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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Flammen - Flammenblume
leuchtend, in ihm vollzieht sich, durch den Sauer-
stoff der umgebenden Luft, die letzte vollständige
Verbrennung der Dämpfe zu gasigen Produkten,
Kohlensäure und Wasserdampf, unter bedeutender
Wärmeentwicklung. Er besteht demnach in seinen
äußersten Schichten aus den glühenden gasförmi-
gen Produkten der Verbrennung. Der zur F. hin-
zutretende Sauerstoff wird in diesem äußern Man-
tel der F. so weit verbraucht, daß in der mittlern
Zone nur noch eine unvoll-
kommene Verbrennung erfolgen
kann. Dies kann man dadurch
beweisen, daß man ein Glas-
röhrchen mit einem Ende in
den innern Teil einer Kerzen-
flamme hineinhält. Am andern
Ende kann man die noch un-
verbrannten Gase entzünden (s.
beistehende Figur). Infolge der
durch letztere bewirkten sehr be-
trächtlichen Temperatursteige-
rung scheidet sich aus den Koh-
lenwasserstoffen Kohlenstoff in
feinster Verteilung, aber in
fester Form ab. Dieser wird zum Glühen erhitzt,
strahlt dabei Licht aus und wird dadurch Ursache
des Leuchtens der F. Allmählich aber mischt sich
auch den in der mittlern Zone befindlichen Gasen
und Kohlenpartikelchen beim Aufsteigen von außen
her fo viel Sauerstoff bei, daß vollständige Ver-
brennung derselben stattfindet und schließlich bis
in das Centrum der F. erfolgt. Der bellleuchtende
Teil endet dann in einer deutlichen Spitze.
Von dem Verhältnis der im Innern der F. ge-
bildeten Kohlenwasserstosfgase und des in den äu-
ßern Flammenmantel durch Diffusion eintretenden
Sauerstoffs ist die Intensität der Leuchtkraft der
F. bedingt. Fehlt es an Sauerstoff oder ist die Ent-
wicklung der Kohlenwasserstoffe im Innern der F.
so lebhaft, daß den Kohlenstoffteilchen im Flammen-
mantel nicht genug Sauerstoff zugeführt werden kann,
um eine vollständige Verbrennung zu ermöglichen,
so wird die F. nicht allein wenig Licht geben, sondern
es werden unverbrannte Kohlenstoffteilchen aus der
F. unter Verbreitung von Ruß entweichen. Wird
aber einer solchen rußenden F. mehr Sauerstoff
zugeführt, so brennt sie dann unter Verbreitung
eines weißen strahlenden Lichtes. Solch eine ru-
hende F. bildet das Petroleum beim Entzünden
der Lampe, das Rußen verschwindet in dem Augen-
blick, wo durch das Aufsetzen des Cylinders ein
kräftiger Zug rings um die F. entsteht und mehr
Sauerstoff an den Flammenmantel gelangt.
Eine weitere Ursache der Nuftbildung wird durch
jede Abkühlung der F. gegeben. Bringt man in
eine hellleuchtcnde F. einen kalten Gegenstand von
gutem Wärmeleitungsvermögen, so wird dadurch
der F. so viel Wärme entzogen, daß der Kohlen-
stoff nur noch teilweife zum schwachen Glühen kommt,
teilweise unverbrannt aus der F. entweicht. Eine
solche Abkühlung der F. erfolgt z. B. in unsern
Feuerungen bei jedesmaligem Aufschütten von fri-
schem, kaltem Brennmaterial.
Da das Leuchten der F. durch den glühenden
Kohlenstoff bedingt ist, so werden solche brennbare
Gase, die keinen Kohlenstoff abscheiden können,
auch keine leuchtende F. geben. Entzündet man
z. V. Kohlenoxydgas oder Wasserstoff, so brennen
sie mit kaum wahrnehmbarer bläulicher F. Diese
nicht leuchtende F. wird aber sofort leuchtend, wenn
feste nicht schmelzende Substanzen, z. B. Kalk bei
Knallgasflamme, in ihr zum Glühen erhitzt oder ihr
kohlenstoffreiche Dämpfe zugemischt werden. So
liefert Wasserstoffgas eine F. von hoher Leuchtkraft,
wenn es durch ein Gefäß geleitet wird, das Benzol
enthält. Wenn andererseits ein mit leuchtender F.
brennendes Gas, wie z. B. Leuchtgas, vor seiner
Entzündung mit Luft gemifcht wird, wie dies im
Bunfenbrenner (s. Gasheizungsvorrichtungen) er-
folgt, fo ist die Leuchtkraft vernichtet, die F.
erscheint ähnlich wie eine Wasserstosfflamme, ent-
wickelt aber eine größere Menge von Wärme als
ohne die Luftzufuhr. Das Nichtleuchten der F. ist
hier bedingt durch die sofortige Oxydation des
Kohlenstoffs, dem durch die räumliche Annäherung
der Sauerstoffmoleküle nicht Zeit gelassen wird, in
glühendem Zustande in der F. zu schweben. - über
schallempfindliche, sensitive, singende F.
s. Harmonika, chemische.
Flammen oder Flammieren, gewebten
Stoffen ein geflammtes Muster geben, s. Chinierte
Stoffe; auch eine Art der Garnfärberei, bei der die
Garnstränge mit Knoten versehen und so ausgefärbt
werden, wodurch die das Innere des Knotens bilden-
den Teile ungefärbt bleiben.
Flammenblume (riilox !>.), Pflanzengattung
aus der Familie der Polemoniaceen (s. d.). Es sind
gegen 30, in Nordamerika und Ostasten einheimische
Arten bekannt, der Mehrzahl nach harte und ein-
jährige Stauden mit regelmäßigen weißen, rosen-
roten oder purpurnen, oft in Rispen oder dolden-
förmigen Trugdolden gesammelten Blumen. Meh-
rere der hierher gehörigen Arten wurden schon seit
der Mitte des 18. Jahrh, in die europ. Gärten ein-
geführt und gehören zu den beliebtesten Zierge-
wächsen. Durch langjährige Kultur haben sie an
Schönheit gewonnen und viele Farbenvarieta'ten
und Blendlinge erzeugt.
Die bedeutendern unter den ausdauernden F.
sind ?k1ox maoulata ^v., Mniculatk ^. und acn-
minata 1^7-5/5., welche aber durch die aus ihnen
entstandenenzahlreichenVlendlinge(?1il0x1i^I)i-iclH)
fast aus den Gärten verdrängt worden sind. Letz-
tere bilden mit ihren mehr oder weniger zahlreichen
und verästelten Stengeln laubreiche Büsche von ver-
schiedener Höhe (40 cm bis 1 m) mit mehr oder
weniger großen und dichten Blütenrispen, welche
bei manchen Sorten schon Ende Juni, bei andern
erst im September, bei den meisten im Juli und
August erscheinen. Die Blumen sind bald wohl-
riechend, bald geruchlos und in die schönsten Farben
gekleidet, welche durch Rosa, Lila und Violett die
ganze Farbenskala vom reinsten Weiß bis zum
dunkelsten Rot und Purpur durchlaufen; auch sind
sie häusig durch ein helleres oder dunkleres Auge
oder einen Stern in der Mitte oder durch Streifen
verziert. Die wertvollsten Spielarten verdankt man
franz. Blumenzüchtern. Sie eignen sich alle zur Be-
pflanzung von Rabatten und Gebüschrändern und
lieben düngerreichen feuchten Boden. Andere bilden
dicht über dem Boden einen Laudteppich, der sich
bald im Frühjahr, bald im Sommer mit rosen- oder
purpurroten, oft gesternten Blumen bedeckt, wie
?k1ox V61'UH H^)., 8udu1lltH ^)., 86tac6H ^). u. a.
Aus diesen Arten lassen sich reizende Vlumenteppiche
bilden, weshalb sie auch meist zur Bepflanzung von
Teppichbeeten oder zu Einfassungen benutzt werden.
Die einjährige ?b1ox vi-ummouäi Äoo/c. ist eine