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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Eugippius - Euklides
GugipplUs, lat. Kirchenschriftsteller, beschrieb
511 das Leben des heil. Scverinus (s. d.), mit dem
er lange im Donaulande zwischen Passau und Wien
gelebt hatte, in einfacher, volkstümlicher Sprache.
Das durch die getreue Schilderung von Land und
Leuten wichtige Werk wurde zuletzt hg. von Knöll
(im "Ooi'Mg Leriptoruiu eecieLiaäticoi'uin lati-
noruin", Bd. 9, Wien 1885), übersetzt von Rodcn-
berg (Geschichtsschreiber der deutschen Vorzeit,
Lfg. 55, Verl. 1878). - Vgl. Vrunner, Das
Leben des Norikerapostels St. Severin von seinem
Schüler E. (Wien 1879).
Gugubutische Tafeln, die sieben ehernen Ta-
feln, in deren Inschriften allein ein umfänglicheres
Denkmal der umbrischen Sprache (s. Italische Völ-
ker und Sprachen) erhalten ist. Sie wurden 1444
zu Gubbio, dem alten Iguvium in Umbrien, im
Mittelalter Eugubium genannt, aufgefunden und
werden noch jetzt dort aufbewahrt. Die Schrift ist
auf fünf Tafeln die umbrifche, die von der etrus-
tischen wenig verschieden ist, auf zweien und einem
Teil einer dritten die lateinische; den Inhalt bilden
Vorschriften über Auspizien, Sühngebräuche, Opfer,
Veiträge zu den Opfern und Verteilung des Opfer-
fleisches sowie Gebetsformeln. Die Tafeln in um-
brischer Schrift sind etwas älter als die mit lateini-
scher und diese wiederholen in der Hauptsache, was
auf einer von jenen steht. Die E. T. stammen sicher
aus vorchristl. Zeit, wahrscheinlich aus dem 3. oder
2. Jahrh. v. Chr.; früher wurde ihr Alter oft be-
deutend überfchätzt. Philipp Vonaruoti machte sie
zuerst vollständig bekannt in Dempsters "v6 Ntru-
i-ik r6FHii" (2 Bde., Flor. 1723 - 24). Ein ge-
naues Abbild der Inschriften gab zuerst Lepsius iu
den "In8ci'ii)ti0ii68 uindricao 6t 0803.6" (Lpz.
1841), eine gründliche und ausführliche Arbeit über
Sprache und Inhalt der Tafeln haben Aufrecht und
Kirchhofs in ihrem Werke "Umbrifche Sprachdenk-
mäler" (2 Bde., Verl. 1849-51) geliefert. Einen
weitern Fortschritt in der Erklärung bezeichnen das
Werk von Michel Vröal, "1.08 ta,dl68 ^ngul)in68"
(mit 13 Tafeln nach Photographien der Inschriften,
Par. 1875) und Vüchelers Arbeiten, die jetzt in
seinen "Ilmdiicll." (Bonn 1883) vereinigt sind.
Eugubium, der mittelalterliche Name von
Gubbio (s. d.).
Guhemerismus, s. Euhemcrus.
Guhemerus (grch. Euemcros), nach gewöhn-
licher, aber unbewiesener Annahme ein Philosoph
der Cyrenaischen Schule und Schüler des Atheisten
Theodoros, lebte am Hofe des maceoon. Königs
Kassander (311-298 v. Chr.) und suchte die griech.
Göttersagen in eine Geschichte menschlicher Könige,
Helden und Abenteurer umzudeuten und zu zeigen,
daß die von den Griechen als Götter verehrten Wesen
ausgezeichnete Menschen gewesen seicn. Diese Art,
die alten Sagen zu erllären (Euhemerismus),
fand im Altertum vielen Beifall; sie wurde nament-
lich auch von den Kirchenvätern zur Bekämpfung
des alten Götterglaubens benutzt. Auszüge aus
seiner Schrift, der er den Titel "1Ii6i'a anaFi^pkß",
d.i. Heilige Urkunde, gab, finden sich bei Diodor,
Bruchstücke aus der vom röm. Dichter Ennius ver-
faßten Übersetzung oder aus einer Bearbeitung dieser
Übersetzung bei Lactantius. Die Fragmente des
Werkes sind gesammelt von Wesseling in seiner Aus-
gabe des Diodor (Bd. 2, Amsterd. 1740), von Müller
in den "I^'^moiita, ^Zwi-icm-iini Fiaecoi-nm ",
Bd. 2 (Par. 1853) und von Nemelhy (Budapest
1889). - Vgl. Gerlach, über die heilige Geschichte
des E. (in den "Histor. Studien", Bd. 1, Gotha
1841); Gauß, Hu3.68ticm68 Nu1i6in6i6a6 (Kempen
1860); Sieroka, v6 ^i6M6i-o (Königsb. 1869);
Block, NuIl6IN01'6) 80ll Iivi'6 6t 83. l1octi'ill6 (Mons
1876); Gruppe, Die griech. Culte und Mythen (Lpz.
1887); Steinhart in der "Allgemeinen Encyklopädie"
von Ersch und Gruber, I, Bd. 39.
Unioktk^ss, wahre Fische, sämtliche Fische
mit Ausnahme der Lanzettfischchen und Kreismäuler.
Eukairlt, ein derb in feinkörnigen Aggregaten
bekanntes bleigraues, weiches Mineral, das nach
der Formel (Xi^86 oder (ÜU2862 ^^3.2^6 zusammen-
gesetzt ist. Der E. fand sich zuerst zu Skrikerum in
Smäland (Schweden), dann nördlich von Tres Pun-
tas in der Wüste Atacama sowie mchrorts in Chile.
Guklas, gelb-, grün-, blau- oder wcißgefärbtes,
fast oder ganz durchsichtiges Mineral, das nur sehr
selten in Peru, in einem Chloritschiefer von Boa-
Vista in Brasilien und in einigen Goldwäschen am
Ural in losen Krystallen gefunden worden ist, sich
auch einmal auf einer alpinen, wahrscheinlich aus
den RauriserTauern stammenden Stufe zeigte. Das-
selbe krystallisiert monoklin mit äußerst vollkommener
klinodiagonaler Spaltbarkeit, ist etwas härter als
Quarz und hat das spec. Gewicht 3,i. Es besteht
aus etwa 42 Proz. Kieselsäure, 35 Thonerde, 17
Veryllerde und 6 Proz. Wasser, das erst in starker
Glühhitze ausgetrieben wird (H.^^^^Oio).
Säuren greifen E. nicht an. Vereinzelt kommen,
namentlich in Rußland, geschliffene E. in den Handel
und werden, wenn sie grün oder tief blau sind, mit
Liebhaberpreisen bezahlt (über 200 M. pro Karat).
Gukleia, die griech. Göttin des Ruhms, welche in
Athen einen Tempel hatte. - E. ist auch Beiname
der Artemis.
EuMdes (Eukleides), von Megara, griech.
Philosoph, einer der ältesten Schüler des Sotrates,
bildete nach dessen Tode eine Zeit lang den Mittel-
punkt des Sotratischen Kreises und gründete die
Megarische Schule (s. d.). Er verknüpfte die Eleatische
Philosophie mit der Sotratischen, indem er das
seiende Eine der Eleaten dem Guten gleichsetzte,
es zugleich auch Gott, Vernunft oder Besinnung
(iiIn^Q68i8) nannte. Die Tugend ist schlechthin eine
und besteht nur im Wissen des Guten; die vielen
Tugenden sind nur verschiedene Namen einer
Sache. Nur das eine Gute ist überhaupt; wie E.
von allem Übrigen, somit Nichtseienden, dachte, ist
unbekannt. In den Beweisen gegen die Realität
der Sinnenwelt scheint er sich an den Eleatcn Zc-no
(s. d.) angeschlossen zu haben. In seiner Schule bildet
die Dialektik sich zur Eristik (sophistischen Streit-
kunst) aus, woher die Schule später auch die
eristische heißt. - Vgl. Zcller, Philosophie der
Griechen, Bd. 2, Abteil. 1 (4. Aufl., Lpz. 1889).
EuMdes (Eukleides), der Eponymos (der
erste Archon) unter den neun Archonten, die Ende
Sept. 403 v. Chr. in Athen nach dem Swrze des
durch die Dreißig Tyrannen eingeleiteten oligarchi-
schen Systems neu gewählt wurden. Da in dem-
selben Jahre durch das Gesetz des Archinus das
ion. Alphabet in den öffentlichen Urkunden statt
des bisher gebräuchlichen altattischen eingeführt
und dadurch in Griechenland allgemein gebräuch-
lich wurde, wird es gewöhnlich das eutlidifche
Alphabet genannt.
EuMdeö (Eukleides), griech. Mathematiker,
studierte zu Athen in der Platonischen Schule und