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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Förmlicher Angriff
durch Feuer schwerer Batterien gleichzeitig aus mög-
lichst vielen Fronten beunruhigt und ihn so über die
eigentliche Angriffssront zu täuschen versucht. Im
weitern Verlaus der Belagerung erwächst der An-
griffsartillerie, behufs Ermöglichung des schließ-
lichen Sturmes, eine dritte Ausgabe: Zerstörung
der Flankierungsanlagen der feindlichen Werke und
Offnen "M Bresche legen) des Walles. Unter allen
Umständen bleibt die Artilleriehauptstellung un-
unterbrochen bis zum Sturm in Thätigkeit', die
Anwendung von Shrapnelfeuer und Steilfeuer
wird es möglich machen, ohne Gefährdung der
eigenen Truppen bis zum letzten Augenblick das
Sturmobjekt unter Feuer halten zu können. So-
bald das Feuer der Augriffsartillcrie das Vertreiben
des Verteidigers aus dem Vorgelände genügend
vorbereitet bat, schiebt sich die Infanterie weiter
aegen die Festung vor, so daß die Anlage der ersten
Infanteriestellung etwa 1000 m von den
feindlichen Werken möglich wird.
Tiefe erste Infanteriestellung bildet die Grund-
lage und den Ausgangspunkt des Nabangriffs;
von ihr aus will man das Gelände bis zu den
Werken und diefe selbst unter so wirksamem und
umfassendes Gewehrmasscnfeuer nehmen, daß der
Verteidiger nur unter empfindlichen Verlusten Vor-
stöße unternehmen kann und daß das Feuer feiuer
Infanterie gegen die Angriffsbatterien niedergehal-
sen wird. Die Stellnng braucht keine in sich zu-
tammenhängende Position zu bilden, sie kann viel-
mehr aus kürzern getrennten Strecken bestehen,
von denen aus das Zwischenfeld wirksam be-
schossen werden kann. Nach rückwärts erbaut man
für jedes Stück wenigstens einen A n näberu n g s -
weg. Der Bau der ersten Infanteriestellung er-
folgt entweder allmählich durch Erweiterung und
Verbindung schon vorhandener Schützengräben,
oder gleichzeitig und überraschend bei Nacht, im
letztern Falle mit Anwendung der flüchtigen Erd-
sappe oder auch der flüchtigen Korbsappe; die auf
diese Weise hergestellten Laufgräben werden dem-
nächst entsprechend verbreitert und vertieft. Hat
inzwischen die Angriffsartillerie die Überlegenbeit
über die Verteidigung gewonnen, fo wird die In-
fanterie so nahe an den Feind herangeschobcn, daß
man auch von einzelnen Schüssen Trefser erwarten
kann (wirksame Gewchrschusiweite); man legt daber
Entfernung von den Werken an und verbindet sie mit
der ersten Stellung durch Annahcrungswege. Diese
zweite Stellung braucht die angegriffene Front nicht
zu umfassen, wird also auf beiden Seiten von der
ersten Infantericstellnng überragt. Gute Schützen
nehmen von der zweiten Stellung aus jeden beim
Verteidiger sich zeigenden Kovf aufs Korn und be-
schießen die Bedienungsmannfchaften der Geschütze.
Das weitere Vorgehen aus der zweiten Infanterie-
stellung wird bei der Nähe des Gegners nicht immer
in der bisher möglichen Art, gewissermaßen sprung-
weise erfolgen können, sondern muh meist mit der
völligen Sappe ausgeführt werden. Zur Siche-
rung der Arbeit umgiebt man die einzelnen Sappen-
spitzen mit einem Schirm von Doppelposten, die
sich 20-30 m vorwärts eingraben; zu ihrer Unter-
stützung stehen Wachen in den nächstgelegenen Hecken
der Annäherungsschläge. (S. Approcben.)
Auf der halben Entfernung zwischen der zweiten
Infanteriestellung und dem Glaeiskamm, etwa 150
-200 in von letzterm entfernt, wird nun die dritte
Insanteriestellung eingerichtet, die der In-
fanterie eine bessere Feuerwirkung gegen die auf den
Wällen befindlichen Schützen gestattet und beim
Sturm mit als Sammelort der Sturmtruppen dient.
Einem sehr thatkräftigen Verteidiger gegenüber
werden unter Umständen mehr als drei Infanteric-
stellungen oder zwischen den einzelnen Hanptstel-
lungen nock Zwiichenstcllungen notwendig werden.
Das weitere Vorgehen gegen den gedeckten Weg,
Krönung des Glacis, Grabenniedergang
und Grabenübergang, erfolgt in der bei der
Vaubanschen Manier angegebenen Weife.
Wenn das Zerstören der Flankierungsanlagen
und das Vreschelegen im Hauptwall nicht von
der Hauptartillcriestellung aus möglich ist, so werden
besondere Demolitions-oder Breschbatterien erbaut,
anch kann die Zerstörung der Flankierungsanlagen
und der Eskarpenmauern durch Minen erfolgen.
Im allgemeineil hält man für jedes größere Wert
(Fort) zwei Breschen, sür jedes kleinere Werk (Zwi-
schenwerk) eine Bresche erforderlich. Ist es gelun-
gen, die Unterkunftsräume in den angegriffenen
Werken und die Wälle derselben bis zu einem ge-
wissen Grade zu zerstören, so wird der Belagerte
den ^7türm vielleicht nicht abwarten, sondern die
Forts vorber räumen; hält er aber die Werke fest, fo
mnß der Angreifer stürmen. Für jede Bresche wird
eine Sturmkolonne gebildet: dieselbe bestebt
1) aus einer Infanterieabteilung mit einem Pio-
niertrnpv, der mit Werkzeugen und Sprengstoffen
zum Beseitigen der Hindernisse ausgerüstet ist;
2) aus der eigentlichen Sturmabteilung, eine Com-
pagnie bis ein Bataillon, der ein Artillerietrupp
zur Bedienung oder Zerstörung der eroberten Ge-
schütze folgt; 3) ans einer Abteilung Vcrbauungö-
arbeiter mit Schanzzeug und Körben zur Verteidi-
gnngseinrichtnng der genommenen Werke; 4) aus
einer Neferve, etwa von gleicher Stärke wie die
Sturmabteilung. Alle diese zum Sturm bestimmten
Abteilungen werden in der dritten Infantericad-
teilnng, der Glaciskrönung und den Grabennieder-
gängen versammelt; eine Hauptreserve ist in und
hinter der ersten Infanterie aufzustellen; weiter
rückwärts sind sämtliche Einschließungstruppen in
Bereitschaft zu halten.
Nachdem in der Nacht und am Morgen vor dem
Sturm sämtliche Angriffsbatterien die Stellungen
des Verteidigers aufs deftigste beschossen haben,
wird das Feuer zu einer bestimmten Zeit szu diesem
Zweck alle Uhren zu vergleichen) mit erhöhter Ele-
vation auf das Gelände hinter den zu stürmenden
Werken sowie anf die Nachbarwerke gerichtet. In
demselben Aligenblick besetzen Infanterieabteilun-
gen den Auftritt der vordersten Laufgräben (Glacis-
krönung) und nehmen die feindlichen Linien unter
Schnellfeuer; die Pioniere beseitigen unter dem
Schutze dieses Feuers vorhandene Hindernisse und
legen Sturmleitern an. Die Sturmabteilungen
brechen bervor, dringen über die Breschen ein und
breiten sich im Innern ans. Den Reserven der
^turmkolonnen fallen meist Unternehmungen gegen
die Keblen der angegriffenen Werke oder die Ab-
wehr feindlicher Gegenstöße zu. Die eroberten Forts
sind sofort zur Verteidigung einzurichten, die Kehlen
zu schließen und mit Benutzung der Breschen bequeme
Eingänge berzustellen. Von der so gewonnenen
Stellung, die auf den Flügeln gegen die benachbar-
ten noch nicht genommenen Forts zu sichern ist,
wird nun der Angriff entweder direkt gegen die