Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Forssell - Forstabschätzung
(175>6). Ins Vaterland zurückgekehrt, versuchte er
in Upsala vergebens eine Anstellung als Lehrer
oer Philosophie zu gewinnen. Seine ^aukar om
doi'^ei'iiZa t>ili6t6ii" (1759) ward als in polit.
Einsicht gefährlich betrachtet und zog ihm Verfol-
gungen mancher Art zu. Inzwischen hatte F. unter
der Leitung Linnis seine naturhistor. Studien fort-
gesetzt und Anstellung gewonnen als Mitglied der
unter Niebuhrs Leitung zur Erforschung Arabiens
von Dänemark ausgerüsteten Erpedition. F. starb
11. Juli 1763 während der Reise zu Ierim. Ein'
Teil seines litterar. Nachlasses ward von Niebubr
veröffentlicht: "DsLci'iMonkL Hniniaiinm" lKopcnh.
1775), "I^iora H6F^pti3.c0-Äi'aI)ica)> (ebd. 1775) und
"Icou68 rerum natni-aiimn" (ebd. 1776; den botan.
Teil gab berichtigt heraus Vahl, "3vmdo^6 Iw-
t^ic^", 3 Tle., ebd. 1790-94).
Forssell, Hans Ludwig, schwcd. Historiker und
Staatsmann, geb. 14. Jan. 1843 zu Gefle, studierte
seit 1859 zu Upsala und ward schon vor crfolgter
Promotion (1866) Docent der Geschichte. Er siedelte
jedoch bald nach Stockholm über, um sich litterar.
Thätigkeit zu widmen. 1874 wurde er Sekretär der
Reichobank, trat 1875 als Finanzministcr in den
Staatsrat, nahm 1880 seinen Abschied und wurde
1888 Präsident im Finanzkammerkollegium. F. hat
namentlich viel zur Einführung der Goldwährung
in Schweden beigetragen. Eine Auswahl feiner
trefflichen kritischen und polit. Essays bot er u.d.T.
"Zuiäier oeli XvitikLi'" (1875; eine zweite Samm-
lung 1888). Er schrieb noch "8v6riF63 ini'6 IiiätoriH
fi'An OuLtat'1." (1869-75), "^ntecknwFai- ui- 3ve>
ii^68 M'lldrukgMriuL 516. ßeidet" (Stockt). 1884).
Forst, ein nach gewissen Regeln bewirtschafteter
Wald (s. d.). Es giebt Urwälder, aber keine Ur-
forsten. Die Etymologie des Wortes F. ist unsicher.
Tie einen leiten es aus dem mittellat. loi-Lät?. (frz.
loret), die andern aus dem altdeutschen loraii^
(Föhre) ab. F. bedeutet im 6. und 7. Jahrh, den
königl. Wald, Herrenwald, im 8. Jahrh, einen
Wald, in dem das Jagd- oder Fischereirecht, bis-
weilen beide, einem Berechtigten, anfänglich nur
dem Könige, bei Vermeidung des Königsbannes
vorbehalten war (s. Vannforsten). Später, etwa seit
dem 9.Jahrh.,versteht manunterl0i'63ta oderl0r68ti8
auch Waldungen, Jagd- und Fischereigebiete von
Privatpersonen, denen"entweder das Bannrecht vom
König verliehen worden war, oder die es sich selbst
anmaßten; ein solcher F. bestand nicht bloß aus
Wald, sondern umfaßte oft ausgedehnte andere
Grundstücke. Daher diente lorL3ti8 endlich auch
nur zur Bezeichnung eines ausschließlichen Iagd-
oder Fischereirechts "innerhalb eines Bezirks, der
keineswegs Wald zu sein brauchte, obne Beziehung
auf ein bestimmtes Territorium. Mit der Entwick-
lung der Landeshoheit und des Iagdregals kam das
Wort t0i'L3ti8 allmählich außer Gebrauch. (S. auch
Forstwirtschaft und Forstvcrwaltung.) - Vgl.
^chwappach, Handbuch der Forst- und Iagdge-
schichteDeutschlands (2Bdc.,Berl.1886-88); ders.,
Grundriß der Forst- und Iagdgeschichte Deutsch-
lands (2. Aufl., ebd. 1892).
Forst, in der Baukunst, s. First.
Forst. 1) F. in der Lausitz, früher Forsta
oder Forste, Stadt im Kreis Eorau des preuß.
Reg.-Bez. Frankfurt, in der frühern Markgraf-
schaft Niederlausitz, an der Görlitzer Neisse, an der
Linie Halle-Cottbus-Sagan und der Nebenlinie
Weißwa^er-F. (29,9 km) der Preuß. Staatsbahnen,
Sitz eines Amtsgerichts (Landgericht Guben),
Kataster-, Steuer-, Aichamtes und einer Neichs-
banknebenstelle, hat (1890) 23539 E., darunter
21719 Evangelische, 1417 Katholiken, 271 andere
Christen und 132 Israeliten, Post erster Klasse
mit Zweigstelle, Telegraph, Fernsprecheinrichtung,
Dampsstraßenbahn (1893);
zwei evang., je eine altluth.,
kath. und apostolische Kirche^
Progymnasium mit Realpro-
gymnasium, höhere Mädchen-
und Bürgerschule; Kreditkassen-
verein, Vorschuh-, Diskont-
und Depositenbank; Fabri-
kation wollener Tuchstoffe und
Vuckstin (110 Fabriken, 2807 mechan. Webstühle,
Ausfuhr von Tuchen 6 Mill. k^, Einfuhr von
Wolle 9^2 Mill. kx, etwa 8000 Arbeiter) und
Landwirtschaft. - F. wurde 1280 gegründet, ge-
hörte damals den Herren von Eilenburg, kam
1385 an die von Viberstein, 1667 an Sachsen-
Mersedurg, 1740 an Kursachsen, 1815 an Preußen^
seit 1746 gehörte es zur Standesherrschaft Pforten
der Grafen von Brühl. - 2) Dorf im preuh. Reg.-
Bez. und Landkreis Aachen, 2 kin im SO. von
Aachen, mit dem es durch Pferdebahn verbunden
ist, hat (1890) 3420 E., Postagentur, Telegraph,
Streichgarn- und Baumwollfpinnereien, Webereien^
Färbereien, Farbholzmühlen, Ziegeleien, Brauereien
und Brennereien. Nahebei das zur Gemeinde F.
gehörige Fabritdorf Rote Erde mit (1890) 1229E.,
mit Stahl-, Puddlings- und Walzwerk (2600 Ar-
beiter) des Aachener Hütten - Akticnvereins und
Brauerei der Aktiengefellfchaft Aachener Erport-
brauerei. - 3) Pfarrdorf im Bezirksamt Neustadt
a. d. Hardt des bayr. Reg.-Bez. Pfalz, 2 kin nörd-
lich von Deidesbeim, am öftl. Fuße des Hardt-
gedirgcs, hat (1890) 608 meist kath. E. F. gehört
zu den berühmtesten Weinorten Deutschlands und
liefert die edelsten Pfälzer Weine. Die besten Lagen
heißen Kirchenstück (Preis des Hektars Weinland
100-130000, des Stückes Wein 12-15000 M.),
Iesuitengarten, Ziegler, Freundstück, Ungeheuer
u. s. w. Der vorwaltende Satz ist der berühmte
Riesling, doch stammt kaum ein Zehntel der unter
dem Namen Forst er verkauften Weine dorther,
zumal die guten Lagen von Ruppertsberg und
Dcidesheim fast ebenfo gute Weine liefern, daber
häufig als Förster bezeichnet werden. 2 km westlich
im Gebirge der sog. Pech stein köpf, ein erloschener
Krater mit ergiebigem Basaltsteinlager.
F'o5'6i., dei botan. Namen Abkürzung für Georg.
Forster (s. d.); bei zoolog. Namen Abkürzung für
Job. Reinhold Forster (s. d.).
^oe)'Ft., hinter wissenschaftlichen Insektenbenen-
nungen Abkürzung für den Entomologen Arnold
F ocr st c r, gest. 1884 als Professor an der Gewerbe-
schule in Aachen, besonders Kenner der Schlupf-
wcfpen. Von ihm u. a.: "Hymenopterologische Stu-
dien" (2 Hefte, Aachen 1850-54).
Forsta, s. Forst (in der Lausitz).
Forstabschätzung,F orsttaration, die Unter-
suchung aller innern Waldverhältnisse, die auf den
gegenwärtigen Ertrag des Waldes überhaupt Ein-
flußhaben oderauch fürdieVerechnung des künftigen
Ertrags wichtig sind. Sie ermittelt tue Standorts-,
die Bestandsverhältnisse (s. Standortsbonitierung
und Bestandsbonitierung) und die bisherigen Er-