Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Favre; Favretto; Favus; Fawcett

608

Favre (Louis) - Fawcett

sailles (26. Febr.) und unterzeichnete den definitiven Friedensvertrag in Frankfurt a. M. (10. Mai). Infolge der Debatten, die eine die Wiederherstellung des Kirchenstaates bezweckende Petition der Bischöfe veranlaßten, gab er seine Entlassung (22. Juli) und beteiligte sich seitdem sehr wenig an parlamentarischen Verhandlungen, wozu auch kompromittierende Enthüllungen über sein Familienleben beitrugen. Bei den Wahlen vom 30. Jan. 1876 wurde er im Depart. Rhone zum Mitgliede des Senats gewählt. Er starb 19. Jan. 1880 in Versailles. Zwei Verteidigungsschriften in Bezug auf seine Amtsführung sind: "Rome et la République française" (Par. 1871) und "Gouvernement de la défense nationale" (3 Bde., ebd. 1871-75). Außerdem erschien von ihm "Conférences et discours littéraires" (Par. 1873). Seine Witwe gab seine "Discours parlamentaires" (4 Bde., Par. 1881), Maritain seine "Mélanges politiques" (ebd. 1882) heraus.

Favre (spr. fahwr), Louis, Ingenieur und Bauunternehmer, geb. 29. Jan. 1826 zu Chêne-Bourg bei Genf als Sohn eines Zimmermanns. Vom Vater für denselben Beruf bestimmt, bildete er sich in Frankreich als Eisenbahningenieur aus. Nachdem er bei verschiedenen großen Bauten, so zu Charenton, an den Tunnels der Linie von d'Angré, am Tunnel von Credo und Creusot sowie am Mont-Cenis, an den Eisenbahnlinien von Lausanne nach Freiburg, Chagny nach Revers, an Wasserbauten in Paris und an der Vanne sich durch praktisches Geschick und Organisationstalent hervorgethan, siegte er 1872 bei der Konkurrenz um die Erbauung des Gotthardtunnels und verpflichtete sich zur Vollendung desselben in acht Jahren. Er führte das Werk auch mit Überwindung zahlreicher Schwierigkeiten seiner Vollendung zu, erlag aber noch vor Eintritt des Stollendurchschlags 19. Juli 1879 einem Schlaganfall im Tunnel selbst.

Favre (fpr. fahwr), Peter, oder Lefèvre, lat. Faber, Mitbegründer des Jesuitenordens, geb. 1506 zu Villaret in Savoyen, studierte seit 1527 zu Paris und wurde hier Loyola (s. d.) als Repetitor beigegeben. Ihm und Fr. Xaver (s. d.) machte dieser zuerst Mitteilung von seiner Absicht, einen Orden zu gründen, und sie legten zusammen 15. Aug. 1534 auf dem Montmartre das Ordensgelübde ab. 1537 ward F. Lehrer der Theologie in Rom, darauf in Parma, 1541 wohnte er dem Reichstag in Regensburg bei und wirkte für Ausbreitung des Ordens in Deutschland, begab sich 1544 nach Spanien und gründete mehrere Ordenshäuser. Zur Teilnahme am Tridentinischen Konzil zurückberufen, starb er 1. Aug. 1546 auf der Reise in Barcelona. - Seine Lebensbeschreibung steht in der "Historia Societatis Jesu" von Nic. Orlandini, Bd. 1 (Rom 1615; besonders gedruckt Lyon 1617). Vgl. auch R. Cornely, Leben des seligen P. F. (Freib. i. Br. 1873).

Favretto, Giacomo, ital. Maler, geb. 12. Aug. 1849 in Venedig, erhielt seine künstlerische Ausbildung auf der dortigen Akademie unter Molamati und K. Blaas. Er starb bereits 12. Juni 1887 in Venedig. Die Motive zu seinen Bildern, die sich durch große Feinheit des Einzelnen, individuelle Charakteristik und lebendiges Kolorit auszeichnen, wählte er mit Vorliebe aus dem venet. Volksleben des 18. Jahrh. und der Neuzeit. Zu seinen besten Bildern gehören: Vogelverkäuferin, Markt auf dem Campo San Polo in Venedig, Straße in Venedig, Markt auf der Rialtobrücke, Kanalfähre bei Santa Margherita; ferner: Moderne Promenade (königl. Galerie zu Monza), Goldoni sucht auf dem Markusplatze Stoff für seine Lustspiele (Münchener Jubiläumsausstellung 1888), Venet. Bilderhändler (1893 für die Münchener Pinakothek angekauft).

Favus, Wabengrind oder Erbgrind (Tinea favosa), eine hartnäckige, zumeist bei unreinlichen Personen vorkommende Krankheit der Haut, insbesondere der behaarten Kopfhaut, welche auf dem Vorhandensein parasitärer Pilze, besonders des 1839 von Schönlein entdeckten und nach ihm benannten Achorion Scheönleinii und anderer Achorion-Arten beruht und, sich selbst überlassen, durch Verschwärungsprozesse die umliegende Haut, besonders die Haarwurzeln, zerstört und so dauernde unheilbare Kahlheit erzeugt. Die Krankheit charakterisiert sich durch kleine rundliche, backschüsselförmige, moderig riechende gelbe Borken, die aus Pilzelementen bestehen und bei ihrer Entfernung eine geschwürige, leicht blutende, später in ein dünnes Narbengewebe übergehende Hautstelle zurücklassen. Der F. wird häufiger bei jugendlichen als bei ältern Individuen angetroffen; das Wohnen in unreinen, feuchten und sonst gesundheitswidrigen Räumen scheint die Entwicklung der Krankheit zu begünstigen. F. findet sich auch bei einzelnen Haustieren, zumal bei den Mäusen, Kaninchen und Haushühnern und kann durch direkte Berührung sowohl von Menschen auf Menschen, wie von Tieren auf Menschen und umgekehrt übertragen werden. Heilung ist nur von einer möglichst frühzeitigen und energischen örtlichen Behandlung zu erwarten, wozu sich außer der Entfernung der Borken und der größten Reinlichkeit insbesondere Abreibungen mit Lösungen oder Salben von sog. pilztötenden Mitteln, wie Quecksilbersublimat, Alkohol, Carbolsäure, Naphthol, Pyrogallussäure, Teer, Schmierseife u. dgl., am besten eignen. Bei F. der Nägel sind öftere Seifenwaschungen und dann Bepinselungen mit Sublimatkollodium nützlich.

Fawcett (fpr. fahßět), Edgar, amerik. Dichter, geb. 26. Mai 1847 zu Neuyork, studierte am Columbia College daselbst. Von ihm erschienen die Novellen "Purple and fine linen" (Neuyork 1873), "Ellen Story" (1876), "A hopeless case" (1880), "Rutherford" und "The adventures of a widow" (1884), "Social shilouettes" (1885), "The house at High Bridge" (1886), "Olivia Delaplaine" (1888), "Solarion" (1889), "How a husband forgave" (1890), "Women must weep" (1892), "A heir to millions" (1893), "Her fair fame" (1894) u. a.; die Kinderlieder "Short poems for short people" (1871), ein Schauspiel "The false friend" (1880), die Gedichte "Fantasy and passion" (1877), "Song and story" (1884), "The buntling ball" (Satire, 1884), "Romance and reverie" (1886), "Blooms and brambles" (1889) und die Essays "Agnosticism and other essays" (1889).

Fawcett (spr. fahßět), Henry, engl. Politiker und Nationalökonom, geb. 26. Aug. 1833 in Salisbury, studierte in Cambridge. Bei einer Jagd verlor er 1858 beide Augen, setzte aber seine Studien mit größter Energie fort. Neben kleinern Arbeiten erschien 1863 sein "Manual of political economy" (6. Aufl., 1883), woraufhin er zum Professor der Nationalökonomie in Cambridge ernannt wurde. 1865 trat er ins Parlament, hielt zu den Radikalen und erwarb sich durch seine Kenntnisse, sein Urteil und seine Beredsamkeit eine angesehene Stellung. 1876 beteiligte er sich in hervorragender Weise an