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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Filtrierpapier - Filzfabrikation
Niederschläge, die Filterpresse (s.d.) benutzt. In um- ^
fangreichstem Ätaße wird die Filtration zur Klärung
des Flußwassers behufs der Wasserversorguug der
großen Städte ausgeführt. (S. Wasserversorgung.)
Zuweilen werden auch Flüssigkeiten filtriert, uni
gelöste Stoffe aus ihnen zu entfernen. Als Filter
dient in diefem Falle meist poröse Tierkohle, Knochen-
kohle, welche durch Oberflächenanziehung gewisfe
gelöste Stoffe, namentlich Farbstoffe, auf sich nieder-
schlägt. - Über die Filter zum F. des Wassers
s. Wassersilter. - Vgl. Krüger, Die Filter für Haus
und Gewerbe (Wien 1886).
Filtrierpapier, ein aus Hadern dargestelltes
ungeleimtes Papier, das sehr porös, aber durchaus
nicht löcherig sein darf und eiuen verhältnismäßig
hohen Grad von Festigkeit besitzen muß. Die nö-
tige Porosität wird demselben meist dadnrch erteilt,
daß man die frisch hergestellten, noch nassen Papier-
dogen bei starker Winterkälte gefrieren und wo-
möglich gefroren trocknen läßt. Als das beste, vor-
züglich für die quantitative Analyse geeignete F.
dat lange Zeit das sog. schwedische, mit dem
Wasserzeichen Munktell versehene gegolten, doch
wird dies neuerdings an Güte durch ein von Schlei-
cher & Schill in Düren gefertigtes übertroffen, das
mit destilliertem Wasser hergestellt wird. Letztere
Firma bringt gegenwärtig mit Flußsäure uud
Salzsäure gereinigte Filter in den Handel, die
beim Verbrennen "kaum noch Spuren von Asche
hinterlassen.
Filtrierstein oder Filterstein, ein poröser
Sandstein, der zu Platten geschnitten als Einlage
für Wassersilter (s. d.) dient.
Filtriertuch oder Filtertuch, ein in den Fil-
t erpressen (s. d.) zum Auspressen des Stearins
u. s. w. benutzter dicker Wollstoff, dessen Kettenfäden
z. B. aus achtdrähtigem und dessen Einschlagfäden
aus zehndrähtigem Kammgarnzwirn bestehen und
zu einem dichten, dreibindigen Köper verwebt sind;
außerdem überhaupt ein zum Durchseihen unklarer
Flüssigkeiten dienendes Gewebe.
I'ilurO (frz., spr. -lühr), Gespinst.
Filz, ein aus wirr durcheinander liegenden tieri-
schen Haaren, vorzüglich Schafwoll-, Hasen- und
Kaninchenhaaren, bestehendes Gebilde, bei welchem
ohne Weben, durch die Arbeit des Fachens, Filzens
und Walkens, ein fester Zusammenhang der einzel-
nen Fasern erreicht ist und das, außer zu Hüten
(f. Filzfaorikation), hauptsächlich zur Bekleiduug
der Dampscylinder, bei verschiedenen musikalischen
Instrumenten zur Dämpfung des Tons, sowie zu
Schuhen verwendet wird.
In der Papierfabrikation ist F. ein grobes,
lose gewebtes, schwach gewalktes Wollzeug, welches
als Zwischenlage der Papierblätter beim Abnehmen
derselben von der Form benutzt wird.
Filz, in Süddeutschland, besonders Bayern, so-
viel wie Moor (s. d.).
Filzdeckel, s. Filztuch.
Filzeiche, s. Eiche (Vd. 5, S. 702 a).
Filzen, verfilzen, s.Filzfabrikation und Tuch-
fabrikation.
Filzfabrikation. Die Herstellung des Filzes
basiert auf der Eigenschaft der Haare, sich bei
niechan. Bearbeitung unter Druck und schiebender
Bewegung zu einem zähen, elastischen, schmiegsamen
Gebilde zu vereinigen (verfilzen). Das tierische
Haar zeigt nämlich unter dem Mikroskop entweder
cine mit seinen, borstenartigen Spitzen schräg be-
setzte Oberfläche, wie dies beispielsweise bei den
Haaren des Bibers der Fall ist, oder die Oberfläche
ist mit kleinen dachziegelartig einander übergreifen-
den Schuppen besetzt, welche die Bewegung in der
einen Richtnng gestatten, in der andern aber verhin-
dern, oder doch erschweren. Durch das Bearbeiten
der zu einem Haufwerk vereinigten Haare bewegt sich
jedes Haar vermöge seiner Widerhaken nur mit dem
Wurzclende voran zwischen den übrigen Haaren
hindurch. Schon durch ein unbedeutendes Drücken
wird der Verfilzungsprozes; eingeleitet, und indem
bei der wettern Verarbeitung jedes Haar mit dein
Wurzelende voran in die Mitte der Filzmasse hinein-
dringt, wird der Filz immer dichter. Der Vorgang
des Verfilzens wird durch Anfeuchten und Erwär-
men der Haarmasse begünstigt; beschleunigt wird
derselbe auch durch Anwendung von verdünnter
Echwefelfäure und Seifenwasser. Alle derartigen
PräparierungsMethoden haben namentlich den
Zweck, das vorhandene natürliche Fett und die
Unreinigkeiten von dcrOberfläche derHaarc zu ent-
fernen, damit die Spitzen, resp. Schuppen l'loßge-
legt und so das Anhaken oder Anhaften der Haare
erleichtert wird; manche Arten von Haaren werden
noch besonders auf dem Fell mit einer Lösung von
Quecksilber in Salpetersäure mit Zusatz von Queck-
silbersublimat und weißem Arsenik gebeizt.
Der fertige Filzartikel wird, damit er nicht durch
nachträgliche Filzung die erhaltene Form wieder
verliert und zugleich damit er eine größere Steif-
heit erlangt, mit einer Füllmasse imprägniert;
früher benutzte man als solche Leim, jetzt nur noch in
Spiritus aufgelösten Schellack. Die Imprägnierung
erfolgt in der Weise, daß man das fertig geformte
Stück zuerst in die Schellacklösung und dannin reines
Wasser taucht; durch Verdunstung des Alko^o/s in
dem Filze selbst scheidet sich alsdann der Schellack
in Gestalt eines feinen, an den Haaren haftenden
Pulvers aus. Obwohl alle tierischen Haare sich ver-
filzen lassen, besitzen doch nicht alle die Verfilzungs-
fähigkeit in gleichem Maße; je feiner und elastischer
das Haar ist, desto dichtern und festern Filz kann
man aus demselben erhalten.
Für die Hutfabrikation, in welcher der Filz
die hauptfächlichste Verwendung findet, kommen nur
feinere Sorten in Betracht. Man unterscheidet zwei
Hauptarten: gerade Haare (Pelzhaare) und gekräu-
selte Haare (Wolle). Dementsprechend unterscheidet
nran bei den Filzhüten Haarhüte und Wollhüte,
deren Fabrikationsmethodcn sich in Einzelheiten
voneinander unterscheiden, obgleich sie im allge-
meinen einander ähnlich sind. Das gewöhnliche
Material für die Filzhutfabrikation bilden die Haare
des Bibers, des Otters, der Hasen, Kaninchen, See-
hnnde, Affen, sowie die verschiedenen Wollen. Tiere -
aus kalten Zonen, besonders solche, welche im Winter
erlegt sind, geben bessere Pelzhaare als solche aus
wärmcrn Gegenden; außerdem liefern die einzel-
nen Teile der Pelze vcrschiedcnwertige Haare, am
meisten sind die Pelzhaare vom Rücken geschätzt.
Die Filzhutfabrikation war früher ausschließ-
lich Handarbeit; erst in neuerer Zeit werden
die einzelnen Operationen durch eine Reihe von
Specialmaschinen ausgeführt. Bei der Fabrikation
durch Handarbeit wird die Wolle fast ebenso wie
das Haar bearbeitet. Das Material (Wolle, Haar
oder ein Gemisch von beiden) wird zunächst aufge-
lockert und von Staub und den gröbsten Stichel-
haaren befreit, wobei zugleich die Haare unregel-