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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Finn Magnusen; Finnland; Finnmarken; Finnwal; Finochetto; Finow; Finowkanal; Finsbury; Finsch

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Finnland - Finsch

stellungen aus dem Gebiete der Wissenschaft sowie Werke der Kunstpoesie. Großen Einfluß übte in dieser Beziehung die Finnische Litteraturgesellschaft (Suomalaisen Kirjallisuuden Seura) zu Helsingfors, die nicht nur die finn. Sprache, sondern auch die Denkmale der finn. Nationalität, der finn. Poesie und des finn. Geistes überhaupt zu bearbeiten unternahm; seit 1841 erscheint ihr Jahrbuch "Suomi". Aus neuerer Zeit sind außer dem unermüdlichen Lönnrot hervorzuheben: der Geschichtschreiber Yrjö Kostinen (Finn. Geschichte, Lpz. 1874), die Dichter Otsanen (Ahlqvist), Suonio (Krohn), der originelle Alexis Kivi (Novellen und Dramen), Erkko (Dramen), Cajander (Shakespeareübersetzer), Päivärinta, der, aus dem Volk hervorgegangen, vorzügliche Charakterschilderungen aus dem Volksleben liefert, J.^[Juhani] Aho (Novellen), M. Canth (realistische Dramen).

Finnland, s. Finland.

Finn Magnusen, s. Magnusson, Finnur.

Finnmarken, s. Finmarken.

Finnwal (Balaenoptera), Finnfisch oder Furchenwal, Bezeichnung derjenigen Arten der Walfische, welche zwar, wie der echte grönländ. Walfisch, Barten in dem Oberkiefer statt Zähne tragen, von diesem aber durch tiefe Hautfurchen an der Unterseite des Körpers und durch die Anwesenheit einer Rückenflosse sich unterscheiden. Die F. sind von längerer gestreckter Gestalt, rascher und mutiger als die Walfische, haben weit weniger und schlechtern Speck als diese, auch sind ihre Barten kleiner, brüchiger und daher weniger geschätzt, sodaß man ihnen seltener nachstellt. Sie nähren sich vorzugsweise von Fischen, besonders Heringen. Zu ihnen gehören der nordische F., Heringswal oder Finnfisch (Sildehval der Norweger, Balaenoptera boops L., Physalus antiquorum Gray, s. Tafel: Wale, Fig. 3) und der Buckelwal (Blaahval der Norweger, Balaenoptera Sibbaldi), die beide bis 30 m lang werden und überall um Norwegen vorkommen. Ihrer Wildheit und ihres geringern Thran- und Fischbeinerträgnisses wegen wurden sie früher nur selten gejagt; jetzt aber gelingt es mittels Geschütze, die auf 40 m Entfernung eine Harpune schleudern, welche mit einem Sprenggeschosse verbunden und an einem armsdicken Tau befestigt ist. Die Bombe tötet den Wal und die Harpune mit dem Tau verhindert sein Untersinken. Ein F. von 25 m Länge liefert bis 80 t Thran; Fleisch und Knochen werden zu Guano verarbeitet. Der Schnabel- oder Zwergwal (Balaenoptera rostrata Fabricius), der ebenfalls an den norweg. Küsten häufig erscheint und durch den schnabelförmig verlängerten Kopf sich auszeichnet, erreicht nur eine Länge von 10 m. Er wird seines wohlschmeckenden Fleisches wegen viel gejagt und wurde früher mit eisernen Pfeilen erlegt, die man durch kolossale Armbrüste abschoß. Der Keporkak der Grönländer (Balaenoptera longimana Rudolphi) wird von den Eskimos gejagt; er unterscheidet sich durch lange Brustflossen.

Finochetto (spr. -kétto), komische Figur, s. Brighella.

Finow, linker Nebenfluß der Oder im preuß. Reg.-Bez. Potsdam, entspringt in Barnim in mehrern Bächen, fließt von Biesenthal ab nach N. und mündet vermittelst des Finowkanals (s. d.) bei Liepe in die Alte Oder.

Finowkanal, der die Alte Oder bei Liepe mit der Havel bei Liebenwalde verbindende Kanal; in der östl. Hälfte benutzt er das Bett der Finow (s. d.). Er wurde schon 1540 geplant, aber erst 1605-20 mit 11 Schleusen ausgebaut und schiffbar gemacht. Während des Dreißigjährigen Krieges verfiel die Anlage ganz, bis Friedrich II. 1744-46 sie erneuerte. Später setzte man den Kanal auch nach NW. im obern Laufe der Faulen Havel durch den Voßkanal über Liebenwalde mit der Schnellen Havel in Verbindung. Endlich wurde der Malzerkanal parallel mit der Havel geführt. Oberhalb der zweiten bei Ruhlsdorf gelegenen Schleuse nimmt der F. den Zufluß des mit großen Kähnen schiffbaren Werbelliner Kanals auf, der 5,65 km lang in den 5 km weit schiffbaren Werbelliner See (s. d.) führt. Der F. ist in der Ausdehnung bis Hohensathen 70 km lang, 1,3 m tief und hat insgesamt 17 Schleusen; der Anschluß an die Oder hat 2,8 m, die Mündung in den Voßkanal 39,2 m Höhe, der Kanal also ein Gefälle von 37 m. Der Verkehr steigt. Bei Eberswalde gingen zur Havel durch im Durchschnitt der J. 1873-75: 8808, 1890 dagegen 13300 beladene Fahrzeuge mit 717000 bez. 1791000 t Gütern.

Finsbury (spr. finnsberi), Stadtteil von London (s. d.), nördlich der City, zählte 1891 als Wahlbezirk (Metropolitan Parliamentary Borough) 63565 Häuser mit einer Bevölkerung von 532888 E. und wählt 3 Abgeordnete.

Finsch, Otto, Ornitholog und Reisender, geb. 8. Aug. 1839 zu Warmbrunn in Schlesien, war ursprünglich für den Kaufmannsstand bestimmt, wandte sich aber später naturwissenschaftlichen Studien zu, unternahm 1858 eine Reise nach Ungarn, begab sich hierauf nach der Türkei und machte dann Studienreisen im Balkan und an der untern Donau. In die Heimat zurückgekehrt, erhielt er 1860 eine Stellung als Assistent am Königlich Niederländischen Museum für Naturgeschichte zu Leiden, wo er unter Schlegel und Jan van der Hoeven studierte, und wurde 1864 an das Naturhistorisch-Ethnologische Museum nach Bremen berufen, welches er bis 1878 leitete. Auch nach Übernahme dieser Stellung machte F. noch wissenschaftliche Forschungsreisen durch Deutschland, England, Italien, Frankreich, Skandinavien und Nordamerika. Mit der Führung der vom Bremer Polarverein ausgerüsteten wissenschaftlichen Expedition beauftragt, bereiste er 1876, begleitet von Brehm und Graf Waldburg-Zeil, einen Teil von Turkestan, Nordwestchina, Hoch-Altai und drang längs des Ob bis zur Kara-Bai vor. Unterstützt von der Humboldt-Stiftung und im Auftrage der königl. Akademie der Wissenschaften in Berlin ging F. Anfang 1879 nach der Südsee, besuchte hier die Hawaii-Inseln, einen Teil Mikronesiens (Marshall-, Gilberts-Inseln, Karolinen), Melanesiens (Neubritannien, Neuirland, Neuguinea), Australien und Neuseeland und kehrte Ende 1882 über Java nach der Heimat zurück. Er erforschte 1884 im Auftrage der Neuguinea-Compagnie die Nordostküste von Neuguinea, was zur Erwerbung derselben als deutsches Schutzgebiet (Kaiser-Wilhelms-Land) führte. F. veröffentlichte: "Neuguinea und seine Bewohner" (Brem. 1865), "Die Papageien, monographisch bearbeitet" (2 Bde., Leid. 1867-69); mit Hartlaub: "Beitrag zur Fauna Centralpolynesiens" (Halle 1867), "Die Vögel Ostafrikas" (Bd. 4 von von der Deckens "Reisen in Ostafrika in den J. 1859-65", Lpz. 1870), "Reise nach Westsibirien. Wissenschaftliche Ergebnisse. Wirbeltiere" (Wien 1879), "Reise nach Westsibirien" (2 Bde., Berl. 1879), "Anthropol. Ergebnisse einer