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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Finschhafen - Finte (in der Fechtkunst)
Reise in der Südsee und dem Malaiischen Archipel
in den I. 1879-82" (in der "Zeitschrift für Ethno-
logie", Verl. 1883, Supplement), "Über Bekleidung,
Schmuck und Tättowierung der Papuas der Südost-
küstc von Neuguinea" (Wien 1886), "Hausbau, Häu-
ser und Siedelungen an der ^üdostküste von Neu-
guinea" (ebd. 1887), "Abnorme Eberhauer" (ebd.
1887), "Tättowierung und Ziernarben in Melanesien
u. s. w." (in W. Ioest, "Tättowieren", Verl. 1887),
"Samoafahrten. Reisen in Kaiser-Wilhclms-Land
und Englisch-Neuguinea" (Lpz. 1888; hierzu "Ethno-
log. Atlas. Typen aus der Steinzeit Neuguineas",
24 Tafeln), "Ethnolog. Erfahrungen und Beleg-
stücke aus der Südsee" (erste Abteilung: Bismarck-
Archipel; zweite Abteilung: Neuguinea, Wien 1888;
dritte Abteilung: Mitronesicn, ebd. 1893). Für
Anthropologie lieferte F. wertvolles Material in
seiner Sammlung von "Gipsmasken von Völker-
typen der Südsee und des Malaiischen Archipels",
164 Nummern, sämtlich nach Lebenden abgegossen.
Finfchhafen, Hasen an der Nordosttüste von
Kaiser-Wilhclms-Land, nördlich vom Huongolf, war
bis Anfang 1891, wo das Fieber einen großen Teil
der Beamten der Neuguinea-Compagnie dahin-
raffte, Zentralstation der Kolonie und Sitz de^
Landeshauptmanns. Die Station bestand seit Nov.
1885; entdeckt wurde der Hasen 1884 von Finsch.
Seit 1891 ist F. gänzlich verlassen.
Finspäng (spr. -pong), Gut im schwed. Län
Astergötland im NW. von Norrköping, an den
minien F.-Norsholm, F.-Palsboda (64 km) der
schwed. Privatbahnen, bedeckt über 39000 ka, hat
Eisenhütten, Kanonengießerci, Waldwirtschaft.
Finsteraarhorn, der höchste Gipfel der Berner
Alpen (f. d. und Westalpen), erhebt sich 70 km süd-
östlich von Bern an der Grenze der schweiz. Kantone
Bern und Wallis, in der Wasserscheide zwischen
Aare und Rhone, zu 4275 m Höhe. Von NW. gesehen
erscheint der Berg als scharfkantige, eisgepanzerte
Pyramide, in Wirklichkeit bildet er einen langen,
zackigen Kamm aus Hornblende, der von SO. nach
NW. verläuft und mit dunkeln, von ^chneekeblen
und Eisbändern durchfurchten Felswänden und
Firnhängen links zum Walliser Viescherfirn, rechts
zum Studcr- und Finsteraarfirn (s. Aargletscher)
abfällt. Der höchste Gipfel bildet einen felsigen, meist
schneefreien Kamm von etwa 15 m Länge. Nord-
westlich lehnt sich, durch das Agafsizjoch (3850 m)
geschieden, das 3956 m hohe Agassizhorn, im SO.
schließt sich die vierseitige Pyramide des Rothorns
(3549 m) an. Die ersten Versuche zur Besteigung
machten Juli 1812 die Gebrüder Mayer aus Aarau,
bei einem zweiten Versuch 16. Aug. desselben Jah-
res erreichten ihre Führer die Spitze. Die zweite
Besteigung unternahm 1829 Professor Hugi aus
Solothurn, der vom Viescherfirn ans über den nach
ihm benannten Hugisattel bis 70 in unter die Spitze
gelangte. Seither ist der Berg, dessen Besteigung
sehr mühsam und anstrengend, mehrmals, sogar
von Damen, erstiegen worden.
Finsterloch, Höhle im württemb. Iagstkreise,
Oberamt Gmünd, bei Heubach in der Alb, hat eine
Länge von 170 m.
Finstermetten, s. Mette.
Finftermünz, Pas; in der österr. Bezirkshaupt-
mannschaft Land eck, durch welchen sich der Inn,
aus dem Engadin in Tirol eintretend, in einer tiefen
Schluckt zwängt, während hoch übcrdemfelben und dcr
alten Strafte die neue, 1855 vollendete Strafte, ein
Brockhaus' Konversations-Lexikon.. 14. 3lusl. VI.
Meisterwerk der ^traßenbaukunft, führt. Dieselbe
überschreitet auf der Cajetanbrücke den Inn (970 m),
steigt in Serpentinen, drei Tunnels und zwei gegen
die Lawinen mit Schutzdächern bedeckten Strecken zu
der 1137 m hohen Festung Hoch-Finstermünz
aus, verläßt hier den Inn und erreicht nach 6 km
Nauders (1362 m). Die alte Straße folgt dem Inn
bis zu dem Turme Alt-Finstermünz (977m),
welcher das Innthal sperrt. Auch landschaftlich bie-
tet der F. grosiartige Bilder, einerseits die tiefe, mit
Nadelholz dicht bewaldete Schlucht des Inn, ande-
rerseits den Ausblick auf die hohen Schneeberge des
Engadin. Kriegsgeschichtlich ist der Pah wichtig
durcb die Eroberung der Feste F. durch Herzog Wels
von Bayern 1079 und durch die Kämpfe 1799 zwi-
schen Franzosen und Österreichern.
Finsternis, in der Astronomie im allgemeinsten
Sinne jede Erscheinung, bei der einem Beobachter
auf der Erde der Anblick eines Himmelskörpers ganz
oder teilweise durch einen andern Himmelskörper
zeitweilig entzogen wird. Im engern (^inne rechnet
man zu den F. nur die Mondfinsternisse (s. d.)
und die Sonnenfinsternisse (s. d.), im weitern
^inne auch die Bedeckungen (s. d.) und Durch-
gänge (s. d.).
Finsterwalde, Stadt im Kreis Luckau des
preuft. Reg.-Bez. Frankfurt, rechts an dem zur Klei-
nen Elster (Dober) gehenden Schackebach, an der
Linie Halle-Cottbus-Sagan der Preuß. Staats-
bahnen und an der Zschipkau-Finsterwalder Eisei^
bahn (20,2 km, Nebenbahn), ^itz eines Amtsgerichts
(Landgericht Cottbus),Steueramtes und einer Reichs-
banknebenstelle, hat (1890) 8133 E^ darunter 118
Katholiken, Postamt erster Klasse, Telegraph, got.
Dreifaltigkeitvtirche (1581) mit schönem Altar und
Kanzel, Schloß, eine Mittel- und höhere Mädchen-
schule, städtisches Krankenhaus, Nettungshaus sür
verwahrloste Kinder, städtische Sparkasse, Gasan-
stalt; Eisengießereien, Dampfmahl-und Schneide-
mühlen, Fabrikation voll Maschinen, Metallschrau-
ben, Gummi, Spielwaren, vor allem aber von
Cigarren (700 Arbeiter) und Tuch (21 Fabriken
mit 5-600 mechan. Stühlen und 12-1300 Arbei-
tern). Das hier hergestellte fast ausschließlich
schwarze Tuch wird auf den Messen in Leipzig,
Frankfurt a. O. und Braunfchweig abgesetzt sowie
nach Schweden und der Schweiz versandt. In der
Umgegend große Vraunkohlenlager. - F. kam mit
der Markgrafschaft Niederlausitz 1373 an Böhmen,
1635 an Kursachsen und 1815 an Preußen. Am
17. April 1642 wurde die ^tadt von den Schweden
unter Königsmark völlig niedergebrannt.
Finstingen, frz. Fe'netrange, Hauptstadt des
Kantons F. (190,56 <ikm, 10318 E., 21 Gemeinden)
im Kreis Saarburg des Bezirks Lothringen, 15 km '
nördlich von Saarburg, links der Saar, an der Linie
Saarburg - Saargemünd der Elsaß-Lothr. Eisen-
bahnen, ^itz eines Amtsgerichts (Landgericht Za-
bern),kath.Dekanats,Konsistoriums Augsburgischen
Bekenntnisses und einer Oberförsterei, hat (1890)
1129 E., darunter 551 Evangelische, Post, Telegraph,
spätgotische kath. Pfarrkirche, Schloß (17. Jahrh.),
jetzt Gemeindehaus, Reste ehemaliger Befestigungen;
Gerberei, Bierbrauerei, Ackerbau, Holzhandel.
Finte, in der Fechtkunst Scheinangriff durch einen
angezogenen, aber nicht ausgeführten Hieb oder
Stoß, um den Gegner zu einer vorzeitigen Gegenbe-
wegung (Parade) zu veranlassen und die dadurch ver-
ursachte Blöße zu einem nun wirklich ausgeführten
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