Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

346
Eschenmayer - Escher von der Linth
Versuche, wie die Operetten "Lucas und Hannchen",
"Der Deserteur" u. a., sind unbedeutend, nur einige
seiner geistlichen Lieder haben sich noch erhalten.
Gfchenmayer, Adam Karl Aug., Philosoph
und Naturforscher, geb. 4. Juli 1768 zu Neuenburg
im Württembergischen, wurde 1811 außerord. Pro-
sessor der Philosophie und Medizin in Tüdingen
und 1818 ord. Professor der praktischen Philosophie
daselbst. Er lebte seit 1836 Zu Kirchheim unter Teck,
wo er 17. Nov. 1852 starb. Seine Philosophie läßt
sich auf die Kantische Naturmetaphysik zurückführen.
Auch von Schelling gewann E. viele spekulative
Anregungen, ohne jedoch an dessen absoluter Iden-
titätslehre teilzunehmen. Unter seinen zahlreichen
Schriften sind zu nennen: "Sätze aus derNaturmeta-
physit') lErlangen 1797), "Versuch, die Gesetze magne-
tischer Erscheinungen aus Sätzen der Naturmeta-
physik zu entwickeln" (Tüb. 1798), "Die Philosophie
in ihrem Übergange zur NichtPhilosophie" (Erlan-
gen 1803), "Versuch, die scheinbare Magie de5 tie-
rischen Magnetismus aus physiol. und psychischen
Gesetzen zu erklären" (Tüb. 1816), "System der
Moralphilosophie" (Stuttg.1818), "Normalrecht"
(2 Bde., übd. 1819-20), "Psychologie in drei Tei-
len, als empirische, reine und angewandte" (ebd.
1817; (3 Bde.,
Tüb. 1818-24). Die.Hinneigung zu einem religiö-
sen und naturphilos. Mysticismus, die sich in diesen
Schriften kundgiebt, steigerte sich später noch und
äußerte sich in heftiger Polemik gegen die Hcgelsche
Schule und in eifriger Verteidigung der feit der
Seherin von Prevorft (s. d.) sich häufenden Geister-
ersckeinungen. Hierher gehören: "Die Hcgelsche
Neligionsphilosophie verglichen mit dem christl.
Princip" (Tüb. 1834), "Der Ischariotismus unserer
Tage" (Bd. 1, ebd. 1835), gegen "Das Leben Jesu"
von Strauß gerichtet, der darauf sehr nachdrücklich
antwortete: ferner: "Konflikt zwifchen Himmel und
.Hölle, an dem Dämon eines befesjenen Mädchens
beobachtet" (ebd. 1837), "Charakteristik des Unglau-
bens, Halbglaubens und Vollglaubens" (ebd. 1838).
^ein Streben, den Gebieten der drei Ideen Wahr-
heit, Schönheit und Tugend das Heilige als Offen-
barung und Transcendenz überzuordnen, bekunden
die Schriften: "Grundriß der Naturphilosophie"
(Tüd. 1832), "Grundzüge einer christl. Philosophie"
(Bas. 1840), "Organon des Christentums" (anonym,
Stuttg. 1845), "Sechs Perioden der christl. Kirche"
iHeilbr. 1851), "Betrachtungen über den physischen
Weltbau" (ebd. 1852).
Gfchensingzirpe (Oicaäa. pied^'a KeoH?.), eine
30 mm lange, in Eüdeuropa, einzeln auch in Süd-
deutschland einheimische Singzirpe (s. Singzirpen).
Gschenthal, s. Domo d'Ossola.
Gscher, Joh. Heinr. Alfred, schweiz. Staats-
mann , geb. 20. Febr. 1819 zu Zürich, widmete sich
seit 1837 zu Zürich, Bonn, Berlin und 1842 und
1843 in Paris jurist. Studien. 1843 ließ er sich
als Docent an der Hochschule zu Zürich nieder,
wurde 1844 in den Großen Nat des Kantons ge-
wählt und trat schon damals nach der Reaktion
von 1839 mit einem entschieden freisinnigen Pro-
gramm auf, das die Grundlage feiner staatsmän-
nischen Wirksamkeit geblieben ist. Seine 1845 er-
folgte Wabl in den Großen Nat des Innern und
die von 1846 in den Erziehungsrat eröffneten ihm
ein weites Feld administrativer Thätigkeit. Im
Dez.^1846 wurde er Vicepräsident des Großen Nats,
im Sommer 1847 erster Staatssckreibor, im Dez.
1847 Präsident des Großen Nats und 1848 Mit-
glied des Regierungsrats und mit Furrer zweiter
Gesandter bei der Tagsatzung, wo er die Annahme
der neuen Bundesverfassung betrieb. Hierauf er-
folgte feine Wahl in den Nationalrat, dessen Vice-
prasident und späterer Präsident (vom 16. April
1849 bis Juni 1850) er wurde: im Dez. 1848 wählte
man ihn zum (letzten) Bürgermeister des Kantons
Zürich und, nach Einführung des Direktorialsy-
stems, das hauptsächlich sein Werk war, zum Prä-
sidenten des neugewählten Regierungsrats, in wel-
chem er bis 1857 verblieb. Aber auch noch später
beherrschte er durch seinen Geist die Negierung, bis
1867 durch den Sieg der Demokraten (s. Zürich)
sein Einflus; in kantonalen Angelegenheiten (das
"System") gebrochen wurde. Nach Errichtung der
eidgenössischen Polytechnischen Hochschule zu Zürich,
für die er auf das thätigste gewirkt hatte, wurde er
1854 zum Vicepräsidenten des Schulrats dieser An-
stalt gewählt. In den I. 1856-57 und 1861-62
war er wieder Vicepräsident und in den folgenden
Jahren Präsident des Mtionalrats. Mit Eifer be-
mächtigte er sich der schweizer Eisenbahnfragen
und wirkte im Gegensatze zu Stämpfli bei der Be-
ratung in der Bundesversammlung für den Ent-
fcheid zu Gunsten des Privatbaues. E. ist der Be-
gründer der Schweizerischen Nordostbahn und des
Instituts der Schweizerischen Kreditanstalt in
Zürich; auch das Gottharobahn-Unternehmen,
dessen erster Direktor er 1871 war, ist wesentlich sein
Werk. Er starb 6. Dez. 1882 in Zürich, wo ihm ein
Brunnendenkmal (Bronzestatue, nach Kihlings Mo-
dell) errichtet wurde. - Vgl. Scherr, A. E. (1883).
Gscherny, Francois Louis, Graf d', franz.
Schriftsteller, geb. 2'i. Nov. 1733 in Neufchätel,
machte 1764 in Motier-Travers Roufseaus Ae-
kanntfchaft und schloß sich diesem vielfach auf Ex-
kursionen an, die er in seinen "Nei^u^eä" anziehend
beschreibt. Seit 1765 lebte er an verschiedenen
europ. Höfen, von 1790 an meist in Paris, wo
er 15. Juli 1815 starb. Seine erste Schrift, "1^63
1aonu68 ä61a. pnii080pni6" (Par. 1783), war eigent-
lich nur ein Bruchstück aus dem größern Werke,
woran er 30 Jahre gearbeitet: "1.6 Noi Iiuinkw,
011 ä6 1'6F0I8IH6 6t (16 1a. V6rtw) (ebd. 1791). Dem-
nächst erschien seine "(Üoli68poiiäaiic6 ä'un 1i3<di-
taut (16 I^ris 3.V6C 868 ami8 ä6 8111886 6t ä'^UAlo
t61'16 8ur 163 6V6Q6Nl6Ilt3 ä6 1789" u. s. w. (Par.
1791; wieder gedruckt u. d. T. "1adi63.u Ki8to-
i'iqu6 ä6 1a Involution", 2 Bde., ebd. 1815). In
der Schrift "1)6 1'6^a1it6, ou priuoi^08 ^6Q6raux
8nr 168 iu8titutioii8 eivii63, Po1iti(iu68 6t röli-
Fi6U868" (2 Bde., Par. 1796; neue Aufl. u. d. T.
"?Qii080pQi6 ä6 1a. po1iti(iu6", 2 Bde., ebd. 1798)
stellt er die Gleichheit als das unseligste, alles ver-
kehrende und zerrüttende Socialprincip dar. E.s
letztes Werk waren die "^I6iau^68 ä6 1itt6ia.wi'6,
l1'iii8toii-6, ä6 moraik 6t ci6 pki1o8opQi6" (3 Bde.,
Par. 1809; neue Aufl. u. d. T. "<Nivi-68 pdi1o8o-
Ii1iiHI163) 1itt6raii'68. 1ii8tOI-il1U68 6t 1N01'9i63",
3 Bde., ebd. 1814).
Gschershaufen, Stadt im braunschw. Kreis
Holzmindcn, hat (1890) 1506 evang. E., Post, Te-
legraph und Amtsgericht (Landgericht Braun-
schweig); Asphalt- und Dachpappenfabrikation,
Sandsteinbrüche und vorwiegend Landwirtschaft.
Efcher von der Linth, Hans Konrad, schweiz.
Staatsmann, hervorragend durch gemeinnützige
Thätigkeit, geb. 24. Aug. 1767 zu Zürich, war zu-