Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

385
Etampes (Herzogin von) - Etappenlinien
schönem Turm, St. Martin, mit schiefem Turm;
ein Stadthaus (16. Jahrh.), die sog. Tour Gui-
nette, den schonen viereckigen Donjon eines zwischen
1150 und 1170 erbauten, von Heinrich IV. zer-
störten Schlosses mit 27 ni hohen und 4 m dicken
Mauern, in welchem Philipp August seine Gemah-
lin Ingeborg 1199 - 1201 gefangen hielt, ferner
ein Kommunal-College, Zellengefängnis und ein
Hospiz. Die Stadt hat Fabrikation von Farben,
Firnis, Liqueuren, Kalk und Gips, Ziegeleien,
Mühlen, bedeutenden Handel mit Getreide, Mehl,
Gemüse, Wein, Wachs, Honig und Wolle. -
Im 14. Jahrh, wurde E. zur Grafschaft erhoben,
deren Besitzer fchnell wechselten. Als Franz I.
seine Geliebte Anna von Pisseleu an Jean de
Arosse, Grafen von Penthiövre, verheiratete, ver-
lieh er ihr 1536 die Grafschaft E., die er zum
Herzogtum erhob. Nach Franz' I. Tode erhielt
Diane de Poitiers das Herzogtum, das aber von
Karl IX. 1562 an Jean de Vrosse zurückgegeben
wurde, mit dessen Tode es 1565 wieder an die
Krone siel. Heinrich IV. schenkte es 1598 seiner
Geliebten Gabrielle d'Estre'es, durch die es an deren
Sohn, den Herzog Ce'sar de Vendöme, kam, dessen
Nachkommen es bis 1712 besahen, wo es wieder
der Krone anheimsiel. - Vgl. de Montrond, N883.ig
Ki8wi-iqii68 8ur 1a vilis ä'N. (2 Bde., 1836-37).
Etampes, Herzogin von, s. Estampes.
Etäng ("Teich"), im südl. Frankreich an der West-
wie an der Südtüste Bezeichnung für die zahlreichen
Küstenseen <s. Lagunen), die dadurch gebildet wer-
den, daß die Dünenreihen die Süßwasser, welcke
sich hinter ihnen ansammeln, hindern, in das Meer
zu fließen. Namentlich liegt eine Reihe solcher
E., meist untereinander in Verbindung stehend, an
der Küste der Gascogne, in der Landschaft Landes,
wie die E. von Soustons, von Löon, der E. du
Lit, der E. d'Aureilhan, die 28 ^km großen E. von
Biscarrosse und von Parentis, der 53,5 ^m große
(5. von Cazau und von Sanguinet, der E. von La-
canau, der 53,7 hkiu große E^ von Hourtin oder von
Carcans. Auch das Bassin von Arcachon (s. d.) ist
nur ein solcher E., welcher sich aber eine Öffnung zum
Meere verschafft hat. An der Südküste, der von
Languedoc, liegen die E. von St. Nazaire, vonLeu-
cate (57 ylcm), von Lapalme, von Bages und von
Sijean. über den E. de Berre s. Berre. Die Aude
empfängt nahe bei ihrer Mündung das Wasser des
19 ykui großen E. von Capestang und des 25 ykui
großen E. von Vendres. Der 80 <il(m große E. von
Thau und der von Mauguio folgen aufeinander
zwischen den Mündungen des he'rault und der
Vidourle.
In den E. von Mauguio mündet ein Arm des
Beaucairekanals und an dem Westende dieses E. be-
ginnt der 44km lange C anal des Etangs, von
dem ein Arm, der Lezkanal, nach Montpellier führt.
Der Etangskanal endigt bei Cette im E. von Thau
und schließt sich somit an den Canal du Midi' der-
selbe wurde im 18. Jahrh, hergestellt und geht durch
die E. von Frontignan, Maguelonne, Perols und
Mauguio; er ist 38 km lang und 2 in tief und trägt
Fahrzeuge von 100 bis 200 t. Werre.
Etang, Graf de l', franz. General, f. Dupont,
Etaples (spr. etahpl), Hauptstadt des Kantons
E. (151,68 <ikm, 19 Gemeinden, 10493 E.) im
Arrondissement Montreuil des franz. Depart. Pas-
de-Calais, 13 km nordwestlich von Montreuil,
unweit der Mündung der Canche in den Kanal (la
Brockhaus' Konversations-Lexilon.. 14. Aufl. VI.
Manche), an den Linien Paris-Boulogne-Calais
und Arras-E. (100 km) der Franz. Nordbahn, ist
ein kleiner Schiffer- und Fischerhafen, wichtig für
die Einfuhr von engl. Kohlen und norweg. Holz,
und hat (1891) 3677, als Gemeinde 3816 E., Reste
des 1595 geschleiften Schlosses, Seebäder, Schiff-
bau, Salzrassinerie und Seifenfabrikation.
Etappe (frz. 6tap6, vom deutschen Wort Stapel,
d. i. Niederlage), ein militärisch eingerichteter Ort
an einer Militärstraße (Etappenstraße), der als
Ruhepunkt für die marschierenden Truppen sowie
als Stapelplatz an den Verbindungslinien einer
operierenden Armee in deren Rücken dient. <S.
Etappenlinien.)
Etappenbehürden, s. Etappenlinien.
Gtappengeneralarzt, s. Generalarzt.
Etappeninspektion, Etappenkomman-
dant, s. Etappenlinien.
Etappenlazarette, Lazaretteinrichtungen im
Kriege an Etappenorten (s. Etappe) zur Aufnahme
der Kranken von durchrückenden Truppen, fowie von
Krankentransporten und von Kranken der der Etap-
peninspektion unterstellten Truppenteile. Erforder-
lich sind E. besonders an solchen Etappenorten, wo
die Krankentransportkommissionen (s. d.) oder Sek-
tionen derselben sich befinden, sowie an wichtigern
Eisenbahnpunkten. Die Zuteilung von eigenen
Ärzten erfolgt nötigenfalls durch die vorgesetzte Be-
hörde des Etappenortes; nur vorübergehend sollen
Mitglieder des Kriegslazarettpersonals (s. d.) und der
Krankentransportkommissionen in E. Verwendung
finden. Das erforderliche Pflegepersonal wird im all-
gemeinen von der Freiwilligen Krankenpflege gestellt.
Etappenlinien,die rückwärtigen Verbindungen
einer operierenden Armee mit der Heimat. Der
Regel nach erstreckt sich die Wirksamkeit der Etap-
pe n b e h ö r d e n einer mobilen Armee von der Grenze
des durch die operierende Armee selbst besetzten Ge-
bietes rückwärts bis zur Grenze des eigenen Landes
oder auch über die heimatlichen Bezirke, die den
Kriegsschauplatz bilden. Über diese Grenzen hinaus
haben die Landesbehörden die Aufgaben des Etap-
penwesens zu lösen, zu denen die folgenden Leistun-
gen gehören: 1) Heranziehung des Nachschubs (s. d.)
und aller Bedürfnisse für die Armee; 2) Zurückfüh-
rung aller von der Armee zeitweilig oder dauernd
zurückzusendenden Mannschaften, Pferde und des
Kriegsmaterials <s. Rücktransports); 3) Unterbrin-
gung, Verpflegung und Wiederherstellung der zu
und von der Armee gehenden Personen, Pferde und
Gegenstände, solange dieselben sich im Bereich der
Etappenbehörden befinden; 4) Erhaltung und
Sicherung der Verbindungslinien der Armee inner-
balb des von den Etappenbehörden verwalteten
Gebietes, also Erhaltung, Wiederherstellung und
Anlegung von Landstraßen, Brücken, Telegraphen-
linien und Postverbindungen (s. Feldpost), sowie
militär. Besetzung und Verteidigung sämtlicher
Verbindungsmittel, Handhabung der Polizei auf
den E. und in deren Gebiet; 5) Handhabung der
öffentlichen Verwaltung im feindlichen Gebiet, bis
Generalgouvernements eingesetzt sind. Das gesamte
Etappenwesen steht unter der Leitung des General-
inspecteurs des Etappen- und Eisenbahnwesens.
Für jede Armee oder ein selbständig operierendes
Armeekorps wird eine Etappeninspektion ge-
bildet, an deren Spitze ein General steht und dem
außer den Adjutanten ein Feldgendarmerieofsizier,
ein Intendant, ein Generalarzt, ein Auditeur, ein
25