Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

979
Formes (Karl Joh.) - Formes (Theod.)
sie später abgegossen werden sollen, aufzuführen. ! uiit Lehm, in welchen man den Klöppelbügcl so cin-
Aus Lehlnziegeln mauert man aus dem Boden der
Dammgrube zunächst das Fundament a und
schlichtet dessen Oberfläche mit Lehm. Wagereckte, im
Fundament ausgesparte Kanäle dienen zum Ab-
drückt, daß seine Enden in die Gußsorm hinein-
ragen und beim Gusse vom Metalle umhüllt wer-
den. Nunmehr wird der Mantel über den Kern ge-
setzt, wobei seine richtige Stellung durch das Auf-
leiten der sich beim Gießen entwickelnden Dämpfe, cinanderpassen der Flächen am Fuße (des sog.
Man stellt nun in die Mitte der Dammgrube eine Schlosses) gesichert ist. Zuletzt folgt das Einsetzen
eiserne Spindel d, welche sich an ihren Enden in des über einem Wachsmodell in Lehm besonders
Lagern dreht und durch irgend eine einsacke Vor- geformten Kronen st ü cks l in die zu diesem Zwecke
richtung in genau lotrechter Stellung erhalten wird. srei gelassene Ofsnung des Mantels. In dem Kron-
An dieser Spindel wird mit Hilfe eines schmiede- stücke sind Windpseifcn ss. Pfeife) für die cinge-
eisernen Arms die Holzschablone ä derartig be- ! schlossene Luft sowie die Eingußkanäle angebracht,
festigt, daß sie sich leicht im Kreise drehen läßt. Die Gußform wird dann mit Sand umstampft. -
Unten gleitet sie auf dem geschlichteten Fundament. Vgl. Uhlenhuth, Vollständige Anleitung zum For-
Man mauert nun von unten her den Kern c aus I men und Gießen (3. Aufl., Wien 1892).
Lehmziegeln allmählich auf und überzieht ihn mit ! Formes, Karl Joh., Bassist, geb. 7. Aug. 1810
Lehm, wobei die Schablone gedreht und so eine zu Mühlbeim a. 3ih., betrat 1842 in Köln als Sa-
ganz genaue Formgebung ermöglicht wird. Im rastro die Bühne und.wurde 1845 Mitglied des
Innern bleibt der Kern hohl; auch am Kopfe läßt ! Hoftheaters zu Wien. Nachdem er von dort 1849
mau, wie Fig. 1 erkennen läßt, vorläufig eine Aff- ! wegen seiner Beteiligung an der Revolution hatte
nung frei. Nun wird der Kern durch ein rings- ^ weichen müssen, gastierte er auf deutschen, russ. und
herum oder auch im Innern entzündetes Koblen- > span. Bühnen. 1852-57 wirkte er an ocr Italieni-
feuer getrocknet, alsdann ausgebessert und mit einem ! schen Oper zu London; als er 1874 wieder in Berlin
Anstrich aus Asche versehen, welcher das Anbaften l auftrat, war seine schöne Stimme bereits stark ver-
dcr folgenden Lehmschicht verhüten
soll. Aus der Schablone schneidet
man, wie die punktierte Linie in
Fig. 1 angiebt, so viel heraus, als die
Wandstärke der zu gießenden Glocke
beträgt, bringt auf den Kern eine
neue Lehmschicht, dreht sie mit der
ausgeschnittenen Schablone ab, trock-
net und schlichtet nach dem Trocknen
mit feinem Lehm, bis alles genau
paßt. Diese Lehmschicht pflegt da5
Hemd der Gußform genannt zu
werden; sie bildet das Modell zur
Glocke und entspricht an ihrer innern
uud äußern Begrenzung vollständig
dem spätern Abgüsse. Die linle
Hälfte der Fig. 1 zeigt den Kern mit
dem aufgetragenen Hemde. Soll
die Glocke erhabene Inschriften oder
Verzierungen erhalten, so modelliert
man sie in Wachs und heftet sie an den betreffen-
den Stellen auf das Hemd auf. Letzteres wird
ebenfalls mit Asche angestrichen, dann folgt das
Auftragen des Mantels 6 aus Lehm mit ein-
gelegtem Eifengerippe, und zwar, da er ziemlich
dick fein muß, in mehrcrn Schickten übereinan-
der, welche jedesmal getrocknet werden, ehe die fol-
gende Schicht aufgebracht wird. Die Arbeit pflegt
F'g. i.
braucht, und nach wenigen Jahren fand er nur noch
an unbedeutenden Theatern Unterkunft. F. starb
15. Dez. 1889 als Gesanglehrer in San Francisco.
In seiner Glanzzeit, während der er über eine ge-
radezu kolossale Stimme verfügte, bewunderte man
ihn in den für ihn geschriebenen Partien des Falstaff
("Lustige Weiber") und Plumkett ("Martha"), aber
auch als ^arastro, Marcel, Bertram u. s. w. Seine
aus sreier Hand zu geschehen; das Eisengcrippe! Meraoiren "Aus meinem Kunst-und Vühnenleben"
wird aus Stäben gebildet, welche dem Umrisse der
Gußform entsprechend gebogen und durch Drabt
verbunden werden, so daß ein förmlicber Korb ent-
steht (Fig. 2). Einzelne vorstehende Enden dieser
Stäbe können zum Hebcn des Mantels benutzt wer-
den. Wenn der Mantel fertig aufgetragen und ge-
trocknet ist, wird er mit Hilfe eines Krans vom
Hemde abgezogen, beiseite gestellt, nachgesehen und
verputzt. Die aus Wachs gefertigten Modelle
schmelzen schon beim Trocknen heraus. Nun zer-
sprengt man unter Benutzung eines Meißels das
Hemd, welches seine Aufgabe erfüllt hat, entfernt
es vollständig vom Kerne, bessert auch diesen aus,
füllt ihn im Innern mit Sand oder Koksstücken
(wodurch die Anhäufung explosibler Gase im In-
nern verhütet wird) und schließt die obere Öffnung
(Uöln 1888) veröffentlichte W. Koch.
Formes, Theod., Tenorist, Bruder des vorigen,
geb. 24. Juni 1826 zu Mühlheim a. Nh., zeigte
srüh musikalische Begabung und betrat in Ofen
zum erstenmal die Bühne. 1851-64 wirkte F. als
gefeierter erster Tenor am Berliner Hoftheater, de-
gab sich daraus aus Gastreiscn, die ihn bis in die
Habana sührten, und kehrte 1871 an die Berliner
Oper zurück. Aber schon 1873 mußte er als unheil-
bar wahnsinnig nach Endenich gebracht werden, wo
er 15. Okt. 1874 starb. F.' Tenor war ebenso voll
wie umfangreich. Musikalische Schule und treffliche
Darstellung vollendeten seine künstlerischen Eigen-
schasten, die ihn zum vorzüglichen Repräsentanten
eines Naoul, Eleazar, Robert, Masanicllo, Othello,
Prophet, Lohcngrin, Fernando u. s. w. machten.
62"