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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Fischbach (Johann) - Fischbeinfabrikation
der Ornamentik an der königl. Akademie zu Hanau.
Er gründete Vereine für Kunstindustrie und errich-
te ein eigenes Atelier, um Industriellen Muster
zu liefern und die.verausgabe litterarisch-artistischer
Werke zu ermöglichen. 1883 wurde er als Direktor
der neu zu organisierenden Kunstgewcrbeschule nach
St. Gallen berufen, gab diese Stellung 1888 wie-
der auf und zog sich nach Wiesbaden zurück. Seine
umfassenden Sammlungen alter Gewebe, Sticke-
reien u. s. w. wurden für die St. Gallener schule
angekauft. F. hat bewirkt, daß man sich in Deutsch-
land von den Franzosen im Musterfach unabhän-
gig gemacht hat. Seine wichtigsten,von ihm lithogra-
phierten und im Selbstverlag erschienenen Werke
sind: "Ornamente der Gewebe" (160 Tafeln Vunt-
oruck, gr. Fol., mit Text, Hanau 1874-81), ein Werk
von grundlegender Bedeutung, "Geschichte der Tertil-
kunst" (ebd. 1883), "Ornamente der Hausindustrie
Ungarns" (Budapest 1878), "^üdslaw. Orna-
mente" (nebst Text, 2. Aufl., ebd. 1872), "Album
für Stickerei" (130 Muster in Gold- und Buntdruck,
4. Aufl., Hanau 1872), "Neue Muster für Stickerei
und Häkelarbeiten" (3 Serien, ebd. 1880-83),
"Stickereimuster" (4 Hefte, Wieso. 1888), "Häkel-
vorlagen" (1889), "Ornamentalbum" (1892), "Wcih-
stickereivorlagen" (1892).
Fischbach, Johann, Maler, geb. 5. April 1797
in Gravenegg bei Krems, besuchte seit 1813 die
Akademie zu Wien, machte Studienreisen in Süd-
deutschland und der Schweiz, wurde Direktor der
grast. Paarschen Kupfcrstichsammlung, lebte von
1840 bis 1851 in Salzburg, bis 1860 in seinem
Landhause zu Aigen, zuletzt in München, wo er
19. Juni 1871 starb. Von seinen Gemälden sind
hervorzuheben: Bauernknabe und Mädchen, sich um
einen Vogel streitend (1830; Hofmuseum in Wien),
Steierische Bauernfamilie(1836; städtisches Mu-
seum in Leipzig), Die Witwe (1847; Hosmuseum
in Wien), Der hohe Goll bei Salzburg (1847; Salz-
burger Kunstverein); außerdem mehrere Alpen-
landschaften in der Neuen Pinakothek zu Mün-
chen. Als scharfer Charakteristiker in Zeichnung
und Vortrag bewies er sich in "Deutscher Wald
und Hain in Bild und Wort" (Münch. 1871). -
Vgl. Mayer-Matsies, Job. F., ein Lebensbild
(Münch. 1872).
Fifchbach, Karl von, Forstmann, geb. 15. März
1821 zu Hohenheim in Württemberg, besuchte die
land- und forstwirtschaftliche Akademie Hohenheim
und die Universität Tübingen, war 1843 - 45 als
Forsttaxator thätig, 1846-49 Forstamtsassistent in
Crailsheim, 1850-53 Stadtförster in Stuttgart,
1853-61 königl. Revierförster in Wildbad, 1861
-66 königl. Forstmeister in Nottweil. 1866 wnrdc
?s. fürstlich Hohenzollernscher Oberforstrat in Sig-
maringen. Er schrieb: "Lehrbuch der Forstwissen-
schaft" (Stuttg. 1856; 4. Aufl., Verl. 1886), sein
Hauptwerk; "Die Beseitigung der Waldstreunutzung
für Land- und Forstwirte, insbesondere auch für die
Gesetzgeber" (Franks, a. M. 1864), "Praktische Forst-
wirtschaft" (Berl. 1880) und zahlreiche Abhand-
lungen in Zeitschriften.
Fischbacher Alpen, s. Ostalpen.
Fischbachthalbahn, von Saarbrücken nach
Neunkirchen (26,4 km, 1879 eröffnet), preuß. Staats-
cisenbahn.
Fischbai (Große und Kl eine F.), zwei Buchten
der Westküste von Angola in Afrika, südlich und
nördlich vom Kav Nearo.
Fischband oder Einsetz b and, eine Art Schar-
nier, welches zur Befestigung von Thüren und Fen-
stern in ihren Angeln dient.
Fischbein, die technifche Bezeichnung für die
WaIfischbarte n oder die sensenförmigen, horn-
artigen Platten, welche in zwei Abteilungen zu bei-
den Seiten einen Besatz derOberkiefer- und Gaumen-
knochen der Walfische (s. d.) und Finnwale (s. d.) bil-
den und ihrer Biegsamkeit, Elasticität und Festig-
keit, sowie ihres geringen specifischen Gewichls wc-
gen zu allerlei Gegenständen, namentlich zu Schirm-
gestellen, Spazierstöcken, Reitpeitschen, Korsetts
und andern Toilettenartikeln, zu Galanteriewaren,
feinen Flechtarbeiten, künstlichen Blumen u. s. w.,
verarbeitet werden. Über die technische Behand-
lung des F. und seiner Surrogate s. Fischbeinfabri-
kation. Deutschlands Einfuhr b^^ 1891 873
Doppelcentner im Werte von 3 Mill. M.; Haupt-
einfuhrhäfen sind Hamburg und Bremen.
Fifchbeinfabrikation, die fabrikmäßige Er-
zeugung des durch die Barten des Walfisches ge-
lieferten marktfähigen Fifchbeins (s. d.). Zur F. sind
nur etwa fünf sechstel des Rohstoffs geeignet. Von
den in zwei Reihen am Rachen des Walfisches vor-
handenen Barten sind die mittlern die besten und
auch die längsten, zuweilen bis zu 5 m lang, obwobl
eine Länge von 4 bis 4,5 m schon zu den Selten-
heiten gehört. Die Breite beträgt in der Nähe des
Anheftungspunktes 30-35 nn; von hier aus
laufen die Platten in mäßig bogenförmiger Krüm-
mung in eine Spitze aus. Die Dicko ist am obern
Rand 9 -10 mm, nimmt aber geaen den untern
Rand, an welchem sich die Barte in eine Reihe loser
Haare oder Fransen auflöst, bedeutend ab. Die
Masse des Fischbeins, im wesentlichen Hornsub-
stanz, besteht ans einer Schicht parallel nebenein-
ander liegender dicker Fasern, welche seitlich durcb
eine ähnliche, nur weniger feste Substanz aneinan-
der geheftet sind und sich ziemlich leicht voneinander
trennen lassen. Die Barten werden, nachdem sie
vom Oberkiefer abgelöst, von anhängendem Speck
gereinigt und sortiert sind, in Pakete von 10 oder
12 Stück gebunden und so nach Europa verschickt,
wo sie in den Fischbeinreißercien, die in den meisten
nordeurop. Hasenstädten sowie in größern Fabrik-
städten etabliert sind, in die handelsüblichen For-
men gebracht werden.
Die Verarbeitung des Fischbeins zu viereckigen
oder flachen Stäben, das sog. Fisch beinreißen,
wird, nachdem das Fischbein durch zweistündiges
Kochen mit Wasser erweicht worden, auf folgende-
Art bewerkstelligt: Man spannt die in Stücke von
etwa 1^2 in Länge zersägten Barten auf einer Art
Tischlerbank mittels zweier Bretter derart ein, dast
sie auf der hohen Kante stehen, und spaltet nun
mittels eines eigenen bogenförmigen Messers oder
Hobels, der nach der Dicke der abzureißenden
Stangen gestellt werden kann, diese davon ab. Nach
dem beißen werden die Stangen getrocknet, wo-
durch sie ihre natürliche Härte und Steistgkeit wie-
dererlangen, und sodann auch an den Seitenflächen
glatt geschabt. Die hierbei abfallenden Fifchbein-
späne eignen sich als Surrogat der Roßhaare zu in
Ausstopfen von Betten und Möbeln. Durck Damvs
oder im Sandbad erhitzt, erlangt das Fischbein
einen solchen Grad der Weichheit, daß es sich wie
Horn in Formen pressen laßt und, innerhalb der
Form abgekühlt, die so erhaltene Gestalt unocv-
! ändert beibehält; auf diese Art können aus dem-