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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Fabretti - Fabriano
und des Einverständnisses mit Pitt angeklagt, mußte er mit Danton und andern 5. April 1794 das Schafott besteigen. Seine Komödie "Les précepteurs" kam 1799 zur Aufführung und erntete enthusiastischen Beifall. Später erschienen seine "Œuvres mêlées et posthumes" (2 Bde., Par. 1803).
Fabretti, Ariodante, ital. Archäolog und Geschichtsforscher, geb. 1. Okt. 1816 zu Perugia, studierte neben Philologie und Archäologie Naturwissenschaften. 1860 zum Professor der Archäologie und 1868 zum Direktor des Antiquitätenmuseums zu Turin ernannt, gehörte er als Abgeordneter dem Parlament an und wurde 1889 in den Senat berufen. Zur Erforschung des alten Etruriens hat er durch zahlreiche Abhandlungen und Veröffentlichung von Inschriften Erhebliches beigetragen und auch auf dem Gebiete der mittelalterlichen Geschichte Italiens gearbeitet. Hervorzuheben sind unter seinen Werken: "Biografie dei capitani venturieri dell’ Umbria" (5 Bde., Montepulciano 1842-46), "Analogia delle antiche lingue italiche con la greca, la latina e coi dialetti viventi" (Flor. 1866), "Corpus inscriptionum italicarum antiquioris aevi" (Tur. 1867), "Il Museo d’antichità di Torino" (ebd. 1867), "Mosaico d’Acqui" (ebd. 1878), "Gli scavi di Carrù" (ebd. 1879), "Necropoli della Cascinetta nella provincia di Novara" (ebd. 1885), "Cronache della città di Perugia" (2 Bde., ebd. 1887-88).
Fabretti, Raffaele, ital. Altertumsforscher, geb. 1618 zu Urbino, wurde in Rom frühzeitig durch die klassischen Werke des Altertums dem Studium der Kunst zugeführt. Nach Ausführung einer polit. Mission nach Spanien ward er zum päpstl. Schatzmeister, bald darauf zum Rechtsanwalt der päpstl. Gesandtschaft am Madrider Hofe ernannt. Nach Rom zurückgekehrt, wurde F. Judex Appellationum in Capitolio, später Sekretär Alexanders VIII. Innocenz XII. ernannte ihn zum Oberaufseher des Archivs in der Engelsburg. F. starb. 7. Jan. 1700. Er schrieb die Abhandlungen "De aquis et aquaeductibus veteris Romae" (Rom 1680) und "De columna Trajani" (ebd. 1683), untersuchte mit großer Gelehrsamkeit die Reliefs der Ilischen Tafel (s. d.) sowie die vom Kaiser Claudius angelegten unterirdischen Kanäle. Die Schätze der Katakomben Roms beleuchtete er in der "Inscriptionum antiquarum, quae in aedibus paternis asservantur, explicatio" (Rom 1699).
Fabri, Felix, mit deutschem Namen Schmid, Lesemeister des Dominikanerklosters in Ulm und eifriger Verteidiger des Ablaßwesens, gest. 1502, ist in weitern Kreisen bekannt geworden durch die Beschreibung seiner Reisen in das heilige Land. Die erste Reise führte ihn nur nach Jerusalem (1480). Auf der zweiten (1483) besuchte er als Kaplan des Truchseß Joh. von Waldburg in größerer Gesellschaft Jerusalem und brach 24. Aug. mit dem Grafen Joh. von Solms und B. von Breitenbach nach dem Sinai auf, wo die Karawane 23. Sept. ankam. Über Kairo und Alexandrien kehrten die Pilger nach Venedig zurück (8. Jan. 1484). F. kam 29. Jan. 1484 wieder in Ulm an. Seine Reifebeschreibung, wohl die wichtigste unter allen aus dem spätern Mittelalter, erschien deutsch in Feyrabends "Reyßbuch deß h. Lands" (Frankf. a. M. 1584), lateinisch in der "Bibliothek des Litterarischen Vereins" (hg. von Hoßler: 3 Bde., Stuttg. 1843-49).
Fabri, Gotthardt Carl Ernst Friedrich, evang. Theolog, geb. 12. Juni 1824 zu Schweinfurt, studierte 1841-45 Theologie in Erlangen und Berlin, wurde 1846 Hilfsgeistlicher in München, 1848 Stadtvikar in Würzburg und 1852 Pfarrer in Bonnland in Unterfranken. 1857 wurde er Leiter und Inspektor der Rheinischen Missionsgesellschaft in Barmen, legte 1884 dieses Amt nieder und zog sich nach Godesberg am Rhein zurück, besonders als Präses der "Evangelischen Gesellschaft für die prot. Deutschen in Amerika" thätig, die Geistliche und Lehrer in die überseeische deutsche Diaspora entsendet. 1889 wurde F. zum ord. Honorarprofessor in der theol. Fakultät der Universität Bonn ernannt. Er starb 18. Juli 1891 in Würzburg. Außer auf theologischem war F. namentlich auf kirchenpolit. und kolonialpolit. Gebiete schriftstellerisch thätig. Er schrieb: "Über Kirchenzucht im Sinne und Geiste des Evangeliums" (Stuttg. 1854), "Briefe gegen den Materialismus" (2. Aufl., ebd. 1864), "Die Entstehung des Heidentums und die Aufgabe der Heidenmission" (Barm. 1859), "Die Wohnungsnot der Arbeiter in Fabrikstädten und deren Abhilfe" (Elberf. 1862), "Die Stellung des Christen zur Politik" (Barm. 1863), "Zeit und Ewigkeit" (ebd. 1865), "Die polit. Ereignisse des Sommers 1866" (ebd. 1866), "Die polit. Lage und die Zukunft der evang. Kirche in Deutschland" (2. Aufl., Gotha 1867), "Die Unions- und Verfassungsfrage" (ebd. 1867), "Staat und Kirche" (3. Aufl., ebd. 1872), "Kirchenpolit. Credo" (ebd. 1872), "Nach der Generalsynode" (ebd. 1876), "Bedarf Deutschland der Kolonien?" (ebd. 1879; 3. Ausg. 1884), "Wie weiter? Kirchenpolit. Betrachtungen zum Ende des Kulturkampfs" (ebd. 1887), "Fünf Jahre deutscher Kolonialpolitik" (ebd. 1889).
Fabriāno, Stadt in der ital. Provinz und im Kreis Ancona, in 322 in Höhe, in einem reizenden Thale des röm. Apennin, an dem zum Esino gehenden Giano und an der Linie Ancona-Foligno-Rom des Adriatischen Netzes, Sitz eines Bischofs, hat (1881) 7154, als Gemeinde 17154 E., Stadthaus mit antiken Inschriften, Kirchen und Privathäuser mit zahlreichen Gemälden aus der Schule des nach seiner Vaterstadt Fabriano (s. d.) genannten Gentile sowie berühmte Papiermühlen und Pulverfabriken (seit 14. Jahrh.). In der Nähe die 405 m lange Tropfsteinhöhle Frasassi.
Fabriāno, Gentile da, ital. Maler, geb. zwischen 1360 und 1370 zu Fabriano (Mark Ancona), erhielt den ersten Unterricht wahrscheinlich von Allegretto di Nuzio; bald aber die ältere, von Giotto abhängige Kunstrichtung verlassend, wendete er sich dem direkten Studium der Natur zu und wurde so der erste Vertreter der mehr realistischen Kunstweise des 15. Jahrh. in Umbrien. Im Landschaftlichen, Kleidung, Beleuchtung und Anordnung strebt er der Wirklichkeit näher zu kommen, ohne sich freilich an Kraft und Selbständigkeit seinem großen Zeitgenossen Masaccio in Florenz vergleichen zu lassen. Er malte zuerst für Gubbio, Perugia, Urbino, Fabriano, ging später nach Brescia und Venedig, wo er 1411-22 mit vielem Erfolg manche öffentliche und Privatgebäude mit feinen Werken ausschmückte und zuletzt auch im großen Saale des Dogenpalastes die Seeschlacht zwischen Venedig und Barbarossa malte, ein jetzt untergegangenes Werk. 1422 war er in Florenz, wo er die jetzt in der Akademie befindliche Anbetung der heiligen drei Könige für Sta. Trinità ausführte, dann 1425 in Siena und Orvieto, wo im Dom sich das einzige noch von ihm erhaltene Freskobild (Madonna) befindet. Papst Martin V.