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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Flüchtigkeit - Fluessen-Meer
Flüchtigkeit, die Eigenschaft mancher festen und
vieler flüssigen Körper, schon bei niederer Tempe-
ratur die Vamps- oder Gasform annehmen zu
tonnen; bierher gehören z. V. Moschus, Dampfer,
Wasser, Alkohol, Schwefeläther u. v. a. Viele der
flüchtigen Körper verraten sich durch den Geruch.
(S. Verdunstung.)
Fluchtlinie, s. Bauflucht. ^'pektive.
Fluchtpunkte, f. Fluchtpunktschienen und Per-
Fluchtpunktschienen, Hilfsmittel, welche das
Herstellen von perspektivischen Zeichnungen erleich-
tern, indem sie das Zeichnen von Linien ermög-
lichen, welche nach außerhalb der Zeichenflächc lie-
genden Fluchtpunkten (f. Perspektive) gerichtet ^
sind, ohne das; man, wie gewöhnlich, dieser Punkte ,
selbst bei dem Zeichnen jeder einzelnen Linie bedarf.
Die vom Maler Streckfuß nach einer ältern Er-
findung konstruierte Schiene besteht aus drei um
einen gemeinsamen Mittelpunkt drehbaren Linealen,
welche unter Berücksichtigung der Regel der Perspek-
tive nach den betreffenden Fluchtpunkten eingestellt
und gerichtet werden. Bei Eckansichten hat man
deren zwei nötig, eine für rechts, eine für linkc>
liegende Fluchtpunkte. Von L. Schilpmann ist eine
Linderung an dieser Schiene vorgenommen, welche
dieselbe billiger macht und es ermöglicht, daß man
dieselbe Schiene beiderseitig gebrauchen kann. Nack
andern Principien konstruierte schienen sind die
rahmenartigcn von von Niedcrstettcr und Ernst Otto
und der sehr exakt gearbeitete Apparat von Kranz.
Fluchtröhre, in der Jägersprache eine einfache
Röhre, die von Dächsen und Füchsen, entfernt vom
Hauptbau, für den Notfall ausgeführt wird.
Fluchtverdacht, s. Flucht.
Fluchtversuchs Nach z. 110 der Deutschen und
§. 188 der Ostcrr. Strafprozeßordnung ist Fesselung
eines Verhafteten gestattet, wenn derfclbe einen Ent-
wcichungsversuch gemacht oder vorbereitet hat.
FV^ek., bei naturwissenschaftlichen Benennun-
gen Abkürzung für Friedr. Aug. Ilückiger (s. d.).
Fluckheringe, s. Sprotte.
Flückiger, Friedr. Aug., Pharmakognost, geb.
15. Mai 1828 zu Langenthal in der Schweiz, stu-
dierte in Berlin, Bern, Heidelberg und Paris,
war praktischer Apotheker in Burgdorf bei Bern,
dann Direktor der Staatsapotheke zu Bern und
Präsident des Schweizerischen Apothetervercins,
in dessen Auftrage er sich an der Herausgabe der
ersten und zweiten Ausgabe der "I^ln-inacoiwea
Ilolvotica" beteiligte. 1861 habilitierte er sich als
Docent der Pharmakognosie an der Universität
Bern, wurde 1870 zum außerord. Professor er-
nannt, folgte 1873 einem Rufe als ord. Professor
und Direktor des Pharmaceutischen Instituts an der
Universität Etraßburg und wurde 1881 und 1888
in die Kommission zur Bearbeitung der "?iiai'ma-
copoea, (^ei'inHiiic^" bcrusen. 1892 ist er in den
Ruhestand getreten. F. veröffentlichte: "Lehrbuch der
Pharmakognosie des Pflanzenreichs" (Berl. 1867;
3. Aufl. 1891), "Grundlagen der pharmaceutischen
Warenkunde" .(ebd. 1873; 2.mitTschirch bearbeitete
Aufl. u. d. T.:' "Grundlagen der Pharmatognosie",
ebd. 1885), mit Hanbury: "i^iiai-lNÄco^i-a^Iiia, a
liiätoi^ ol t1i6 Principal äi'u^8 ol V6^6tadi6 ori^in
mot ^vitli in ^li'Lat Li'itaw lmä I^i'itisli Inäia" (Lond.
1874; 2. Aufl. 1879), "Pharmaceutische Chemie"
(2Bde., Verl. 1878; 2.Aufl., ebd. 1888), "Die China-
rinden" (ebd. 1883), "Grundriß derPharmakognosie"
(ebd. 1881; 2. Aufl., ebd. 1.^94), "Reaktionen. Eine
Auswahl in pharmaceutischerHinsicht wichtigerPrä-
parate der organischen Chemie in ihrem Verhalten
zu den gebräuchlichsten Reagentien" (ebd. 1892).
Fludd (spr. flödd), Robert (lat. Noderws äs
^wctiduz), engl. Philosoph, geb. 1574 zu MilMe
in Kent, studierte in Oxford Medizin und Philo-
sophie und knüpfte auf feinen Reifen auf dem Kon-
tinent mit den Nosenkreuzern und Kabbalisten Ver-
bindungen an. Er starb als praktischer Arzt in Lon-
don 1637. F. war Anhänger des Theophrastus
Paracelsus, dessen Philosophie und Alchimie er in
die vornehmen Kreise Englands einführte, doch hat
auch Nikolaus von Cufa stark auf ihn eingewirkt.
Seine bedeutendsten Werke sind: "IItriu8(iu6 cosini,
ma^ 0li3 6t miuorig, metHpIi^ica, ^n^ica. atc^us
tecQnicli In3wi'ili" (Oppenheim 1617), "1^iii080i)1iiH
M03!ncll" (Gouda 1638).
Fluder, s. Fluther.
Flüe, Nikol. von der, eigentlich Löwenbrug-
ger, der Landcspatron der schweiz. Urkantone, als
Einsiedler Bruder Klaus, wurde 1417 in der Ge-
meinde sächseln des Kantons Unterwalden ob dem
Wald geboren. 1467 zog er sich in die Felswildnis
des Ransts am Eingänge des Melchthals zurück,
wo er, vom Volke hoch verehrt, bis zu seinem Tode
1487 als Einsiedler in strengster Enthaltsamkeit
lebte. Als nach den Vurgunderkriegen ein Bürger-
krieg auszubrcchen drohte, brachte er auf der erreg-
ten Tagsatzung zu Staus vom 22. Dez. 1481 durch
seinen versöbnenden Rat volle Einigung zu stände.
Nach seinem Tode wurde er Mittelpunkt eines gan-
zen Legendenkreises. Zwar wurde er von Clemens X.
1671 selig gesprochen, und 1732 wurden seine Ge-
beine feierlich bei dem Altar der Kirche zu Sächseln
beigesetzt, aber eine formelle Heiligsprechung war
vom Päpstl. Stuhle nicht zu erlangen. - Vgl. Ming,
Der selige Eremit Nikolaus von F. (3 Bde., Luzern.
1861-71); Rochholz, Die Schweizerlegende vom
Bruder Klaus von F. (Aarau 1874); Niggenbach,
Nikolaus von F. und der Tag von Stans (Bas.
1882); Segcsser, Beiträge zur Geschichte des Stan-
ser Verkommnisses (2. Aufl., Bern 1877).
Flüela, Paß der Scalettagruppein den Silvretta-
Alpcn <f. Ostalpen) auf der Wasserscheide zwischen,
dem Landwasser (Rhein) und dem Inn. Die F.
verbindet das Tavos mit dem Unterengadin. Die
1866 und 1867 erbaute Poststraße, 27 km lang,,
zweigt bei Davos-Dö'rfli (1557 m) südöstlich ad^
steigt im Flüelathal, über Wiesen und Weiden, durch'
Lärchcnwald und Alpenrosenbuschwerk, an den klei-
nen Schottenseen vorbei, zu der kahlen Pafthöhe-
(2390 m) und senkt sich vom Hospiz in vielen Win-
dungen in das Susascathal bis Süs (1430 m).
Flüclen, ital. Fiora, Dorf im schweiz. Kan-
ton Uri, 2,5 km nördlich von Altorf, 10 km füdlich
von Brunnen, in 437 in Höhe, am obern Ende des
Vicrwaldstättersees, östlich von der Mündung der
Reuß in denselben, hat (1888) 732 meist kath. E.,
Post, Telegraph, eine Pfarrkirche, ein altes Schlöß-
chen Ruocnz, einst der Familie Attinghausen gehö-
rig, ein Warenhaus, einen geräumigen Hafen und
mehrere Gast- und Kurhäufer fowie bedeutende
Militärdepots der eidgenössischen Kriegsmaterial-
verwaltung. Als Vereinigungspunkt der Aren- und
Gotthardsiraße, der Dampferlinie Luzern-Flüelen
und der Gotthardbahn ist F. einer der wichtigsten
Verkchrsplätze am Vierwaldstättersee.
Flueffen-Meer (Fljuessen- und Fleussen-
Meer), See im <^W. der niederländ. Provinz Fries-