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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Erzlori - Erzmarschall
sein; aber diese Gewässer seien keine emporsteigen-
den Mineralquellen gewesen, sondern die gewöhn-
lichen Sickerwasser des den Erzgang enthaltenden
Gebirgsgesteins, die auf unzähligen haarfeinen
Klüftchen in den benachbarten Felsen umherrieseln
und aus ihnen jene Stoffe herauslösen und her-
aussaugen, die nachher, wenn sie in die offenen
Spalten gelangen, dort von ihnen zum Absatz ge-
bracht werden. So würde also der Erzgang nicht
von unten, sondern von der Seite her ausgebildet,
eine Lateralsekretion (3) sein. Es ist namentlich
darauf aufmerksam gemacht worden, daß, foweit
unsere Erfahrungen reichen, Quellen, die in Spalten
von unten aufsteigen, überhaupt keine Absätze irgend-
welcher Art an den Wänden derselben zu erzeugen
vermögen. Seit undenklichen Zeiten schen wir an
denselben Punkten der Oberfläche vor wie nach Mi-
neralquellen in ungeschwächter Stärke ausstießen,
und doch hätte sich, wenn auch nur ein unendlich
kleiner Bruchteil von den im Wasser gelösten Stoffen
in dem Quellenspalt zum Absatz gekommen wäre,
dieser durch Ausfüllung längst verstopfen muffen.
Wenn es nun aber danach fraglich wird, ob der In-
halt der Erzgänge dnrch von unten aufsteigende Mi-
neralquellen geliefert worden ist, so ist natürlicher-
weise für denjenigen, der denselben auf Gewässer
zurückführt, die aus dem Nebengestein stammen, vor
allem der Nachweis nötig, daß diese rechts und links
die Spalte begrenzenden Felsen denn auch in der
That metallische Stosse in sich enthalten, welche vom
Wasser gelöst und in den Spalten zum Abfatz ge-
bracht sein konnten. Sandberger ist es gelungen, in
den Gemengteilen des Nebengesteins von Schwarz-
wälder Erzgängen, namentlich in dessen Glimmer,
Spuren von Kupfer, Kobalt, Wismut, Arsen, auch
mitunter von Silber, Blei, Zink nachzuweisen, ja lokal
eine bestimmte Beziehung zwifchen der Natur solcher
Metalle im Nebengestein und dcr Erzführung der
im letztern aufsetzenden Gänge zu konstatieren, wie
denn z. V. in denjenigen Graniten, deren Glimmer
sich durch einen kleinen Gehalt an Zinnoxyd aus-
zeichnet, Zinnerzgänge aussetzen. Doch läßt sich
nicht leugnen, daß auch dieser Lateralsekretions-
theorie manche gewichtige Bedenken gegenüberstehen
(vgl. z. B. Stelzner in der "Zeitschrift der Deut-
schen Geologifchen Gesellschaft", Bd. 31, 1879,
S. 644, und "Berg- und hüttenmännisches Jahr-
buch der Bergakademien zu Leoben, Pribram und
Schemnitz", Bd. 37, 1889), und daß dieselbe, wie
iede der andern, nicht geeignet ist, universell die
Bildung sämtlicher Erzgänge zu erklären.
Erz stocke nennt man massige, ihrer Gestalt
nach ganz unregelmäßige Erzanhäufungen in irgend
einem Gestein oder auf der Grenze zwifchen zwei ver-
schiedenartigen Gesteinen, wie z.B. 1, m und r in
^ig. 1; jene Unregelmäßigkeit unterscheidet sie von
den Gängen und Lagern, ihre bestimmte äußere Be-
grenzung von den Imprägnationen. Man pflegt sie
zu sondern in die Lagerstöcke oder liegenden
und die Gangstöcke oder stehenden Stöcke. Er-
stere sind solche, deren Hauptausdehnung ungefähr
der Schicktung des einschließenden Gesteins folgt,
wie bei 1, Fig. 1, letztere diejenigen, deren Hauptaus-
dehnung von den Lagerungsverhältnissen des Nc'oen-
gesteins ganz unabhängig ist, wie bei in. Füllt eine
stockförmige Masse nur eine Vertiefung der Ober-
stäche aus, wie bei r, so heißt sie wohl eine Erzbutze
oder Rachel. Auch bei den Stöcken kann man ver-
schiedenartige reichere und ärmere Regionen unter-
scheiden. Magneteisen tritt befonders häusig in
Stockform auf (Ural, Schweden), aber auch andere
Erze kommen auf folcher Lagerstätte vor, hauptsäch-
lich im Kalkstein, wie namentlich Bleiglanz, Blende,
Galmei. Die Lagcrstöcke von unregelmäßiger Linsen-
gestalt gehen bei geringer Mächtigkeit in Lager über.
Als Erz-Imprägnationen werden solche
Lagerstätten bezeichnet, deren Erzteile durch die
ganze Masse eines gewöhnlichen Gesteins verteilt
sind, ohne scharfe äußere Umgrenzung ihres Vertei-
lungsraumes, z. V. Magneteifen in krystallinischen
Schiefern. Es sind meistens lokale, förmlich wolken-
ähnliche Konzentrationen von Erzpartikelchen, die
auch außerhalb der Imprägnationszonen in dem
betreffenden Gestein, hier jedoch nur in sehr spär-
licher Verbreitung, vorkommen. Dabei können sie
auf Grund der allgemeinen Gestalt des von ihnen
eingenommenen Raums bald mehr lagerartig (wie
bei ii in Fig. 1), bald mehr gangförmig (0) oder
stockförmig (p) fein.
Litteratur. V. von Cotta, Die Lehre von den
E. (2. Aufl., 2 Bde., Freiberg 185)9-61); Grimm,
Die Lagerstätten der nutzbaren Mineralien (Prag
1869); von Groddeck, Die Lehre von den Lagerstätten
der Erze (Lpz. 1879); Sandberger, Untersuchungen
über Erzgänge (Heft 1, Wiesb. 1882; Heft 2,1885).
Grzlori, Papageicnart, s. Breitfchwanzloris.
Grzmarschall (mittellat. ar"1iiinHi'68<^1o!i3),
eins der Erza'mter (s. d.) des alten Deutschen Reichs.
Marschall (von in^i- Wahres d. i. Pferd, und LCHieug
sSchalk^, d.i. Knecht) bedeutet nach dem Wortsinn:
Pferdeknecht, Auffeher des Marftalls; gleichbedeu-
tend ist C0IN63 8tlldn1i, woraus das franz. (^orruL-
tadis geworden ist, d. h. Stallgraf. Das Amt hat
bereits am frank. Königshof eine hervorragende po-
lit. Bedeutung, teils wegen des Umfangs und des
wirtschaftlichen Werts der königl. Gestüte und
Pferdebestände, teils wegen dcr stets wachsenden
militär. Wichtigkeit der Panzerreiter. Meist hatte
der Marschall auch den militär. Oberbefehl über die
Panzerreiter, diesen kostbarsten und bedeutendsten
Bestandteil des Kriegsheers, und es erklärt sich
hieraus die Verwendung der Worte Marschall und
Conne'table als Titel für Feldherren.
Im Deutschen Reiche stand das Amt des E. seit
früher Zeit dem Herzog von Sachfen zu; nach den
in dem fächs. Fürstenhause 1212 und 1260 ein-
getretenen Teilungen war es unter den verschie-
denen Linien streitig, wurde aber unter Karl IV.
in der Goldenen Bulle 1355 und 1356 Sachsen-
Wittenberg ausschließlich beigelegt und folgte den
Schicksalen der sächs. Kurstimme. Der Ehrendienst
des E. bestand darin, dem König bei dessen Krö-
nungsfeier eine silberne Schüssel, gefüllt mit Hafer,
darzureichen und bei der feierlichen Prozession un-
mittelbar vor dem König einherzuschreiten und
ihm das Rcichsschwert, eins der kaiserl. Insignien,
vorzutragen. Dem Amt des E. verblieb im Ge-
gensatz zu den andern Erzämtern infofern eine ge-
wisse staatsrechtliche Bedeutung, als ihm die
Funktion oblag, bei der Königswahl die Polizei zu
handhaben, und falls der König am Wahlort nicht
anwesend sein sollte, ihn sofort von der erfolgten
Wahl zu benachrichtigen. Auch in der Stadt, in
welcher ein Reichstag gehalten wurde, hatte der E.
die Anweisung und Inspektion der Quartiere und
die dazu notwendige Handhabung der Polizei. Zur
Ausübung dieser Obliegenheiten war dem E. unter-
5 geordnet der Reichserbmarschall (8udinHi-68CI,1-