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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Fahrten - Faidherbe
Schrank (s. d.) weiter als bei der alten Nicke. In l
der Schwarzwildsährte (Fig. 6) ist bei allen
schwachen Sauen die eine Schalenspitze an den Vor-
derläufen kürzer als die andere, was auch im Tritt zu
sehen ist. Bei den Bachen (weiblichen Sanen) fallt
dieser Unterschied nie ganz weg, verschwindet aber
vom dreijährigen Keiler (f. San) ab immer mehr. -
F. unterscheidet man als kalte, d.i. alte F., die
der Hund nicht mehr annimmt, und als warme,
d. i. frische, welche dem Hund gute Witterung
(Geruch) giebt. Man sagt wohl auch vom ange-
schossenen Wild Fährtemachen, wenn es Schweiß
(Blut) fallen läßt.
Fahrten, s. Bergbau (Bd. 2, S. 7601)).
Fährtengerecht heißt der Jäger, der aus der
Fährte Geschlecht und Stärke des Wildes richtig
beurteilen tann.
Fährtcnsandftein, der Vuntsandstein (s. d.),
worin sich Chirotheriumfährten (s. d.) finden.
Fahrung, s. Bergbau (Bd. 2, S. 7601)).
Fahrwasser, diejenige Wasserstraße in der Nabe
der Küsten, welche die schiffe wählen müssen, um
nicht zu stranden. Je nach der Wassertiese unter-
scheidet man F. für große oder kleine Schiffe. Ein
nicht mit Untiefen besetztes F. wird freies F. ge-
nannt. Die Kennzeichnung des F. geschieht durch
d^e Betonnung (s. d.) sowie durch Leuchtfeuer (s. d.).
(H. auch Fahrrinne.) Nach dem internationalen See-
strahenrecht, für Deutschland durch die Kaiserliche
Verordnung vom 7. Jan. 1880, Art. 21, wiederge-
geben, muß im engen F. jedes Seedampfschiff, wenn
es ohne Gefahr ausführbar ist, sich an der Seite der
Fahrrinne oder der Fahrwassermittc balten, die an
seiner Steuerbordseite liegt. Gemeingefährliche Stö-
rung des F. in Strömen, Flüsfen oder Kanälen ist
strafbar (Deutsches Strafgcfetzb. §z. 321, 325,326).
Fahrzeug, im weitern Sinne jedes unbelebte
und selbstbewegte Transportmittel zu Land, zu
Wasser oder durch die Luft, im engern Sinne die
durch Zugtiere in Bewegung gesetzten Vorrichtungen
zur Beförderung von Personen oder Lasten. Jedes
F. in diesem engern Sinne besteht aus einem Unter-
gestell, das in Verbindung mit der Kraft der Zug-
tiere zum Fortbewegen dient, und aus einem Ober-
gestell zur Aufnahme der zu befördernden Last.
Wesentlich für die Leistung der F. ist nur der Bau
des Untergestells, währenddas Obergestell selbst auf
dem Untergestell sehr verschieden angeordnet sein
kann. Die Beweglichkeit des Untergestells beruht
entweder auf der Anwendung der Schleife oder auf
der des Rades (s. Fahrzeugsysteme).
Die F. der Artillerie dienen zur Fortschaffung
derjenigen Geschützrohre, welche nicht in ihren Lafet-
ten transportiert werden können (Kanonensattel-
wagcn und Echleppwagen) oder keine fahrbaren
Lafetten haben (Mörfersattelwagen), ferner zur Fort-
fchaffung der Munition (Munitwnswagen), der Vor-
ratsstücke (Vorratswagen), der Schmiedeeinrichtung
(Feldschmiede), des Batteriebaumaterials (Kasten-
wagen, Leiterwagen, Rollwagen) u. s. w. Zu diesen
von Pferden zu ziehenden vierräderigen Fahrzeugen
sind eigentlich auch die aufgeprotzten Geschütze selber
zu rechnen. Es schließen sich ihnen die zweiräderigen
durch Menschen zu bewegenden "Karren" an, die
zum Transport leichter Rohre und Mörser (Tranchse-
larre) sowie von Munition (Kugelkarre) auf kurze
Strecken nur im Festungskriege dienen.
Die Gesetzgebung trifft besondere Bestimmungen
cinerfcits zur Vermeidung der Gefahren, welche z. B.
bei Seuchezeiten aus der Annäherung von F. an
die Landcsgrenzen oder aus deren Überschreitung
entstehen können, andererseits zur Vermeidung der
Benachteiligung des freien Verkehrs. So enthält
S. 545 des Deutschen Zolltarifgesetzes vom 24. Mai
1885 Bestimmungen über zollfreien Eingang von
Waren einschließlich der Eisenbahnfahrzeuge. Nach
dem Deutschen Patentgesetz, §. 5, erstreckt sich die
Wirkung eines Erfinderpatents nicht auf Einrich-
tungen an F., welche nur vorübergehend in das
Inland gelangen.
Fahrzeugfysteme. Nach der Art des Unter-
gestells (schleife oder Räder) werden die Fahrzeuge
(s. d.) als Schlitten, als zweiräderige oder Karren
und vierräderige oder Wagen bezeichnet (zwei-
räderige Lurusfahrzeuge werden indes Wagen ge-
nannt). Bei den Wagen derArtill er ie Werdennach
der Art der Verbindung des Vorder- und Hinter-
wagens drei vauptsysteme unterschieden: Unab-
bängigkeits-, Balancier- und Lenkscheitsystem: durch
Vereinigung der beiden letztern entsteht das Balan-
cier-Lenkscheitsystem (s. d.).
I'a.Kdie (frz., spr. fähbl), schwach; als Substantiv:
Schwäche, schwächliche Nachsicht, Voreingenommen-
heit, namentlich in der Redensart: Ein^. für jemand
haben, d.h. für einePerfon eingenommen fein,so daß
man auch gegenüber deren Fehlern Nachsicht übt;
Faiblage (spr. fäblahsch'), erlaubter Minderwcrt
von Münzen an Gewicht und Gehalt (s. Nemedium);
Faible sse (spr. fäblch), Schwäche, Ohnmacht.
I'I.iäa. (mittellat.), ursprünglich die Fehde (s. d.),
dann, ebenso wie lliiäu", die Buhe oder das Fehde-
geld, durch deren Zahlung der Angeklagte dem Ver-
letzten, welcher unter Verzicht auf die Fehde geklagt
hatte, den Frieden abgewann.
Faidherbe (spr. fäderb), Louis Leon Ce'sar,
franz. General, geb. 3. Juni 1818 zu Lille, besuchte
die Polytechnische Schule, trat 1840 in die Artillerie-
und Genieschule von Metz, diente als Genieoffizier
in Algerien 1844-45, als Kapitän auf Guadeloupe
1848-49 und wiederum in Algier 1849 - 52, wo
er an mehrern Expeditionen, namentlich 1851 unter
Saint-Arnaud an der gegen Kabylien, teilnahm. F.
wurde 1852 als Uuterdirektor des Geniewesens nach
dem Senegal gesandt, wo er 1854 zum Vataillons-
tommandanten und Gouverneur der Kolonie er-
nannt wurde. Er unterwarf 1855 mehrere aufstän-
dische Stämme und organisierte die Länder der Walo
als franz. Provinz. Die völlige Unterwerfung der
mächtigen maur. Stämme der Trarfa (1858) so-
wie ein Feldzug gegen den König von Cayor (Jan.
1861), der mit Unterwerfung von dessen Küstenlän-
dern und der Besetzung des rechten Ufers des Se-
negal bis jenseit Bathet de Medina endigte, kenn-
zeichnete die Amtsperiode F.s in ^cnegambien.
Juni 1861 kehrte er nach Frankreich zurück und ging
hierauf wiederum nach Algerien, wo er 1863 Vri-
gadegeneral wurde. Bald darauf wurde F. aufs
neue an die Spitze der Kolonie ^enegambien ge-
stellt und blieb dort bis Juli 1865, wo ihm das
Kommando über die alger. Subdivision Bona über-
tragen wurde. Anfang 1870 erhielt er die Division
in Constantine und wurde Ende November von Gam-
bctta nach Frankreich berufen und mit dem Kom-
mando der Nordarmee betraut. F. traf 5. Dez. in
Lille ein und war mit dem Kern seiner Armee, gegen
40000 Mann, auf seinem Vormarsch bereits biö
gegen 11 Km nordöstlich von Amiens gekommen,
als er 23. und 24. Dez. von Mcmteuffel durch die