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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Fischhausen
Auktion direkt verkauft werden und deren Gewicht
nicht genau zu ermitteln ist. Vom Auslande be-
teiligt sich an der Einsendung von frischen Seefischen
vor allem Dänemark, dann aber auch die übrigen
skandmav. Länder sowie Holland und England.
Eine wichtige Rolle namentlich für die Altonaer
Fischauktion spielen die Störe mit ihrem geschätz-
ten Kaviar. Dieselben werden zum Teil auch von
den Ostseeküsten, namentlich von derDanziger Bucht,
während der Fangzeit regelmäßig an die großen
Fischauktionshallen der Nordseeküste, namentlich
nach Altona, gesandt. 1892 lieferte die Störftscherei
in der Elbe, Ems, im Wattenmeer und der Nordsee
insgesamt 4896 Stück. Die Hauptprodukte der O st -
seesischerei, als Plattfische (Schollen und Flun-
dern), Dorsch, Lachse, Aale, Hechte, Bars, Brassen,
Kaulbars, werden ohne Auktion in großen Mengen
ins Binnenland versandt, außerdem Lachse, Flun-
dern, Aale u. a., vielfach mariniert oder geräuchert.
Ein besonders wichtiger Artikel des F. sowohl an
der Nordsee- wie an der Ostseeküste ist vor allem
der Hering, der zum großen Teil frisch, zum an-
dern mit der verwandten Sprotte gemeinschaftlich
an der Küste zu allerlei Konserven verarbeitet, ma-
riniert, gebraten oder geräuchert ins Binnenland
verschickt wird. Die auf der Verarbeitung des He-
rings und der Sprotte beruhende Konservenfabrika-
tion und der Handel mit den Erzeugnissen derselben
steht an der ganzen Ostseeküste, namentlich in Schles-
wig-Holstein, Lübeck und Pommern in höchster
Blüte. Während die feinern Produkte diefer Fabri-
kation überall Eingang finden, werden die groheu
Massen namentlich an Brat- und Räucherware in
vielen Wagenladungen besonders nach den volk-
reichen Industriegegenden Sachsens und Thüringens
versandt. Da die deutsche Fischerei nicht zu allen
Jahreszeiten die Mengen von Heringen zu liefern
im stände ist, welche die obenerwähnten Fabriken
verarbeiten, so werden (während der kalten Jahres-
zeit) auch große Mengen Heringe aus Schweden
und Dänemark verarbeitet. Trotz der großen Lei-
stungsfähigkeit der deutschen Konservenfabrikation
sendet auch das Ausland noch große Mengen von
Räucherwaren. Holland hat nach den Angaben des
kaiserl. Statistischen Amtes (1891) beinahe 7 Mill.
Pfd. geräucherter Heringe nach Deutschland einge-
führt. Da an manchen Orten der deutschen Küste,
z. B. in der Elbmündung, noch viele Heringe und
Sprotten gefangen werden, ohne bis jetzt zu Kon-
serven verwendet zu werden, erscheint die Industrie
in Deutschland noch sehr entwicklungsfähig. So
werden in der Außenelbe jäbrlich riesige Mengen
junger Heringe gefangen (einschließlich Sprotten
1892: 8 750000'kx), welche fast nur als Dünger
Verwendung finden.
Ein von dem hier erwähnten ganz wesentlich ver-
schiedenes Feld hat der Handel mit gesalzenen
oder gepökelten Heringen. Trotzdem in Deutsch-
land an solcher Ware gewaltige Mengen (30 Mill. M.)
verzehrt werden, so ist die deutsche Fischerei doch
nur mit kaum 1 Proz. an der Produktion dieser
Ware beteiligt. Alle diese Millionen wandern also
ins Ausland, nach Holland, Schottland, Norwegen.
Die Einfuhr von dort an gesalzenen Heringen be-
trug 1889: 1217 389 t, 1890:1266 620 t, 1891:
1116 518 t. Die wichtigsten Einfuhrhäfen sind Ham-
burg, Stettin und Königsberg. Die Ursache für die
geringe Beteiligung Deutschlands an der sog. großen
Heringsfischerci, die das Material zum Salzen lie-
fert, ist darin zu suchen, daß diese Fischerei sich in
zu großer Entfernung von der deutschen Küste, näm-
lich einesteils vor der schottisch-englischen, andern-
teils vor der norweg. Küste abspielt, so daß die einzige
seit längerer Zeit in Deutschland bestehende größere
Heringsfischereigesellschaft in Emden, wohin jetzt
auch noch eine zweite Seesischereigesellschaft aus
den Niederlanden übergesiedelt ist, dem Auslande
gegenüber nicht konkurrenzfähig ist. Dennoch schei-
nen sich die Verhältnisse zu bessern; auch in Norden
und in Glückstadt ist man mit der Gründung von
Heringssischereigesellschaften vorgegangen, und
Veaefack wird folgen.
Aer Anteil der deutfchen Fifcherei am Fang der
Sardelle ist unbedeutend: der ganze Bedarf, der
sich auf 2/2-1 Mill. M. jährlich beziffert, wird durch
! die Einfuhr aus Holland gedeckt, an dessen Küsten,
namentlich im Zuidersee (abgesehen von den Mittel-
meerfischereien), der bedeutendste Sardellenfang statt-
findet. Auch der Bedarf Deutschlands an Stock-
fifch und Klippfisch ist nicht gering und bezifferte
sich (1891) auf 1084 t, die meist über Holland aus
Norwegen und Frankreich eingeführt wurden.
Die deutfche Einfuhr (Ausfuhr) an Fischen
über die Zollgrenze betrug 1893: 48527 (3603) t
frische Fische, 1182 (83) t Stockfisch, 3486 (930) t
gesalzene Fiscke in Fässern, 1111 (283) t gesalzene
Fische in Gläsern und Büchsen sowie Fische mit
Essig und Öl zubereitet. Die frischen Fische kommen
meist aus Schweden, Dänemark und den Niederlan-
den, die Stockfische meist aus den Niederlanden.
Der Handel mit Austern vollzieht sich meistens
durch direkten Versand nach den Konsumplätzen;
nur die sog. wilden Austern, die in der offenen
Nordfee von deutschen Fischern gefangen werden
und oft fälschlich unter dem Namen Helgoländer
Austern gehen, kommen gelegentlich zur Versteige-
rung. Austern und andere Muschel- oder Schaltiere
aus der See wurden eingeführt 1889:1394 t, 1890:
1622 t, 1891: 1192 t.
Die Hummern aus Norwegen und Helgoland
werden von dortigen Fifchern oder Händlern fast
immer an direkte Adressen vertauft und kommen
selten zur Versteigerung.
Berlin verbrauchte 1888: 20795 t Fische, d. i.
14,42 kF auf den Kopf der Bevölkerung. In andern
Großstädten, die, wie London, Neuyork, Peters-
burg, Paris, Rom, unmittelbar an oder in größerer
Nähe der See und außerdem noch an einem fisch-
reichen Strome liegen, ist der jährliche Verbrauch
viel höher. In London sollen nach Schätzungen 55,
in Paris 41 k^ Fische jährlich auf den Kopf entfallen.
Der F. ist in Deutschland geringer entwickelt als
in vielen andern Ländern; dies geht schon daraus
hervor, daß (vom Hering abgesehen) selbst in gut
bürgerlichen Kreisen (auch nicht längs der Küste)
Fischspeise mehr oder weniger als ein Lurusessen
angesehen wird, wenn auch das letzte Jahrzehnt in
der Verbilligung der Preise für Seefifche einen er-
freulichen Fortschritt geschaffen hat. Fluh- und Teick-
fifche haben dagegen ihre Preise behauptet, nur die
Forelle ist dank ihrer künstlichen Züchtung etwas
billiger geworden.
Fifchhausen. 1) Kreis im preuß. Reg.-Bez.
Königsberg, hat 1061,58 ykm, (1890) 51867 (25186
männl., 26681 weibl.) E., 2 Städte, 148 Landge-
meinden und 153 Gutsbezirke. - 2) Kreisstadt im
z Kreis F., 30 kin westlich von Königsberg, auf der
Abdachung gegen das Frische Haff, am Nordcnde