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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Formenlehre - Formerei
ihrem Necbtsverbältnis als Wahrheit gelten lassen
müssen. Da der Richter, auch wenn er redlich be-
strebt ist, die Wahrheit Zu ermitteln, irren kann,
zumal, wenn ihm falsche Thatsachen vorgetragen
oder bezeugt sind, und da er nur die vorgeführten
Beweismittel benutzen kann, so deckt sich nicht immer
die F. W. mit der materiellen Wahrheit. Ein Mittel,
um entdeckte Irrtümer nachträglich zu heben, bietet
die Wiederaufnahme des Verfahrens (s. d.). Weil
auch sie bisweilen zu spät kommt, macht sich die Ent-
schädigung (s. d.) unschuldig Verurteilter aus öffent-
lichen Mitteln notwendig.
Formenlehre, Morphologie, ein in der
Grammatik in verschiedenem Sinne gebrauchtes
Wort. Teil^man die gesamte Grammatik in F. und
Syntax ein, dann umfaßt die F. alles über das
Wort als einzelnes zu Lehrende, also Laut-, Stamm-
bildungs- und Flexionslehre; trennt man die Laut-
lehre als besondern Teil ab, dann umfaßt die F.
Stammbildung und Flexion. Häufig wird unter F.,
wenn keine nähere Bestimmung hinzugefügt ist, auch
bloß die Lehre von der Flexion verstanden. (S. auch
Grammatik.) >M2li).
Formenregal, s. Vuchdruckerkunst (Bd. 3, S.
Formentera, Insel der Gruppe der Pityusen,
zur span. Provinz der Balearen (s. d.) gehörig, (i 1cm
südlich von der grösicrn Insel Ibiza, von der sie ein
tiefer, an Inseln reicher Kanal trennt, hat 96 <i^m
und (1887) 1984 Bewohner. F. läuft im O. mit
der Verggruppe Mola (183 m) schmal in drei Kaps
aus. Der breitere westl. Teil ist besonders reich an
Weizen (im catalon. Dialekt lormemt genannt).
Punta de Cala, das Ostkap, trägt ein Leuchtfeuer.
F., in der Maurenzeit Fermentella, wurde 1232
von Aragonien erobert.
Formerei, die Herstellung der beim Gusse der
Metalle benutzten, nur für einen einmaligen Guß
brauchbaren Gußformen (s. d.). Als Formmatcrialien
pflegen entweder Sand, Masse oder Lehm zu dienen.
Formsand (s. d.), im wesentlichen aus Kieselsäure
mit etwas Thongehalt bestehend, erhält durch An-
feuchten mit Wasser die erforderliche Vildfamkeit
und muß so durchlässig für Gase und Dämpfe sein,
daß das Metall in die noch ungetrockncte Gußform
eingegossen werden kann (Guß in grünen: Sande),
wobei die sich entwickelnden Dämpfe zwifchen den
Sandkörnchen hindurch entweichen tonnen. Masse
ist ein mit sog. Magcrungsmitteln (Quarzkörnern,
gebrannter Masse, Koks u. a.) vermengter feuer-
fester Thon. Die Massegußformen müssen, da sie
undurchlässig für Dämpfe sind, vor dein Gusse ge-
trocknet werden, erhalten dabei aber bedeutende
Härte und sind aus diesem Grunde beim Gießen
widerstandsfähiger gegen Beschädigungen als Sand-
guhformen. Lehm ist ein mit organischen Magc-
rungsmitteln (Pferdedünger, Kuhhaaren, Gerber-
lohe) versetzter und durch Zusatz reichlicher Mengen
Wasser in breiartige Form gebrachter sandiger Thon.
Auch die Lchmgußformen müssen vor dem Gusse
getrocknet werden. Um ein Anbrennen des Form-
materials an den Abguß zu verhüten, pflegt man
die Sandgußformen mit Holzkohle auszustauben,
die Masse- und Lehmgußformen dagegen mit sog.
Schwärze, aus Thonwasser, Graphit und Holzkohle
bestehend, zu überziehen. Die gebräuchlichste und
wohlfeilste Herstcllungswcise ist die Sandforme-
rei; der zur Verwendung kommende Sand muß sich
leicht in Formen drücken lassen, ohne dabei zu zer-
fallen, eine Eigenschaft, die zum großen Teile von
der Gestalt der Sandkörnchen abhängt. Die M a s s e -
form erei ist namentlich für große Gußstücke ge-
eignet, welche dicht im Guß seinsollen. Lehmfor-
merei wird hauptsächlich dann angewendet, wenn
größere Abgüsse ohne Modell, nur nach Schablonen
geformt, hergestellt werden sollen.
Um eine Gußform in Sand, Masse oder Lehm
herzustellen, bedarf man einer Vorrichtung, mittels
deren die innern Begrenzungen des formgebenden
Hohlraums gebildet werden. Hat diese Vorrichtung,
wie es meistens der Fall ist, die Gestalt des zu
gießenden Stücks, so heißt sie das Modell; bestebt
sie aus einer Holz- oder Eisenplattc, deren Nand
nach dem Profil des zu formenden Gegenstandes
ausgeschnitten ist und durch deren Drehung im
Kreise oder Fortbewegung nach einer bestimmten
Linie die Gußform in dem weichen Material (Lehm?
ausgearbeitet wird, fo wird sie Schablone genannr.
Zur Herstellung der Gußformen in Sand und
Masse kommen fast nur Modelle, zur Herstellung
von Lehmgußformen größtenteils Schablonen zur
Verwendung. Die Kerne (s. d.) werden entweder in
sog. Kernkästen, deren Inneres der Form des Kerns
entsprechend profiliert ist, oder (besonders Lehm-
kerne) mittels Schablonen hergestellt. Die Modelle
l werden beim Maschinenguß fast immer aus Holz,
! beim Ofenguß, Ornamentguß u. a. aus Metall,
' beim Guß großer Standbilder aus Gips gefertigt.
Nln das Herausnehmen des Modells aus der Guß-
form zu ermöglichen, muß diefes häusig in meh-
rere genau zufammenpasfende Teile zerlegt werden
können. Einfache offene Gußformen werden im
Herde, einer mit Formfand ausgefüllten Vertiefung
des Erdbodens, durch Einklopfen des Modells
hergestellt (Herdguß); die meisten Gußformen
werden im Formkasten (s. d.) gefertigt; sehr große
Lehmguhformen versieht man nur mit einem Eisen-
gerippe (freie F.) und grübt sie vor dem Gusse in
die Dammgrube (s. d.). Bei der Kastenformerei
(v. i. bei der Benutzung von Formkästen) wird das
Modell in einen, zwei oder mehr Kästen eingebaut
und alsdann der Sand oder die Masse eingestampft:
die Kästen werden voneinander gehoben und das
Modell wird entfernt. Die durch das Modell ge-
bildeten Formen werden hierauf mit dafür bestimm-
ten Werkzeugen an etwa beschädigten Stellen aus-
gebessert; es wird der Einguß gebildet und die Form
ausgestäubt oder geschwärzt. Werden bei irgend
einer Gußform Kerne gebraucht, so legt man diese
ein, nachdem alle Arbeiten vor dem letzten Zu-
sammensetzen beendet worden. Kerne von größerer
Lange müssen, um sich nicht durchzubiegen, durcd
sog. K c r n st ü tz e n gestützt werden. Man fertigt diese
aus verzinntem Blech entweder als doppelte, die man
zwischen zwei Kernen oder auch zwischen Kern und
Formwand einlagert und deren Höhe also gleich der
Wandstärke des Gußstücks ist, oder als einfache mit
langem Stift, dessen aus dem Abguß hervorragen-
des Ende später abgefeilt werden muß. (Eine Guß-
! form im Formkasten ist im Artikel Guhformen ^f. d.^
^ abgebildet.) ZurHcrstcttung gewisser Formen brauckt
! man Formmafchinen (s. d.).
! Als ein Beispiel für die Herstellung von Guß-
5 formen in Lehm ohne Formkasten mit Hilfe einer
! Schablone kann die in Fig. 1 und 2 veranschaulichte
^ Anfertigung einer größern Glockengußfor m die-
nen. Fig. 1 ist die im Entstehen begriffene, Fig. 2
! die fertige Gußform. Man pflegt diese Guftformen
! ohne weiteres in der Dammgrube, in welcber