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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Feuerbach (Paul Joh. Anselm, Ritter von) - Feuerballen
ebd. 1874) an. - Vgl. Veyer, Leben und Geist Lud-
wig F.s (2. Aufl., Lpz. 1873); C. N. Starcke, Lud-
wig F. (Stuttg. 1885); Engels, Ludwig F. und
der Ausgang der klassischen deutschen Philosophie
(ebd. 1888); Volin, Ludwig F., sein Wirken und
seine Zeitgenossen (ebd. 1891).
Feuerbach, Paul Joh. Anselm, Ritter von,
Kriminalist, geb. 14. Nov. 1775 zu Hainichen bei
Jena, besuchte das Gymnasium zu Frankfurt und
widmete sich seit 1792 auf der Universität zu Jena
jurist. und philos. Studien. Er war ein Schüler
Reinholds und seine ersten litterar. Versuche be-
trafen die kritische Philosophie. 1799 begann er
akademische Vorlesungen in Jena und erhielt 1801
daselbst eine ord. Professur, die er 1802 mit einer
solchen in Kiel vertauschte. 1804 ging F. an die
Universität nach Landshut, siedelte aber, mit der
Ausarbeitung des Entwurfs zu einem bayr. Kri-
minalgeseßbuch beauftragt, 1805 nach München über,
wo er 1808 geadelt wurde. Seit 1814 wirkte er erst
als zweiter Präsident des Appellationsgerichts in
Vamberg, seit 1817 als erster Präsident des Appel-
lationsgerichts für den Nezatkreis zu Ansbach. 1821
wurde er zum Wirkl. Staatsrat befördert. F. starb
29. Mai 1833 zu Frankfurt a. M. Unter seinen
philos. Schriften ragt namentlich hervor die "Kritik
des natürlichen Rechts als Propädeutik zu einer
Wissenschaft der natürlichen Rechte" (Altona 1796).
Es folgten "Anti-Hobbes, oder über die Grenzen
der höchsten Gewalt" (Gieß. 1798) und "Philos.-
jurist. Untersuchung über das Verbrechen des Hoch-
verrats" (Erfurt 1798).
Eine hervorragende Stelle in der Geschichte der
Kriminalwissenschaft nimmt F. als Begründer einer
neuen Strafrechtstheorie, der fog. psychol. Zwangs-
oder der Abschreckungstheorie, ein. Nachdem er diese
zuerst in der Schrift "Revision der Grundsätze und
Grundbegriffe des peinlichen Rechts" (2Tle., Er-
furt 1799 und Chemnitz 1800), und der von ihm,
Grolman und von Almendingen herausgegebenen
"Bibliothek für die peinliche Rechtswissenschaft"
(Herborn und Gott. 1798fg.) angebahnt hatte, führte
er sie in seinem berühmten "Lehrbuch des gemeinen,
in Deutschland geltenden peinlichen Rechts" (Giesi.
1800; 14. Aufl., von Mittermaier, ebd. 1847) syste-
matisch durch. Von seinen Arbeiten im Fach der
Gesetzgebung ist, außer dem "Strafgesetzbuch für
das Königreich Bayern" (Münch. 1813 u. 3 Bde.,
1819-21), das 1813 zur Einführung in Bayern
gelangte und auch in einigen andern deutschen
Staaten angenommen wurde, noch zu erwähnen die
Umarbeitung des Ooäs ^poiLou zu einem allge-
meinen bürgerlichen Gesetzbuch für Bayern, welche
er 1807 auf ko'nigl. Befehl unternahm, die aber nicht
in Wirksamkeit trat. F.s "Betrachtungen über das
Geschworenengericht" (Landsh. 1813), in denen er
die franz. Jury verwarf, riefen viele Schriften für
und wider hervor. F. erklärte sich unbedingt für
Öffentlichkeit und Mündlichkeit der Gerechtigteits-
pstege in den Schriften "Betrachtungen über Öffent-
lichkeit und Mündlichkeit der Gerechtigkeitspflege"
(Gieß. 1821) und "über die Gerichtsverfassung und
das gerichtliche Verfahren Frankreichs" (ebd. 1825).
Als vorzüglichen Praktiker zeigt sich F. in den "Merk-
würdigen Kriminalrechtsfällen" (2 Bde., ebd. 1808
-11; 3. Aufl., ebd. 1839), womit zuerst einer tiefern,
psychol. Behandlung solcher Fälle Bahn gebrochen
wurde. Später folgte die "Aktenmähige Darstel-
lung merfwi/l'dlM' Verbrechen" s3 Bde., ebd. 1,^28
-29; 3. Aufl., Franks, a. M. 1849). Zur Zeit der
Befreiungskriege bezeugte F. seinen Nationalsinn
und Gemeingeist durch mehrere Schriften, unter
anderm durch die "Über die deutsche Freiheit und
Vertretung deutscher Völker durch Landstände"
(anonym, Lpz. 1814). Da er allem, was das öffent-
liche Leben betraf, seine Aufmerksamkeit widmete,
überdies auch auf dem religiösen und kirchlichen
Gebiete dem Grundsatz der Freiheit und Gerechtig-
keit huldigte, so befand er sich in einem beständigen
Kampfe gegen die hierarchischen Tendenzen und Über-
griffe feiner Zeit, mochten sie nun von kath. oder
prot. Seite ausgehen. In den letzten Jahren seines
Lebens interessierte ihn besonders das Schicksal
Kaspar Hausers (s. d.). Er nahm sich dessen in Nürn-
berg und Ansbach eifrigst an und veröffentlichte die
Schrift "K. Hauser, ein Beispiel eines Verbrechens
am Seelenleben" (Ansb. 1832). Eine Sammlung
seiner "Kleinen Schriften vermischten Inhalts" er-
schien in Nürnberg (1833). Von hohem Interesse
ist die von seinem Sohne Ludwig F. nach Briesen
und Tagebüchern bearbeitete Biographie "Anselm
von F.s Leben und Wirken" (2 Bde., Lpz. 1852).
Der älteste Sohn, Anselm F., geb. 9. Sept.
1798, gest. 8. Sept. 185!. als Professor der Philo-
logie zu Freiburg, hat sich als Archäolog veson-
ders durch das Werk "Der vatikanische Apollo"
! (Nürnb. 1833; 2. Aufl., Stuttg. 1855) bekannt ge-
macht. Seine "Nachgelassenen Schriften" (4 Bde.,
Braunschw. 1853) enthalten im ersten Bande "Leben,
Briefe und Gedichte" (hg. von Henriette F.), im
zweiten und dritten eine "Geschichte der griech.
Plastik" und im vierten Bande "Kunstgeschichtliche
Abhandlungen" (beides hg. von Hettner).
K arl Wilhelm F., der zweiteSohn, geb. 30. Mai
1800, gest. 12. März 1834 als Professor der Mathe-
matik am Gymnasium zu Erlangen, hat sich in der
Schrift "Eigenschaften einiger merkwürdiger Punkte
des geradlinigen Dreiecks" (Nürnb. 1822), beson-
ders aber im "Grundriß zu analytischen Unter-
suchungen dcr dreieckigen Pyramide" (ebd. 1827)
als Mathematiker bewährt.
Eduard August F., der dritte Sohn, geb.
1. Jan. 1803, gest. 25. April 1843 als ord. Pro-
fessor der Rechte an der Universität zu Erlangen,
schrieb über die "I^ex s^iea und ihre verschiedenen
Recensionen" (Erlangen 1831). - Der vierte Sohn
war der Philosoph Ludwig Andreas F. (s. d.).
Friedrich Heinrich F., der fünfte Sohn, geb.
29. Sept. 1806, gest. 24. Jan. 1880 in Nürnberg,
widmete sich längere Zeit in Bonn und Paris dem
Studium der orientalischen, dann aber dem der
neuern Sprachen. Außer trefflichen metrischen Über-
setzungen aus dem Sanskrit, Italienischen und
spanischen in verschiedenen Zeitschriften veröffent-
lichte er später die populären religionsphilos.
Schriften "Theanthropos" (anonym, Zür. 1838),
"Die Religion der Zukunft" (3 Hefte,Zür. und Nürnb.
1844-45), "Die Kirche der Zukunft" (Bern 1847)
und "Gedanken und Thatsachen" (Hamb. 1862).
Feuerballen, Feuerwerkskörper, die vom Ver-
teidiger einer Festung zur Beleuchtung der Festungs-
gräben im Moment des Sturms benutzt werden.
Der F. besteht aus einem gepichten Zwillichsack mit
einer Füllung von Leuchtsatz (Salpeter, Schwefel,
Mehlpulver, Antimon) und einem Zünder und hat
im ganzen ovale Form. Man legt die F. in Wall-
lampen, d. i. aus Eisenschienen bestehende, durch-
brochene Körbe, die an der Eskarpenmausr befestigt