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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Ettal - Ettingshausen
miger Kuppel in byzant. Stil und mit Wandmale-
reien in pers. Vlumenstil. Das dem Apostel Gre-
gorius gewidmete Tabernakel steht angeblich an der
Stelle eines ehemaligen Altars der Artemis, der
samt dem Götzenbilde in die Tiefe versunken sein
soll, als hier der beiland zu Gregorius in einem
blendenden Lichtglanze herabstieg (vgl. Langlois,
(üoilection ä68 bi8toi-i6U3 ä'^riuHins, Bd. 1, Par.
1867). Besonderes Ansehen genießt auch die Kirche
durch die darin ausbewahrten Reliquien.
An Stelle von Wagarschapat (Wagharschabad,
nach alter Aussprache Walarschapat) lag die alte
berühmte Stadt gleichen Namens, die angeblich
im 6. Jahrh. v. Chr. vom König Eruand I. ge-
gründet sein soll, im 2. Jahrh. n. Cbr. als Resi-
denz und Hauptort der Provinz Kotaikh von König
Wagharsch (Vologheses) befestigt wurde. Als die
Pforte und die Perser das Ansehen des Katholikos
zum Druck seiner Glaubensgenossen mißbrauchten,
floh derselbe mit den Mönchen, Archiven und Hei-
ligtümern in das Gebiet der Russen. Der pers. Hof
verlangte hierauf die Auslieferung desselben, und
die Verweigerung dieser Forderung galt als eine
der Ursachen des Krieges der Perser mit den Russen,
der von Paskewitsch durch die Eroberung von E.
27. April 1827 eröffnet wurde. Im Frieden von
Turkmantschai (22. Febr. 1828) ward E. mit andern
Gebieten von Persien an Ruhland abgetreten. - Vgl.
Wagner, Reise nach dem Ararat (Stuttg. 1840).
Gttal, Dorf im Bezirksamt Garmisch des bayr.
Reg.-Bez. Oberbayern unweit der Quelle der Ammer,
in 878 in Höhe, am südl. Fuße des Laberbergs,
dessen höchster Gipfel, das Ettaler Mandl
(1641 m), in 3 Stunden zu ersteigen ist. hat (1890)
380 kath. E., Posterpedition, Tel'egrapy, eine kath.
Pfarrkirche. Die weitläufigen Gedäude der 1802
säkularisierten Benedittinerabtei enthalten eine große
Brauerei des Grafen Pappenheim. Die Klosterkirche,
nach dem Brande von 1744 im Zopfstil aufgebaut,
enthält das vom Kaiser Ludwig aus Italien mit-
geführte Madonnenbild aus carrarifchem Marmor,
das man der Schule des Andrea Pifano zuschreibt.
- Vgl. Seidel, Baugeschichte des Domes und
Klosters E. (Berl. 1890).
Gttaro, ital. Bezeichnung für Hektar.
Gttenheim. 1) Amtsbezirk im bad. Kreis Frei-
burg, hat (1890) 17 858 (8394 männl., 9464 weibl.)
E., darunter 2173 Evangelische und 1083 Israeli-
ten in 16 Gemeinden. - 2) Hauptstadt des Amts-
bezirks E., am Austritt des Ettenbachs in die Rhein-
ebene und an der LokalbabnRhein-Ettenbeimmünster
(15,9 km), ist Sitz eines Bezirksamtes, Amtsgerichts
(Landgericht Freiburg) und einer Bezirkeforftei, hat
(1890) 2921 E., darunter 104 Evangelische und 93
Israeliten, Post, Telegraph, schöne kath. Pfarrkirche
mit bemerkenswerten Deckengemälden, neue Syna-
goge, got. Rathaus: Realprogymnasium, Arbeits-
schule, Spital, Gewerbe- und Vorsckußverein, Spar-
kasse; Cigarren- und Lederfabrikation, Acker- und
Weinbau, Baumschulen und Handelsgärtnerei. -
E., 763 zuerst urkundlich in Verbindung mit dem
Kloster Ettenheimmünster, das hier Patronatsrecht
besaß, erwähnt, gehörte bis 1803 zum Bistum Straß-
burg, dessen letzter Fürstbischof, Kardinal Prinz Ro-
han, 1790-1803 hier residierte und auch begraben
liegt, und kam dann an Baden. In E., welches
Sammelplatz franz. Emigranten war, ließ Bona-
parte in der Nacht vom 14. zum 15. März 1804 den
Herzog von Enghien überfallen.
Etterbeeck, Vorstadt von Brüssel, an der Linie
Brüssel-Namur der Belg. Staatsbahnen, hat (1890)
17994 E., Baumwollspinnereien, Gerbereien, Fär-
bereien sowie Pottasche-, Seifen- und Wacholder-
beersaftfabriken.
Gttersberg, Höhenzug nördlich von Weimar,
der im W. mit seiner höchsten Erhebung (der Hottel -
stedter Ecke, 481 m) beginnt und sich, allmählich
niedriger werdend, auf eine Strecke von 22 km ost-
wärts bis in die Gegend von Apolda hinzieht. Er
bildet nun einen einzigen, in seiner westl. Halste
stark bewaldeten Rücken, der durch die Straße Wei-
mar-Sömmerda in den westlichen großen und öst-
lichen kleinen E. getrennt wird. Er gehört durchaus
der Muschelkalkformation an. Die Aussicht von der
Hottelstedter Ecke gilt sür eine der schönsten in ganz
Thüringen. Auf dem E., befonders auf dem nach
Weimar zugekehrten Abhang des kleinen E., waren
die Lieblingsspazierwege Herders. Auf der westl.
Hälfte seines Kammes liegt, umgeben von pracht-
vollen Laubwaldungen, das von 1706 bis 1738 er-
baute erbgroßherzogl. Jagd- und Lustschloß Et-
tersbürg, aus das acht Waldalleen zuführen.
Dabei befindet sich das sehr alte Dorf Ettersburg
(230 E.) mit Kammergut und Försterei.
Gttingshausen, Andreas, Freiherrvon, Mathe-
matiker und Physiker, geb. 25. Nov. 1796 zu Heidel-
berg, wo sein Vater, damals Major im österr.
Generalstab, später General, stationiert war, be-
trieb zu Wien neben dem Besuch der Universität
auch militär. Studien und legte in der Sckule des
österr. Bombardierkorps den Grund zu seinem ma-
them. Wissen. 1822 wurde er zum Professor der
höhern Mathematik an der Wiener Universität er-
nannt. Seine Schriften: "Die kombinatorische
Analysis" (Wien 1826) und die "Vorlesungen über
die höhere Mathematik" (2 Bde., ebd. 1827) erreg-
ten damals die Aufmerksamkeit der gelehrten Welt.
Von 1826 bis 1832 gab er mit A. Baumgartner
die "Zeitschrift für Pbysik und Mathematik" (Wien)
heraus. 1834 vertauschte er die mathem. mit der
pbysik. Professur und 1837 zeigte er der Natur-
forfcherversaminlung in Prag die von ihm kon-
struierte und nach ihm benannte magneto-elektrische
Maschine, eine namhafte Verbesserung der von
Pirii (1832) erfundenen. Seit 1844 widmete er
sich ganz der mathem. Physik, auch hatte er be-
deutenden Anteil an der Errichtung einer Akademie
der Wissenschaften (1846), deren erster Generalsekre-
tär er war. 1848 folgte er bei der Reorganisation
der Ingenieurakademie zu einer Art militär. Hoch-
schule dem Rufe als Professor der höhern Mathe-
matik, Physik und Mechanik an dieser Akademie,
1852 ward er an das Wiener Polytechnikum als
Professor der höhern Ingenieurwissensckaften und
1853 zum Direktor des Physikalischen Instituts in
Wien berufen. Er starb 25. Mai 1878. Sein Lehr-
buch: "Anfangsgründe der Physik" (4. Aufl., Wien
1860), dessen erste Aussage 1844 erschien, zeichnet
sich durch Originalität und präcise Fassung aus. Er
schrieb ferner: "Die Principien der heutigen Physik"
(Wien 1857) und bearbeitete mit Baumgartner dessen
"Naturlebre" (7. Aufl., ebd. 1842).
Gttingshausen, Konstantin, Freiherrvon,Palä-
ontolog und Botaniker, Sohn des vorigen, geb.
16. Juni 1826 zu Wien, studierte hier Medizin und
Botanik. 1850 berief ihn Haidinger an die Geo-
logische Reichsanstalt, wo ihm die Aufgabe zuteil
ward, die Lagerstätten fossiler Pflanzen in Tster-