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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Ferdinand (Kurfürst von Köln) - Ferdinand (Erzherzog von Österreich)
seines Bruders, des Landgrafen Gnstav (8. Sept.
1848), zur Regierung der Landgrasschaft berief.
Er gab dem Verlangen nach einer Verfassung nach,
berief April 1849 den Landtag und veröffentlichte
im Jan. 1850 eine mit diesem vereinbarte Ver-
fassung, die iedoch nicht zur Einführung gelangte,
da mit dem Siege der Restaurationspolitik auch der
Landgraf in die alten Wege zurücklenkte. Er war
unter den ersten Fürsten, die Sept. 1850 den restau-
rierten Buudestag beschickten. Bei seinem Tode,
'24. März 1866, fiel das Land, da er keine Nach-
kommen hatte, an Hessen-Darmstadt, mußte aber
noch im selben Jahre an Preußen abgetreten werden.
Ferdinand, Erzbischof und Kurfürst von Köln,
Sohn Herzog Wilhelms V. von Bayern, geb. 7. Okt.
1577, studierte mit seinen Brüdern seit 1589 in
Ingolstadt, ward mit päpstl. Zustimmung 1595
Koadjutor seines Oheims, des Kurfürst-Erzbischofs
Ernst von Köln, 1612 sein Nachfolger und noch
in demselben Jahre Bischof von Lüttich, Münster
und Hildesheim und 1618 von Paderborn. Der
Gedanke einer kath. Liga, wie sein Bruder Maxi-
milian I. von Bayern sie schuf, fand in F. den eif-
rigsten Vertreter; doch konnte er die oberdeutschen
Stände nicht zu seiner Aufnahme in den Bund be-
wegen. Nach Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges
trat F. in die kath. Liga ein; sein Land hatte durch
die Brandschatzungen Holland. Truppen, später
durcb schwed. Besatzungen viel zu leiden. Auch
F.s Beitritt zum Prager Frieden 1635 half feinen:
geplagten Erzstift wenig. Erst der Friede von 1648
brachtedieErlösung. Erstarb 13.Sept.1650inArns-
berg. F. bethätigte seinen Eifer für die Nekatholi-
sieruna auch durch Kirchenbau (z. B. auf dem
Kreuzberge bei Bonn, 1627) und Begünstigung der
Orden, besonders der Jesuiten, deren Bekehrungs-
cifer er polizeilich unterstützte.
Ferdinand I., erster König von Neapel, geb.
1423, natürlicher Sohn Alfons' V. (s. d.) von Ara-
gonien, welcher ihm Nnteritalien 1458 hinterließ,
während Alfons'V. Bruder Johann Sicilien,Aragon
und Navarra erbte. Trotz der Ränke, zuerst der Kurie,
dann Ludwigs XI. von Frankreich, und trotz der
Neigung der Barone zur Erhebung Johanns von
Anjou und trotz der anfänglichen fchweren Nieder-
lage von Sarno (1460) wußte er, verbündet mit
Scanderbeg (s. d.) und siegreich bei Troia (1462), sich
in den Besitz des Landes zu setzen, um nun seine
Macht rücksichtslos auszunützen zur Brechung der
Ansprüche des Papstes und des Adels und zur Be-
friedigung seiner tückischen Nachsucht. Während er
durch eine Umbildung des schon unter Alfons V.
bedenklichen Finanzwesens zur reinen Ausbeutung
das Verderben von Handel und Gewerbe anbahnte,
aber Kunst und Wissenschaft eifrig förderte, gelang
es ihm infolge der Gleichgültigkeit der übrigen ital.
Staaten nicht, Italiens Küste vor den Türken voll-
ständig zu schützen, welche 1480 Otranto wegnahmen,
jedoch 1481 wieder räumen mußten. Er starb 25. Jan.
1494. Sein Nachfolger war Alfons II. - Vgl. (^o-
äics ^.i-a50U686, hg. von Trinchera (3 Bde., Neap.
1866 - 74); 156^3 I^i'äinlmäi I. iuLtitutioiniui
lider, hg. von Volpi (ebd. 1861); Porzio, I^a con-
^iura. äs' daioni äei i-6Ano lii I^apoli (Rom 1565;
Pisa 1818); D. Giampietro, Hn re^istro ai'a.F0ii686
nelikl. didliotoca äi I^ri^i (Ncap. 1885).
Ferdinand II., König von Neapel, Enkel Fer-
dinands I. von Neapel, geb. 26. Juli 1469, über-
nahm nach der Abdankung seines Vaters Alsons II.
(s. d.) die Regierung 23. Jan. 1495, mußte aber vor
König Karl VIII. von Frankreich nach Sicilien
fliehen. Begünstigt von dem Bund Kaiser Maxi-
milians, Ferdinands V. von Castilien, Lodovico
Moros, Venedigs und Alexanders VI. und von
dem Umschwung der Stimmung gegen die in Italien
vorgedrungenen Franzosen getragen, gewann er
Neapel im Juli 1496. Er starb ünderlos 7^ Okt.1496;
sein Nachfolger war Friedrich von Altamura. - Vgl.
H. F. Delaborde, I^'sxpeäitioii cle (^ai-163 VIII 6ii
Itaiis (Par. 1888).
Ferdinand I., Karl Leopold Franz Marcellin,
Kaiser von Österreich, mit dem Beinamen der
Gütige, ältester Sohn Kaiser Franz' I. aus dessen
zweiter Ehe mit Maria Theresia, Prinzessin beider
Sicilien, wurde 19. April 1793 in Wien geboren.
Eine 1815 unternommene Reise durch mehrere österr.
Provinzen nach Italien, der Schweiz und einem
Teil von Frankreich wirkte stärkend auf feine schwäch-
liche Gesundheit und zugleich geistig bildend; beson-
ders trat damals schon seine Vorliebe für die ge-
werbliche Industrie hervor. Im stillen lebte er fort-
während technolog. und botan. Studien. Seine
28. Sept. 1830 zu Preßburg vollzogene Krönung
zum Könige von Ungarn, unter dem Namen Ferdi-
nand V., gewährte ihm nur nominellen Anteil an
der Neichsregierung. Am 12. Febr. 1831 vermählte
er sich mit der Prinzessin Maria Anna Karolina
Pia, der dritten Tochter des Königs Victor Ema-
nuel I. von Sardinien; doch ist seine Ehe kinderlos
geblieben. Er folgte 2. März 1835 seinem Vater
auf dem Kaiferthrone, überließ die Regierung seinem
Oheim Erzherzog Ludwig, Staatskanzler Metternich
und Kolowrat und hielt an dem absolutistischen
System seines Vaters nach dessen letztem Willen fest
bis 13. März 1848, an welchem Tage Metternich
fiel. (S. Österreichisch-Ungarische Monarchie.) In-
folge der Maiunruhen zu Wien flüchtete er mit
feinem Hofe nach Innsbruck und kehrte Mitte Aug.
1848 nach der Hauptstadt zurück. Während des
Wiener Aufstandes Anfang Oktober verließ er fein
Schloß zu Schönbrunn abermals und wandte sich
nach Olmütz, wo er 2. Dez. 1848 zu Gunsten seines
Neffen Franz Joseph die Negierung niederlegte. Seit-
dem nahm er seinen bleibenden Aufenthalt zu Prag,
wo er auf der Hradschiner Burg 29. Juni 1875
starb. Seine Witwe starb 2. Mai 1884.
Ferdinand, Erzherzog von Ost erreich, geb.
14. Juni 1529 zu Linz als zweiter ^ohn König
Ferdinands I., nahm 1547 mit seinem Vater an dem
Schmalkaldischen Kriege teil und verwaltete seit 1548
die Statthalterschaft von Böhmen. Hier lernte er
1556 die Augsburger Patricierstochter Philippine
Welser ts. d.) kennen, die ihn so fesselte, daß er sich
1557 zur geheimen Ehe mit ihr entschloß. Bald
erfuhr auch sein Vater davon, der 1559 beiden ver-
zieh und ihren Kindern, die nicht thronfähig waren,
eine Verforgung versprach, aber sie zur Geheim-
haltung der Ehe verpflichtete. Erst 1576 löste der
Papst den Erzherzog vom Eide, den er darüber
ausgestellt hatte. Beim Tode des Vaters 1564 Re-
gent Tirols und der österr. Vorlande geworden,
übertrug er die Verbindung straffen landesfürst-
lichen Machtstrebens mit Retatholisierungseifer auf
diese von zahlreichen Protestanten bewohnten Län-
der und setzte gegen diese wie auch gegen kath. stän-
dische Selbständigkeitsgelüste seinen Willen durch.
Der Katholicismus Tirols ist auf ihn wesentlich
zurückzuführen. 1580 starb seine Gemahlin in