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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Fleur d'Iva - Fleury
im Arrondisfemcnt Lectoure des franz. Depart.
Gers, links am Gers, an der Linie Agen-Tarbes
der Südbahn, hat (1891) 4282 E., Baumwollfpin-
nerei, Sägemühlen, Handel mit Handschuhen, Ge-
treide und Branntwein.
I'isnr ü'Iva. (fpr.flöhr), ein Tafelliqueur, s. Iva.
I'iorlrst (frz., fpr. flörch), Florett (s. d.); auch
Florettfeide (f. Seide).
Fleuretten (frz., fpr. stör-, "Blümchen"), galante
Schmeichelei; musikalifche Lieblingsgedanken eines
Komponisten.
Fleurier (spr. flörieh), Flecken im Bezirk Tra-
versthal des schweiz. Kantons Neuenburg, 28 1cm
füdweftlich von Neuenburq, in 748 in Höhe, auf der
rechten Seite des Traversthals, hat (1888) 3329
meist franz. fprechende E. (150 Deutsche), darunter
339 Katholiken, Post, Telegraph, 2 evang., 1 kath.
Kirche, Sekundärschule, Uhrmacherschule, Biblio-
thek; Ackerbau, Viehzucht, bedeutende Uhrmachcrei,
Spitzenklöppelei und Fabrikation des als "Nxtiait
ä'^d87Mii6" bekannten Wermutliqucurs.
Fleurist (frz. Ü6uri8t6, fpr. flörist), f. Florist.
I^ioiiron (frz., fpr. flöröng), Vlumenwerk, Vlu-
menzierat; Buchdruckerstock, Vignette.
Fleurus (spr. flörüh; früher auch Fleury ge-
fchrieben), Ort in der belg. Provinz Hennegau,
3 km im N. von der Sambre, an der Straße von
Charleroi nach Namur, an den Linien Tamines-F.-
Landen und Nivelles-F. der Etaatsbahncn und
Löwen-Charlcroi des Grand-Central-Velge, hat
(1891) 5372 E., Woll- und Baumwollweberei sowie
Kohlenbergwerke. - Bei F. schlugen sich 29. Aug.
1622 Christian von Braunschwcig und Ernst von
Mansfeld mit fchweren Verlusten durch die Spanier
unter Cordova zu den Holländern durch. - Am
1. Juli 1690 wurden die Spanier, Holländer und die
deutfchen Neichstruppen (37000 Mann) bei F. von
45000 Franzosen unter den: Marschall von Luxcm-
bourg in der Front, nach Umgehung ihres linken
Flügels auch im Rücken angegriffen und zum Rückzug
gezwungen, den die überlegene franz. Reiterei bald
in Flucht verwandelte. Die Verbündeten verloren
6000 Tote, 5000 Verwundete, 8000 Gefangene, die
Franzofen 4-6000 Mann. - Am 26. Juni 1794
standen hier 73 000 Franzofcn unter Jourdan den
Österreichern, die nur 45800 Maun stark waren,
unter dem Prinzen Josias von Sachsen-Coburg
gegenüber. Die Österreicher gingen in fünf Kolon-
nen vor und warfen die Franzofen trotz ihrer großen
Überlegenheit überall zurück. Erzherzog Karl er-
oberte F., dann wurde Heppignics genommen. Um
2 Uhr traten jedoch die Verbündeten den Rück-
zug an, weil die bestimmte Meldung eintraf, daß
Charleroi bereits 25. Juni kapituliert habe. Damit
waren die Niederlande in die Hände der republika-
nischen Heere gegeben. - Nach der Schlacht von
Belle-Alliance 1815 wurde F. von den Franzosen
in Brand gesteckt. In der Nähe liegt Ligny (s. d.).
Fleury (spr. flörih; lat. I^ioriacuin), Venedit-
tinerabtci im franz. Depart. Loirct, an der Loire,
unweit Sully, wurde um 640 gegründet und er-
langte, nachdem 653 die Gebeine des heil. Veneditt
hierher gebracht worden waren, große Berühmtheit.
Großen Ruf hatte die vom heil. Odo von Cluny
gcgrüudete Kloftcrfchulc von F. 1562 wurde F. von
den Hugenotten zerstört, wobei die reiche Bibliothek
zu Grunde ging. - F., belg. Ort, f. Fleurus.
Flcury (spr. flörih), Andre Hercule dc, Kardinal
und Premierminister Ludwigs XV., geb. 1653 zu
Lodeve in Languedoc, lebte als Geistlicher am Hofe
Ludwigs XIV., der ihm 1698 das Bistum Fröjus
erteilte und ihn testamentarisch (1715) zum Lebrcr
seines Enkels, des nachmaligen Königs Ludwig XV.
bestimmte. Auf dicfen übte der feine und kluge
Mann einen tiefen Einfluß aus. F. wurde 1726
Kardinal und in demselben Jahr durch Ludwig XV.
an die Spitze des Ministeriums gestellt. Seitdem
leitete der bereits 73jährige Greis bis zu feinem
Tode die Angelegenheiten seines Vaterlandes, an-
fangs mit großem Glück. Der Polnische Thron-
folgekrieg brachte Frankreich 1738 Lothringen ein;
die Teilnahme am Österreichischen Erdfolgelriege
(1740 - 48) überstieg jedoch F.s Kräfte: unter
Mißerfolgen starb F. 29. Jan. 1744 an Alters-
schwäche, auch politisch überlebt. Im Innern führte
er die Dinge im Stil Ludwigs XIV. weiter, dem
er seiner Bildung nach zuneigte; das brachte ihn in
stete Kämpfe mit dem Parlament; feine Verwaltung
war absolutistisch und ist durch die Durchbildung
der Intenoantenvcrwaltung bezeichnet. F. schuf der
Nation durch Sparsamkeit und Ruhe materielles
Aufblühen; das Recht (s. Daguesseau) wurde weiter
gebildet. Im übrigen blieben die notwendigen Re-
formen unausgeführt. - Vgl. Iobez, 1.^ Francs
80U31.01118 XV, Bd. 2 u. 3 (Par. 1865-66); Ver-
laque, IIi8t0ii'6 än clu'äiukl K (ebd. 1879).
Fleury (fpr. flörih), Claude, franz. Kirchen-
Historiker, geb. 6. Dez. 1640 zu Paris, wurde in
dein Iesuitenkollcgium zu Clermont gebildet, dann
Rechtsgelehrter, entschied sich aber später für den
geistlichen Stand und übernahm 1672 als Unterprä-
ceptor die Erziehung der Prinzen von Conti, die mit
dem Dauphin unterrichtet wurden. Später über-
trug ihm Ludwig XlV. die Erziehung feines natür-
lichen Sohns, des Grafen von Vermandois, und
machte ihn 1684 zum Abt des Cistercicnserklostcrs Loc-
Dieu, 1689 zum zweiten Hofmeister feiner Enkel, der
Prinzen von Vourgogne, Anjou und Berry. Später
wurde er Prior von Argcnteuil. Er war 1716-22
Beichtvater Ludwig XV. und starb 14. Juli 1723.
Unter F.s Schriften find zu erwähnen: "^Iwni-3 ä68
l8i'H6iit03" (Par. 1681), "Nwni'3 äs3 Oki-etionä"
(ebd. 1682; ueue Aufl., 3Bde., ebd. 1802), "In3ti-
tution an clroit 6ecI63ia3ti(inL" (2 Bde., ebd. 1687)
und die durch Einfachheit der Darstellung und
Sprache ausgezeichnete "IIi8wir6 6ceI63M3ti(iu6"
(20 Bde., ebd. 1691 fg.), die bis 1414 reicht und von
I. Cl. Fabre (16 Bde., ebd. 1726 fg.) und dann
von A. Lacroix bis 1778 fortgcfetzt wurde. Eine
lat. Übersetzung des Werkes mit den Fortsetzungen
erschien zu Augsburg (85 Bde., 1768 - 93), eine
deutsche zu Rostock (14 Bde., 1751-76). Der
"^dreFä äs 1'Iii3t0ii'6 Lcel63ia3ti(in6 äs ^." (2 Bde.,
Bern 1766) wird Friedrich d. Gr. zugeschrieben.
Nach F.s Tode erschienen die "Di3coui'8 3ui- 163
1ideit63 ä6 1'6M86 ^HiccTrio" (Par. 1724 u. ö.).
Mehrere der Schriften kamen auf den Index; die
Kirchengefchichte zwar nicht, jedoch wurde ihre ital.
Überfetzung römifcherfeits verbindcrt und für eine
Bearbeitung imkurialistifchen Sinn Sorge getragen.
- Vgl.Hefele, Der Kirchenhistoriker F. (in den "Bei-
trägen zur Kirchengefchichte", 2 Bde., Tüb. 1864).
Flcury (fpr. flörih), Emile Felix, franz. General
und Diplomat, geb. 23. Dez. 1815 zu Paris, trat
1837 in das damals neu errichtete Korps dcr Spahis
in Algerien cin. Seine Tapferkeit und glänzende
Führung verfchafften ihm eine schnelle Beförderung;
er wurde schon 1844 Kapitän und kehrte Juli 1848