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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Ferdinand Maria (Kurfürst von Bayern) - Ferdinand (Herzog von Braunschweig)
Tod seines Vaters 1479 König von Aragomen ge-
worden, vereinigten sich die beiden christl. König-
reiche Aragomen und Castilien in F.s und Isabellas
Händen, welche wegen dieser Vereinigung, nicht aus
kirchlichen Gründen, i'6Z63 oatkolici, d. h. Gesamt-
könige, genannt wurden. Doch blieb Isabella, so-
lange sie lebte, Königin von Castilien und F. dort
ohne polit. Einfluß. F.s ganze Negierung war eine
ununterbrochene Neihe glücklicher Kriege. Nachdem
er siegreich gegen Alsons V. von Portugal gefochten
hatte, unterwarf er sich 1492 in einem zehnjährigen
Kampfe Granada, das einzige Reich, welches den
Mauren in Spanien übriggeblieben war. 1503
eroberte sein Feldherr Gonsalvo di Cordova das
Königreich Neapel, 1512 das Königreich Navarra
bis an die Pyrenäen. Den höchsten Glanz gewann
seine Negierung durch die von ihm beförderte Ent-
deckung Amerikas. (S. Columbus.) F. und Ifabella
gründeten ein ganz neues Regierungsfystem. Sie
brachen die Macht des Feudalismus, führten In-
quisitionstribunale in Castilien (1480) und in Ara-
gonien (1484) ein, welche keineswegs nur zu reli-
giöfen, sondern auch zu polit. Zwecken, zunächst zur
Vertreibung der Juden (1492) und Verfolgung der
Mauren (1501) benutzt wurden. In dem Bestreben,
eine unumschränkte Königsmacht zu begründen,
unterstützte sie der Kardinal Nmenes (s. d.). Nach
dem Tode aller seiner Kinder, mit Ausnahme der
jüngsten Tochter Johanna, welche 1495 Philipp,
Sohn Kaifer Maximilians I., heiratete, verlor F.
1504 auch feine Gemahlin, fo daß nunmehr die Re-
gierung Castiliens an feine Tochter oder vielmehr
an deren Gemahl Philipp überging. Als Philipp
1506 starb, Johanna aber wahnsinnig ward, kam
die ihrem jungen ^ohne Karl gebührende Regierung
Castiliens an F., der als Herrscher von Castilien
F.V. heißt. Er starb23.Ian.1516zu Madrigalejo.
Ihm folgte als der erste König des gesamten Spa-
nien Karl I. (als deutscher Kaiser Karl V.). - Vgl.
Ranke, Geschichten der roman. und german. Völker,
Bd. 1 (Berl. 1824); Prescott, Geschichte F.s und
Isabellas von Spanien (deutsch, 2 Bde., Lpz. 1842).
Ferdinand Maria, Kurfürst von Bayern
(1651 - 79), geb. 1636 als Sohn Maximilians I.
aus dessen zweiter Ehe mit Maria Anna, Kaifer
Ferdinands II. Tochter, ward von den Jesuiten in
Abgeschlossenheit und Unselbständigkeit, die auf fein
ganzes Leben nachwirkten, erzogen. Er vermählte
sich 1650 mit Henriette Adelheid, der Tochter Victor
Amadeus' von Savoyen, und folgte ein Jahr dar-
auf feinem Vater in der Negierung. Anfangs von
feiner Mutter, dann besonders von seiner bigotten
Gemahlin beeinflußt, wirkte er befonders für die
Befestigung des Katholicismus im Kurfürstentum,
war aber auch bemüht, die Wunden, die der Dreißig-
jährige Krieg dem Lande geschlagen hatte, zu heilen.
In dem schroffen Auftreten gegen die Stände und
in der Neigung zu glanzvollem Hofwesen wetteiferte
F. M. mit den meisten feiner Standesgenosfen. Er
ist der Erbauer der Schlösser Berg und Nymphen-
burg. Der Politik des Friedens blieb er treu, trotz
mancher Versuchungen; in dem Kriege gegen Frank-
reich seit 1673 war er der Führer des Fürstenbundes,
der eine neutrale Stellung zu behaupten strebte.
F. starb 26. Mai 1679 zu Schleißheim.
Ferdinand AlbrechtII., Herzog zu Braun-
schweig-Vevern (I.März bis 13. Sept. 1735),
Stister der 1884 ausgestorbenen Linie des Haufes
Braunfchweig-Wolfenbüttel, geb. 19. Mai 1680 als
Sohn des Herzogs Ferdinand Albrecht I., des Be-
gründers der Linie Braunfchweig-Bevern. F. A.
that sich als österr. General in den Türkenkriegen
unter Prinz Eugen hervor, wurde 1717 General-
feldzeugmeister und Gouverneur von Komorn und
kämpfte 1734 im Polnischen Thronsolgekriege am
Rhein ebenfalls unter dem Prinzen Eugen. Am
1. März 1735 wurde er Nachfolger seines Vetters und
Schwiegervaters Ludwig Rudolf in der Regierung
von Braunfchweig-Wolfenbüttel, starb aber schon
13. Sept. 1735 zu Salzdahlum. Von den Kindern,
die ihm seine Gemahlin Antoinette Amalia gebar,
acht Söhnen und sechs Töchtern, wurden die be-
kanntesten sein Nachfolger Karl, ferner Anton Ulrich
(f.d.), der preuß. Feldherr Ferdinand (s.d.) und der
in der Schlacht bei Hochkirch gebliebene Friedrich
Franz. Die älteste Tochter Elisabeth Christine (s. d.)
heiratete Friedrich d. Gr., die zweite, Luise Amalie
(s. d.), den Prinzen August Wilbelm von Preußen.
Ferdinand, Herzog von Braunschweig,
preuß. Gcneralfeldmarschall, geb. 12. Jan. 1721 zu
Braunschweig als vierter Sohn des Herzogs Fer-
dinand Albrecht II. (s. d.), trat 1740 als Oberst in
preuß. Dienste und machte den ersten Schlesischen
Krieg im Gefolge Friedrichs d. Gr. mit. Im zweiten
Schlesischen Kriege führte er eine Brigade und zeich-
nete sich bei Hohenfriedberg und Caslau aus, wo er
gegen einen feiner Brüder, der in österr. Diensten
stand, kämpfte und verwundet wurde. Während des
folgendenFriedens entwickelten sich feine kriegerischen
Talente durch eigene Studien und die Lehren des Kö-
nigs, der recht eigentlich sein Lehrer in der Kriegs-
kunst wurde. F. wurde 1750 Generallieutenant, 1755
Gouverneur von Magdeburg und Chef eines In-
fanterieregiments. Im Siebenjährigen Kriege trug
er 1757 bei Prag nächst Schwerin zumeist zur Ent-
fcheidung der Schlacht bei. Bei Noßbach komman-
dierte er den rechten Flügel. Schon vor diefer
Schlacht hatte ihn Georg II. von England zum Ober-
befehlshaber der alliierten Armee erbeten. Der
König gab feine Einwilligung, und mehr als fünf
Jahre behauptete der Herzog das ihm anvertraute
weftl. Kriegstheater in Niedersachsen, Hessen und
Westfalen mit einem kleinen Heere gegen die Neichs-
armee und die zahlreichen franz. Streitkräfte. Am
23. Nov. 1757 übernahm er in Stade den Befehl
über das nach der Konvention von Kloster Zeven
moralisch niedergedrückte Heer, drängte die franz.
Armee bis zum April 1758 über den Rhein zurück
und fchlug sie 25. Juni bei Krefeld. Die Verhält-
nisse nötigten den Herzog zwar wieder über den
Rhein zurückzugehen und seine Winterquartiere an
der Lippe zu nehmen, doch schon im April des fol-
genden Jahres ging er wieder zur Offensive über.
Anfangs vom Glück nicht begünstigt, erlitt er
13. April bei BergM in der Nähe von Hanau durch
Vroglie eine Schlappe, wußte aber dann durch den
glänzenden Sieg bei Minden, I. Aug. desselben Jah-
res, der Sache des Königs wieder eine glückliche Wen-
dung zu geben. Die fast doppelte Überlegenheit sei-
nes Gegners drängte ihn für die nächsten zwei Jahre
immer mehr in die Defensive, dennoch gelang es
ihm durch geschickte Bewegungen, seinen Gegner in
Schach zu halten. Trotz seines Sieges bei Velling-
hausen 15. und 16. Juli 1761 wurde er durch
die feindliche Übermacht zurückgedrängt und mußte
dem Feinde Hessen preisgeben. Die Winterruhe
benutzte F. zur Vermehrung seines Heers, so daß er
im letzten Feldzugsjahr 1762 nach den Siegen von