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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Eschsch. - Eschweiler
Z?so/i.<>e'/i., bci lat. Tiernamen Abkürzung für
Johann Friedrich von Efchfcholtz (s. d.).
Gfchfcholtz, Joh. Friedr. von, Naturforscher und
Reifender, geb. 1./12. Nov. 1793 zu Dorpat, studierte
dafelbst Medizin und machte als ^chiffsarzt 1815
unter Otto von Kotzebue die Reife um die Welt
mit. In Verbindung mit Adelbcrt von Chamiffo
fammelte E. während dieser Reife eine Menge von
Naturkörpern wie wisfenfchaftliche Beobachtungen
und lieferte für den dritten Vand von Kotzebues
"Entdeckungsreife in die (^üdfee und Veringsftraße"
(Weim. 1821) eine Reihe von Arbeiten "Über die
Koralleninfeln, ihre Entstehung, Ausbildung und
Eigentümlichkeiten" u. a. E. zu Ehren nannte Kotze-
bue eine Bucht im Kotzebuesunde Nordwcstameri-
kas die Eschscholtzbai (f. Kotzebuefund) und Chamisso
eine neue zur Familie der Papaveraceen gehörige
Pflanzengattung I^ckäcdoltöia (s. d.). Nach feiner
Rückkehr 1819 zum außerord. Professor der Ana-
tomie in Dorpat ernannt, begleitete er 1823 als
Naturforscher und Oberarzt zum zweitenmal Kotzebue
auf seiner Reise um die Welt. Auch diesmal ver-
ewigte Kotzebue E.' Namen in den Eschscholtz-In-
seln (s. d.). Nach seiner Rückkehr 1826 vermachte E.
seine reichen naturhistor. Sammlungen der Uni-
versität Dorpat und veröffentlichte feine "Übersicht
der zoolog. Ausbeute", welche 2400 Tiere umfaßt,
im zweiten Bande zu Kotzebues "Neuer Reife um
die Welt" (Weim. 1830). Vefonders aber hervor-
zuheben ist E.' "Zoolog. Atlas, enthaltend Ab-
bildungen und Beschreibung neuer Tierarten"
(5 Hefte, Verl. 1829 - 33) und fein "System der
Akalephen. Eine ausführliche Befchreibung aller
medufenartigen Strahltiere" (ebd. 1829). E. starb
7./19. Mai 1831 zu Dorpat.
Gschscholtzbai, s. Kotzebuefund.
Nsoksokoitsia o/itlm., Pflanzengattung aus
der Familie der Papaveraceen (s. d.). Man kennt nur
wenige im westl. Nordamerika einheimische Arten,
unter denen die zuerst von Chamiffo aufgefundene
N. cHliloruicH 0/ia7?ö. ein sehr beliebtes und allge-
mein verbreitetes Gartenzicrgewächs geworden ist,
dessen man sich in seiner Heimat auch als beruhigen-
des Arzneimittel bedient. Die Pflanze hat auf-
steigende, sehr ästige, reich beblätterte, saftige, zer-
l^chliche Stengel, feinzerteilte Blätter mit linealen
Abschnitten und einzeln stehende Blüten mit auf-
fpaltendem Kelch und großer, vierblätteriger, fchön
gold- oder orangegelbcr Vlumenkrone. Die ganze
Pflanze ist kahl, bläulichgrün. Die N. ist zwar aus-
dauernd, erfriert aber bei uns während des Winters,
weshalb man sie als bloßes Sommergewachs be-
handelt. Der im Mai ins freie Land gesäte Same
läuft bald auf, und die schnellwüchsige Pflanze,
welche schöne Büsche bildet, ziert daher schon vom
Juli an bis in den Spätherbst die Gärten mit ihren
zahlreichen goldgelben Blumen. Sie gedeiht sehr
leicht auf jedem Boden ohne alle Pflege. Man hat
reiche Spielarten mit weißen, außen roten und innen
weißen und mit dunkelorangefarbigen Blumen ge-
zogen. Fast noch fchöner als die vorige Art ist N.
crocea ^?s??t/i., von ihr unterschieden durch den um-
gerollten Rand des am Ende verdickten Vlütenstiels,
die länger zugespitzten Kelchblätter und zahlreiche,
größere, feurig-orangefarbige Blumen.
Eschscholtz-Inseln, auch Bikini-Inseln,
nördlichste Gruppe der Ralik-Inseln im Marschall-
Archipel im Großen Ocean, 1825 durch Kotzebue
entdeckt und zu Ebren seines Schiffsarztes Esch-
sckoltz (s. d.) benannt, ^je haben 30 E. und stehen
seit 1886 unter deutschem Schutz.
Gschstruth, Nataly von, s. Knobelsdorff-Bren-
kenhoff, Nataly von.
Gschtvege. 1) Kreis im preuß. Neg.-Vez. Cassel,
hat 502,43 <ikm, (1890) 42260 (19976 männl.,
22284 weibl.) E., 3 Städte, 68 Landgemeinden und
26 Gutsbezirke. - 2) Kreisstadt im Kreis E., 41 km
südöstlich von Cassel, an der Werra, in 171 in Höhe,
in einem schönen fruchtbaren Thale, an der Linie
Treysa-Niederhone-Leinefelde der Preuß. Staats-
bahnen, besteht aus der Alt- und Neustadt am lin-
ken Flußufer und der mit beiden Nfcrn durch zwei
steinerne Brücken verbundenen Infelstadt Brücken-
haufen, Sitz des Landratsamtes, eines Amtsgerichts
(Landgericht Cassel), Steueramtes und einer Reichs-
bantnebenstclle, hat (1890) 9787 (4612 männl.,
5175 weibl.) E., darunter 398 Katholiken und 532 Is-
raeliten, Postamt erster Klasse, Telegraph; ein Denk-
mal (30. Okt. 1893), den Opfern des Soldatenauf-
standes 1806 und 1807 gewidmet, ein 1380 erbautes,
1581 wiederhergestelltes Schloß, jetzt Sitz verschie-
dener Behörden, zwei evang. Kirchen, eine kath.
Kapelle, Synagoge, neues Postgebäude, zwei Hospi-
täler, ein Landkrankenhaus, städtische Friedrich-
Wilhelmschule (Progymnasium mit Ncalprogymna-
fium) mit tönigl. Kompatronat, 1840 als Nealfchule
mit Progymnasium eröffnet, zwei Bürgerfchulen,
Mädchcnmittelschule, Privathandelsfchule, Hand-
werkerschule, Kreissparkasse, Vorschußvcrcin, Frei-
maurerloge, Gasanstalt, öffentliches Schlachthaus
und Eisenbahnmafchinen-Reparaturwertstätte. Von
dem von Karl d. Gr. gestifteten Cyriakusn onnentloster
steht nur noch der sog. Schwarze Turm. Dasselbe
wurde mit dem 1278 gegründeten Augustinermönchs-
tloster, jetzt die sog. Klosterbrauerei, von Philipp
dem Großmütigen 1527 aufgehoben und Zu Schul-
zwecken verwendet. Der Leuchtberg ist mit Anlagen
bedeckt und bietet prächtige Aussichten. Wegen feiner
lebhaften Industrie wird E. das "hessische Elber-
feld" genannt. Bedeutend ist die Gerberei (38 Ger-
bereien, Sohlleder aus südamerik. Rinderhäuten,
^^eißgerberei), Woll-und Haarspinnerei (6 Fabriken),
Rohhaarspinnerei (2), Wollzeug-, Flanell- und Lein-
weberei (33 Webereien), Cigarren-und Tabakfabrika-
tion (13), die Schlächterei (Handel mit Schinken
und Wurst), Leim- und Seifensiederei (Efchweger
Seifen), Fabrikation von Schuhen (2 Fabriken, 87
Schuhmachereien), Bürsten und Pinseln, Maschinen
(3), Spritzen und Pumpen, Wachstuch, Tüten und
Couverts, Peitschen (3), Wichse und die Vierbraue-
rei (5). Der jährliche Umsatz von Leder ist auf
2^ Mill. M., von wollenen und baumwollenen
Waren auf 2 Mill. M. und von Tabak auf 1 Mill. M.
zu veranfchlagen. - Auf dem Cyriakus berge
bei E. foll Bonifatius 732 - 40 eine Klaufe, Karl
d. Gr. 812 ein Iungsrauenkloster gegründet haben.
- Die Stadt ist zu Karls d. Gr. Zeit oder noch
früher entstanden, wird jedoch urkundlich zuerst im
10. Jahrh, erwähnt und gehörte damals zum thüring.
Gau Eichsfeld; während der Hohenstaufenzeit war
sie eine Besitzung der Welfen und siel dann an die
Landgraffchaft Hessen, bei der sie seit der zweiten
Hälfte des 13. Jahrh, verblieb.
Gfchlveiler, Stadt im preuß. Reg.-Bez. und
Landkreis Aachen, ehemals zum Herzogtum Iülicb
gehörig, 13,5 km im NO. von Aachen, zu beiden
Seiten der Inde, in 159 m Höhe, im Mittelpunkte
des gewerbreicben Indethals, an der Linie Köln-