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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Färbereiche - Farbhölzer
Gewichts von den färbenden Substanzen anf und
wird daher beim Färben bedeutend beschwert.
Das Färben enthält folgende Einzeloperationen:
das Beizen lwenn nötig); das eigentliche Färben,
d. h. das Eintauchen des Stoffes in die in dem
Farbegefäß (K üpe, Wanne) enthaltene Farbe-
brühe (F lotte); das Auswringen (bei Garnen Ehe-
villieren genannt), um die überfchüfsige Farbe-
brühe vom Stoffe zu entfernen; das Spülen; das
nochmalige Auswringen; das Trocknen. Alle diefe
Operationen, die für lose Fasern anders, als für
Garne und für diefe anders als für Gewebe zu lei-
ten find, werden entweder durch bloße Handarbeit
oder mit Hilfe mechan. Einrichtungen ausgeführt.
Von letztern find namentlich die Klotzmaschinen
oder Clapots zu erwähnen, die zum Färben baum-
wollener Gewebe dienen. Sie bestehen aus einfachen
Kästen aus Holz oder Eisen, in denen sich sowohl
am obern Rande, als nahe am Boden eine Neihe
von Lcitrollen befinden, über welche der Stoff der-
artig läuft, dasi er sich im Zickzack durch die Flotte
auf und ab bewegt; ist er am Ende des Behälter?
angelangt, so wird er durch zwei Quetschwalzen
von der überschüssigen Farbebrühe befreit. Oft find
drei Clapots dirett hintereinander angeordnet, sooaß
der Stoff in dem ersten gebeizt, in dem zweiten ge-
färbt, in dem dritten gefpült wird.
Litteratur. Witt, Chem. Technologie der Ge-
spinstfafern (Vraunschw. 1888, im "Handbuch der
ckem. Technologie"); Ganswindt, Handbuch der F.
(Weim. 1889); ^"crzfeld, Das Färben und Bleichen
(3 Bde., Verl. 1889-93); Sansone, Zeugdruck,
Bleicherei, F., Druckerei und Appretur baumwollener
Gewebe (ebd. 1890); Hummel, Die F. und Bleicherei
der Gespinstfasern (deutsch von Knecht, 2. Aufl.,
ebd. 1891); Sorhlet, Die F. der Baumwolle (Stuttg.
189Y; Delmart, Die Stück- und Kammgarnfärberei
(Reichend, i. B. 1892 fg.); Knecht, Rawson und
Loewenthal, Handbuch der F. der Gespinstfasern
(Bevl. 189 Ifg.); Neimanns Färberzeitung (feit 1873);
Musterzeitung für F. (Berl.und Lpz. 1850-80; fort-
gesetzt u. d. T.: Färberei-Muster-Zeitung, ebd. seit
1881); Deutsche Färberzeitung (M'lhlhausen i. Th.,
Drcsd. und Münch. 1865 fg.); Kerl und Stohmann
lMuspratt), Encytlopäd. Handbuch der tecknischen
Chemie (Art. Färberei, 4. Aufl., Vraunfchw. 1889).
Färbereiche, f. Eiche.
Färberei- und Appreturschulen. Die Für
berei- oder Färberschulen verdanken ihre Entstehung
namentlich dem Umstände, das; mit der fortschrci-
tenden Entwicklung der Farbstosfherstellung in der
Neuzeit chem. Kenntnisse in der Ausübung des
Färbergewerbes immer mehr zur Notwendigkeit
wurden. Tcr enge Zusammenhang zwischen Färberei
und Appretur erklärt es, daß fast alle Färberfchulen
auch die Appretur mit in ihren Lehrplan aufge-
nommen haben; während jedoch praktische Übungen
in der Färberei in den mit den Schulen verbundenen
chem. Laboratorien durchgchends an allen Schulen,
wenn auch in verschieden großem Umfange vorge-
nommen werden, sind praktische Übungen in der
Appretur wegen ihrer Kostspieligkeit in verhältnis-
mäßig geringerm Maßstabe durchgefübrt worden.
Selten bestehen die F. u. A. ganz allein für sich;
sie sind vielmehr zumeist an Lehrinstitute für all-
gemein industrielle oder speciell für tertilindustrielle
Zwecke angefchlossen. Die Unterrichtsdauer
in den einzelnen Färbereischulen betrügt 1, 1^, '2,
auch 3 Jahre; einige Färbereischulen verlangen als
Vorbildung nur die Volks schulbildung, andere
eine mittlere der Berechtigung zum einjährig-frei-
willigen Militärdienst entfprechende wissenschaftliche
Qualifikation; manche Färbereischulen verlangen
eine mindestens zweijährige praktische Thätigkeit im
Färbereigewerbe als Aufnahmebedingung, andere
stellen solche Bedingungen nicht. Entsprechend der
Verschiedenheit in der verlangten Vorbildung und
der Unterrichtsdauer variieren auch die Lehrziele,
indem die Schulen nur Vorarbeiter oder Färber-
meistcr, Färbereichemiker und Färbereidirigenten
ausbilden wollen. Die älteste dieser Schulen ist die
zu Mülhausen i. E., die andern entstammen Mitte
oder Ende der siebziger oder Anfang der achtziger
Jahre dieses Jahrhunderts. Die hauptsächlichsten
Schulen dieser Art sind in Deutschland: die königl.
Färberei- und Appreturschulc zu Kr^eld, die königl.
Färberschule zu Chemnitz, Ncols municipale ci6
cliimio inänsdi'ieiiE in Mülhausen i. E., die Färber-
schule zu Mühlheim a. Nh., die Färberschule zu
Reutlingen; in Osterreich: die Färberschule (niedere
Abteilung) und die Färbereischule (höhere Abteilung)
an der k. k. Etaatsgewerbeschule zu Reichenberg in
Böhmen, die Niedere Fachschule für Färberei, die
Höhere Fachschule für Färberei und das Seminar
für Tinttorialchemie an der II. Sektion des Tech-
nologischen Gewerbemuseums zu Wien.
"larberflechte, s. NoccEli"..
'ärberginster, s. (-6ui3ta. : ^
ärberkamille, s. ^.iMsmik.
ärbermaulbeerbaum, s. ^I^cluiT. !
ärbermorinde, s. Norin6^.
Färberrinde, s. Quercitron.
Färberröte (liudiatiuctoi'um _^.), die wichtigste
und zugleich einträglichste Farbcpflanze Europas
aus der Familie der Rubiaccen (s. d.). Aus dem krie-
chenden, langen, hellblutroten Wurzelstocke (Krapp,
s. d.) erheben sich vierkantige, auf den Knoten mit
abwärts gebogenen stacheln besetzte, ästige Stengel,
welche 1-2 in" hoch werden; die Blätter, in vier- bis
sechszähligen Wirteln, sind elliptisch-lanzettförmig,
am Rande und am Rückennerven stachelig-scharf.
Die Blüten sind klein und von grünlichgelber Farbe,
die Früchte sind zuerst rötlich, dann schwarz.
(S. Tafel: Rubiinen, Fig. 4.) Die ursprüngliche
Heimat der Pflanze sind die Mittelmeerländer. Zum
erfolgreichen Bau der F. ist ein Boden mit sehr
tiefer, leichter, durchlässiger, Humus- und besonders
kalkhaltiger Ackerkrume und Feuchtigkeit haltendem
Untergrunde nötig. Der Wurzelstock kann im dritten
Jahre geerntet werden.
Färberfcharte, s. 86ri'HwiH. '
Färberwaid, s. I8ati8.
Färberwau, s. li^äa.
Farbhölzer, meist außereurop. Holzarten, die
technisch verwendbare Farbstoffe enthalten. Die F.
werden in Farbholzmühlen (s. d.) zerkleinert und
befeuchtet und bleiben mehrere Wochen in dunklen
luftigen Räumen liegen, wodurch der Farbstoff sich
entweder erst entwickelt (fermentierte F.) oder doch
ein lebhafteres Ausfehen erhält. Die wichtigsten F.
sind folgende: Das Fernambukh olz oder Rot-
holz (s. d.) ist das Holz einiger südamerik. und
westind. Arten von t)a683.1i)inia, das beste stammt
von (^<?8alpiiii3> eckiimtg. ^"mk. (S. Tafel: Legu-
minosen II, Fig. 5.) Das sog. Sappanholz,
ebenfalls ein Rotholz, stammt von dem ostind.
Baume ^9.68Hii>wia s^ppaii /v., dasselbe wird auch
häusig als ostind. Fernambukholz bezeichnet. Das