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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Florentiner Konzil; Florentiner Quartett; Florentinerlack; Florentini; Florentius Radewins; Florenz

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Florentiner Konzil - Florenz

Florentiner Konzil, s. Ferrara-Florenzer Konzil.

Florentinerlack, s. Karminlack.

Florentiner Quartett, s. Becker, Jean.

Florentini, ein dem Landsknecht ähnliches Hasardspiel mit 52 oder 32 Karten, das besonders in Neapel gespielt wird.

Florentius Radewins, s. Brüder des gemeinsamen Lebens.

Florenz. 1) Provinz im Königreich Italien, in der Landschaft Toscana, grenzt im N. an die Provinzen Modena, Bologna und Ravenna, im O. an Forli, Pesaro und Arezzo, im S. an Siena und Arezzo, im W. an Pisa und Lucca, hat 5873,54 (nach Strelbitskij 5799) qkm, (1881) 790770 (nach Berechnung 31. Dez. 1892: 817980) E., d. i. 138 E. auf 1 qkm, und zerfällt in die 4 Kreise F. (524998 E.), Pistoja (103790 E.), Rocca San Casciano (47250 E.) und San Miniato (114732 E.) mit zusammen 74 Gemeinden. Die Provinz umfaßt das mittlere Gebiet des Arno nebst den Thälern seiner Nebenflüsse (Sieve, Bisenzio, Ombrone, Pesa und Elsa) und wird im N. vom Apennin durchzogen, der im Corno alle Scale (Distrikt von Pistoja) 1939, im Cupolino (Distrikt von F.) 1848 m Höhe erreicht. Besonders im südl. Teile wird Getreide, Wein und Öl sowie Seide gewonnen und Schafzucht betrieben. Die Provinz hat mehrere Mineralquellen und zahlreiche gute Straßen; die Eisenbahnen berühren die Hauptstadt F. (s. S. 914 b fg.).

2) F., ital. Firenze, früher Fiorenza; lat. Florentia, d . h. die Blumenstadt, Hauptstadt der Provinz F., bis zum Jahre 1859 die des Großherzogtums Toscana, von 1865 bis 1871 die des Königreichs Italien, liegt 43° 46' nördl. Br. und 11° 17' östl. L. von Greenwich, durchschnittlich in 51,8 m Höhe, in einem reizenden Thale zu beiden Seiten des Arno, der hier, zwischen zwei Wehren (pescaje) eingedämmt und von Quais eingefaßt, 120-160 m breit ist und die Stadt in zwei Teile teilt, von denen der größere nördlich des Arno von den Ausläufern der Apenninen umgeben ist, deren höchster sichtbarer Gipfel, der Monte-Morello (934 m), im N. sich erhebt. F. ist neben Mailand und Turin die reinlichste Großstadt Italiens und Sitz einer zahlreichen Fremdenkolonie. Bei dem häufigen Temperaturwechsel ist Brustkranken der längere Aufenthalt zu widerraten; im übrigen jedoch sind die Gesundheitsverhältnisse im großen und ganzen günstig. Die Mitteltemperatur beträgt im Januar 5°, im Juli 25,1°, im Jahr 14,6° C. Eine Hochquellenleitung ist projektiert. (Hierzu ein Stadtplan und ein Situationsplan.)

Bevölkerung. F. hat (1881) 169001 E.; hiervon kommen auf die Innenstadt (F. centrale) 134992, auf das Nordviertel 15658 und auf das Südviertel 18351 E. Nach einer Berechnung hatte F. im Dez. 1892: 197500 E. In Garnison liegen das 67. und 68. Infanterieregiment, das 9. Bersaglieriregiment, das 8. Kavallerie-, ein Feldartillerie- und das 3. Genieregiment.

Anlage, Straßen, Brücken. Die Stadt, eine der schönsten und interessantesten Italiens, mit dem Beinamen "la bella" ("die Schöne"), und wegen ihrer hohen Bedeutung für ital. Sprache, Litteratur und vor allem für die bildenden Künste das "ital. Athen" genannt, ist infolge des Abbruchs (seit 1859) der fast 10 km langen Ringmauer (1285-1388 erbaut) bedeutend erweitert und verschönert worden. Von den neun Stadtthoren, welche erhalten sind, sind zu erwähnen Porta alla Croce (1330 erbaut), Porta San Gallo (1284) mit Fresken von Ghirlandajo, Porta Romana (1328 von Jacopo Orcagna erbaut), Porta San Frediano (1324) und Porta San Miniato.

Zwei Citadellen, die kleinere, Belvedere, südlich am höchsten Punkte, die größere, Forte di San Giovanni Battista oder Fortezza da Basso, am entgegengesetzten Nordende, dienen gegenwärtig mehr zum Schmuck als zur Verteidigung.

Die zum Teil sehr engen und durch die vorspringenden Dächer der Häuser dunkeln Straßen, seit 1237 mit Ziegeln, später aber mit Steinplatten gepflastert, sind vielfach verbreitert worden. So ist die früher sehr enge Via dei Martelli nach Niederlegung der alten Häuser mit großen neuen Bauten geschmückt und bildet eine der schönen Via Cavour entsprechende Ausmündung nach dem Domplatze. Ferner ist 1892 ein an der Via Strozzi und der Via Vecchietti belegcenes altes Häuserviertel abgetragen worden, um neu bebaut zu werden.

An Stelle der frühern Befestigungen umschließt eine breite Ringstraße (Viale dei colli) die nördlich des Arno gelegene Stadt, in welcher sich auch die neuen Stadtteile westlich bis zu den Cascinen (s. S. 915 a) ausdehnen, und setzt sich zum Teil auf dem linken Flußufer fort. Die schönsten Straßen sind: die Via dei Calzajoli im Mittelpunkte der Stadt zwischen dem Domplatz und der Piazza della Signoria, der Brennpunkt des florentin. Lebens; die Via Tornabuoni, die Via Cavour (früher Via Larga), die breiteste von allen, mit schönen Palästen; die Via Cerretani, Porta Rossa, Via Maggio und die sich auf beiden Zeiten des Flusses entlang ziehenden Quais, der sog. Lungarno.

Der Verkehr über den Fluß wird durch sechs Brücken vermittelt, deren älteste Ponte alle Grazie, auch nach dem Podesta Rubaconte genannt, 1237 erbaut wurde. Der dreibogige Ponte Vecchio aus röm. Zeit, mit den Buden der Goldschmiede, wurde nach mehrfacher Zerstörung 1362 von Taddeo Gaddi, der Ponte Santa Trinità (1252) nach 1467 durch Bart. Ammanati wieder aufgebaut, der Ponte alla Carraja, 1218-20 erbaut und 1333 durch Überschwemmung zerstört, ist 1337 wieder hergestellt und 1559 auf Befehl Cosimos I. durch Ammanati erneuert worden; ferner sind in neuerer Zeit an beiden Enden der Stadt Eisendrahtbrücken errichtet worden.

Plätze und Denkmäler. Von den 23 bedeutendern öffentlichen Plätzen sind zu nennen: die Piazza dell' Indipendenza, in dem neu angelegten nordwestl. Stadtviertel, der größte und regelmäßigste Platz, aber ohne allen architektonischen Charakter; die Piazza della Signoria, Mittelpunkt des städtischen Lebens und an Kunstwerken am reichsten, mit dem Palazzo Vecchio und der Loggia dei Lanzi, war in ihrer jetzigen Gestalt seit dem 14. Jahrh. Schauplatz von Volksversammlungen, Festen und Kämpfen; Savonarola und die beiden Dominikaner wurden 1498 hier verbrannt. Hier stand von 1504 bis 1873 das Kolossalstandbild Davids von Michelangelo (jetzt im Kuppelsaal der Akademie), ferner stehen hier: der Hercules, der den Cacus erschlägt, von Bandinelli; ein großer Brunnen mit Neptun und Tritonen von Ammanati und Bronzofiguren von Schülern des Giov. da Bo-^[folgende Seite]