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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Flaschenzug

Fig. 2.

nebeneinander auf einer gemeinschaftlichen Achse lose drehbar; weniger Verwendung findet die von White angegebene Anordnung, bei welcher die Rollen fest auf den Achsen sitzen und letztere in Lagern laufen. Man unterscheidet nach dem Organ, welches die Flaschen miteinander verbindet, Seil- und Kettenflaschenzüge. Erstere werden für Lasten bis zu 10000 kg, letztere (sechsrollig) für Lasten bis zu 30000 kg ausgeführt. Ketten wirken im ganzen vorteilhafter als Seile, und zwar ist der Wirkungsgrad derselben nicht abhängig von der Kettenstärke, während bei Anwendung von Seilen mit Zunahme der Seildicke der Wirkungsgrad verringert wird, wie auch eine Vermehrung der Rollenzahl ungünstigen Einfluß auf denselben hat. Wenn die Rollen, wie dies in den nachstehenden Fig. 1 u. 2 veranschaulicht ist, untereinander angeordnet sind, nennt man die Apparate auch wohl Rollenzüge; doch sind diese in der gezeichneten Weise, mit Rollen von verschiedener Größe, wegen des unvermeidlichen Gleitens auf dem Umfang der kleinsten Rollen und wegen der sehr bedeutenden passiven Widerstände nur von geringem praktischem Wert.

Bei dem in Fig. 1 gezeichneten F. ist das Seil mit der festen Flasche a verbunden, und es enthält in diesem Fall die lose Flasche b die gleiche Anzahl Rollen. Dieselben Bezeichnungen gelten auch für den in Fig. 2 abgebildeten F.; nur hat hier, da das Seil an der beweglichen Flasche befestigt ist, die letztere eine Rolle weniger. Fig. 3 stellt einen Kastenflaschenzug mit nebeneinander liegenden, gleich großen und losen Rollen dar. Die Flaschen des Kastenflaschenzugs erhalten je eine bis vier, selten mehr Rollen. Wenn das Seil, wie in Fig. 3, an der untern losen Flasche b befestigt ist, erhält die obere feste Flasche a eine Rolle weniger.

Umstehende Fig. 4 zeigt einen 1861 von Weston erfundenen und von Ransome zuerst ausgeführten F.(sog. Differentialflaschenzug), bei dem der Vorteil einer bedeutenden Kraftübertragung erreicht wird, ohne daß derselbe den Nachteil einer zu großen Reibung besitzt. Dieser Differentialflaschenzug, der sich ungemein rasch eingebürgert hat und im Maschinenbau fast noch allein zur Verwendung kommt, besteht, wie ersichtlich, aus zwei Flaschen. Die eine derselben c ist beweglich und enthält nur eine lose Kettenrolle, die zur Aufnahme und richtigen Führung der Lastkette mit einer ringsherum laufenden Nut (Spur) versehen ist; die zweite, feste Flasche, mittels deren Gehänge der ganze Apparat fixiert wird, enthält zwei verschieden große, aus einem Stück hergestellte Kettenrollen a und b, deren Durchmesser nach der Ausführung von Ransome im Verhältnis von 11:10 stehen. Diese Doppelrolle sitzt lose auf einer Achse, die in dem Gehänge der festen Flasche gelagert ist. An ihrem Umfang sind die Rollen mit Spuren versehen, welche der Form der Kettenglieder derart angepaßt sind, daß die letztern in den Spuren gleichsam gebettet erscheinen und ein Gleiten derselben auf dem Rollenumfang unmöglich gemacht ist. Die Kette ist endlos und es werden die von der Rolle in der beweglichen Flasche ablaufenden Stränge je über eine Rolle der festen Flasche gelegt, so daß eine freie Kettenschlinge entsteht, von der der eine oder andere Strang zum Zweck der Hebung oder Senkung der Last bewegt oder gezogen werden muß.

Die Westonschen Differentialflaschenzüge werden in ihrer Originalausführung zur Hebung von Lasten von 250 bis 3000 kg benutzt. Für die Förderung von Lasten von über 2000 kg werden dieselben auch mit einem besondern Seilzugrad ausgestattet, wodurch eine bedeutend größere Kraftumsetzung erreicht wird. Tangye hat mit Erfolg versucht, durch Einschaltung seines Patentgetriebes den Westonschen Differentialflaschenzug zur Förderung von Lasten bis zu 6000 kg brauchbar zu machen. Bei dieser Ausführung sitzt das Seilrad auf einer kleinen Vorgelegewelle, welche ein Stirngetriebe trägt, das wieder in ein mit der größern der beiden Rollen der festen Flasche aus einem Stück hergestelltes Rad mit innerer Verzahnung eingreift.

Außer diesem Differentialflaschenzug finden in der Technik noch eine ganze Reihe ähnlicher Konstruktionen Verwendung, denen allen, wie dem Westonschen, der Vorteil eigen ist, daß die Last in jeder Höhe hängend selbstthätig gehemmt wird und somit einem Hinabsinken derselben beim Loslassen des Zugseils wirksam vorgebeugt wird.

Zu erwähnen ist hier noch Eades Differentialflaschenzug, bei welchem die Kraftumsetzung mittels eines innen verzahnten Rades erfolgt, in welchem sich ein zweites, mit der Lastrolle fest verbundenes Zahnrad dreht. Enthält, wie es meistens der Fall ist, das innere Rad 30 und der innen verzahnte Radkranz 31 Zähne, so entsprechen 31 Umdrehungen der Welle, oder der Seilrolle, erst einer solchen der Lastrolle und es findet mithin eine Kraftumsetzung von 1:31 statt, d. h. eine am Zugseil wirkende Kraft von 1 Ctr. vermag 31 Ctr. zu heben, wobei der Weg, den das Zugseil zurückzulegen hat, 31mal so groß ist wie die Höhe, auf welche die Last zu heben ist. Ferner sind noch zu erwähnen der Schraubenflaschenzug, der durch die Anwendung der Schraube ohne Ende und eines Schraubenrades zum Betriebe der Rolle in der festen Flasche charakteristisch ist, und der Archimedische F., bei welchem keine Kettenrollen, sondern Windetrommeln zur Aufnahme der Kette dienen.

^[Abb. Fig. 1.]

^[Abb. Fig. 2.]

^[Abb. Fig. 3.]

^[Abb. Fig. 4.]