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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Fischer (Karl Ludw.) - Fischer (Ludw. von)
glückliche Knecht" (ebd. 1881), "Auf dem Heimweg.
Neue Gedichte" (ebd. 1891). Mit Feodor Löwe und
KarlSchönhardt gab F. 1870 (Stuttgart) zum Besten
der Verwundeten die Sammlung patriotischer Lieder
"Drei Kameraden" heraus. Den besten der lyrischen
Erzeugnisse des "Schwab. Frauenlob" ist neben
Schönheit und Korrektheit der Form, neben Wärme
der Empfindung und Tüchtigkeit der Gesinnung eine
originelle Kraft des Ausdrucks und gewisse ur-
wüchsige Knorriakeit eigen; namentlich gelangen ihm
volkstümliche Lieder. Eine ideale Beseelung der
Natur zeichnet besonders seine Liebeslieder aus.
Ferner schrieb er die Dramen: "Saul"(Stuttg.1862>,
"Friedrich II. von Hohenstaufen" (ebd. 1863), "Flo-
rian Geyer" (ebd. 1866), "Kaiser Maximilian von
Meriko" (ebd. 1868). In der Skizze "Aus dem Leben
vcr Vögel" (Lpz. 1863), in der er die charakteristischen
Erscheinungen der Tierseele in ihren verschiedensten
Gemütsbewegungen kennzeichnet, bekundet F. eine
poetisch-sinnige Auffassung des Naturlebens.
Fischer, Karl Ludw* Komponist und Dirigent,
ged. 1816 in Kaiserslautern, war Theaterkapcll-
mcister in Trier, Köln, Aachen, Nürnberg, Würz-
durg, 1847-52 in Mainz, seitdem in Hannover,
wo er 15. Aug. 1877 starb. Als Komponist ist F,
hauptsächlich bekannt durch ausgezeichnete Männer-
chöre ("Studenten-Nachtgesang", "Frühlingsnacht",
"Nöslein im Wald", "Drei Gläser").
Fischer, Kuno ^Philosoph, geb. 23. Juli 1824
zu Sandewalde in Schlesien, studierte seit 1844 erst
in Leipzig Philologie, dann Theologie und Philo-
sophie zu Halle. Nachdem er von 1848 bis 1850 als
Hauslehrer zu Pforzheim gelebt hatte, habilitierte er
sich 1350 an der Universität zu Heidelberg für Philo-
sophie, wo seine Vorlesungen alsbald ungewöhn-
lichen Beifall fanden. Im Juli 1853 entzog ihm
jedoch ein Ministerialreskript, obne dafür Gründe
anzugeben, die Erlaubnis zum Halten von Vor-
lesungen. F. lebte hierauf zu Heidelberg in Gemein-
schaft mit Gervinus und Strauß seinen Wissenschaft'
lichen Arbeiten. Im Herbst 1855 wandte er sich nach
Verlin, um sich daselbst von neuem zu habilitieren,
doch wurde ihmvom Ministerium Räumer auf Grund
des bad. Verbots die Erlaubnis dazu verweigert.
Erst auf Verwenden der Fakultät ward ibm durch
Kabinetts order des Königs im Sept. 1856 die Ha-
bilitation gestattet. Kurz vorher war indes F. einem
Ruf als Professor nach Jena gefolgt und begann
hier seine Vorlesungen vor einem Zubörcrtrcise,
wie er sich an dieser Universität an Zahl und Be-
geisterung seit den Zeiten Schillers, Fichtes und
Schellings nicht wieder zusammengefunden batte.
Im Winter 1865 - 66 begleitete er den Erbgrosi-
derzog nach Italien und Sicilien; 1872 folgte er
einem Ruf an die Universität Heidelberg, wo er seit-
dem eine glänzende Lehrthätigkeit entwickelt.
Als Philosoph gehört F. der Richtung Hegels
an. Seine ersten schriftstellerischen Leistungen waren:
"Diotima. Die Idee des Schönen" (Pforzh. 1849)
und "Logik und Metaphysik oderWissensckaftslehre"
<Stuttg.1852; 2. Aufl., Heidelb. 1865). F.s Haupt-
werk ist die "Geschickte der neuern Philosophie"
Wd. 1-6, Mamch. und Heidelb. 1852-77; 2. Aufl.,
Heidelb. 1865 fg.; 3. Aufl., Münch. und Heidelb,
1878 fg.), die in einer Reihe von Monographien
Dcscartes und seine Schule, Spinoza, Leibniz und
leine Schule, Kant, Fichte, Schelling in glänzender
Darstellung behandelt. Als ein besonderes Werk er-
schien: "Francis Vacon und seine Nachfolger" (Lpz.
' 1856; 2. Aufl. 1875). Diesen umfassenden Arbeiten
! schloffen sich die kleinern Schriften, meist Reden und
! Vorträge, an, wie "Schiller. Drei Vorlesungen"
(Franks. 1858-61) und "Friedr. Schiller. Akade-
mische Festrede" (Lpz. 1860); ferner: "Kants Leben
und die Grundlagen feiner Lehre. Drei Vorträge"
i (Mannh. 1860), "Akademische Reden, 1. Joh. Gott-
lieb Fickte, 2. Die beiden Kantischen Schulen in
Jena" (Stuttg. 1862), "Lessings Nathan der Weise"
(ebd. 1864; 3.' Aufl. 1881), "Lessing als Reformator
der deutschen Litteratur" (2 Tle., ebd. 1881), "Goethes
Faust" lebd. 1878; 3. Aufl. 1802), "Baruch Spinozas
Leben und Charakter" (Heidelb. 1865), "Ehakspeares
Eharakterentwicklung Richards III." (ebd. 1868),
"Über die Entstehung und die Entwicklungsformen
des Witzes" (ebd. 1871; 2. Aufl., Lpz. 1889), "über
die menschliche Freiheit" (Heidelb. 1888), "Goethes
Iphigenie. Über die Erklärungsarten des Goethe-
! schen Faust. Goethes Tasso" (ebd. 1888 u. 1890),
"Schopenhauer; Leben, Charakter und Lehre"
z (cbd. 1892).
Fischer, Ludwig, Vassist, geb. 1745 zu Mainz,
wo er in der Kapelle des Kurfürsten wirkte, bis er
l 1767 in Mannbeim die Bühne betrat. 1778 kam
er nach München, von da 1779 ans Wiener Natio-
naltheater, 1783 nach Paris, 1784 nach Italien
und nalnn endlich 1785 ein Engagemcntsanerbieten
^ des Fürsten von Tlurn und Taxis an. Die Höhe
^ seines Ruhms erreichte er in Verlin, wohin er 1788
durch Vermittelung Reickardts an die Italienische
Oper gekommen war und wo er nun bis zu seiner
Pensionierung 1815 wirkte, besonders gefeiert als
^ Osmin,Osroes("^emiramis")undVrennus. Gast-
^ spiele führten ibn 1794 bis nach London. Aus den
Vartien, die Mozart für ihn geschrieben hat, läßt
sich der ungewöhnliche Nmfang seiner Stimme
! (I) bis ä) ermessen. F. starb 10. Juli 1825 in Ver-
lin. - Er war seit 1779 vermählt mit Barbara,
geborenen Strasser, geb. 1758 zu Mannheim, die
! daselbst 1772 debütierte, 1779 nach München kam
und nun ibrem Gatten auf seinen Zügen folgte.
1798 wurde sie pensioniert. Von den vier Kindern
dieser Ehe, die sämtlich zur Bühne gingen, sind als
tüchtige Sänger hervorzuheben Joseph (geb. 1780
! in Wien, gest. 9. Okt. 1862 in Mannheim) und
! Iosepha (geb. 1782 in Wien, gest. 1854 in Mann-
! heim), die sich nach ihrem Gatten Fischer-Ver-
! nier nannte und als außergewöhnlich begabte
dramat. Sängerin qalt.
Fischer, Ludw. von, Politiker, geb. 5. Okt. 1832
zu Sulzbach (Oberpfalz), studierte in Verlin und
München Rechtswissenschaft und arbeitete in Augs-
burg zuerst beim Kreis- und Stadtgericht, darauf bei
der Regierung von Schwaben und Neuburg. 1862
, wurde er zum zweiten, 1866 zum ersten Bürgermeister
i der Stadt Augsburg gewählt. Seit 1863 gehört F. der
! Zweiten Kammer des bayr. Landtags an und machte
sich 1867-69 als Referent des Socialgesetzgebungs-
Ausschusses für die Gesetzesvorlagen über Heimat-
wesen, Verehelichung, öffentliche Armen- und Kran-
kenpflege verdient. Er ist ein hervorragender Redner
und trat von Anfang an für das geeinigte Deutsch-
land unter Preußens Führung ein. Bei Ausdruck
des Krieges 1870 bekämpfte er den Neutralitäts-
antrag der Ultramoutanen, trat aber später ebenso
entschieden den Unitariern gegenüber für Bayerns
Selbständigkeit und die Reservatrechte ein. Dem
Reichstage gehörte F. 1871 - 73 als Vertreter
Augsburgs, 1884 - 90 für Geislingen-Mm an.