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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Feuerzeichen - Feuerzeug
Gänsefuß, Fächer, Sonne, Glorie, Mosaik und Kas-
kade sowie die Dekorationen. Letztere bestehen
aus farbigem Feuer, welches entweder die ganzen
Massen oder nur die architektonischen Linien oder
Konturen des darzustellenden Bildes hervortreten
läßt. Ost ist auch das Farbenseuer so eingerichtet,
daß es in gewissen Zeiträumen wechselt, was durch
verschiedene Sätze in den Lichterhülsen bewirkt wird.
Die Dekorationen werden mit einer über jeden ein-
zelnen Brennpunkt hinlaufenden Zündschnur in
einem Augenblicke angezündet. Die beweglichen
Stücke drehen sich entweder in horizontaler oder in
vertikaler Richtung; die Bewegung erfolgt entweder
auf einer Achse oder auf einem Zapfen. Hierher ge-
hören die Feuerräder, die Windmühle, die
Caprice, die Spirale u. s. w. Die Papierröhren
sind hier auf Unterlagen dergestalt aufgenagelt, daß
die Gewalt des Gases bei der Ausströmung die Un-
terlage zugleich umtreibt und so das Feuer einen
Kreis bildet. Man bedient sich außer dem Brillant-
feuer auch hier des Farbenfeuers; da dasselbe jedock
langsam abbrennt, muß man den Trieb durch eine
Röhre mit weißem Feuer bewirken.
Feuerzeichen, zur Sicherung der Schiffahrt auf
dem Meere wie auf Flüssen angewendete Lichtsignale.
Am bekanntesten sind die Leuchttürme (s. d.). Wer
vorsätzlich ein zur Sicherung der Schiffahrt bestimm-
tes F. zerstört, wegschafft oder unbrauchbar macht
oder ein solches F. auslöscht oder seiner Dienst-
pflicht zuwider nicht aufstellt oder ein falsches Zei-
chen, welches geeignet ist, die Schisfahrt unsicher zu
machen, ausstellt, insbesondere zur Nachtzeit auf der
Strandhöhe Feuer anzündet, welches die Schiffahrt
zu gefährden geeignet ist, wird nach dem Deutschen
Strafgefetzb. ß. 322 mit Zuchthaus bis zu 10 Jah-
ren bestraft; wenn dadurch die Strandung eines
Schiffes verurfacht ist, tritt Zuchthausstrafe nicht
unter 5 Jahren, und wenn der Tod eines Menschen
verursacht ist, Zuchthausstrafe nicht unter lOJahren
oder lebenslängliche Zuchthausstrafe ein. Das mit
lebenslänglichem Zuchthaus bedrohte Verbrechen ist
mit dem Tode zu bestrafen, wenn es in einem Teile
des Reichsgebietes begangen wird, welchen der Kai-
ser in Kriegszustand erklärt hat, oder wenn es wäh-
rend eines gegen das Deutsche Reich ausgedrochenen
Krieges auf dem Kriegsfchauplatz begangen wird
<§. 4 des Einführungsgesetzes zum Strafgesetzbuch).
Wird eine der oben bezeichneten Handlungen fahrläs-
sig begangen, so ist aus Gefängnisstrafe zu erkennen,
wenn ein Schaden entstanden ist (§. 326).
Feuerzeug, Vorrichtung zur Erzeugung von
Wärme, um damit brennbare Körper zu entzünden.
Man unterscheidet je nach der Art der zur Anwen-
dung kommenden Physik. Mittel mechanische, che-
mische und elektrische F. Bei den erslcrn erzeugt
man die Wärme durch Reibung, Stoß, Schlag,
Druck oder Zug.
Wohl das älteste mechanische F. ist das Neiv-
holzfeuerzeug, das bei den religiösen Handlun-
gen des indogerman. Urvolts als "Doppelholz)) eine
große Rolle spielte und dessen sich einige uncivili-
sierte Voltsstämme sowie bei den Indiern die Brah-
manen noch heute bedienen. Ein am untern Ende
zugespitzter Holzstab wird senkrecht auf ein anderes
Holzstück in eine leichte Anöohrung desselben ge-
steckt und schnell zwischen den Handflüchen oder
mittels einer mehrmals umgeschlnngenen Schnur
quirlartig hin und her gedreht, bis die sich abreiben-
den Holzspänchen, beigestreute Baumwollfasern oder
Markstückchen Feuer fangen. Bei den Römern war es
zur Zeit des Tacitus üblich, die Spitze eines Schwefel-
stängelchens in vermodertes Holz zu stecken und dieses
durck Reibung an Steinplatten zu entzünden. Im
14. Jahrh, kannte man schon den Gebrauch des
Stahl s (Feuerstahl), Feue r st eins und Zunders
oder^chwamms, dem sich der Schwefelfaden und das
Schwefelbolz beigesellte. Diefe F. waren bis 1820
wohl ausschließlich in Anwendung und leisten noch
jetzt im Freien vortreffliche Dienste. Dieselben sind
in verschiedenen Formen aufgetreten, die das viel
Mühe und Geschiälichkeit erfordernde Feuerschlagen
erleichtern sollten, so das von Glaeser erfundene
F., aus einem geriffelten Stahlrädchen bestehend,
das durch einige Räderübersetzungen und eine kleine
Kurbel in schnelle Rotation versetzt wird und gegen
das durch eine Feder ein Stück feinkörnigen Sand-
steins gedrückt wird; der Apparat ist bequem in der
Tasche zu tragen. Hieran schließen sich die Zünd-
blättchen, Zündpillen u. s. w., die durch einen mit-
tels einer Feder ausgeübten Schlag, ähnlich wie bei
Schußwaffen, explodieren und den Zündschwamm
oder Schwefelfaden entzünden.
Hierher gehören ferner auch alle Arten der heuti-
gen Z ü n dhöl z ch en (s. d.), die sich zwar aus den
unten erwähnten chem. Präparaten entwickelten, aber
durch Reibung des leicht entzündlichen Phosphors,
der bei den gewöhnlichen Zündhölzchen in der Zünd-
masse, bei den schwedischen an der Streichfläche (in
der bekannten roten, amorphen Modifikation) vor-
handen ist, entzündet werden. In neuerer Zeit sind
wiederholt abfolut phosphorfreie Zündhölzer auf-
getaucht, die jedoch den phosphorhaltigen keine
ernstliche Konkurrenz machen konnten. Das Kom-
pressions- oder pneumatische F. besteht aus
einem hohlen Glas- oder Metallcylinder, in dem
durch das Hineinstoßen des Kolbens die Luft so
schnell verdichtet wird, daß ein an der untern Seite
des Kolbens befindliches Stück Schwamm sich ent-
zündet, da bei der raschen Verdichtung ein Teil der
ausgewendeten Arbeit in Wärme umgewandelt wird.
Unter den chemischen F. hat namentlich die
1tz23von D ober ein er erfundene Zünd Maschine
Ausnahme gefunden, die heute noch vielfach im Ge-
brauch ist. Diese Maschine beruht auf der von
Dödereiner felbst entdeckten Eigenschaft fein ver-
teilten, porösen Platins, des sog. Platinschwamms,
große Gasmengen zu adsorbieren und zu verdichten,
und besteht aus einem zum Teil mit verdünnter
Schwefelsäure gefüllten Gefäß, in das ein von einer
Glasglocke umschlossenes Stück Zink hineinhängt.
Innerhalb der Glasglocke, die unten ofsen ist, also
gleichfalls verdünnte Schwefelsäure enthält, ent-
wickelt sich durch Zersetzung des Zinks Wasserstoff,
der durch einen Hahn am obern, geschlossenen Ende
der Glocke abgeblasen werden kann. Je mehr Was-
serstoffgas sich in der Glocke bildet, desto mehr wird
die Flüssigkeit aus derselben verdrängt, so daß, da all-
mählich Zink außer Berührung mit der Säure tritt,
die Gasentwicklung aufhört und erst wieder beginnt,
wenn man einen Teil des Gases verbraucht hat. Das
Gas wird aus dem erwähnten Hahn, dessen Öffnung
eine feine spitze bildet, auf Platinfchwamm geleitet,
wo es sich durch die plötzliche Verdichtung entzündet.
Durch Feuchtwerden sowie auch durch den Aufent-
halt in Ammoniakdämpfen, schwefliger Säure, wie
dies in Wohnräumen und in der Nähe von Stal-
lungen der Fall ist, wird der Platinschwamm sür
diesen Zweck unbrauckbar und muß, nm die oben