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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Feindschaft - Feistmantel
Feindschaft, gegenseitiges übelwollen zweier
Personen, das auf einem Widerstreit materieller
odl'r ideeller Interessen beruht. F. mit einer Partei
ist ein Grund für die Ablehnung (s. d.) eines Richters,
Schiedsrichters, Sachverständigen oder ein Grund,
der Ausübung eines andern Amtes zu widersprechen
oder die Übernahme solchen Amtes abzulehnen, wel-
ches eine Vertrauensstellung voraussetzt, wie die des
Vormunds. Vgl. Österr. Bürgert. Gesctzb. ß. 193.
- Nach Gemeinem Recht gilt ein Vermächtnis als
zurückgenommen, wenn Zwischen dem Erblasser und
dem Bedachten eine bis zum Tode des Erblassers
nicht wieder ausgeglichene F. entstanden ist. Das
haben die neuern Gesetzgebungen nicht aufgenom-
men. Wd. 5, S.927d).
Feineifenfeuer, Feinen, s. Eisenerzeugung
Feinerde, derjenige Teil des Bodens, der nach
Absiebung der grövern Gemengteile und Gesteins-
trümmcr als feines Pulver zurückbleibt und der
eigentliche Träger der Nährstoffe der Kulturge-
wächse ist. ^Münze und Münzwesen.
Feingehalt und Feingewicht, s. Fein und
Feingold, geschlagenes, s. Blattgold.
Feinheit, im Münzwesen, s. Fein und Goldlegie-
rungen. ^S. 827a).
Feinkorn, Feinkorneifen, s. Eisen (Bd. 5,
Feinmachen, in der Metallurgie, s. Affinierung.
Feinmechanik-Berufsgenosfenfchaft, s Ve
rufsgenossenschaft der Feinmechanik.
Feinprobe, Münzprobe, Vrandprobe,
Kupellieren, analytisches Verfahren zur Be-
stimmung des Silbergehalts in Legierungen. Zur
Ausführung der Probe wird die Legierung mit
einer je nach dem Feingehalt wechselnden Menge
von Blei in einem kleinen, aus ausgelaugter Holz-
asche und gebrannten Knochen angefertigten, dick-
wandigen Näpfchen, Kapelle, im Muffelofen unter
Zutritt von Luft so lange geschmolzen, bis die Oxyde
der unedeln Metalle in der Vleiglätte gelöst und
von der porösen Masse der Kapelle aufgesogen sind.
Auf der Kapelle hinterbleibt dann ein halbkugel-
förmiges Korn von reinem Silber, aus dessen Ge-
wicht sich der Feingehalt berechnet. - Da nach die-
ser Methode nicht hinlänglich genaue Resultate er-
zielt werden, so benutzt man in den Münzwerkstätten
die Probe auf nassem Wege, die im wesentlichen
darin besteht, die Lösung einer gewogenen Menge
der zu prüfenden Legierung mit einer titrierten Koch-
salz- oder Rhodanlösung zu fällen (Methode von
Gay-LussacoderVolhard).
Feinsilber, s. Silber.
Feinsprit, f. Entfuselu.
rsints (frz., spr. fängt), List, Ausflucht, Finte.
Feira, Stadt im Distrikt Aveiro der portug.
Provinz Veira, 26 km im SSO. von Oporto und
10 Km vom Meere, hat (1878) 2102 E., ein Kastell,
die schönste Ruine Portugals, und ein Kloster.
F., bei den Römern I^noodi-iFu, war seit Mitte
des 13. Jahrh, eine Grafschaft der Pereira.
Feirefiz (frz. vair kis, der bunte Knabe), in Wolf-
rams von Eschenbach "Parzival" der Sohn Gahmu-
rets (s. d.) und der Mohrenkönigin Velakane. Schwarz
und weih am Körper wie eine Elster, aber, obgleich
Heide, ein glänzender edler Held, wird er durch seinen
Halbbruder Parzival für das Christentum gewon-
nen und führt die schöne Prinzessin Ncpanse de
Schoie heim. Die sympathische Schilderung dieses
von Wolfram frei erfundenen Heiden ist charakteri-
stisch für die humane Gesinnung des Dichters.
Feisi, eigentlich Scheich Ab du lfasil, mit dem
Poet. Beinamen F. (der Überfluß Habende) oder
Feisullah, in Indien lebender pers. Dichter, geb.
1547 zu Agra, kam schon im 20. Jahre an den Hof
des Mogulkaisers Akbar, der ihn zum Erzieher
feines Sohnes Murad machte (1579), zum Hof-
poeten ernannte, ihm wichtige Stellungen im
Staatsdienst übertrug und ihn seines persönlichen
Umgangs würdigte. Er starb 1595. Sein drei
Jahre jüngerer Bruder Abu 'l-Fasl (geb. 1551,
gest. 1602), der Verfasser einer Geschichte Akbars
("Xkd3.i'-nkni6") und des "/V'in-i ^kdai'i" (einer
Art Statistik des Reichs des Großmoguls), wurde
von F. an den Hof gebracht und stieg bis zum
Minister. Beide Brüder haben großen Anteil an den
Thaten undMaßnahmen Akbars; fo gelten auch beide
für die besten perf. Schriftsteller Indiens. Als Akbar
eine aus dem Brahmanismus und Zoroastrismus
kombinierte Lehre einzuführen fuchte, bediente er
sich der Ratschläge F.s, den die Orthodoxen samt sei-
nem Bruder als Atheisten, Sonnenanbeter und An-
stifter des Abfalls Akbars zu brandmarken suchten.
F. übertrug die "I^U^vati", eine in Sanskrit ver-
faßte Schrift über Algebra und Geometrie von
dem berühmten Vhaskara Atschärja (Mitte des
12. Jahrh.); die Übersetzung erschien zu Kalkutta
1828. Andere Werke F.s sind die arabisch geschrie-
benen "8a^kti'u'1-iiiiÄni" ("strahlen der Ein-
gebungen"), ein Korankommentar, die "Ng^kriä
ui-KilNin" ("Pfade zur Tränke der Worte"), ein
lexikographisches Werk (Kalkutta 1825). Der Dichter-
ruhm F.s gründet sich auf feinen etwa 9000 Doppel-
verse enthaltenden "Diwan". Die Absicht, nach dem
Vorbilde des Nisämi einen Cyklus von fünf epischen
Gedichten (Xlimngß), nämlich "NarkHä-i aä^ki-"
("Mittelpunkt der Kreise"), "Salomo und Balkis"
(Königin von Saba), "Nal und Damajanti", "Die
sieben Erdgürtel" und "^.1cdai'-Min6" heraus-
zugeben, kam nicht zur Ausführung, nur das erste
derselben wurde 1587 und d:e aus dem Sanskrit in
4000 pers. Reimpaare übersetzte Geschichte von Nal-
Daman 1595 vollendet (lithographiert, Kalkutta
1831; Lakhnau 1846). Der "Diwan" enthält zahl-
reiche Kassiden (Lobgedichte) auf Akbar, Elegien, das
"^arra. u Xliui^Iiiä" ("Das Atom und die Sonne",
die Liebe des Menschen wird von den Mystikern mit
dem Ständchen verglichen, welches im Sonnenstrahl
tanzt), ein mystisches Gedicht, worin der pers. Sufis-
mus mit der zoroastrischen Lichtlehre und dem brah-
manischen Pantheismus vermählt erscheint; ferner
Ghafelen und Ilnd^i oder Vierzeilen (lithographiert,
Dehli 1845). Zahlreiche Gedichte hat F.s Bruder
Abu 'l-Fasl in seine Geschichte Akbars eingefügt,
ja die von Akbar geprägten Münzen haben Vier-
zeilen F.s als Legenden. Übersetzungsproben seiner
Gedichte findet man in von Hammers "Geschichte
der schönen Redekünste Persiens" (Wien 1818) und
in Blochmanns engl. Übersetzung von "lks ^'W-i
^kdari" (Kalkutta'1873).
Feist, in der Jägersprache bei Elch-, Edel-, Dam-,
Gems- und Rehwild das Fett, mit Ausnahme jedoch
des im Innern des Leibes befindlichen, das Talg
oder Unschlitt genannt wird. Zur Feistzeit ist
vorgenanntes Wild am fettesten.
Feistmantel, Nud., Ritter von, Forstmann, geb.
22. Juli 1805 zu Ottakring bei Wien, besuchte das
Gymnasium und die Universität Zu Wien, 1825-27
die Forstakademie Mariabrunn. Nach verschiedener
praktischer Beschäftigung im kaiserl. Forstdienst