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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Feuerbereitschaft - Feuerfest
werden. Man bedient sich der F. auch als Stant-
oder Dampf kugeln, umunatembare Lust in vom
Feinde besetzten Blockhäusern, Minengängen u. s. w.
zu erzeugen sowie als Mittel, um leicht feuerfangende
Gegenstände in Brand zu setzen. In frühern Zeiten
warf man sie auch mit der Hand auf die die Bresche
erstürmenden Truppen, oder aus Mörsern, um das
nächste Vorterrain der Festung zu erleuchten, ähn-
lich wie später die Leuchtkugeln (s. d.).
Feuerbereitfchaft, s. Feueralarm.
Feuerbesprechen, eine abergläubische Hand-
lung, die vor der Feuersgefahr schützen und eine aus-
gebrochene Feuersbrunst bewältigen soll. Feuer-
segen, sinnlose Zauberformeln, oder bestimmte
Sprüche, oder ^N1V (die Anfangsbuchstaben
der heiligen drei Königsnamen) u. s. w. werden in
mehrern sog. Zauberbüchern mitgeteilt. Die Alten
sahen das Feuer als ein lebendiges, mit der Zunge
leckendes Tier an, das durch Stockschläge zurückgetrie-
ben und durch getragene Kleidungsstücke nachgiebig
gemacht werden könne. Das Feuer ist auch dadurch
zu ersticken, daß man dreimal um dasselbe herum-
geht oder herumreitet, oder den Feuersegen auf beide
Seiten eines Tellers schreibt und diesen ins Feuer
wirft. In manchen Gegenden wurden solche Teller
für vorkommende Fälle von der Obrigkeit (noch im
18. Jahrh, in Sachsen-Weimar) in Bereitschaft ge-
halten. Auch ein mit der Aufschrift ^^likig. ver-
sehenes Brot, das mit einem Spruche ins Feuer
geworfen wurde, sollte dasselbe auslöschen. - Vgl.
Wuttte, Der deutsche Volksaberglaubc der Gegen-
wart (2. Aufl., Verl. 1869).
Feuerbestattung, s. Leichenverbrennung.
Feuerblume, s. I^Hver.
Feuerbock, ein aus zwei durch eine Kette oder
eine Querstange verbundenen Füßen oder Böcken
bestehendes, oft reich verziertes Gestell aus Bronze
oder Eisen, das im 16. und 17. Jahrh, zum Auf-
legen des Holzes vor dem Kamin benutzt wurde.
Feuerbohne, s. Türkische Bohne.
Feuerbrücke, s. Feuerungsanlagen (S. 745 d).
Feuerbüchse oder Feuerkasten, bei Loko-
motiv-, Lokomobil- und Schiffskesseln derjenige Be-
hälter, welcher den Rost enthält und der seitlich und
oben von Wasser umgeben ist. In demselben geht
die Verbrennung vor sich; die Fcuergase sammeln
sich darin an und gelangen von hier aus durch die
Heizröhren in die Rauchkammer und in den Schorn-
stein (s. Lokomotive).
Feuerdienst, Feuerverehrung, die in vielen
Religionen, so bei den Indern (Verehrung des Agni),
stattfindende Verehrung des Feuers, häufig Bezeich-
nung der Religion der Parsen, die man Feuer-
anbeter nennt. Die Bezeichnung kommt daher,
daß die von den Parsen dem Feuer erwiesene Ver-
ehrung den Andersgläubigen besonders auffiel. In
der Parsenreligion ist Ormuzd die höchste Gott-
heit, dem eine Menge von guten Geistern zur Seite
steht. Einer ist das ganz schwach (und keineswegs
immer) personifizierte reine Element des Feuers
(ü.tI.1-, im Nominativ ä.ta.r8ii, neupers. ü.äkar, ata8li),
dem die Ioroastrier zu allen Zeiten Verehrung er-
wiesen haben und heute noch erweisen. Es ist er
klärlich, daß in der Religion des Lichts das Feuer
als Bundesgenosse des Ormuzd im Kampf gegen
die Dämonen erscheint. Es werden mehrere Arten
von Feuer unterschieden (das gewöhnliche Feuer,
das Vlitzfeuer, das Feuer im Menschen u. s. w.),
andererseits unterscheidet sich das Hausfeuer von
Feuern höherer Art, von denen einige in Persien
weithin berühmt waren und in Feuertempeln ver-
ehrt wurden. Auch das Hausseuer muß nach be-
stimmten Vorschriften unterhalten und rein gehal-
ten werden. Es dürfen weder Wasser noch Unrat,
vor allem keine Leichenteile ins Feuer gebracht wer-
den, weshalb auch das Brennholz trocken und rein
sein muh; Menstruierende, die als unrein gelten,
dürfen dem Feuer nicht nahe kommen, noch hinein-
sehen u. s. w. Verunreinigtes Feuer muß vor-
schriftsgemäß wieder gereinigt werden.
Feuerdisciplin, die gewissenhaste Ausführung
der im Feuergefecht (s. d.) erfolgenden Befehle, sowse
die genaue Beachtung der Vorschriften für die Hand-
habung der Waffe und das Verhalten im Gefecht.
Die F.muß den Mannschaften so anerzogen werden,
daß sie auch dann ihre Wirkung behält, wenn im
Verlaufe des Gefechts die Feuerleitung durch die
Führer mangelhaft wird oder ganz aufhört.
Feuerdorn, s. OrawkSuä.
Feuer durchstoßen, in der Dampfschiffahrt,
s. Aufbänken.
Feuereimer, Gefäße von 10 bis 15 1 Inhalt,
welche zum Ausgießen von kleinen Bränden und,
namentlich in frühern Zeiten, wo die Feuerspritzen
Saugvorrichtungen nicht besaßen, zum Zutragen
von Wasser für die Spritzen dienten. F. werden aus
Holz, Eisen oder Zinkblech, Hanfgewebe oder Leder
sowie auch aus durch Pech gedichtetem Korbgeftecht
hergestellt. Am gebräuchlichsten sind gegenwärtig
Hanfeimer; dieselben besitzen entweder eine durch
vier Rohrstege versteifte und aus schwerem Gewebe
bestehende Form, die unten und oben mit Seil-
einlagen versehen, mit Ölfarbe gestrichen und ge-
firnißt wird, oder sie sind ebenfalls aus schwerem
Gewebe, aber ohne Stege und Anstrich ausgeführt
und zusammenklappbar (Hanfklappeimer).
(S. auch Feuerlöscher.)
Feuerfahne, s. Luntenspieß.
Feuerfalter, s. Bläulinge und Feuerlmge.
Feuerfest nennt man im allgemeinen das der
Wirkung des Feuers Widerstehende. Im Bauwesen
sind in gewissem Sinne als feuerfest die aus Eisen-
tonstruktionen (s. d.) aufgeführten Bauwerke zu
bezeichnen. Zur fcuersichern Aufbewahrung von
Geld, Wertpapieren u. s. w. dienen die Feuer-
festen Schränke (s.d.). Zum Ofenbau dienen als
feuerfeste Materialien namentlich Chamotte (s.d.)
und Dinasziegel (s. d.). Die Feuerfestigkeit der
Thone ist bedingt durch ihre Zusammensetzung, und
je mehr sich diese der reinen Thonsubstanz, d. h.
einem reinen Thonerdesilikat nähert, um so schwerer
schmelzbar sind die Thone. Thone von dieser Rein-
heit kommen in der Natur nur selten vor, sie ent-
halten meist entweder Neste von Gesteinen, aus deren
Verwitterung sie hervorgegangen sind, so Feldspate
und zu den Feldspaten gehörende sonstige Mine-
ralien, oder eingeschwemmte Stoffe, Eisenoxyd, Kalk,
Magnesia u. a. In der Hitze wirken diese basischen
Körper auf das vorhandene Thonerdesilikat und
bilden mit diesem Doppelsilikate, die um so leichter
schmelzbar sind, je größere Mengen von fremden
Bafen vorhanden sind. Die chem. Analyse giebt
daher Ausschluß über die Brauchbarkeit der Thone.
Die Feuerfestigkeit hängt ferner ab von der Art der
Feuerung. Der Thon leidet weniger bei Gasheizung
als bei Steinkohlenfeuerung, da im letztern Falle die
in der Flugasche befindlichen Basen als Flußmittel
wirken. Feuerfeste Thone finden sich bei Passau und