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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Fechtschulen - Feder
gungsmittel zunächst vom Lehrer angegeben (kom-
mandiert) oder auch vom Gegner vorher angesagt
werden; das freie Kontrafechten bildet die End-
stufe der Ausbildung. Mehrere aufeinanderfolgende
Angriffe und Paraden nennt man einen Gang;
Hieb- und Stoßfechten zusammen vereint nennt man
Rekontrafechten. Zur Vermeidung von Ver-
letzungen beim Schulfechten dienen: Fechthand-
schuhe, Gesichtsmasken, Fechtbrillen, wattierte
Schürzen, Halstücher u. a.
Geschichtliches. Die F. ist uralt; das Alter-
tum Pflegte dieselbe in den Fechter-(Gladiatoren-)
Schulen, deren Kunst nach dem Zerfall des rom.
Weltreichs verloren ging. Im Mittelalter kann
von einer eigentlichen F. nicht die Rede sein, da die
Abwehr nicht durch die Trutzwaffe, sondern durch
Schild, Helm und Harnisch zu erreichen gesucht und
das Hauptgewicht auf ungestüme regellose Hiebe
und Stöße gelegt wurde; nirgends ist in den
Kampfschilderungen jener Zeit von einer kunst-
gemäßen Abwehr, von einer Parade die Rede. Die
ganze Turnierkunst des Mittelalters beruhte dar-
auf, den feindlichen Lanzenstoft mit der Brust oder
dem Schilde aufzufangen, ohne sattellos zu wer-
den. Früher als bei dem turnierenden Adel bildeten
sich in den Städten schon frühzeitig den Bürger-
kreisen angehörende Fechtverdrüderungen, die
eine den Innungen verwandte Gliederung erhielten.
Die älteste derselben war die von (Ht. Markus von
Löwcnberg in Frankfurt a. M., die sog. Marks -
brüder (s. d.), die ihre Geheimnisse Nichtzünftigen
gegenüber mit derfelben Eifersucht hüteten, wie sie
damals allgemein Künstler und Handwerker in Be-
zug auf ihren Beruf an den Tag legten. Von den
später sich bildenden Fechtergesellschaften waren die
berühmteste die Freifechter von der Feder von
Greifenfels. (S. auch Federhannsen). Mit der
Erfindung des Schiehpulvers traten zunächst die
Waffen für den Nahkampf mehr in den Hinter-
grund, aber gegen Ende des 15. Jahrh, entwickelte
sich überraschend schnell eine theoretische Ausbil-
dung der F., die sich in ihren Grundzügen bis auf
die heutige Zeit erhalten hat. Zuerst in Italien und
dann in Deutschland und Frankreich wurde die neue
Kunst heimisch und bald unbedingtes Erfordernis
für jeden waffentragenden Mann. Die mit dem
Schwinden des Turnierwefens einreißende Duell-
manier des Adels, der Soldaten und Studenten
verschaffte der F. die weiteste Verbreitung; die Uni-
versitäten blieben in Deutschland auch im 18. und
19. Jahrh, ihre hauptsächlichsten Pflegestätten.
Die jetzt allgemein auf deutschen Universitäten üb-
liche Fechtart ist das Hiebfechten, doch ist das Stoh-
fechten erst zu Ansang des Jahrhunderts abgekom-
men und erhielt sich namentlich in Jena noch bis in
die vierziger Jahre. Schon 1550 wird eines Fecht-
meisters m Jena gedacht; hier erlangte späterhin
Wilhelm Kreusler (geb. 1592) als Begründer der
deutschen Stoßfechtkunst große Berühmtheit. Eine
andere noch heut? blühende Fechterfamilie sind die
von vertriebenen Hugenotten abstammenden Rour.
Litteratur: I. A. K. Rour, Anweisung in der
deutschen F. auf Stoß und Hieb (Jena 1799; '2. Aufl.
u. d. T.: Die deutsche F., theoretisch-praktische An-
weisung zum Stohfechten, Lpz. 1817); oerf., An-
weisung zum Hiebfechten (Fürth 1803); Joh. Wilh.
Roux, Anleitung zur F. nach mathem.-physik. Grund-
sätzen (Jena 1808); Lüpscher und Gömmel, Theorie
der F., nach dem "I'raits ä'68ei-im6" von Chatelain
(Wien 1819); von Pöllnitz, Das Hiebfechten zu Fuß
und zu Pferde (Kalberst. 1825); von Selmnitz, Die
Vajonettfechtkunst (Tl. 1, 2. Aufl., Verl. 1832);
W. Rour, Anweisung zum Hiebfechten (2. Aufl.,
Jena 1849); ders., Die Kreußlerfche Stoßfechtschule
l2. Aufl., ebd. 1857); ders., Deutsches Paukbuch
(2. Aufl., ebd. 1858); Rothstein, Das Vajonettsechten
nach dem System P. H. Linas (2. Aufl., Verl. 1860);
ders., Das Stoß- und Hiebfechten mit Degen und
Säbel (ebd. 1863); W. Lübeck, Lehr- und Handbuch
der deutschen F. (2. Aufl., Frankf. a. O. 1869);
Bluth, Praktifcke Anleitung zum Unterricht im Hieb-
fechten (Berl. 1878); G. Hergsell, Die F. (Wien 1881);
Vorschriften für das Bajonettfechten der Infanterie
(Berl. 1882); Lion, Das Stoßfechten (Hof 1882);
Montag, Neue praktifche Fechtfchule auf Hieb und
Stoß (3. Aufl., Lpz. 1884); Cäsar Rour, Die Hieb-
fechtkunst (ebd. 1885); Weiland, Handbuch der F.
(Wiesb. 1885); Friedr. Schulze, Die F. mit dem
Haurapier (Heidelb. 1885); Murz, Degen-, Sädel-
und Duellfechten (Debreczin 1890); Die deutsche
Stoßfechtschule nach Kreußlerschen Grundsätzen, hg.
vom Verein deutscher Fechtmeister (Lpz. 1892).
Fechtschulen, Vereinigungen, die durch Samm-
lung freiwilliger Beiträge gemeinnützige Einrich-
tungen zum Wohle der Armen und Waisen ins
Leben zu rufen oder zu unterstützen bestrebt sind.
Neben der Deutschen Reichsfechtfchule (s. d.)
verfolgen diesen Zweck die Generalfechtfchule
in Lahr sowie die Verbände in Leipzig und Chemnitz,
die sich alle drei 1883 von der Deutschen Reichsfecht-
fchule abgezweigt haben.
Fechtverbrüderungen, s. Fechtkunst.
rsoit (lat.), abgekürzt I^e., "hat (es) gemacht",
Signatur besonders unter Kupferstichen.
Feckert, Gustav, Lithograph, geb. 3. März 1820
zu Cottbus, ward an der Berliner Akademie durch
Gottfried ^chadow sowie bei dem Lithographen
Albert Remy gebildet. F. widmete sich fast aus-
schließlich der reproduktiven Thätigkeit, obwohl er
sich auch in Aquarell- und Pastellmalerei sowie Öl-
porträten versucht hat. Seine besten Blätter sind
nach Ed. Meyerheim, Gust. Richter, L. Gallait,
Begas, Martersteig, Magnus, Knaus u. a.
Feddan, das hauptsächliche ägypt.Feldmaß, ein-
geteilt in 24 Kirat (Teile) und von zweierlei Größe.
Im gewöhnlichen Gebrauche ist der F. 20 große
Kassabeh oder Kassab (Ruten) zu 6^ Pik Beledi
oder Landesellen, also 133^ Pik Veiedi, lang und
ebenso breit, enthält demnach 400 große Quadrat-
kassabeh - 59,290 a. Der amtlich angewandte
Steuerfeddän für die Abgabenerhebung begreift
333^3 kleine Quadratkassabeh (derenLä'ngenkassabeh
6"/., Pik Beledi hat) ^44,59i a. Der Steuerfeddän
enthielt früher 400 kleine Quadratkassabeh, wurde
aber durch Mehemed Ali verkleinert, damit der
Steuerertrag sich vergrößere.
Feder, Oberhautgebilde der Vögel, s. Federn. -
Im Maschinenbau heißt F. eine in Wellen und
Achsen eingesetzte vorspringende Leiste aus Schmiede-
eisen oder Stahl von rechteckigem Querschnitt,
welche die Drehungsbewegung der Welle auf ent-
sprechend genutete Scheiben und Kuppelungen über-
trägt und eine Verschiebung der letztern auf der Welle
in deren Achfenrichtung zuläßt. - Bei einer Art der
Holzverbindung (Verbindung mit Nut und F.)
eine auf der Kante eines Bretts angebrachte, in
die Längsnut auf der Kante eines andern Bretts
passende leistenförmige Hervorragung.