptlinie zurück, die auch durch den
Vertrag zu Naumburg (24. Febr. 1554) Altenburg
nebst dem Neustädter Kreis von Kursachsen erwarb.
Die Söhne Johann Friedrichs des Großmütigen,
Johann Friedrich 11. (der Mittlere) und Johann
Wilhelm stifteten 1566 durch Teilung die ältern
Weimarer und Coburger Linien. Johann Fried-
rich 11. starb 1595 in der Gefangenschaft. Seine
Söhne Johann Kasimir und Johann Ernst erlang-
ten schon 1570 die Wiedereinsetzung in den väter-
lichen Besitz, von dem allerdings derNeustädterKreis,
zunächst als Pfand, an Kursachsen gefallen war,
und verglichen sich mit ihrem Oheim Johann Wil-
helm 1572 zu Erfurt dahin, daß dieser Weimar,
Jena, ^aalfeld, Altcnburg und andere thüring. und
osterländische 'Amter, seine beiden Neffen aber außer
Coburg und andern Orten namentlich Gotha und
Eisenach erhielten. Durch eine von ihnen 1596 be-
wirkte Teilung entstand abermals eine coburgische
und eine eisenachische Speciallinie. Ihre Weimar.
Vettern folgten 1603 diesem Beispiel, indem sie von
Weimar ein Fürstentum Altenburg abschieden; doch
erlosch die Altenburgcr Linie 1672 wieder. Die
coburgischcn und eisenachischen Besitzungen waren
schon 1633 und 1638 nach dem kinderlosen Ableben
von Johann Kasimir und Johann Ernst an Weimar
zurückgefallen, sodaß sämtliche Besitzungen des Er-
nestimschen Hauses, seit 1660 noch vermehrt durch
sieben Zwölftel des Erbes der 1583 ausgestorbenen
Grafen von Henneberg, wieder unter dem 1603
von Herzog Johann gestisteten (jüngern) Weimar.
Zweige vereinigt waren. Von Johanns acht Söh-
nen, unter denen Johann Ernst durch Gelehrsam-
keit und als Stifter der Fruchtbringenden Gesell-
schaft (1617), Bernhard (s. d.) als Feldherr im
Dreißigjährigen Kriege hervortraten, waren 1640
noch drei am Leben. Diese teilten damals das an-