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Brockhaus' Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Ernst (Herzog von Bayern) - Ernst Augnst (König von Hannover)
losten Baden-Baden übernahm, geriet er in Konflikt
mit dem Kaiser, dem die Vereinigung des katb.
Landes mit dem protestantischen widerstrebte. E. F.
starb 14. April 1004 kinderlos. Ihm folgte sein
jüngster Vrnder Georg Friedrich, der schließlich das
ganze durlachsche Gebiet in seiner Hand vereinigte. >
Gruft, Herzog von Bayern, s. Ernst, Kurfürst
von Köln ((H. 302ii).
August, König von Hannover, llnd Eumbcrland.
Ernst August, erster Kurfürst von H annover,
geb. 1029 als Sohn des Herzoge Georg von Braun-
schweig-Lüneburg, wurde als der vierte Sobn für
den geistlichen Stand bestimmt, stndicrtc in Mar-
burg und ward 1040 zum Koadjutor von Viagde-
bürg gewählt. Da das Erzftift durch den West-
fälischen Frieden dem Kurfürsten von Branden-
burg zugesprochen wurde, so erhielt E. A. als Ent-
schädigung die Anwartschaft auf das Bistum Oena-
brück, das ihm 1002 nach dem Tode des Fürst-
bischofs Franz Wilhelm zufiel. 1058 heiratete er die
Pfalzgräfin Sophie, Tochter des Pfalzgrafen Fried-
richs V. In den 1.1073-75) nahm er an der Seite des
Kaisero und derHolländer an dem Reichskriege gegen
Frankreich teil. 1079 folgte E. A. seinem ältern
Bruder Johann Friedrich als Herzog von Braun-
schweig-Calenberg-Hannover. Unter dein Einfluß
des Ministers Grote richtete E. A. sein Bestreben
darauf, alle Vesitznngen seiner Familie, der jüngern
Linie des Hauses Braunschweig, in einer Hand zn
vereinigen, und für das so gefestigte und zu höberer !
Bedeutung gelangte Haus die Kurwürde zu erwer- ^
ben. Zuerst galt es, die Primogenitur sür Hanno- !
ver und für Celle, wo fein Bruder Georg Wilbelm ^
eine unebenbürtige Ehe geschlossen batte, zu sichern.
Durch ein Testament, dem Georg Wilhelm und der
Kaiser zustimmten, führte E. A. das Erstgeburts-
recht ein. Aber die jüngern Söhne E. A.s waren
nicht gewillt, all ihre Rechte dem ältesten Bruder
Georg Ludwig zu überlassen. Es bildete sich in
Hannover eine förmliche Verschwörung, an deren
Spitze der Oberjägermeister von Moltke stand. Die
Kurfürstin Sophie Charlotte von Brandenburg, die
Tochter E. A.s, von der Aussicht auf die Größe
ihres Hauses durchdrungen, teilte dem Vater die
Pläne ihres Bruders Maximilian Wilbelm mit,
der sich an den brandenb. Minister Danekelmann
gewandt hatte. Moltke wurde hingerichtet, Maxi-
milian verhaftet und gezwungen, auf feine Rechte
eidlich Verzicht zu leisten. Um sich die Gunst des
Kaisers zu erwerben, sandte E. A. 10000 Mann
gegen die Türken, andere hannov. Truppen foch-
ten in venet. Solde ebenfalls gegen die Pforte.
Gegen Ludwig XIV., der 1688 in die Pfalz ein-
gebrochen war, führten E. A. und der Erbprinz
Georg Ludwig bedeutende Streitkräftc an den Rbein
und nach den Niederlanden. Trotzdem wollte die
öfterr. Regierung der Erlangung der neunten ^ur-
würde für Hannover nicht zustimmen; sie stellte als
Bedingung den Übertritt des welfischen Hauses zum
Katholieismus. Erst als-E. A. drobte, mit Frank-
reich einen Neutralitätsvertrag eingeben zu wollen,
gab der Kaiser nach und schloß im März l092 mit
dem Herzoge den Kurtraltat. E. A. versprack da-
gegen 0000 Mann und 500000 Gulden Subsidien
für den Türkenlrieg und ging außerdem nock meh-
rere Bedingungen für die Kaiscrwadl der Habs-
burger und zu Gunsten der katb. Kirche ein. Im
Dez. 1092 wurde Grote für seinen Herrn im Kur-
fürstenkolleg mit der Kurwürde belehnt; E. A. er-
hielt den Titel eines Neichserzschatzmeisters. Langer
wädrte der Kampf mit den Reichsfürsten, die unter
Führung der ältern braunschw. Linie und im An-
schluß an Dänemark zu dem Bunde der "Korrespon-
dierenden Fürsten" sich vereinigten und dem neuen
ziurbause einen erbitterten und zähen Widerstand
entgegensetzten. E. A. wußte auch im Innern sein
Land zu heben und zu fördern; dem Gedanken einer
Wiedervereinigung von Katholiken und Protestanten
stand er sympathisch gegenüber, ebenso wie Leibniz,
sein Historiograph, der durch seine Anwesenheit in
Hannover den Glanz des neuen Hofs vermehrte.
E. A. starb 23. Jan. 1098 in Schloß Hcrrenhausen.
Ernst August, König von Hannover,^geb.
5). Juni 1771 zu London, war der fünfte i^ohn
König Georgs 111. von England aus der Ehe mit
Charlotte, geborenen Prinzessin von Mecklenburg-
Strclitz. Der Prinz besuchte 1780-91 die Universität
Göttingen, trat während seiner Studienzeit 1790
in den Militärdienst und nahm 1793-95 als Be-
fehlshaber eines hannov. Kavallerieregiments an
den Feldzügcn in den Niederlanden teil, in denen
er sich durch persönliche Tapferkeit auszeichnete.
Nack dem Bafclcr Frieden kehrte er nach England
zurück und trat 1799 als Peer von königl. Blute
und Hcrzogvon Cumberland in das brit. Ober-
haus ein. 1813 begab er sich auf den Kontinent
in das Hauptquartier der Verbündeten, nahm noch
an der Schlackt bei Kulm (30. Aug.) teil und be-
suchte auch 4. Nov. das von dem Feinde geräumte
Hannover. Doch erhielt nicht er, sondern (1816)
sein jüngerer Bruder, der Herzog von Cambridge,
die Würde eines Statthalters von Hannover. In
Berlin vermählte er sich 1815 mit der Prinzessin
Friederike von Mecklenburg-Strelitz sgest. 29. Juni
1841), Schwester der Königin Luise von Preußen,
die zuerst mit dem Prinzen Ludwig Friedrich Karl
von Preußen sgest. 1790), dann mit dem Prinzen
Friedrich Wilhelm von Solms-Braunfels (gest.
1814) verheiratet gewefen war. Am Hofe zu Ber-
lin, in der Zeit der Reaktion und in enger Beziehung
zu dem Herzog Karl von Mecklenburg, gewann E. A.
feine Auffassung der deutschen Verhältnisse und seine
Vorliede für das preuß. Militürwefen. Als Tory
widerstrebte er im brit. Parlament aufs entfchie-
dcnste der Katholikenemancipation. Auch war er
Großmeister der Orangelogen, von deren Tendenzen
er sich jedoch 1830 öffentlich lossagen muhte.
Als mit dem Tode Wilhelms IV. 20. Juni 1837
die brit. Krone der weidlichen Linie zufiel, folgte
E. A., nach dem Rechte der männlichen Erbfolge,
in Hannover. Er nahm nun als erster selbständiger
König seinen Sitz im Lande, fand aber die Verfas-
fungs- und Verwaltungszustände desselben seinen
Ansichten so wenig entsprechend, daß er sofort deren
Beseitigung unternahm, um dadurch seinem blinden
Sohn die Thronfolge zu ermöglichen und um freier
über die Finanzen des Landes fchalten zu können.
Nachdem er 28. Juni 1837 die versammelten Stände
vertagt hatte, ertlärte er 5. Juli, daß das Staats-
grundgesetz von 1833 weder dem Bedürfnisse des
Landes entspreche, noch für ihn rechtsverbindlich sei
und bob sodann I.Nov. das Staatsgrundgesetz förm-
lich aus. Mit eiserner Konsequenz, selbst Gewaltsam-
keit, verfolgte E. A. jede Opposition, die sich für die
aufgehobene Verfassung erklärte. Unterstützt von den
beiden deutschen Großmächten ging E. A. aus dein
Verfassungsstreite als Sieger hervor, der durch eine