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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Fausta - Faustpfand
Fausta, Flavia Maximiana, Tochter des röm.
Kaisers Marimianus und der Syrierin Eutropia,
lvar seit 307 mit Konstantin d. Gr. vermählt, dem sie
die spätern Kaiser Konstantin II., Constantius II. und
Constans und mehrere Töchter gebar. (S. Crispus.)
Fäustel, s. Bergbau (Bd. 2, S. 756 d).
Fausthandschuhe, s. Kampfhandschuhe.
Fausthuhn, s. Steppenhuhn.
Faustln I., Präsident und später Kaiser von
Haiti, s. Soulouque.
Faustma, Name 1) der 141 n. Chr. gestorbe-
nen Gemahlin des röm. Kaisers Antoninus Vius,
2) ihrer 175 gestorbenen Tochter, die mit dem Nach-
solger des Antoninus Pius, mit Marcus Aurelius
Antoninus vermählt, wegen ihres sittenlosen Lebens
berüchtigt war. Zu ihrem Andenken wurden Stif-
tungen für arme Mädchen, die pukiias HlillieutÄria.
^HU8tinian3.6 genannt wurden, gemacht.
Faustkampf (grch. p>'Finö; lat. pn^il^w8), eine
der gymnastischen Übungen der Alten. Um die Hand
' trugen die Kämpfer Riemen aus Rindsleder ((F3W8,
s. d.). Acehrere plastische Darstellungen von Faust-
tämpfern haben sich aus dem Altertume erhalten.
Über den modernen F. s. Boxen.
Fäustle, Joh. Nepomuk von, bayr. Staats-
mann, geb. 28. Dez. 1828 in Augsburg, studierte
in München Rechtswissenschaft, wurde 1857 Assessor
am Kreis- und Stadtgericht Augsburg, 1858 Rat
am Bezirksgericht Donauwörth, 1860 Assessor am
Appellationogericht für Schwaben, im Juli 1862
bei der Reorganisation der gesamten bayr. Justiz-
verwaltung Vorstand des Stadtgerichts München,
1864 Assessor und Referent im Justizministerium,
1868 unter Fortdauer seiner Verwendung im Mini-
sterium Oberappellationsgerichtsrat, 1870 Mini-
sterialrat und im Aug. 1871 an Stelle von Lutz
Iustizminister. In dieser Stellung fand F. die
reichste Gelegenheit, fein hervorragendes organi-
satorisches Talent zu verwerten, so besonders bei
der Einführung der norddeutschen Bundesgesetze
als Reichsgesetze in Bayern, der Vorbereitung und
Durchführung der neuesten Gesetzgebung, insbe-
sondere der neuen Reichsjustizgesetze, beiden Ver-
bandlungen des Bundesrats, bei der Ausgestal-
tung der speciellen bayr. Iustizgesetzgebung, den
vielfachen Reformen der innern und Finanzver-
waltungsgesetze und der praktischen Durchführung
derselben, der Reform der Strafanstalten u. s. w.
1875 - 81 war F. auch Mitglied der bayr. Abge-
ordnetenkammer als liberaler Vertreter des Bezirks
Kempten. Er starb 18. April 1887 in Müncken.
Faustleier, foviel wie Drehbohrer (s. Bohrer,
Bd. 3, S. 238d).
Faustmann, Martin, Forstmann, geb. 19. Febr.
1822 in Gießen, studierte daselbst seit 1841 Theo-
logie, dann Forstwissenschaft. 1857 wurde ihm
die Verwaltung der Oberförsterei Dudenhofen mit
Wohnung in Vabenhausen übertragen, wo er
1. Febr. 1876 starb. F. war Erfinder eines
Spiegelhypsometers zur Messung der Baumhohen.
Besonderes Verdienst erwarb er sich durch Lösung
von Aufgaben der Waldwertrechnung; so veröffent-
lichte er in der "Allgemeinen Forst- und Iagd-
zeitung" (Franks. 1849) "Berechnung des Wertes,
welchen Waldboden sowie noch nicht haubare Holz-
bestände für die Waldwirtschaft besitzen". Die darin
entwickelten Grundsätze haben die Waldwertrechnung
mit Hilse der Formeln sür Bodenerwartungswert
und Bestandskostenwert in neue Bahnen gelenkt,
sie harmonieren auch mit der von Preßler bald dar-
auf begründeten sog. forstlichen Reinertrags lehre.
Auch die Jahrgänge 1853, 1854, 1855, 1865 der-
selben Zeitung enthalten wichtige, forstmathem.
Abhandlungen F.s.
Faustpfand (lat. ^i^nug), gegenwärtige Gestal-
tung des Pfandrechts (s. d.) an beweglicheil Sachen,
nachdem die Deutsche Konkursordnuug nur das F.,
welcke das Pfand in den Händen des Schuldners
belassen würde, für im Konkurse wirksam erklärt und
hierdurch die Landcsgesetzgebungen veranlaßt hat,
die Mobilienhypothck, wo solche noch vorkam, über-
haupt aufzugeben. Dem Principe entspricht es, dah
zur Entstehung des F. Übergabe erforderlich ist
(Preuh. Allg. Landr. 1,20, §. 94). Es kommen (nach
franz., württemb., hannov. Rechte, (^oäs civil Art.
2074, 2085, Hannoverschem Pfandgesetz 1864, ß. 43,
Württembergischem Pfandgesetz 1825, Art. 246) noch
weitere Formerfordernifse vor, insbesondere Pfand-
bestellungsurkunden. Diese zur Bestellung eines F.
im bürgerlichen Recht vorgeschriebenen Formen sind
nicht erforderlich, wenn unter Kaufleuten für eine
Forderung aus beiderseitigen Handelsgeschäften ein
F. an beweglichen Sachen, an Papieren auf Inhaber,
oder an Papieren, welche durch Indossament über-
tragen werden können, bestellt wird. In diesem Falle
genügt neben der einfachen Vereinbarung über die
Verpfändung bei beweglichen Sachen und bei Pa-
pieren auf den Inhaber die Übertragung des Besitzes
auf den Gläubiger, wie solche nach den Bestimmun-
gen des bürgerlichen Rechts für das F. erfordert
wird, - bei Orderpapieren die Übergabe des in-
dossierten Papiers (Handelsgesetzbuch Art. 309).
Unter Übergabe wird körperliche Übergabe verstan-
den, nicht eine solche, bei welcher der Verpfänder
das Pfand in Händen behält (couLtitutum P08363-
80rium j. Doch kann ein Mitgewahrsam und Mit-
verschluß des Gläubigers und des Verpfänders statt-
finden. Das franz. Recht läßt das Faustpfandrecht
gegen dritte Besitzer nur verfolgbar sein, wenn das
Pfand dem Gläubiger gestohlen oder von demselben
verloren ist (0oä6 civil Art. 2076, 2279, 2280; vgl.
auch Sächs. Bürgert. Gesetzb. §. 479; Ital. Gesetzbuch
Art. 1882: Ital.Handelsgesetzbuch Art. 190; Nieder-
lä'nd. Gesetzbuch Art. 1199). In §. 14 des Einfüh-
rungsgefetzes zur Deutschen Konkursordnung wird
zur Wirksamkeit des F. im Konkurse verlangt, daß
der Gläubiger den Gewahrsam der Sache erlangt und
behalten hat. Ein Untergang des Rechts mit der
vielleicht rechtswidrigen Aufhebung des Gewahr-
sams würde indessen eine Anomalie sein; das preuh.
Recht (Landrecht 1, 20, §§. 253, 254) wird deshalb
dabin verstanden, daß nur die freiwillige Rückgabe
das F. aufhebt, sollte auch ein Vorbehalt gemacht
sein (vgl. auch Sächs. Bürgert. Gesetzb. §. 486, ab-
weichend Osterr. Vürgerl. Gesetzb. ß. 467), nicht aber
die widerrechtliche Entziehung des Pfandbesitzes.
Die Deutsche Kontursordn. 8- 40 giebt dem Faust-
pfandgläubiger ein 'Recht auf Abgesonderte Befriedi-
gung (s. d.) auch dann, wenn der Gläubiger ein Faust-
pfandrecht an einer Forderung oder an einem an-
der n V e r m ö g e n s r e ch t des Gemeinschuldners hat.
Solche Faustpfandrechte bestehen nach ß. 15 des Ein-
führungsgesetzes zur Konkursordnung, wenn ent-
weder der Drittfchuldner von der Verpfändung be-
nachrichtigt ist, oder wenn der Pfandgläubiger oder
ein Dritter für ihn den Gewahrsam der körperlichen
Sache, welche den Gegenstand des Rechts bildet, oder