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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Fasquelle, E. - Fassâ
rend aber von nun ab nach der niederdeutschen (wie
sie namentlich in der nordischen Thidrekssaga er-
halten ist) F. ein trener Genosse Dietrichs wird, ihm
im Kampf gegen Tiere und Drachen beisteht und
endlich in seinem Dienste den Tod in: Kampfe gegen
Hertnid findet, sucht er nach der oberdeutschen Sage,
wie sie in "Ecken Ausfahrt" erhalten ist, seinem neuen
Herrn und Genossen alle möglichen Feinde zu er-
wecken, um seinen Bruder zu rächen, und wird des-
halb von Dietrich selbst erschlagen. F. hat den Bei-
namen "der Stolze", ist eine große, stattliche Erschei-
nung mit blonden Locken und führt, wie sein Bru-
der, in seinem Schilde den Löwen, als Zeichen, daß
er keine Gefahr meide. squelle.
Fasquelle, G., s. Charpentier, G., & E. Fas-
Faß, ein aus Dauben und Reifen zusammenge-
setztes hölzernes Gefäß, welches oben und unten
durch einen Boden geschlossen ist. Der Boden paßt
genau in die Nut oder Zarge ein, welche in die
Dauben eingerissen ist. Bei allen F. muß die Weite
nach dem Boden zu kleiner als in der Mitte sein,
weil sonst das Antreiben der Reifen bis zum Fest-
sitzen derselben unmöglich wäre. Ebendeshalb dür-
fen auch alle übrigen Gefäße, die der Küfer aus
Dauben macht, keine cylindrische
Gestalt haben; sie müssen ver-
jüngt zugehen. Ein F. wölbt sich
um so mehr, je größer sein Faß-
stich oder der Unterschied seiner
äußern Weite am Bauche und
über den Köpfen genommen wor-
den ist. Außer den runden F.
kommen auch ovale F. vor. Zur
Bestimmung des Inhalts der F. benutzt man den
Visierstab (s. d.) oder folgende Formel:
in welcher nach beistehender Figur Ii den Abstand der
Böden, v den Epuuddurchmesser, ä den Bodendurch-
messer und 75 die Ludolssche Zahl (s. d.) bedeutet.
Über die Herstellung der F. s. Fahfabrikation.
Faß, älteres Getreide- und Flüfsigkeitsmaß von
verschiedener Größe, und älteres Flüssigkeitsmaß in
Deutschland, einigen Schweizer Kantonen, Öster-
reich, Ungarn und andern Ländern. Im Deutschen
Reiche war F. nach der Maß- und Gewichtsord-
nung vom 17. Aug. 1868 eine (nicht vom Verkehr
aufgenommene) Nebenbezeichnung für das Hektoliter
von 100 I, die durch das Gesetz vom 11. Juli 1884
wieder ab geschasst wurde.
1) Getreide maß. In Hamburg und Altona
war das F. von 2 Himten oder Himpten feit Mai
1844 ^ dem preuh. Scheffel ^ 54,96151, vorher aber
- 52,734 1 -- 0,95 94? preuß. Scheffel. In Lübeck
war das F. zweierlei: im Großverkehr für Weizen,
Roggen, Gerste und Erbsen ^ 8,6735 1, im Groß-
handel für Hafer und auf dem Markte für alle
Früchte ^ 9,8785 1.
2) Flüffigkeitsmaß. Iu Preußen war beim
Viermaß das F. von 2 Tonnen ^ 200 Quart ^
i2800 preuh. Kubikzoll -^ 229 1. In Leipzig lbis
Ende Okt. 1858) war beim Weinmaß das F. von
5 Leipziger Eimern ^ 379^ I; beim (Hpiritusmaß
im Großhandel das F. von 3 Dresdener Eimern ^
202,0871, meist dem preuß. Oxhoft (von 206,io5 I)
gleichgerechnet; beim Biermaß das F. von 2 Vier-
teln, 4 Tonnen oder 6 Eimern ^ 520"/" 1. In
Dresden und seit 1. Nov. 1858 in ganz Sachsen
war das F. sür Wein u. s.w.von 6 Dresdener oder
sächs. Eimern oder 432 Kannen -- 404,i? 1, das
F. für Bier von 2 Vierteln, 4 Tonnen oder 5^/"
Weineimern oder 420 Kannen ^ 392,95 I. In
Bayern (mit Ausnahme der Nheinpfalz) hatte das
F. Bier 24 Visiereimer oder 1536 Maß - 66048
dayr. Decimaltubikzoll ^- 1642,031. In Hamburg
begriff das F.Thran 7^ Stechkannen oder 1^/4 alte
Thrantonnen ^ 147 1, und wurde an Gewicht zu
135 kF gerechnet. In Lübeck war das F. für Brannt-
wein dem Weinorhost gleich, also ^ 218^ 1, das
F. für Bier von 4 Ankern oder 20 Vierteln^149,021.
In Österreich begriff das F. für Wein 10 Eimer oder
400 Maß -^ 565,891, das F. für Bier 2 Eimer oder
80 Maß - 113,i8 I. In Böhmen war bis Ende
Mai 1856 ("strenge" Einführung der schon 1760
vorgeschriebenen niederösterr. oder Wiener Maße)
das F. von 4 Eimern für alle Flüffigkeiten ^ 172,8
Wiener Maß ^ 244,481. In Ungarn kamen drei ver-
fchiedene Weinmaße des Namens F. vor: das ober-
ungarifche F. oder Tokayer Weinfaß von 2^ ungar.
oder Preßburger Eimern oder 176 Halben (ungar.
I026) ^ 149,3184 1 (f. Antal), das Erlauer F. von
3 ungar. Eimern oder 192 Halben ^ 162,89281 und
das Gönczer F. von 2//.2 ungar. Eimern oder 160
Halben --135,7691 (in Preußen ^ 128 preuß. Quart
gerechnet); der ungar. Eimer von 64 Halben war
- 54,2976 1; man rechnete in Österreich auch wohl
100 ungar. Eimer ^ 94 Wiener Eimer. Im Schwei-
zer Kanton Bern war das "gemeine" F. von 4 Saum,
16 Brenten (Eimer) oder400 Maß (Pinten) ^ 668^ I,
das Landfaß aber ^ I//2 gemeine F., 6 Saum,
24 Vrenten oder 600 Maß, fonach ^ 1002^ 1. In
den Niederlanden ist F. (Vat) eine Nebenbenennung
für das Flüssiqkeitsmaß Hektoliter.
Faffa, V al d i, deutsch Fass a-oder Ev as th al,
die oberste Stufe des vom Avisio durchstossenen
Thals in der Bezirkshauptmannschaft Cavalefe in
Tirol, 25 km lang, 1-2 km breit, in 12-1500 m
Höhe gelegen, umgeben von den fchroffen Dolomit-
! und Porphyrgipfeln der Marmolada (3494 m), des
> Langtofls (3179 m) und des Rosengartens (2986 m),
> bildet einen eigenen Gerichts bezirk (235,38 hkm) mit
7 Gemeinden, 12 Ortschaften und (1890) 4247 ladi-
nifchen E. Der Hauptort Vigo diF. (1388 m) an
der rechten Thalfeite zählt 738 E. Der wichtigste
Punkt nächst Vigo diF. ist Campitello (1453 m),
10 km oberhalb Vigo, mit 518 E. Der Avisio ent-
springt aus den Gletschern der Marmolada, fließt
im allgemeinen nach. SW. und mündet in der Nähe
von Lavis in die Etsch. Bei Moena (1757 E., 1181 m)
beginnt die zweite Stufe, das Fleimserthal (Val
diFiemme), gegen 38km lang. Hauptort ist Cava-
lese (s. d.); sür Mineralogen und Geologen wichtig
Predazzo (2912 E., 1017 m). Das Fassa- und
Fleimserthal ist in geognoft.-Mineralog. Beziehung
weltberühmt; Leopold von Buch nannte F. den
Schlüssel der Geologie. Die unterste Stufe Val di
Cembra (Zimmerthal), von Val Floriana an
34kmlang,ist eng. Hauptorte sind Cembra (1692 E.),
Sitz des Bezirksgerichts, und Segonzano (1744 E.).
Die Bewohner des Fleimser- und Zimmerthals sind
jetzt ital. Zuuge, während früher eine große Zahl
deutfch war.
Fassä, Fefa oder Vafa, Stadt in der pcrs.
Provinz Farsistan, im SO. voll Schiras, in hohem
Thale der Kafrehberge, in fruchtbarer Lage, ist von
Mauern umgeben, hat ihren alten Glanz gänzlich
eingebüßt, ist jedoch durch ihre Goldstickereien und
Brokate noch jetzt berühmt. Bis zum 13. Jahrh.