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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Erthal - Ertragsanschlag
Erthal, Franz Ludw., Freiherr von, Fürstbischof
von Vambcrg und Würzburg, geb. 1730, wurde
von Kaiser Joseph II. zu einem der Kommissare
bei der Untersuchung des Neichskammergerichts in
Wetzlar und zum Kommissar am Reichstag zu
Regensburg ernannt', 1779 ward er in Würzburg
und Bamberg zum Fürstbischof gewählt. Nack einer
in jeder Hinsicht trefflichen Negierung starb E. am
16. Febr. 1795 zu Würzburg. Er schrieb: "über den
Geist der Zeit und die Pflichten der Christen" l1793)
und "Predigten, dem Landvolk vorgetragen" (Bamb.
1797' 2. Aufl.,Würzb. 1841). - Vgl. Bernhard sd. i.
H. Reuchlin), Franz Ludw. von E. (Tüb. 1852); Leit-
schuh, Franz Ludw. von E. (Bamb. 1894).
Grthal, Friedr. Karl Joseph, Freiherr von,
Kurfürst von Mainz, Bruder des vorigen, geb.
1719, wurde 1753 in das Kapitel aufgenommen,
1769 zum Mainzer Gesandten am Kaiserhofe er-
nannt und 1774 zum Erzbisch of und Kurfürst
gewäM. Entgegen der freisinnigen Politik seines
Vorgängers Emmerich Joseph zog E. die Jesuiten
von neuem heran und duldete, daß die im Kul-
tus und im Schulwesen begonnenen Reformen
rückgängig gemacht wurden. Doch nach einigen
Jahren kehrte E. in die liberalen Bahnen seines
Vorgängers zurück und suchte nun auch seinerseits
die Polizei und die Verwaltung, insbesondere die
Unterrichtsverwaltung, zu bessern und zu heben.
Sein Werk war 1784 die Neugestaltung der Mainzer
Universität. Im folgenden Jahre schloß sich der
Kurfürst dem Fürstenbunde Friedrichs d. Gr. an.
Unter preuß. Vermittelung wurde das seit der
Emser Punktation 1786 sehr gespannte Verhältnis
zur Römischen Kurie wieder gebessert, ohne daß es
jedoch zu einem vollen Ausgleich kam; dieReform-
bestrcbungen, die Wünsche nach einer größern Un-
abhängigkeit von Rom, blieben unter der Mainzer
Geistlichkeit erhalten. Nach Ausbruch der Revo-
lution nahm sich der Kurfürst sehr eifrig der franz.
Emigranten an und betrieb den Krieg gegen die
Republik. 1792 mußte er vor den siegreichen franz.
Heeren aus Mainz flüchten. Durch den Frieden
von Lunsville verlor er den linksrhein. Teil seines
Erzbistums an Frankreich, bald darauf starb er
1802 zu Aschafsenburg.
Grtholmene, s. Christiansö.
Grtogrul, türk.Heerführer,VaterOsmans (s.d.),
des Begründers des Osmanischen Reichs.
Ertrag, der Überschuß, der sich ergiebt, wenn
von der Gesamtheit der Einnahmen, die aus einem
einzelnen Produktionsbetrieb oder einer andern be-
sondern Einkommensquelle innerhalb einer bestimm-
ten Periode, insbesondere eines Jahres, erzielt wer-
den, die Gesamtheit der zur Beschaffung dieser Ein-
nahmen aufgewandten Ausgaben oder Kosten ab-
gezogen wird. Der E. in diefem Sinne heißt auch
Reinertrag, indem man ihm den Wert des Pro-
duktes oder unmittelbaren Ergebnisses einer Ertrags-
quelle als Rohertrag gegenüberstellt. Der Unter-
schied des E. von dem Einkommen (s. d.) liegt darin,
daß der erstere keine Beziehung auf die wirtschaftende
Persönlichkeit enthält, sondern sich an ein bestimmtes
Objekt, z. B. ein Grundstück, ein Miethaus oder an
einen ebenfalls als selbständige Einheit angesehenen
Produttions- oder Verufsbetrieb knüpft. Der E.
kann sich also auf mehrere selbständige Wirtschaften
als Einkommen verteilen, und umgekehrt kann sich
das Einkommen einer Person aus den Ergebnisen
mehrerer Ertragsquellen zn^anvvnensetzen.
Grtragsanschlag, auch Taxation, Güter-
schätzung, in der Landwirtschaft die auf Wahr-
scheinlichkeitsrechnung gegründete Ermittelung des
Wertes sowohl ganzer Wirtschaften als einzelner
Betriebszweige derselben oderauch einzelner Grund-
stücke. Je nach dem Zwecke des E. sind verschiedene
Gesichtspunkte maßgebend. Bei der hypothekarischen
Veleihung wird nur der Sicherheitswert ins Auge
gefaßt; beim An- und Verkaufe kommt der kapitali-
sierte Reinertrag in Betracht, der je nach dem Zins-
fuße, zu dem der Käufer sein Geld anlegen will,
wechselt; bei der Pachtung oder Verpachtung endlich
ist nur der Reinertrag maßgebend. Letzterer wird in
der Weise berechnet, daß zunächst sämtliche in der
Wirtschaft erzeugten Rohwerte (Rohertrag, Brutto-
ertrag) festgestellt werden, daß das Gleiche mit den
Aufwendungs-sProduktions-)Kosten geschieht, und
daß letztere von den erstern abgezogen werden; es
verbleibt dann der Reinertrag. Beim E. eines ein-
zelnen Grundstücks ist die Berechnung des Rein-
ertrags einfach; fchwieriger gestaltet sich dagegen
diejenige sür eine vollständige Wirtschaft. Es führt
dabei nicht zum Ziele, den Reinertrag eines jeden
Grundstücks u. s. w. für sich zu berechnen, sondern
es kann dies nur mit Rücksicht auf die Gesamtwirt-
schast gefcheben, da die Höhe des Neinertrags der
einzelnen Teile durch ihre Wechselwirkung auseinan-
der, durch das Zusammenwirken einer ganzen Reihe
von Faktoren bedingt ist.
Der E. eines Gutes setzt sich aus folgenden ein-
zelnen Teilen zusammen: Information oder Guts-
beschreibung; Feststellung des Wirtschaftsplanes;
Ermittelung des Rohertrags; Bestimmung der
Wirtschaftskosten; Berechnung des Reinertrags
event, des Kapitalwertes.
Die Information oder Gutsbeschreibung
hat sich namentlich zu erstrecken aus die örtliche und
klimatische Lage, auf den Umfang und die Art des
Areals (Acker, Weide, Wiefe u. s. w.), auf die Ve-
fchaffenhcit des Bodens, auf die bisher gebauten
und event, zu bauenden Früchte, auf die Zahl und
Beschaffenheit der Gebäude und des Inventars,
auf die Arbeiterverhältnisse, auf die etwa vorhan-
denen technischen Gewerbe, auf die zu tragenden
Steuern und Lasten, auf die sonstigen Pflichten und
Rechte des Gutes und schließlich auf die Höhe und
Art der Verschuldung sowie die Mittel zur Er-
langung von Kredit. Die Information ist der wich-
tigste Teil des E., da sie die Grundlage für die
übrigen Ermittelungen, namentlich für den Wirt-
schaftsplan giebt.
Bei der Aufstellung des Wirtschafts-
plans thut man gut, sich zunächst an den frühern
zu balten, befonders wenn er einigermaßen zweck-
mäßig erscheint; er giebt für den E. die sichersten
Grundlagen. Eine Änderung des Wirtschastsplans
ist in der Regel mit erheblichen Kosten verknüpft
und die darauf gegründete Rechnung bietet niemals
diejenige Sicherheit für den E., wie folche der alte
Wirtschaftsplan gewährt. In jedem Falle ist aber
die Hauptrichtung des Betriebes, ob hauptsächlich
Getreide- oder Hackfruchtbau, ob Rindvieh- oder
Schafhaltung u. s. w., festzustellen, dann die auf
erstere sich beziehende Fruchtfolge und der Bedarf
an tierischen Arbeitskräften zu ermitteln, woraus
dann auch die Zahl und Art der Maschinen, Ge-
räte, d. h. das tote Inventar, berechnet werden
kann. Bei Projektierung technischer Gewerbe ist
darauf Rücksicht zu nehmen, inwieweit dadurch die