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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Fasching - Fasergebilde
Fasching, s. Karneval und Fastnacht.
Fafchoda, eine der frühern ägypt. Niederlassun-
gen im Sudan, auf einer Insel im Bahr el-Abiad,
in 9" 55^ 16" nördl. Br. Ursprünglich eine Straf-
kolonie fürVerbannte, wurde F. allmählich ein großes,
von Palissaden umgebenes Hüttendorf; daneben
batte die ägypt. Regierung ein Fort, eine Kaserne,
ein Wohnhaus für den Mudir und Beamte, fowie
Magazine erbaut. 1864 war die Proviuz F. erobert
und 1867 die Stadt F. gegründet und zur Haupt-
stadt des neuen Bezirks, Bahr el-Abiad, gemacht
worden. Im Mahdi-Aufstande (1884) verließ fast
die ganze Bevölkerung, Schillukncger, den Ort.
I'a.soia. (lat., "Band"), bei den alten Römern
der Name für verfchiedcne Arten von Gurteu und
Binden, wie sie z. B. Frauen auf dem Leibe oder
über der Tunita unter dem Vufen trugen. In der
Architektur ist K ein Glied, welches eine ebene
Fläche in getrennte Teile sondert, z. B. beim Ioni-
schen und korinthischen Architrav; in der Ana-
tomie
welche besonders die Muskeln bedeckt oder umgiebt;
sasciieren, mit Binden umwickeln.
Fasciation (lat.), Umwicklung mit Binden. In
der Botanik ist F. oder Verba'nderung eine
eigentümliche Mißbilduug an Stammorgancn, die
darin besteht, daß fönst cylindrische Stengel sich
breit bandförmig entwickeln. Die F., ein krankhafter
Zustand, tritt hauptsächlich bei zu reichlicher Nah-
rungszufuhr ein, entweder infolge sehr günstiger
Bodenverhältnisse oder infolge Verlustes größerer
Partien der betreffenden Pflanzen. Bei einigen fin-
den sich fasciierte oder vcrbänderte Stengel ziem-
lich oft, bei andern seltener; doch können sie fast bei
allen Pflanzen unter geeigneten Verhältnissen ein-
treten. Einer der bekanntesten Fälle findet sich bei
^6io8ia. ci'iswt^ L. (s. ^elozili), dem Hahnenkamm,
wo durch Kultur die F. gewissermaßen konstant ge-
worden, der ganze Blütenstand verbändert ist uud
dadurch bei der roten Färbung ungefähr das Auf-
sehen eines Hahnenkammes hat.
ra.301 üei 1a.vora.tori (spr. faschi), Arbeiter-
bünde in Sicilien; der erste entstand in Catania
auf Anregung des spätern Deputierten Giuseppe
de Felice Giuffrida. Seit 1892 verbreiteten sie sich
über ganz Sicilien, namentlich unter den ländlichen
Arbeitern; sie richteten sich besonders gegen die
Mißbräuche der Lokalverwaltungen und waren 1893
nnd 1894 die Träger der blutigen Unruhen auf der
Insel, die zur Verhängung des Belagerungszustan-
des führten und mit der Verurteilung von acht Mit-
gliedern des (Zentralkomitees der 1^. ä. I., darunter
de Fclice Giuffrida, zu langjährigen Freiheits-
strafen endigten (30. Mai 1894).
Fasele", lat. I^ciaL, Mehrzahl von ^Leia
(f. d. und Aponeurosen).
Fascikel (lat. faLcicüw"), kleines Bündel, etwas
Zusammengebundenes oder Geheftetes, z. B. Akten-
Fascikel; fascitnlieren, in F. binden, heften.
Fascinieren (lat.), bezaubern, verblenden;
Fascinierung oder Fascination, Bezaube-
rung, Verblendung (f. I^^cinuni).
I'a.Loinuin (wahrscheinlich vom grch. lmsl^-
uou, dazllÄnioii, Zauber, Zaubermittel), beiden
röm. Schriftstellern sehr oft, und zwar im Sinne
eines Gcgenzaubers, eines Schutzes gegen Zauberei
vorkommendes Wort. (S.Böfcr Blick.) Gewöhnlich
ist damit ein Amulett in Gestalt eines männlichen
Gliedes gemeint. Ein folches I". wurde in das den
bindern umgehängte Medaillon, die dulia, gelegt;
auch hing ein 1^. zur Abwehr des Neides unter dem
Triumphwagen eines siegreich in Rom einziehenden
Feldherrn. Wenn aber auch die Vcstalinncn ein ^.
unrer den röm. Heiligtümern bewahrten, fo wird
dabei auch an die Bedeutung des männlichen Glie-
des als Symbol der Fruchtbarkeit zu denken fein,
und vollends gilt dies von der Sitte, daß ein sol-
ches ^. all Festtagen zu Ehren des Gottes Libcr
auf Wagen herumgefahren wurde. Es wurde sogar
von einem Gotte Fascinus gesprochen. - Vgl.
Iahn, Über den Aberglauben des bösen Blicks bei
den Alten (Lpz. 1855).
I^sois (lat.), Bündel, Mehrzahl 1^8063 (s. d.).
Fase, abgeschrägte Kante, s. Fasen.
Fasel, Bezeichnung eines bestimmten Geschlechts
oder Alters beim Rinde und Schweine. Faselstier
oder Faselochs ist ein ein- bis dreijähriges männ-
liches Rind; Fasel- oder Läufer s ch w e i n nennt
man die zur Vlast bestimmten, ein- bis zweijährigen,
meistens kastrierten Schweine beiderlei Geschlechts,
im ersten Jahre Kleinfafol, im zweiten Jahre
Großfasel.
Fasel, Frucht, f. volicung.
Fasen, Abfasen, im Baufach das Abschrägen
oder Verbrechen der scharfen Kante, das eine größere
Haltbarkeit oder besseres Aussehen bezweckt; die ent-
stehende Abschrägung nennt man Fase. Das Ab-
fasen kommt besonders bei frei stehendem Bauholzc
und Fachwerksbauten, bei dem Rahmcnholze nnd
den Füllungen einfacherer Thürflügel, an den in-
nern Kanten der steinernen Thürgewände und der
hölzernen Thürbekleidungen, an verputzten Mauer-
und Fensterschaftecken u. s. w. vor.
Faser, in der Botanik Bezeichnung für Zellen,
die eine spindelförmige Gestalt besitzen, d. h. lang-
gestreckt sind und an beiden Enden spitz zulaufen.
Zugleich verbindet man mit dem Begriff F. die
Voraussetzung, daß die Zellen, die mit diesem Na-
men bezeichnet werden, eine gewisse Zugfestigkeit be-
sitzen, so daß sie als Rohstoffe für die Textilindustrie
oder in anderer Weise technische Verwendung finden
können. Es gehören demnach nicht bloß Vastzellen
(s. Bast) und äbnliche Elemente, die im Gewebever-
band in der Pflanze vorkommen, hierher, wie die
Bastzellen des Leins, des Hanfs, der Linde u.s. w.,
sondern auch solche fascrähnlich gebaute Zellen, die
als Haare auf der Oberfläche von Pflanzenteilen
stehen, wie die Baumwolle. In der botan. Ter-
minologie hat man für langgestreckte, an beiden
Enden spitz zulaufende Zellen die Bezeichnung Pros-
enchym (s. d.) eingefübrt, aber nur für folche Zel-
len im Innern der Pflanze, nicht für die Haare auf
der Oberfläche. - Über die F. in technischem
Sinne s. Fasergebilde.
Fasergebilde, die Vereinigung vieler Fasern zu
fadenförmigen, blätterförmigen und hüllcnförmi-
gen Gebilden, deren Herstclluug ausgedehnte und
leistungsfähige Industrien, die Spinnerei (s. d.),
die Papierfabrikation (s. d.) und die Filz-
fabrikation (s. d.) beschäftigt. Als Fafern im
technischen Sinne sind' alle natürlichen leicht bieg-
samen Gebilde von fadenförmiger Gestalt anzusehen,
deren Dicke sehr gering ist; ihr Ursprung ist nur aus-
nahmsweise in der unorganischen Welt (Asbest-
fascrn), Häufigor in der tierischen Welt (Schafwolle
und andere Tierhaare) und am allerhäufigsten in der
Pflanzenwelt (Baumwolle, Lein, Hanf, Jute u. s. w.)
zu suchen; von den Fasern der organischen Welt ist