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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Ferry de Bellemare - Fersen
wieder aktiv auf. Am 24. Febr. 1893 wurde er zum
Präsidenten des Senats gewählt, starb jedoch schon !
17. März desselben Jahres. Er wurde auf Staats- >
tosten beerdigt. Seine "Digcoin^ 6t opinionz" giebt !
Robiquet heraus (Bd. 1 u. 2, Par. 1893-94). ^
Ferry de Bellemarc (spr. bell'mahr), Gabriel, !
bekannter unter dem Pseudonym G a b ri e l F e rr v, !
franz. Schriftsteller, geb. im Nov. 1809 zu Grenoble,
machte viele Reisen in Amerika und kam auf einer
Fahrt nacb Kalifornien bei dem Brande des Schiffe
Amazone nm (5. Jan. 185/2). Seine Schriften er-
fchienen zuerst in der "Nevue (ie8 Oeux ^I0nä68"
und wurden meist ins Deutsche übersetzt. Zu er-
wähnen sind: "1^6 cour^ur cl63 1)0i3" (deutsch i
Halle 1851), "1^3. c1iu880 aux ^08Ä(iu63" (deutsä^, ^
2Vde.,Braunschw.1853), "(^08tal 1'1uäi6n"(deutscb !
Lpz. 1853), "8coii68 ä6 Ia vi6 miiitaii'6 an ^I6xiliu6"
(deutsch, 2 Bde., Halle 1860), "1^63 s(iuaN6r3"
(deutsch, 2 Bde., Sondersh. 1860).
<^ein Sohn, gleichfalls Gabriel genannt, geb.
30. Mai 1846 in Paris, schreibt unter demselben
Ueudonym wie sein Vater. 1868 veröffentlichte er ^
einen Einakter "I^6e1ip86 <1" Inn6", dem mebrere
Operetten folgten. Ein dreiaktiges Drama erschien ^
1874: "R^inaii". Von seinen Romanen und lit- ^
terar. Arbeiten sind hcrvorzubeben: <cl^63 der- z
M6r^8 3.UU608 ä'^i6XHiicIi'6 1)umll8, 1864 - 70" l
(1883), "1.63 äonx mari8 äe NarUio" (1884), "Oap !
^6 k^r" (1887), "I^^i^^c 6t 868 ami63" (1888), "1^63 !
sxploit" äk 068ar, romau paii3i6n" (1889) und "1^3 '
exploitg ä6 HiHitiu I^odort" (1890). ^
Ferryport-on-Craig (spr. krehg), s. Tayport. !
Fersakh-a' chary stürk.), Myriameter, ^ !
Oersala, s. Pharsalos. s10000 m.
sserse oder Hacke ((^Ix), der starke, stumpf ^
endende Knochenfortsatz, welcher den hintersten Teil !
des Fuhknochengerüstes bildet und durch ein ziemlick
straffes Fasergewebe umhüllt wird, dessen Maschen
mit Fett ausgefüllt sind. Auf diese Weise ist um jenen !
Knochen, das Fersenbein ((^a,1<?iiii6u3 oder (^Ica,-
n6um), gleichsam den Kern der F., ein elastisches
Polster erzeugt, welches bei Gang und Sprung die
Kraft des Stoßes zuerst empfängt und seine Fort- ^
Pflanzung auf den Knochen mildert. Am bintern
obern Ende des Knochenvorsprungs, dem Fersen- ^
Höcker (1uti6r ea1ca.n6i), setzt sich die starte Achil-
l essehn e (^6näo^eliilli8) an, welche nach oben in
die Wadenmuskeln übergeht. Die Hornschicht (Epi-
dermis) der sesten Fersenhaut ist meistens ziemlich
stark entwickelt und bildet ost an einzelnen Stellen
dicke,^hornige Schwielen, wie solche überhaupt an
den Stellen der Haut vorkommen, welche einem
häufigen Druck ausgesetzt s^d.
Ferse (Färse), Kalbe, das weibliche Rind
vom vollendeten ersten Jahre bis zur Begattung.
Aerse, linker Nebenfluß der Weichfel, entspringt
auf dem Plateau vou Karthaus im preuß.Reg.-Bez.
Danzig, südlich vom Turmberge, durckzieht einige
kleine Seen, flieht in zahlreichen Krümmungen nach
^O., und mündet bei Mewe. Sie ist 112 Km lang,
von Kischau an flöhbar und empfängt von Norden die
Fietze aus dem Mariensee. DasGefällc beträgt 160 m.
Fersen, ein altes schwed.-esthländ. Geschlecht,
der Sage nach aus Schottland stammend, das sich
später über Nordeuropa verzweigte. In Schweden
ist das Geschlecht 1839 in der männlichen, 1879 auch
in der weiblichen Linie ausgestorben. Der Stamm-
vater der schwedischen und der jetzt noch in Rnßland
blühenden Linie ist Lorenz von F., der 1540 aus
Hinterpommern nach Esthland einwanderte. Ein
Enkel im vierten Grade von ihm war der schwed.
Feldmarschall F a b i^a n vo n F., Freiherr von
Eronendahl auf schonen. Er wurde 7. Febr.
1626 zu Reval geboren, kämpfte im schwed. Heere
1644 gegen die Dänen und 1646-48 in Dett/sch-
land. Nack dem Westfälischen Frieden kehrte F. <M
Oberst nach Esthland zurück, nahm später an den
poln. und dän. Kriegen teil und wurde nach dem
Seetreffen bei Kronenburg (1658) zum General-
major befördert. 1663 wurde er zum Gouverneur
von Livland und Riga ernannt, hierauf als General
der Infanterie nach Stockholm berufen und 1674 in
den Frciherrenftand erhoben. Als Christian V. von
Dänemark, verbündet mit dem Grohen Kurfürsten
von Brandenburg, Schweden wieder den Krieg
erklärte, wurde F. als Generalscldmarschall zum
Generalgouvcrneur über die angegriffenen Herzog-
tümer Schonen, Hatland und Bletinge ernannt,
schlug die Angrifse des Feindes auf Malmö zurück
und zwang ihn schließlich, die Belagerung der
Festung aufzugeben. 1677 wurde er Reichsrat, stard
aber in demselben Jahre in Malmö.
Graf Fridric Axel von F., Freiherr zu
Eronendahl, geb. 5. April 1719 in Stock-
holm, war während der sog. Freiheitszeit eine der
hervorragendsten polit. Persönlichkeiten Schwedens
nnd lange Zeit Führer der Partei der "Hüte". Be-
sonders am Reichstage 1755-56 spielte er eine große
Rolle im streite gegen die Versuche zur Erweiterung
der tönigl. Gewalt. Während der ersten Regierungo-
jahre Gustavs III. gehörte F. der königl. Partei an;
als aber die Souveränitätsbestrebungen des Könige
deutlicher hervortraten, ward er der einflußreiche
Führer der Opposition und als solcher beim Reichs-
tage von 1789 verhaftet. Darauf zog er sich vom
polit. Leben zurück und starb 24. April 1794. ^eine
Memoiren ("Hi^ori^a 81lrii't6i-", Bd. 1-8, Stockh.
1867- 72) sind von geringem Werte. F. war Feld-
marschall und Reichsrat.
Graf^Hans Arel von F., des vorigen Sohn,
geb. 4. ^ept. 1755 zu Stockholm, ging nach vollende-
ten Studien nach Frankreich, machte als Oberst des
Regiments Royal Suedois den amerik. Freiheits-
krieg mit und zeichnete sich bei Ausbruch der Fran-
zösischen Revolution durch seine Anhänglichkeit an
die königl. Familie aus. Er leitete deren Flucht naä)
Varenne^ ein, fuhr sie, als Kutscher verkleidet, aus
Paris und snchte während ihres Aufenthalts im
Temple auf jede Weise ihre Lage zu erleichtern. Al5
er Frankreich verlassen mußte, hielt er sich in Wien,
Dresden und Berlin auf und kehrte endlich nach
Schweden zurück, wo ihn der König nacheinander
zum Kanzler der Universität Upsala, Reichsmarschall
und zum General ernannte. F. galt nach der Ent-
thronnng Gustav IV. Adolfs als ein Verteidiger
der Rechte der Familie des Königs; nach dein
scknellen Tode des Kronprinzen Karl August, dcc>
! Adoptivsohnes Karls XI11., verbreitete sich das
> Gerücht, daß F., seine Schwester, die Gräfin Pipcv,
und mehrere andere Große an dem plötzlichen Tode
! des Prinzen schuld seien. Als daher 20. Juni 1810
die Leiche des Prinzen in großer Prozession von
! Liljeholmen nach Stockholm gebracht wurde, warf
das Volk mit Steinen nach F., den General Silf-
versparre unter dem Vorwande,ihn als Gefangenen
nach dem Rathause abzuführen, zu retten suchte.
Doch kaum hatte er die Treppe erstiegen, als ihm
ein Haufe nacheilte, ihn herabstürzte "und zu Tode